^m ^^rm^- r^ r^rs aA \ r'\ r- c^r^i "^nnT^ immB' u^^kAMm M^ 'im ^■>^^ M IM/^C ' :.-w^ ' ^->: ■ /-^ .ß^t J )?^ v^ ^^.^^^miÄÄÄ/^'/^i FOR THE PEOPLE FOK EDVCATION FOR SCIENCE LIBRARY OF THE AMERICAN MUSEUM OF NATURAL HISTORY 3o^nd atl '% •\\-\..- ''^ =>'••' f^ T Ungarische Ornitho'ogische Centrale Ornithologische Fragmente aus den Handschriften von JOHANN SALAMON VON PETENYI Deutsch bearbeitet von TiTUS CSÖRGEY Mit einer Einleitung- OTTO HER MAN Theodor Oswald Weigel LEIPZIG. 1905 ^^■(^K<^^ßJH9,>L^, ( I DEN MANEN Johann Salamon von Petenyis UND SEINER FREUNDE C H. L. B R E H M , J. F. N A U M A N I^ UND E. Baldamus GEWIDMET Einleitung. Dieser bescheidene Band enthält die der Vergessenheit ent- rissenen, geretteten Fragmente des handschriftlichen ornithologischen Nachlasses des im Jahre 1855 verstorbenen ehemaligen Kustos am ungarischen National -Museum, Johann Salamon von Petenyi, des eigentlichen Begründers der wissenschaftlichen Ornithologie in Ungarn, der sich als solcher ausser Sympathien auch Ansehen bei seinen Zeitgenossen, den Bahnbrechern im fortgeschrittenen Westen, er^^■orben hat. Dieser bescheidene Band bedeutet zugleich das Ende eines meinerseits mit Zähigkeit geführten Kampfes, welcher vor vier Dezennien begann und nicht nur von Verehrung und Pietät, sondern auch von dem Bewusstsein geleitet wurde, dass auf dem Gebiete der auf Erfahrung fussenden Wissenszweige die Kontinuität hoch- gehalten werden muss, w^eil der echte Fortschritt ausschliesslich auf dieser beruht. Dass hierbei nur ernste, dem Stande des Wissens entsprechende Arbeiten gemeint sind, versteht sich wohl von selbst. Den Wert der Forschungen Johann Salamon von Petenyis beweist der Umstand, dass in den Fragmenten ein Schatz für die Biologie der Vögel enthalten ist, der auch heute noch volle Gültigkeit hat; ferner, dass der ebenso hochbegabte als begeisterte Forscher eine Menge von Tatsachen festgestellt hat, welche in seinen Hand- schriften verborgen blieben und später von anderen Forschern, als unbekannt, erst festgestellt werden mussten. Was er zerstreut in Deutschland publizierte, wurde als voll- wertig auch in die Jubiläums -Ausgabe Naumanns übernommen. Den allergrössten Wert besitzen aber seine eingehenden Forschungen über die Formen und ihre Lebensart, welche Kl ein Schmidt in seiner Falkenabhandlung — „Aquila" VIII, 1901 — einen Gruss aus der Zeit der exakten Forschung nennt. VI In der Tat enthalten Petenyis Fragmente mehrere Lebensbilder von Arten, die unübertrefflich und um so wertvoller sind, weil sie aus einer Periode stammen, die nie mehr wiederkehren wird; die fortschreitende Kultur hat die Verhältnisse gTündlich geändert! Grossingers Wort: „Araplissimum est Hungaria Aviarium" ist heute nicht mehr wahr. Angesichts dieser Tatsachen entsteht die Frage: wie es kam, dass Petenyi diese zu seiner Zeit nicht verwerten konnte? Eine kon^ekte Antwort auf diese Frage kann nur aus Petenyis innerstem Wesen und nur aus dem Zusammenhange von Petenyis Tätigkeit mit der Evolution der ungarischen Kultur jener Epoche, in welcher er wirkte — aber auch des grossen, gewaltsamen Rück- schlages, in dessen finstersten Abschnitt sein Lebensende und sein Tod fällt — , geschöpft werden. Die Rücksicht auf die Empfindlichkeit noch lebender Zeit- genossen verbot es mir, diese Antwort schon in dem Lebensbilde Petönyis, welches ich anlässlich des in Budapest im Jahre 1891 abgehaltenen zweiten internationalen Ornithologischen Kongresses veröffentlicht habe, zu geben.*) Diese Zeitgenossen sind nun alle tot, somit kann die Antwort erfolgen. Petenyis Geburt fällt in das letzte Jahr — 1799 — des 18. Jahrhunderts. In dieser Epoche war der Geist in Ungarn in- folge Nachwirkung der grossen französischen Revolution angeregt; die Geister erwachten zu nationalem Bewusstsein, und was diesem Erwachen folgte, war die Wahrnehmung der grossen, besonders kulturellen Zurückgebliebenheit der ungarischen Nation im Verhältnis zum weit fortgeschrittenen Westen. Die dieser Wahrnehmung folgende Ernüchterung führte zu der Einsicht, dass unter anderem die Wissen- schaft nicht nur um ihrer selbst willen gepflegt und gefördert werden müsse, sondern dass es ihre Aufgabe ist, auch auf den Geist der Nation befruchtend einzuwirken, zu dessen Entfaltung, Erstarkung beizutragen. Das aber, was in dieser Ej^oche in Ungarn kulturelle Bedeutung hatte, wurzelte sprachlich in der klassischen Bildung, in der Latinität, welche die intensive und extensive Wirkung auf die Nation aus- *) J. S. V. Petenyi der Begründer der wissenschaftlichen Ornithologie in Ungarn. 1799 bis 1855. Ein Lebensbild, unter Mitwirkung von J. v. Madaräsz, St. V. Chernel und G. v. Vastagh verfasst von Otto Herman. Budapest 1891. Zweiter internationaler Ornithologischer Kongress. (Ung. National-Museiim.) VII schloss, aus der Kultur ein Privilegium für die gebildeten Stände machte und die „misera contribuens plebs" beinahe gänzlich ver- wahrloste. Das, was aus der untersten Schicht doch herbeigezogen werden musste, war gezwungen, in der Funktion sich zugunsten der Latinität der nationalen Sprache zu entäussern. Die Sprache der Nation — eigentlich der Erwählten — Avar nur ein mit lateinischer Terminologie gespickter Notbehelf, gut im Verkehre mit jenen Schichten, welche der lebendigen kulturellen Einwirkung ferne standen, mit denen aber doch verkehrt werden musste. Im grossen und ganzen war dies der Stand der Dinge. Dass sich aber stets Geister fanden, die von der Idee sprachlich nationaler Kultur durch- drungen waren und in dieser Richtung — freilich nur in engeren Kreisen — auch wirkten, ist sehr natürlich und besonders für den begreiflich, der den von sehr starkem Selbstbewusstsein getragenen, in der Geschichte wurzelnden ungarischen Volksgeist kennt. Die schon erwähnte Ernüchterung liess die Überzeugung er- starken, dass eine wirkliche intensive und extensive nationale Kultur erst dann angebahnt werden kann, wenn ihr Vermittler und Pfleger ein natürlicher, im Volke tief wurzelnder, d. h. wenn es die Sprache der Nation ist. In dieser Epoche — Ende des 18. und anfangs des 19. Jahr- hunderts — kam diese Überzeugung auch in solchen ungarischen Werken zum Durchbruch, welche dem wissenschaftlichen Fortschritt in nationaler Richtung dienen wollten. Der Arzt Zay schreibt eine sprachlich ausgezeichnete, sachlich vortreffliche Mineralogie; Samuel Diöszegi und Michael Fazekas verfassen das heute noch, be- sonders auch sprachlich, wertvolle „Debreczener Kräuterbuch", eigentlich eine Botanik nach Linnes Methode; Johann Földi liefert als erstes Stück seiner „Naturgeschichte nach Linnes System" die Zoologie. Diese und andere Männer sind sich ihrer Aufgabe voll- bewusst: sie sammeln und verwerten auch die dem Volksmunde entnommenen Benennungen und verwendbaren sprachlichen Elemente, schreiten also auf richtiger Bahn fort. Dieses Aufleuchten schlug aber nicht durch, weil die Strömung, welche sich im Drange nach Fortschritt die „Verschönerung der Sprache" zum Ziele steckte, die Oberhand gewann. Diese warf sich nicht auf natürliche Entwickelung, sondern auf künstliche Bereicherung des Sprachschatzes. Worte wurden auf die sogenannte „Folterbank der Endungen" gespannt, bald zu- VIII sammengezogen, verstümmelt; damit wurde leider nur zu oft gegen die Gesetze, somit den Geist der Sprache Verstössen. Es liegt auf der Hand, dass dieser Weg direkt zu einem Chaos führte. Die Wirkung äusserte sich auf dem ganzen Gebiete der Literatur; die Kulmination erreichte sie auf dem Gebiete der Naturwissenschaften, in ihrer Terminologie Es muss hervorgehoben werden, dass besonders auf letzterem Gebiete die kernungarischen Elemente sozusagen gar nicht beteiligt waren; ihr Ohr sträubte sich gegen die — man möchte sagen s. v. v. verhunzten neuen Sprachgewächse. Diese gelangten aber doch in den Unterricht und richteten fühlbaren Schaden an und zwar in Form der Unlust zum Lernen der Naturwissenschaften, insbesondere der Naturgeschichte der drei Reiche. Die Verschönerer und Bereicherer der Sprache vergassen in ihrem Feuereifer, der Sprache zu dienen, die grosse Wahrheit, dass jede lebende Sprache ein lebender Organismus ist, daher nur im historischen Gange natürlich entwickelt werden kann und darf. Der gesunde Rückschlag erfolgte erst lange, beinahe ein Viertel- jahrhundert, nach Petenyis Tode! Petenyis Bestrebungen auf dem Gebiete der Naturgeschichte, somit auch dem der Ornithologie, fielen mit dem chaotischen Ringen auf sprachlichem Gebiete zusammen; w^eil er aber seine ersten Ein- drücke doch unter dem Einflüsse des kurzen Aufleuchtens des sprach- lichen Genius empfing und schon von allem Anfang an bestrebt, ja entschlossen war, der nationalen Kultur zu dienen, geriet er eben sprachlich hart ins Gedränge. Der forschende Ornithologe musste auf Schritt und Tritt seine Erfahrungen notieren, hierbei dem Ein- flüsse fremdsprachlicher Quellen nachgeben und, sein Endziel im Auge haltend, auch auf die Schaffung der ungarischen Terminologie bedacht sein, die dem höchsten Kulturinteresse der Nation und den Bestrebungen seiner Vorbilder aus der Periode des Aufleuchtens entsprach. Petönyi wählte den richtigen Weg: er behalf sich für den „täglichen Bedarf" auch mit fremdsprachlicher Terminologie und sammelte alles, was der Volksmund bot. In den geretteten Papieren findet sich ein Bruchstück, welches die Grundprinzipien hinsichtlich der Terminologie festlegt. Er zeigt es an Beispielen, wie klar und richtig der Landmann, das Volk, die Vögel benennt, und wie un- haltbar, meist verwirrend, die übersetzten, künstlich „erzeugten" IX Benennungen sind. Hierüber war er schon um 1845 ganz im klaren, also weit vor der Kulmination der Sprachverdrehung — leider war sein Bestreben erfolglos. Die Aufgabe war eine riesige, und inmitten der gewaltigen Strömung der Sprachneuerer stand Petenyi gar oft vor einem Dilemma: wollte er zur Geltung gelangen, so musste er der Strömung nachgeben; und in seinen ungarischen Abhandlungen tat er dieses auch. In seiner bescheidenen Stellung blieb ihm nichts anderes übrig. Ein Werk nach seiner Art zu Schäften, erforderte lange Zeit, es in ungarischer Sprache zu jener Zeit herauszugeben, war ganz undenkbar. Aus authentischen Äusserungen wissen wir aber, dass Petenyi ernst bestrebt war, für Ungarn ein Werk zu schaffen, welches jenem Naumanns für Deutschland entsprach, welches die Grundlage einer „Ornithographia Hungarica" liefern sollte. Mit seinem Plane war er schon Ende der dreissiger Jahre des vorigen -Jahrhunderts im reinen. Belege aus dem Archive der un- garischen Akademie der Wissenschaften beweisen es, dass Petenyi am 18. November 1838 an die Akademie eine Eingabe richtete, worin er, auf Naumanns Beschreibung der ornithologischen Reise in Ungarn — 1835 — hindeutend, betont, dass diese Beschreibung viele Ergänzungen notwendig mache, die er zu liefern bereit sei, und zwar mit den nötigen fachgemässen Illustrationen, welche der malende Advokat Anton v. Vietorisz ausführen würde. In einem besonderen Briefe empfiehlt er seine Eingabe dem Sekretär Franz V. Toldy. Im gleichzeitigen Sitzungsprotokolle der Akademie ist es verzeichnet, dass Petenyis Antrag akzeptiert wurde. Petenyi reichte jedoch die monographischen Abhandlungen nicht ein, Avahr- scheinlich aus dem Grunde, weil ihn Vietorisz im Stiche Hess. Hierauf deutet ein Brieffragment, worin Petenyi den Künstler- Advokaten eindringlich mahnt, eine endgültige Erklärung abzugeben; die Sache sei publik und somit sei es Pflicht, ihr zu genügen. Über die Schriften selbst gibt später Baldamus in seiner Abhandlung über einige dem Süd-Osten Europas angehörige Vögel in der Nau- mannia I, Heft 2, 1850, S. 71 die wichtigste Angabe, welche sich auf das Jahr 1847 bezieht und die nur auf Autopsie beruhen kann. Über Petenyis Nucifraga-Materialien schreibend sagt er: „Beiläufig sei erw^ähnt, dass dieser eifrige und kenntnisreiche Ornitholog — Petenvi — seit Jahren mit einer Bearbeitung der seltneren un- X garischen Vögel beschäftigt ist, die, mit guten illuminierten Kupfern versehen, ihrer Vollendung nahe ist und treft'liche Beobachtungen über eine grosse Anzahl der betreffenden Species umfasst/- Petönyi scheint auch von Naumann Abbildungen gehabt zu haben, doch lässt sich hierüber aus seinen geretteten Schriften nichts sicheres entnehmen. Hinsichtlich des zusammenfassenden Werkes war er fest ent- schlossen, dieses zuerst und unbedingt seinem Vaterlande zu widmen, es also in ungarischer Sprache zu verfassen und erst dann an eine deutsche Ausgabe zu denken, zu der ihn besonders C. L. Brehm und andere fortwährend drängten. In diesem Entschlüsse ist die Hauptursache enthalten, warum Petenyi ganze Reihen von erforschten, wertvollen Tatsachen zurück- hielt: er sparte sie für sein Hauptwerk, besonders für seine un- garische Edition, auf, die er leider nie schreiben sollte! Das fühlte er von Anfang an, dass die ganze Aufgabe die physische und materielle Kraft des Einzelnen weit überschreite, besonders da sie noch dadurch belastet wurde, dass Petenyi die amtliche Verpflichtung hatte, die betreffenden Sammlungen des un- garischen National-Museums zu begründen, zu bereichern und zu verwalten. Aus dieser Überzeugung entstand seine agitatorische Tätigkeit. Petenyi wurde deswegen in der ersten Hälfte des 19. Jahr- hunderts unermüdlicher Rufer auf dem Gebiete seines Lieblings- faches. Er pflegte einerseits mit Innigkeit seine freundschaftlichen Beziehungen zu den damals wirkenden deutschen Rufern, den Nau- manns, Brehms, Baldamus und anderen, andererseits mobilisierte er in seinem Vaterlande seine ehemaligen Konskolaren und Kommi- litonen und durch diese alles, was für Ornithologie Neigung verriet. Seine guten Beziehungen zu begüterten, vornehmen Familien, wie den von Kubinyis, von Földvärys und anderen, das innige Verhältnis zu seinen im Lande zerstreut w^ohnenden Freunden und Adepten machten es möglich, dass Petenyi trotz seiner bescheidenen Stellung und hart an Armut streifenden materiellen Lage im Lande viel herumkam, auf vielen Punkten unmittelbar forschte, beobachtete, die Tätigkeit seiner Mitarbeiter kontrolierte, die Richtung angab. Als Beobachter kannte er keine Schwierigkeiten: trotz schwäch- lichem Körperbau setzte er sich den schwersten Unbilden des Wetters aus, begab sich bis an die Brust versinkend in Sümpfe und Moräste, XI um den erkorenen Vogel halbe Tage lang unmittelbar beobachten zu können, so erwarb er auch den Keim zu seinem frühzeitigen Tode. Er brachte aber auf diese Art auch ein ungemein reiches Material von unmittelbar geschöpften Daten zusammen, welches er förmlich verwaltete. Seine Methode bestand darin, dass er für jede Art einen besonderen Umschlagbogen machte, worauf die Art vor- erst nur benannt war. In diesem Umschlagbogen sammelte er auf besonderen Zetteln die eigenen und anderer Angaben; jeder einzelne Zettel trug an der Spitze den Namen der Art, auf welche er sich bezog, so dass jede Verwechselung der Zettel unbedingt ausgeschlossen war und sie jederzeit in den richtigen Umschlag- bogen eingereiht werden konnten. Das Papier war zu jener Zeit selten und für den armen Mann schwer zu beschaffen. Petenyi schrieb seine Notizen auf allerhand Papier; um Raum zu sparen, gebrauchte er eine Menge von Ab- kürzungen, er schrieb aus eben diesem Grunde das schon Geschriebene quer durch u. s. f., was später die Bearbeitung durch andere im höchsten Grade erschwerte. Die Art und Weise zeigt das im Vor- wort des Bearbeiters beigegebene Faksimile. Parallel mit dieser Arbeit ging das Studium der Literatur, die er vergleichend behandelte. Er stellte sich die Systeme von Cuvier, Schinz, Temminck und anderen zusammen, nahm die exotischen Formen vor, exzerpierte die auf die Ornis Ungarns bezüglichen Stellen und glossierte dieselben. Er bereitete Grosses vor! Ganz dasselbe Vorgehen wendete er ausserdem auch auf die Säugetiere, Amphibien, Fische u. s. w. an; ja er beschäftigte sich auch mit den palaeontologischen Formen; überall auf jedem Gebiete blieb er in steter, unmittelbarer Berührung mit der Natur und mit dem Leben. Schon in den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts war er so weit, dass er den ornithologischen Teil seiner Materialien zu sichten und zu bearbeiten begann. Die Umschlagbogen der einzelnen Spezies erhielten einen — ich möchte sagen — Stirnbogen, auf dessen erster Seite rechts oben der Speziesname nebst Auetor stand, dann folgten die Benennungen, einschliesslich der trivialen, vorerst die ungarischen, dann die deutschen und schliesslich die slavischen; sodann folgten die „Notae genericae", endlich die „Notae specificae"; hierauf folgten die Be- XII Schreibungen der Alten, der Jungen, der Kleider auf Grund der aus Ungarn bekannten Exemplare; dann die Biologie der Art; endlich die Verbreitung. Es erhielten sich in den Fragmenten einige bearbeitete Spezies, welche es möglich machten, den Plan Petenyis kennen zu lernen. Er wollte offenbar vorerst sämtliche Spezies ausführlich monographisch und kritisch bearbeiten, dieselben dann zusammenfassen, in das System einordnen, um schliesslich auf Grund der erworbenen genauen Kenntnis des Fundamentes, der Spezies, das System selbst kritisch zu prüfen. Aus seinem biologischen Schatzkasten mögen hier folgende durch Titus Csörgey für diese Einleitung eben nur auf Geratewohl herausgegriffenen Daten Platz finden: 1843: Nucifraga caryocatactes (L.). Im Jahre 1843 ent- deckt er bei Zölyom, Pojnik und Tiszolcz das Nest dieses Vogels, beschreibt den Bau desselben, gibt die Zahl der Eier an (die Be- schreibung der Eier ist verloren). 1844: Seine Adepten Rokos z und Sztraka und auch er selbst finden schon im Jahre 1844 die sibirische Form der vorigen Art: die Nucifraga macrorhyncha Brehm =: Nucifr. caryocatactes platyrhynchus Brehm 1831. 1816: Archibuteo lagopus (Brunn.). 1816 bestätigt er zum erstenmale das Brüten dieses Wintergastes in Ungarn. Ebenso ent- deckt er Pastor roseus (L.) und Pinicola rosea (Pall.). 1853: Dann 1853 Erismatura leucocephala (Pall.) brütend. Das erste Datum für das Vorkommen in Ungarn liefert Petenyi für folgende Arten: 1842. Motacilla flava flavicapilla Pet. = Mot. campestris Pall. 1823. Fringilla nivalis L. 1350. Pinicola rosea (Pall.). 1844. Emberiza cia L. 1835. Arenaria interpres L. , 1811. Haematopus ostrilegus L. 1841. Oharadrius squatarola L. 1846. Caccabis saxatilis (Mey.) im Csernatal. 1837. Syrnium uralense (Pall.). 1839. Nyctea ulula (L.). 1837. Nyctea scandiaca (L.) Petenyi bestätigt für Ungarn das Vorkommen des Calcarius lapponicus (L.), welcher im Ausweise der Ornis noch immer fehlt. XIII Accipiter nisus (L.) ; Petenyi beschreibt schon Exemplare von der Insel Candia (wahrscheinlich A. brevipes Sev.) als klima- tische Varietät. Aquila pennata — minuta; im Streite über diese Formen schliesst er sich Brehm an und gibt auf Grund eigener Forschung die Kennzeichen beider Formen. Oriolus galbula (L.). Petenyi ist es, der in seinen Schriften für die Stimme dieses Vogels ausser den flötenden Tönen auch noch andere verzeichnet, was in der deutschen Literatur erst kürzlich als Neuigkeit angeführt wurde (Heinrich Seidel, Ornith. Monatsschr. 1898, S. 169) u. s. w. u. s. w. Inmitten dieser eifrigen, ja aufreibenden Tätigkeit fanden die Jahre 1848 und 1849 Petenyi am ungarischen Xational-Museum als Kustos der zoologischen Sammlungen. Das war der Beginn einer schweren Wendung. Der Freiheitskampf wogte, anfangs für Ungarn glücklich; doch als im Jahre 1849 auch Russland gegen Ungarn eingriff, erfolgte schliesslich die Waflfenstreckung der Ungarn bei Vilagos, und die Furien der blutigsten Reaktion wurden dadurch frei. Alles wurde niedergeworfen, jede freie Regung geknebelt. Das Wort „Inter arma silent Musae" kam verändert zur Anwendung oder Geltung, denn an Stelle des Krieges war blutige Ruhe eingetreten; die Musen mussten schweigen. Jede Regung, auch auf dem Gebiete der Kultur, wurde unter- drückt, und der Fluch der Flüche, welcher der Gewalt folgt, erhob sein Haupt, um alles zu vergiften: der Verdacht, die Spionage, das Denunziantentum erblühte, Brotneid und Hass taten das ihrige: die Gesellschaft wurde für lange Zeit zerklüftet, tief erschüttert. Petenyi hielt während des Kampfes, des Bombardements der Hauptstadt durch General Hentzi, auf seinem Posten im National- Museum aus, wurde aber später, als der Absolutismus auch das Institut in seine Verwaltung übernahm, von Rivalen vielfach an- gefeindet, was ihm das Leben verbitterte. Dazu kam der vollste Umschwung in der Wissenschaft zur Geltung, später zur Gewalt. Es wurde eine Richtung eingeschlagen, welche Börnes bekanntem Spottwort entsprach: „Der Arzt verbot mir das Denken, ich ging also nach Österreich." — Wir werden ja sehen! Petenyi arbeitete so gut als eben möglich; da die Gewalt- haber mit dem ungarischen National-Museum noch am glimpflichsten XIV verfuhi-Gii, g-cwanii der absolut friedliche Mann nach und nach doch ein gewisses Ansehen, welches er dazu verwendete, um ins Unglück geratene Freunde — wie den Ornithologen F. W. Stetter und andere — zu retten oder in den Stand zu setzen, ihre Forschungen fortzusetzen. Die unschuldigste Vogelflinte war ja damals als staats- gefährliche Waffe unter strengster Strafe verboten. Die Feinde gingen Petenyi später ans Brot. Was aber das empfindliche Gemüt des Mannes gänzlich ver- bitterte, das war der Umstand, dass die Jünger der krassesten Empirie Oberwasser erhielten und zur Herrschaft kamen: war doch nur der tote Formalismus, der das Wesen mied, in den Augen des Absolutismus ganz unverfänglich! Was konnten auch Männer schaden, die Stacheln an Insekten zählten und mit „Ungeziefer" — das war der offizielle Ausdruck für Entomologie — Handel trieben? Diese Empiriker und Händler mit ihren systematischen Ver- zeichnissen, Enumerationen, Katalogen und Desideraten-Ausweisen erreichten besonders in Österreich, mithin auch im unterjochten Ungarn, die Kulmination ihrer Herrschaft in dem Jahrzehnte, in dessen letztem Jahre — 1859 — Darwins Fackel aufflammte. Ihr Licht aber traf an der Grenze des „Reiches" einen Schirm, der die Finsternis schützte Die Männer dieser Richtung begannen den Biologen Petenyi gering zu nehmen, empfindlich zu verspotten, und das verkümmerte dem ohnehin schon gebrochenen Mann den letzten Lebensrest. Er starb vielfach unverstanden, im besten Mannesalter — kaum 56 Jahre alt — , ohne sein Lebenswerk, dem er sozusagen jede Stunde seines Daseins widmete, seinem Volke vorlegen zu können. Sein Tod fiel in die finsterste Periode der Unterdrückung Ungarns. Seine Schriften vermachte er der ungarischen Akademie der Wissenschaften, die selbst unter dem Drucke des Absolutismus litt und nur vegetierte. Es wurde aber doch beschlossen, die Schriften herauszugeben. Franz von Kubinyi, der Sprosse eines vornehmen Geschlechts, der Petenyi hochschätzte, ihm die hingehendste Freundschaft erwies und auch nach dem Tode bewahrte, nahm die Herausgabe der Schriften in die Hand und liess paläontologische Bruchstücke, für welche sich Kubinyi persönlich interessierte, auch erscheinen; die Schriften selbst waren bei ihm deponiert. So weit ich es feststellen XV konnte, war es Kubinyis Plan, die Schriften durch jüngere Kräfte partieweise bearbeiten zu lassen und dann zu redigieren; das ge- schah mit Wissen der Erbin, der ungarischen Akademie der Wissen- schaften. Teile der Ornithologie erhielten Dr. Julius Tauscher, ein Neffe Petenyis und Dr. Alexander Töth, später Professor in Debreczen; ersterer übernahm auch Mammalia — Vespertilio — ; die Mäuse fielen Dr. Cornel Chyzer zu. Diese Männer arbeiteten auch; Chyzer löste seine Aufgabe, das eingesandte Purum seiner Arbeit nebst Petenyis Originalen verschwand aber spurlos! Ich gab die Arbeit in den siebziger Jahren nach dem Impurum, welches in Händen des Dr. Chyzer verblieb, heraus; die Vespertilionen ebenfalls. Die Bearbeitung wollte aber nie recht vorwärts: die Leute kämpften eben für die eigene Existenz einen schweren Kampf. Franz von Kubinyi geriet später unter dem Drucke der neuen Verhältnisse materiell ins Gedränge. Petenyis Sache ver- lor dadurch den Rufer, verblasste; die meisten, die mit dem förm- lichen Berg von Schriften in Berührung kamen, schraken zurück, nicht nur Avegen der Masse, sondern wegen der Form, die ich oben geschildert habe. Die Schriften wurden schliesslich einer Dreimänner- Kommission zur Beurteilung und Berichterstattung übergeben, weil der Umschwung in der Wissenschaft die Elemente, hinsichtlich des ersten Beschlusses, schwankend gemacht hatte. Der Bericht kam zustande, und die Konklusion dieses Berichts nebst einem Teile der Gründe hat sich erhalten. Es geht daraus hervor, dass die Kommission die Herausgabe nicht empfiehlt; unter anderem auch aus dem Grunde: „weil Petenyis Beobachtungen ans Kindische streifen, indem er sogar die Stimmen und Laute der Tiere beobachtete, niederschrieb, ja sogar aus den Lauten auf die Gemütsbewegung der Tiere Schlüsse zog!" Kurz ausgedrückt: knapp vor Darwins Auftreten wurde alles verurteilt, was durch Darwin zur Herrschaft kam und heute einen integrierenden Teil der Historia naturalis im höheren Sinne des Wortes bildet! Die Kiste mit den Schriften, worin sich nach Franz v. Kubinyis Angabe auch eine fertige Monographie über Carbo mit fertigen Kupfern, wahrscheinlich von Naumanns Hand, befand, geriet in dem Trubel, welcher dem Ableben Kubinyis folgte, in Verstoss; der Inhalt wurde vielfach verstreut, wie es scheint auch als Makulatur behandelt und verwendet. XVI Als Sohn eines der Adepten und IMitarbeiter Petenyis, der ich selbst mittelbar durch Petenyi wissenschaftlich angeregt wurde, begann ich schon vor vierzig Jahren den Schriften Petenyis nach- zuspüren und brachte die Sache, als Konservator des Siebenbürgischen Museums zu Klausenburg, gelegentlich der Versammlung der Natur- forscher und Ärzte in Pozsony im Jahre 1865 intim zur Sprache. Es stellte sich heraus, dass der dort erschienene Wiener Gelehrte von Frauenfeld Kenntnis von Petenyis Schriften hatte und auf Herausgabe, besonders des ornithologischen Teiles, mit Pelz ein und anderen drängte. Mit grosser Wärme plädierte für die Herausgabe mein alter treuer Freund von Tschusi schon vor einem Menschen- alter in den Verhandl. der k. u. k. zool.-botanischen Gesellschaft in Wien. Auch Dr. Julius Tauscher war gegenwärtig und teilte mir mit, dass die Schriften über Raubvögel und Vespertilionen bei ihm seien. Ich begab mich mit Tauscher nach Ercsi, avo ich in der Tat die Teile der Schriften vorfand. Von hier begaben war uns nach Budapest zu dem damals noch lebenden Franz von Kubinyi, der uns die Kiste vorzeigte; sie war versiegelt; von ihm erfuhren wir, dass die Kommission die Herausgabe nicht gutgeheissen habe, dass er zurücktrete und geneigt sei, die Kiste den Erben Petenyis gegen Vorzeigung eines entsprechenden Beschlusses der Akademie heraus- zugeben. Wir begaben uns ins Sekretariat der Akademie und er- hielten mündlich das Versprechen, dass dieser Beschluss erfolgen w^erde. Leider blieb es aber nur beim Versprechen! Ich übernahm die ornithologischen Fragmente von Tauscher — Rapaces und ein Fragment über Anatidae — und kehrte auf meinen Posten zurück. Meine Aufgabe, die Begründung der zoologischen Abteilung des Museums zu Klausenburg, gestattete mir aber keine Müsse mehr, mich mit der Verfolgung von Petenyis Schriften andauernd zu be- schäftigen, und während der langen Pause starb F. v. Kubinyi und -geriet die Kiste — wie oben gesagt — in Verstoss. Zu Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts kam ich dann an das National -Museum in Budapest und begann hier nachzuspüren, überzeugte mich aber bald, dass die Sache sehr heikel und schwierig sei, w^eil noch Männer lebten und in einfluss- reichen Stellungen wirkten, die hinsichtlich Petenyis leider nicht unbefangen w^aren. Zu dieser Zeit ist es geschehen, dass ich bei einem ambulanten Antiquar, der eine leerstehende Gew^ölblokalität XVll >:eit weilig okkupierte und auch mit Makulatur handelte, Petenyis Paridae und andere Fragmente entdeckte und erwarb; über die Provenienz konnte der Mann keine Auskunft geben. Ich fasste nun den Entschluss einen anderen Weg einzuschlagen. Da ich mittler- weile die Zeitschrift „Naturhistorische Hefte" als Organ der Natur- historischen Abteilungen des ungarischen National-Museums gründete, benutzte ich die Gelegenheit, mit Hilfe meines Freundes Dr. Petho Gyula bearbeitete Teile aus Petenyis Handschriften zu publizieren. Mein verehrter Freund Baron Eugen Nyary, Mitglied des ]\Iagnatenhauses, übergab mir infolge der Publikation sofort einen grossen Teil der Briefschaften Petenyis, die durch die Kubinyis in seine Hände kamen;*) ferner das vollständige Material über Ichthyologie und ausserdem einige ornithologische Fragmente. Selbst von einstigen Rivalen Petenyis erhielt ich zwar wenig, aber schöne Teile, so die Zusammenstellung über Pastor roseus — von Petenyi selbst besorgt — über Coracias garrula, ferner einige Fragmente. Im Archive und der Handschriften-Sammlung der ungarischen Akademie der Wissenschaften fanden sich bearbeitete Teile von der Hand des Dr. A. Töth. Das zusammengebrachte Konvolut war ansehnlich, aber doch nur fragmentarisch; ich fasste aber den Entschluss auf die Bearbeitung und Herausgabe der Fragmente loszusteuern. Die konstitutionelle Aera, das Aufleben der Kultur brachte auch in Ungarn einen grossen Umschwung auf dem Gebiete der Naturwissenschaften zu stände, und Petenyi erschien plötzlich im rechten Lichte. Sprachlich erfolgte das sieghafte Vordringen der Anhänger der Entwickelung im Kontakte mit dem historischen und volkstümlichen Sprachschatz; auf naturhistorischem Gebiete schlug die biologische Richtung durch. Auf diese Art wurde es möglich, Petenyi und sein Wirken gelegentlich des IL Internationalen Ornithologischen Kongresses von 1891, der vortrefflich gelang und die internationale Elite des Wissens- zweiges vereinigte, in den Vordergrund zu stellen und auch in Schriften zu würdigen. Die Folge des Gelingens des Kongresses, dessen wissenschaft- lichen Apparat ungarische Kräfte organisierten, war die Entstehung der Ungarischen Ornithologischen Centrale — 1894 — zu deren *) Die schönsten von Brehm, Baldamus, Schlegel, Stetter und Petenyi selbst habe ich im Lebensbilde Petenyis — 1891 — verwertet. 0. H. Peteiij'i, Ornithologische Fragmente. TI XVIII Organisation und Leitung ich berufen wurde. Ich begründete sofort die ornithologisclie Zeitschrift „Aquila" und schritt an die Heran- ziehung von Kräften, die Bearbeitung von Petenyis Nachlass stets fest im Auge behaltend. Es galt nun den richtigen Mann zu finden! Eines Tages stellte sich mii" Titus Csörgey, ein Schüler des Benediktiner Professors Stefan Fäszl in Soj^ron, vor, mit einem Empfehlungsbriefe dieses ausgezeichneten Lehrers, der es wie selten einer verstand, seine Schüler zu begeistern und zu ernster, wissen- schaftlicher Tätigkeit anzuspornen, besonders wenn es galt, sie in die jS^aturgeschichte einzuführen. Der Brief war in schlichten Worten abgefasst und empfahl mir den Schüler als einen ernsten, streb- samen und bescheidenen Jüngling, mit ausgesprochener Neigung für Ornithologie. Ich habe Titus Csörgey auf Professor Faszls Wort und den Eindruck, den er auf mich machte, angenommen, habe ihn mit dem Stande des Nachlasses Petenyis bekannt gemacht, und er machte sich anheischig, die Arbeit zu vollführen. Die ungarische Akademie der Wissenschaften bewilligte für die Bearbeitung eine kleinere Summe; den sehr bescheidenen Lebens- unterhalt gab die Centrale; dazu noch volle Freiheit, den Universitäts- studien obzuliegen. Titus Csörgey begann mit der ihm eigenen Beharrlichkeit und besonnenen Ruhe zu arbeiten und arbeitete unverdrossen bis ans Ende. Durch die Abbildungen in Dressers grossem Werke und besonders durch die Vogelbilder Thorburns angeregt, warf er sich auch auf Illustration und brachte es in einem einzigen Winter zu voller Selbständigkeit, zum Arbeiten nach dem Leben. Alles, was er versprach, was sein seither leider verstorbener Lehrer mit mir vereint von ihm erwartete, hat Csörgey mannhaft eingelöst: der Kampf ist beendet! Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Frage aufgeworfen werden könnte, warum ich es nicht dabei bewenden liess, die Fragmente ohne jede Einleitung zu publizieren, weil ja dadurch Petenyis Würdigung erreicht und dem Interesse der Wissenschaft auch Genüge getan worden wäre? Ich glaube für mein Vorgehen gute Gründe zu haben. Vorerst bewog mich dazu das Gebot der Geschichte, deren Gange die Wahr- heit entströmen muss, und zwar auch auf dem Gebiete der Kultur — ganz besonders hinsichtlich Ungarns. XIX Ich wollte aber auch den ausländischen Fachkreisen gegenüber wenigstens in einem Wissenszweige den Nachweis führen, dass die wissenschaftlichen Bestrebungen der Ungarn auch nach den herrschen- den Verhältnissen beurteilt werden sollen ; dass der scheinbare oder wirkliche Rückstand in der Kultur nicht dem Mangel an Erkenntnis und Willen, wie dies die grundlose Gehässigkeit so oft verkündet, sondern in jenen unglücklichen Lagen wurzelt, deren eine aus der kulturhistorischen Skizze, in deren Rahmen ich Petenyis Wirken eingestellt habe, deutlich hervortritt. Diese unglücklichen Lagen spiegeln sich unter anderen deutlich auch in dem Verhältnisse zwischen dem grossen Gauss und dem ähnlich veranlagten Wolfgang von Bolyay, den beiden Herzens- freunden. Gauss erklomm bei Lebzeiten den höchsten Gipfel des Ruhmes, weil er unsterbliche Werke schöpfen und herausgeben konnte; Bolyay musste daheim verkümmern, und erst lange nach seinem Tode fällt — dazu mehr durch das hohe Genie seines Sohnes Johann von Bolyay — ein bescheidener Strahl des Ruhmes auch auf seinen Namen. Warum? Weil das kulturelle Interesse Ungarns und überhaupt das freie Entfalten seiner Kräfte Jahrhunderte lang durch die Gewalt niedergehalten wurde. Wer ein Urteil fällt, muss dies vor Augen haben. Die Herausgabe dieser Bruchstücke hat aber in diesem Augen- blicke auch noch eine andere, ganz spezielle Ursache. Trotzdem, dass Petenyi eine rastlose Tätigkeit entfaltete und mit der Elite seiner ornithologischen Zeitgenossen im innigsten Verkehr stand, steht er vor der jetzigen Ornithologen-Generation ziemlich unbekannt, ja fremd da : sehr begreiflich, weil er ja sein Hauptwerk nicht heraus- geben konnte. Seine Lage solchen gegenüber, die bekannt sind, ist also stets die schwächere. In den leitenden ornithologischen Kreisen ist es aber bekannt, dass dem Andenken Petenyis durch Herausgabe gewisser, spät geschriebener Briefe weiland Dr. Hartlaubs, der bei der jetzigen Generation in hohem Ansehen steht, durch Paul Lever kühn im Jour- nal für Ornithologie 1901, S. 337 u. ff', empfindlich nahegetreten wurde. Hartlaub kommt in einem Briefe auf eine Reise im Jahre 1839 zu sprechen, welche also vor mehr als einem halben Jahrhundert statt- fand und charakterisiert den Teilnehmer Petenyi vierzig Jahre nach dessen Tode mit höchst beleidigenden Worten, für die er aber II* XX keine Tatsachen anführen kann und die icli durch Herausgabe des entscheidenden Briefes von Johann Natter er in „Aquihi" 1901, 8. 311 auch sofort entkräftet habe. Mein verehrter Freund Dr. Otto Finsch hat hierauf im Journal für Ornithologie 1902, S. 349 u. ff. einen von Edelmut diktierten Artikel zur Versöhnung der beiden Toten geschrieben, und ich war bereit, die Sache auf sich beruhen zu lassen, falls sie nicht mehr aufgeworfen wird. Leider schleppt sich die Sache in Briefschaften fort; auch die Besprechungen des eben angeführten Artikels — so jüngst im Ornithologischen Jahrbuche, 1903, S. 152 — enthalten immer etwas, was uns fühlen lässt, dass diese Angelegenheit nicht ganz beigelegt ist. Ich muss also für Petenyis Ehrenhaftigkeit den unanfecht- barsten, klassischen Zeugen und seine Gefolgschaft anführen, keinen geringeren als den grossen J. F. Naumann, mit dem Petenyi im .Jahre 1835 Ungarn bereiste. Naumann gab die Beschreibung dieser Reise in „Wiegmanns Archiv" 1837, S. 69 bis 110, heraus und sagt darin: „Am 20. August — 1835 — langten wir auf dem Dampfschiff" „Pannonia" in Pest an und mussten uns sehr glücklich schätzen, an Herrn Sah Petenyi, Prokurator am zoologischen Museum, überall- hin einen treuen Begleiter und Führer zu haben. Nur unter Leitung dieses würdigen Freundes, eines eifrigen Naturforschers, in Ungarn geboren, der Hauptsprachen — magyarisch und slowakisch — ganz mächtig, mit den übrigen nicht ganz unbekannt, das Land, seine Bewohner und ihre Sitten genau kennend; nur in solcher (Gesell- schaft waren wir vor tausend Unannehmlichkeiten gesichert " Bei der damaligen Art, und besonders in Ungarn, zu reisen, kamen die Männer, aufeinander angewiesen, in die intimste Berührung und mussten einander genau kennen lernen. Dieses war vier Jahre vor der Reise Dr. Hartlaubs mit Heckel, den Natterers und Petenyi an den Balaton! Dass hier Naumann nicht bloss dem Danke Worte gab, sondern aus der Tiefe des Gefühls sprach, das beweist der Ausdruck „würdigen Freundes" und noch mehr der Umstand, dass Naumann die Wärme des Gefühls für Petenyi auch später treu bewahrte. Diesen letzteren Umstand beweist die Empfehlung, welche Naumann im Jahre 1847, also zwölf Jahre später, E. Baldamus an Petenyi gab — in Faksimile der Biographie Petenyis 1891 beigegeben — welche die „herrlichen Tage von 1835" erwähnt und in herzlichsten Worten abgefasst ist — das war also acht Jahre nach der Reise des Dr. Hartlaub. XXI Balchimus bewahrte von da an für Petenyi die wärmste Verehrung bis zu seinem Tode, wovon die Briefe in Petenyis Bio- graphie zeugen. Es gibt aber auch noch andere Bew^eise. Ch. L. Brehm stand mit Petenyi nicht nur im Briefwechsel, sondern er lud ihn ein, bei seinem Sohne, dem späteren grossen Schilderer Alfred Brehm, die Patenstelle anzunehmen, was Petenyi auch tat. Dies war 1829, dem Geburtsjahre Alfred Brehms, also zehn Jahre vor Dr. Hartlaubs Reise; die letzten Briefe Chr. L. Brehms an Petenyi stammen vom Jahre 1853, also kurz vor Petenyis Tode — 1855 — alle mit gleicher Wärme geschrieben, die letzten also vierzehn Jahre nach Dr. Hartlaubs Reise. Man lese den Brief Hermann Schlegels — 1853 — , der von Dankbarkeit förmlich leuchtet. Doch genug! Ich stelle nun die Frage: ist es möglich, dass Petenyi, der die Achtung und Liebe seiner edelsten, wirklich grossen Zeitgenossen vor und nach der Reise Dr. Hartlaubs genoss, jene Heck eis vor und nach der Reise im vollsten Masse besass und auch jene Natterers bis ans Ende bew^ahrte, nur für Dr. Hartlaub, nur im Jahre 1839, Charakterfehler besessen hätte, w^elche noch vierzig Jahre nach Petenyis Tode Hartlaubs scharfe Worte — ohne eine Spur von einer Tatsache — als begründet erscheinen lassen könnten? Das ist denn doch absolut unmöglich! Die Sache kann meines Dafürhaltens vom Standpunkte des Charakters des Dr. Hartlaub nicht beurteilt w^erden, weil dieser, nach allem, w^as wir authentisch wissen, intakt dasteht; sie gehört also ins psychopathologische Gebiet; sie manifestiert sich in einem psychischen Zuge, der auch in dem hervortritt, was Hartlaub in seinen Briefen über Emin Pascha sagt. Dr. Ein seh hat voll- kommen recht, wenn er die Grundursache in der Antipathie findet, welche bei Dr. Hartlaub durch Alter und besonders durch peinliche Krankheit bis zum Unmut gesteigert wurde. Alles, was ich über Petenyi angeführt habe, stand nun zur Zeit, als Paul Leverkühn an die Herausgabe der Briefschaften Dr. Hartlaubs schritt, publiziert vor der Öffentlichkeit, und Herr Leverkühn hätte die Pflicht gehabt, dies alles auch zu er- wägen, sobald er bemerkte, dass es sich um die Ehre zweier wehrloser, weil toter Männer handelt! Denn nicht nur die Ehre Petenyis, sondern auch die bona fides Dr. Hartlaubs stand plötzlich in Frage. Jeder besonnene Mann hätte diese Briefstellen einfach gestrichen. XXII Herr Leverkühii treibt ja aueh Musik, deswegen gestatte er mir, es auszusprechen, class der grosse Verdi sehr wohl wusste, warum er anordnete, dass seine Briefschaften und Schriften nach seinem Tode zu verbrennen seien: er M'ollte alle Dissonanzen sub- jektiven Ursprunges, welche mit dem Interesse seiner vergötterten Tonkunst im Widerspruch standen, aus der Welt schaffen. Das war edel gedacht und edel getan, besonders wenn wir an die leiden- schaftliche Rivalität denken, welche auf dem Gebiete der Tonkunst gar so häufig ist und sich im geschriebenen harten Wort Luft zu machen pflegt. Das ist die Richtschnur für Biographen! Nach bestem Wissen und Gewissen, nach sorgfältigster Erwägung alles dessen, was tatsächlich ist, habe ich Herrn Paul Leverkühn hier als letztes Wort für dieses Leben zu sagen, dass nicht auf Petenyi und nicht auf Dr. Hartlaub, sondern auf jenen Schrift- steller ein Schatten fällt, der den Takt verlor, welcher für den Mann der Feder, besonders wenn es sich um die Ehre von Toten und um das wissenschaftliche Interesse handelt, unerlässliche Pflicht ist. Durch die Herausgabe dieser Fragmente ist nun auch Salamon von Petenyi der jetzigen ornithologischen Generation näher ge- bracht. Sie möge urteilen und richten! — — — Ehe ich diese Einleitung schliesse, wünsche ich noch eine mir am Herzen liegende Pflicht zu erfüllen: ich sage Dank der ungarischen Akademie der Wissenschaften für das Vertrauen, mit dem sie mich und den Bearbeiter beehrte und auch für die Munifizenz, mit der sie die Bearbeitung und Herausgabe förderte; derselbe Dank gilt der königlich ungarischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, dem königlich ungarischen Ministerium für Kultus und Unterricht und ganz besonders jenem für Ackerbau, welchem die Ungarische Ornitho- logische Centrale einverleibt ist. Den innigsten Dank sage ich aber meinem verehrten, treuen Freunde Baron Eugen Nyäry, Mitglied des ungarischen Magnatenhauses, der mir stets mit Rat und Tat zur Seite stand. Dank sage ich schliesslich dem Herrn Verleger F r. E u g e n K ö h 1 e r in Gera-Untermhaus, der stets bereit ist, wo es sich darum handelt, dem speziellen ornithologischen Wissen einen Dienst zu erweisen und Herrn Dr. Carl R. Hennicke für die Mühe der Revision. Lillafüred, im Juli 1903. Otto Herman Chef der Uiiff. Ornith. Centrale u. s. w. Vorwort des Bearbeiters. Nach dem, was im vorhergehenden mein Chef gesagt hat, kann meine Aufgabe nur noch die sein, im Zusammenhang mit der Be- kanntgabe der Bearbeitung, Petenyi als Gelehrten und soweit mög- lich auch als Menschen zu charakterisieren, so wie sein Bild beim Durchblättern der vergilbten Seiten seiner Handschrift in meiner Seele Gestalt gewonnen. Ich fange damit an, wie wir uns das Entstehen der im Laufe von ungefähr 30 Jahren angewachsenen Handschriften vorzustellen haben. Petenyi gab zuerst eine genaue Beschreibung der Gestalt, der Massverhältnisse und der Färbung des beobachteten, gelegentlich er- legten Vogels, indem er auf besonderen Blättern die biologischen Daten anmerkte. Diese Anmerkungen sind — da der Schreiber in- folge seiner beschränkten materiellen Lage nicht einmal Geld für reines Schreibpapier besass — auf den verschiedenartigsten, schon beschriebenen Papierschnitzeln, auseinander gebreiteten Briefum- schlägen und auf der Rückseite von gedruckten Blättern zu finden — aber immer ist auch der Name des betreffenden Vogels sorgfältig hingeschrieben. Aus manchen auf einzelne Arten bezüglichen Fas- zikeln ergibt sich ein ganzes, kleines Zeitgemälde: wir finden da einen Bericht des Schulstuhls, eine Verordnung aus der Zeit der Cholera von anno 1831, eine Proklamation vom 15. März 1848 und einen Passierschein aus der Zeit nach Vilägos (siehe nächste Seite). — Sobald schon so viele Beschreibungen von Vogelindividuen einer Art beisammen waren, dass aus ihnen auch die Typen entnommen werden konnten und da auch die Gattungs- und Artmerkmale vor dem Auge unseres Gelehrten begriffliche Form gewannen, führte er systematologische Studien auf möglichst breiter Grundlage aus, in- dem er die von anderen Verfassern stammenden Bemerkungen einer XXIV strengen Kritik unterwarf, alles das beibehielt und benutzte, von dessen Richtigkeit er sich überzeugt hatte, und indem er alle irrigen Daten ausschied, — so dass, was er auch systematologisch bietet, zum guten Teil Eigenes ist. ^ a^ Art. ^^ , ^. JUcl ->r. /aliZ /*:X^'fei. ^ ßi-JiC- ' /^/'^ pl^-rf-^ä^ , ^'^/f^/i'^/jP^ tl/IJ 'HaIj JJi. , dJix, A:/. ^k^, ^ ;^^:::r&-^'^ ^^ ><itei' Briss. nisus (L.) 107—114 Gen. l»ul)0 Dum. bubo (L.) 116 Gen. Asio Briss. otus (L.) 117 accipitrinus (Pall.) 117 — 118 Gen. Pisoiiiiiia Kaup. scops (L.) 118 — 119 Gen. Syriiium Sav. uralense (Pall.j 120 aluco (L.) 120— 12.H Gen. Nyctea Steph. scandiaca (L.j 123 ulula (L.) 128 Gen. Nyctala Brehm. tengmalmi (Gm.) 123 — 124 Gen. Grlaiieidium Boie. noctuum (ßetz.) 124 passerinum (L.) 124 Gen. Strix L. flammea L 124—125 Ordo: Iiisessores. Gen. Coracias L. garrula (L.) 130 — 133 XXXII Ordo: OSCllieS. Seite Gen. Ampclis L. garrula (L.) 139—147 Gen. Corvus L. corax L 149 — 151 cornix L 151 — 153 frugilegus L 153 — 155 Gen. Colaeus L. monedula (L.) 155 — 156 Gen. Pica Briss. pica (L.) 156—157 Gen. Nueifraga Briss. carjocatactes (L.) 157 — 158 Gen. Grarrulus Briss. glandarius (L.) 158 — 159 Gen. Oriolus L. oriolus (L.) 161—166 Gen. Pastor Temm. roseus (L.) 167—190 Gen. Stiinius L. vulgaris (L.) 191—195 Gen. Passer Briss. domesticus (L.) 196 montanus (L.) 196 — 197 Gen, Friiigilla L. coelebs L 197 montifringilla L 197 nivalis L 197 Gen. Cliloris Cuv. chloris (L.) 198 Gen. Caiiiiabiiia Boie. cannabina (L.) 198 flavirostris (L.) 198 — 199 linaria (L.) 199 Gen. Clirysomitris Boie. spinus (L.) 199—200 Gen. Cardiielis Briss. carduelis (L.) 200 Gen. Seriiius Koch. serinus (L.) 200 Gen. Pyrrliiila Briss. pjrrhula (L.) 200—202 XXXIII Seite Gen. Piiiieola Vieill. roseus (Fall.) 202—203 erythrinus (Fall.) 203—204 Gen. Loxia L. curvirostra (L.) 204—206 pytiopsittacus Bechst 206 bifasciata (Brehm) 206 Gen. Coccotliraiistes Briss. coccothraustes (L.) 206—207 Gen. Calcarius Bechst. nivalis (L.) 207 lapponicus (L.) 208 Gen. Emberiza L. citrinella L 208—209 hortulana L 209-210 schoeniclus L 210 calandra L 210 ciaL 211 Gen. Alauda L. arvensis L 212 — 213 cristata L 213 — 215 arborea L 215 — 216 Gen. Otocorys Bp. alpestris (L.) 217-218 Gen. Motacilla L. alba L 219 lugubris Temm 219 boarula Fenn 219—220 citreola Fall . 220 flava a) vulgaris Fetenyi 220 — 221 b) cinereocapilla Fet. . 221 c) atricapilla Fet 221 d) flavicapilla Fet 221 — 222 Gen. Parus L. major L 224—226 coeruleus L 227—228 palustris L 228—230 lugubris Natt 230—232 cristatus L 232 — 233 ater L 233—235 cyanus Fall 235 Petenyi, Oniithologrische Fragmente. III XXXIV Seite Gen. Aegithalus Herrn. caudatus (L.) 235 — 239 Gen. Remiza Stejn. pendulina (L.) 240—243 Gen. Panurus Koch. biarmicus (L.) 245 — 249 Ordo: Cui'sores. Gen. Himaiitopus Briss, himantopus (L.) 253—267 Gen. Triiiga L. subarcuata (Güld.) 268—269 alpina L 269—270 minuta Leisl 270 temmincki Leisl 270 Gen. Limicola Koch. plathyrliyncha Temm 270 Gen. Totaiius Cuv. nebularius Gunn 271 — 274 stagnatilis Bechst 274—282 glareola L 282—285 ochropus L 285—287 totanus (L.) 287—291 fuscus L 291—293 hypoleucus L 293—297 Gen. PaYOiieclla Leach. pugnax (L.) 297—302 Gen. Arenaria Briss. interpres (L.) 302 Gen. Haeiiiatopiis L. ostrilegus L 303—304 Gen. Oediciiemus Temm. oedicnemus (L.) 306 Gen. Charadrius L. pluvialis L 308—311 squatarola (L.) 311 morinellus L 311 — 313 dubius Scop 313 — 315 alexandrinus L 315 — 317 hiaticula L 318 XXXV Seite Gen. Otis L. tarda L 320—328 tetrax L 328—331 Gen. Crex (L.) crex (L.) 331 Ordo: Gressores. Gen. Platalea L. leucorodia L. 335 — 336 Ordo: Gyraiites. Gen. Coluiiiba L. oenas L 339 palumbus L 339 — 340 Gen. Tiirtiir Selby. turtur (L.) 340 Ordo: Rasores. Gen. Tetrao L. urogallus L 344 tetrix L 344 Gen. Boiiasa Steph. bonasia L 344 — 345 Gen. Caccal)is Kaup. saxatilis (Meyer) 345 Gen. Lasopus Briss. mutus (Montin) 345 Ordo: Laiiiellirostres. Gen. Mer^iis L. merganser L 351 — 355 serrator L 355 — 356 albellus L 356—359 Gen. Erismatura Bp, leucocephala (Scop.) 361 — 362 Gen. Oeclemia Flem. fusca (L.) 362—363 Gen. Fuligula Steph. marila (L.) 363 fuligula (L.) 363 ferina (L.) 363 — 365 111=^ XXXVI Seite rufina Fall 365—366 nyroca (Güld.) 366 clangula (L.) 366—367 islandica (Penn.) 367 Gen. Anas L. boschas L 367—368 strepera L 368 penelope L 368 — 369 falcata Georgi 369 querquedula L 370 — 371 crecca L 371 Gen. Spatula Boie. clypeata (L.) 372—373 Gen. Dafila Steph. acuta (L.) 373 — 374 Gen. Tadonia Flem. tadorna (L.) 374 casarca (L.) 374 — 376 Gen. Aiiser Briss. anser (L.) 378-380 fabalis Latb 381 — 383 arvensis C. L. Brehm 383 — 385 albifrons (Scop.) 385 — 386 brevirostris (Heckel) 386 torquatus Frisch 386 hyperboreus Fall 386 aegyptiacus Briss 387 Gen. Cygiius Bechst. cygnus (L.) 387—390 olor Gm. 390—391 Classis: AVES. 11 Aquila chrj'saetus, Goldadler, Steinadler. Ordo: RAPTATORES. ordo: Eaptatores. Gen.: Falco L., Falken. Greschlechts-Keiiiizeieheii. Schnabel kurz, meist schon von der Stirne an stark herab- gekrümmt, an den Seiten meist gezähnt; die Firste von dem Ober- rande der Wachshaut an nicht aufgeschwungen; obere Kinnlade ragt meist bedeutend über die untere hinab, Augen vertieft, Augenbrauen über dieselben vorragend. Läufe mittellang, aber meist stark; an den Seiten genetzt; vorne und hinten, sowie auch an den Zehenrücken meist mit ziemlich flachanliegenden Schildern und Schuppen bedeckt; eine Spannhaut zwischen der Aussen- und Mittelzehe; Läufe mit Hosen. Krallen meist gross, stark, gekrümmt und spitzig, unten flach mit vortretenden scharfen Kanten. Flügel verschieden gestaltet, meist die zweite oder dritte Schwinge am längsten; die erste länger als die sechste, oft als die fünfte; die Aussenfahne aber von der zweiten bis höchstens zur vierten nach der Spitze zu verengt. Kopf und Hals mit entwickelter, geschlossener Befiederung versehen. Falco sacer Brissön*) 1760, Würgfalke. Falco laniarius**) auct. Falco lanarius Gessn. Falco stellaris Gmel. Linn. *) Im Laufe der Bearbeitung erwies sich obiger Name als ältester, bei welchem ein Missverständis noch am sicliersten ausgeschlossen ist. Die Bearbeitung dieser Art erschien in der „Aquila" IV, 1897, p. 105 bis 139. T. Cs. **) Laniarius ist willkürlich im Gebrauch, da mehrere Ornithologen aus der Natur des Raubvogels ausgehend den spezifischen Namen aus dem lanio = Fleisch- hauer ableiten, obwohl dieser Name vom „Lanier", „Lanner" oder „Lannerfalke" 1* — 4 — Ungarisch : Kerecsen sölyom (bei den Urmagyaren) , Kerecsmy, Kelecsen (mit dem letzteren benennt J. Földi den Falco islandicus oder F. gyrfalco, doch mit Unrecht), Szahda sölyom, Fojtogatö sölyom, Fojtö sölyom, Meszärlö sölyom. Deutsch: Würgfalke, Schlacht- und Schlechtfalke,*) Blaufuss -Falke, Blaufuss. Kussisch: Sokol balahan. In einer gewissen Zeit hielt ich es noch für wahrscheinlich, dass das „vSokol raroh" der alten Slaven, von welchem die Vernarer Felsengruppe Rarohovo (Falkenstein) heisst, mit F. lanarius identisch sei, umsomehr, als auch die Ungarn einen Felsen, welcher sich einst im Neograder Komitat über dem Ipolyflusse erhob, woselbst Falken hausten, — Räros nannten. (Dieser Felsen wurde seither gesprengt und zum Strassenbau verwendet. Die Falken verliessen hierauf die Gegend für immer.) Jetzt halte ich es aber für sicher, dass das slavische „Raroh" sich auf den Fischadler (Pandion haliaetus) bezog. Citate bestätigen es nämlich, dass der Fischadler unter dem Namen Raroh bei sämtlichen Slaven bekannt ist; nach diesem Adler sind in Böhmen und Mähren, so auch in manchen gebirgigen Gegenden Ungarns einige Punkte benannt, und zwar solche Stellen, w^o unser Würgfalke, als Bewohner des Flachlandes, nie vor- kommt.**) Dass der Würgfalke es war, der bei den alten Magyaren unter dem Namen Kerecsen -Sölyom als Symbol der Schnelligkeit diente (und nicht Falco islandicus oder grönlandicus, wie Földi und Vajda meinen), beweist uns die Geschichte der Sitze des Magyaren-Stammes. In Asien bewohnten nämlich unsere Ahnen jene Gegenden, avo F. grönlandicus nicht, F. lanarius aber auch jetzt noch vorkommt; herrührt und mit dem „lanio" in keinem Bezug steht. Wir gebrauchen daher in dem Folgenden überall den Namen „lanarius". Um jedes Missverständnis zu vermeiden, fügen wir bei, dass laut Schlegels Zeugnis „lanarius" kein richtiges Synonym des „sacer" ist, da der erstere Name sich auf die auf der Balkanhalbinsel und in Afrika lebenden verwandten Formen bezieht und nur durch Irrtum der älteren Autoren in die Synonymik des „sacer" eingereiht wurde. T. Cs. *) In der Anwendung nicht konsequent , da derselbe Name auch dem Wanderfalken (F. peregrinus) gebührt. Siehe Schlegels „Kritische Übersicht etc." ll)rauiie Schwanz mit fünf bhiss rostfarbenen, unregelmässigen, sclmialcii binden und einer gleiclifarbigen Spitzen- einfassung. Unterflügeldecken hell rostbraun, mit fünf eirunden weissen Flecken. Die schattigrötliche Schwingen- und Schwanz- unterseite mit vielen braunen und rötlichweissen Querbinden marmoriert. Kennzeichen junger Vögel. Der weisse Kehlfleck dehnt sich um den Nacken herum in eine breite weisse, von braunen Spitzen verborgene Binde; dunkle Backenstreifen. Ein Weibchen. Augenstern beerblau, hell leuchtend; Augenhaut grünlich bläulich- gelb; Wachshaut braungelblich. Der Schnabel vorn hornschwarz, hinten hornbläulich; Obergaumen bläulich, Zunge und Untergaumen blaurötlich; Füsse wachsgelb; Krallen hornschwarz.*) Torkommen, Eigenschaften. Ob dieser Falke in Ungarn auch brütet, kann ich aus eigener Erfahrung nicht behaupten. Da ich aber 1837 Ende August in der Tatra ein junges Männchen erlegte, so ist es wahrscheinlich, dass einzelne Paare hier und da in den Karpathen brüten mögen. Im Winter ist er so ziemlich in ganz Ungarn zerstreut und verweilt manchmal, zumal in Südungarn, im Frühjahr ziemlich lange. So sah ich noch am 4. April 1853 einen in der Nähe von Buda- pest. Im Herbste 1834 traf ich den ersten am 27. Oktober bei Ercsi an. Er hält sich gewöhnlich in der Nähe der Fahrstrassen auf, wo Lerchen, Ammern, Sperlinge etc. ihre Nahrung suchen. Hier sitzt er meist tief unten auf einem Klosse, noch lieber in den Garten- umzäunungen versteckt auf einem Strünke; oder aber zwischen den Stoppelfeldern auf die verschiedenen kleinen Samenfresser lauernd. Kommen ihm diese genügend nahe, so stösst er plötzlich auf sie. Gelingt der erste Stoss nicht, so jagt er der Schar so lange nach, bis er einen, gewöhnlich den schwächsten Flieger oder den am meisten erschrockenen, aus der Schar herausschlägt; diesen verfolgt er so lange, bis er ihn erhascht oder dieser sich in einer dichten Umzäunung, zwischen menschlichen Wohnungen und dergleichen *) Die weitere Beschreibung dieses, wie eines erwähnten jungen Exemplars ist nicht. mehr zu finden. T". Cs. — 43 — rettet. Oft stösst er auch aus der Höhe herab, wobei er den über- rumpelten Vogel noch am ehesten erwischt. Seine Dreistigkeit ist unglaublich. In einem Spätherbste raifte er mir bei Czinkota einigemale die auf den Stoppelfeldern erlegten Anthus pratensis vor der Nase weg; er schien mich von weitem beobachtet zu haben, um, sobald ich auf etwas schoss, sich darauf zu stürzen. Auf diese Weise schoss ich dann dort einige Exemplare. Am 2. Januar 1854 von Ercsi nach Pest fahrend, sah ich auf den Tetenyer Stoppelfeldern einen der Hänflingsschar nachfliegenden F. merillus. Er schlug ein Stück aus der Schar heraus und verfolgte es bis ins Dorf hinein, bis es sich rettete. Im schneereichen Winter 1830, welcher uns die Alauda alpestris und Emberiza nivalis brachte, sah ich am 25. Februar ein altes Weibchen, das sich stets an der Fahrstrecke zwischen Czinkota und Kerepes aufhielt. Dasselbe suchte die erwähnte Strecke täglich mehreremale ab, indem es ganz niedrig und hart an den Schlitten und Wagen vorbeiflog, um die knapp vor den Pferden auffliegenden Lerchen zu erhaschen. Ich schoss ihn dann. Masse der Eier. Länge: 3,7 3,8 3,8 3,84 3,95 3,95 4,0 4,17 cm.*) Dicke : 3,0 3,0 3,1 — 3,0 3,14 3,0 3,0 ■n Falco siil)l)uteo L., Lerchciifiilke. Slavisch : Lastoivicjar (= Schw^albenfänger.) Altes Weibchen. (Erlegt am 25. Juh 1833 bei Peszer). Der Schnabel am Grunde gelblich liorngrau, sonst schwärzlich liornblau; die Waclishaut und Augenumgebung schwefelgelb; Augenstern dunkelbraun; Füsse blass schwefelgelb; Krallen schwarz. Oberkörper düster blauschwarz, am Unterrücken und auf den Schultern heller, Scheitel und Schulter mit gelbbräunlichen Säumen; die Schwingen scliwarzbräunlich; Schwanz grau- bräunlich mit durchscheinenden dunkleren Querbinden ; Stirnseite und ein Streif über dem Auge weissbräunlicli ; an und neben dem Nacken ein weissbrauner, schwärzlich gespitzter, halb bedeckter Fleck; Unterseite weissgelbbräunlich, au der Kehle rein, weiter abwärts mit stets länger und breiter werdenden schwarzen Schaftflecken dicht besetzt; der grosse scliAvarze Backenstreif schliesst die weissbräunliche Wange fast ganz ein; Bauch blass-, Hosen und Unterschwanz- decken hoch rostrot, mit schmalen, schwarzbläulichen Schaftstrichen und Fleck- chen; Unterschwanzseite roströtlich gebändert; Flügelunterseite roströtlich. *) Die Fortsetzung ist verloren gegangen. T. Cs. — 44 — Junges Männchen. (Ein Herbstexemplar aus der Türkei.) Erste Schwinge bedeutend hinger als die dritte: die mittleren Schwanz- federn mit den übrigen gleichlang;*) das Schwarzbraun des Oberleibes ist lichter, mehr schieferblau, auch das Strohgelb des Unterleibes lichter, die Hosen und der After aber lebhafter rostrot; Kehle, Gurgel und lichte Stellen der Halsseite ungefleckt: Brust und Unterleib samt Unterflügelseite spärlich sclnvarzbraun gefleckt: alle Schwingen aber und Schwanzfedern — die zwei mittelsten ausgenonimen — mit grossen, länglichen, feurig rost- farbenen Querflecken. Sonst w^ar es einem aus Ungarn herstammenden Jungen ähnlich. Masse. Länge Breite Schwanz Schnabel im Bogen Lauf ]\Iittelzehe Junges c/ 33,0 79 15,8 2 3,9 3,9 cm. Altes $ 35,5 83 — — — — „ Vorkommen. Er brütet bei Sopron und Pozsony, in grosser Zahl in den Eichen Waldungen bei Peszer, auf der sonst so sehr belebten Insel bei Adony ist er aber eigentümlicherweise eine grosse Seltenheit. Ich fand ihn im Juni 1819 im Badeort Szklenö (Oberungarn); der- selbe fing unweit meiner Wohnung eine Rauchschwalbe und ver- zehrte sie auf einem im Orte selbst stehenden Weidenbaume. Wiedersperg traf ihn in den Jahren 1846 und 47 in den Waldungen des Komitats Bacs und des Csaikisten-Distrikts. Er kommt aber auch in der Umgebung von Pest und Buda oft vor. Im Kaiserlichen Naturalienkabinett zu Wien befindet sich ein Exemplar aus Neuholland! Vielleicht eine andere Spezies? Eigenschaften. Ein Männchen, welches sein bei Peszer erschossenes Weibchen fleissig suchte, hatte eine der der Rötelfalken ähnliche, doch sehr hohe Stimme, dem Rufe des Wendehalses nicht unähnlich: ..Klihlihli-hli-hli! glihlihlihligli !" Der Flug dieses Falken ist ausserordentlich schnellschwebend. Er setzt sich auf die Baumgipfel und ist wenig scheu. Im Sommer und Herbst kommt er selbst in grosse Städte hinein, um Schwalben und Sperlinge zu überfallen. Die Schwalben, auf welche er am 25. Juli 1851 bei der Bastei der *) Bei ungarischen Exemplaren, alten und jungen, um 1,3 cm länger als die übrigen. -p^^ - 45 — Festung- Buda pfeilschnell liinabstiess, schlugen sich eiligst zu einer Schar zusammen und schwangen sich in die Höhe. Die Eier dieser Art messen in der Länge 4, in der Dicke 3,3 cm. Nahrung. Im Magen eines Weibchens fand ich eine Meise und grosse hartschalige Käfer, ja sogar Hirsengrassamen, die es vielleicht samt den auf den Ähren sitzenden Käfern genommen hatte. Ein Männchen hatte im Magen Feldmäuse, denen dieser Falke im Herbst auflauert. GeD.: Cerelmeis Boie. BiUelfalk. 31ir kurzen Zehen, dicken Sohlen, aber weniger deutlichen Ballen, kurzen, kaum bis zur Laufhälfte reichenden Hosen. Sie nähren sich von Mäusen, Vögeln und Insekten. Die Vögel fangen sie aber nicht im Fluge, sondern im Sitzen weg. Ihr Flug und ihr Rütteln auf einem Orte charakterisiert sie in hohem Grade, nicht weniger ihre oft vernehmbare rauhe Stimme. Corchiieis tiiiiimieiiliis (L.). Turmfalke. Ungarisch: Vercse, Veres vercse. Deutsch: Windwalcel (in Österreich und um Pozsony); Wintuäkl (bei deutschen Kolonisten um Pest; diesen Namen gibt man auch dem Caprimulgus); Wichtel (um Pest); Rüttelgeier. Slovakisch: Pustoivka^ PastoivJici, Mysoluwka. Böhmisch : Postolka. Wlachisch: Vintyirjel. Artkeniizeicheii. Oberkieferzahn stumpf; erste Schwinge mit der vierten glcichlang, die dritte kaum kürzer als die längste zweite; die Schwingen dicht unter der Verengung der Aussenfahne gegen 2 cm breit; der abgerundet stufige Schwanz reicht mit dem Endviertel über die Flügel hinaus; der rostfarbene Oberleib schwarz gefleckt (wenn C. cenchris wirklich nur braune Flecke am Oberleibe hat? Pet); die Unterseite rost- gelblich, mit schwarzbraunen Lanzettflecken bezeichnet; Füsse, Augenkreise und Wachshaut gelb, die Krallen schwarz. Anmerkung. Die Note Naumanns „mit zugerundetem Schwänze" charakterisiert nicht, denn auch C. vespertinus und Cenchris haben — 47 — zugerundete Schwänze; auch jene „mit gelber Wachshaut und Füssen" sind bloss Neben- oder Hilfskennzeichen. Keuuzeicheii des Mäimchens. Oberkopf und Schwanz aschgrau, letzterer vor seiner weiss- lichen Spitze mit einer schwarzen Binde (und nur bei ganz ge- öffnetem Schwänze auf der Innenfahne sichtbaren angedeuteten Quer- bänderbruchstücken). Männchen im Frühjahr. (Erlegt am 23. April 1835 am Pulver- turm bei Buda.) Der Schnabel an der Spitze schwarz, in der Mitte und am Rücken hellblau, sonst horngelbgrau ; Wachshaut, Mundwinkel und die kahlen Augenkreise etwas wachsgelb; der Mund inwendig bläulich fleischfarben. Füsse etwas orangegelb, mit braunschwarzen Krallen. Augenstern licht- braun. Die Stirne schmutzig gelbweiss; Oberkopf und Hals hell aschgrau, mit feinen schwarzen Federschäften und etwas gelbbräunlichen Federsäumen an beiden Fahnen, welche allmählich in das Ziegelrot des Rückens übergehen. Rücken und Flügel zimtrostrot mit weissbraunen Schaftstrichen und einzelnen mehr oder weniger dreieckigen schwarzen Flecken, welche auf den grossen Schulterfedern am grössten sind; Unterrücken ganz un- gefleckt; die Schwingen graubraunschwarz, mit lichten schmalen Aussen- und auf den Mittelfedern sehr breiten weissgrauen Endkanten; die ersten haben an der Innenfahne weisse, die letzteren aber solche mit Braun ver- mischte, die roten letzten aber licht schwarzgraue Querflecken. Steiss und Schwanzfedern hell aschgrau, die letzteren am Ende mit einer 4 cm breiten, schwarzen , schmutzig weissgrau eingef assten Endbinde und , die zwei mittelsten ausgenommen, auf der Innenfahne mit angedeuteten schwarzen Querflecken und schwarzen Schäften; der Backenstreif aschgrau, schwärzlich gestrichelt; Kehle, Bauch und Unterschwanzdecken schmutzig gelblichweiss ; übriger Unterleib rötlichgelbweiss, an der Brust mit schieferbraunschwarzen Längsstrichen, sonst mit schwarzen kleineren und grösseren lanzettförmigen Schaftflecken; die Hosen rostgelb, kaum hier und da fein schwarz ge- strichelt; die weissgraue Unterflügelseite an den Decken mit schön herz- förmigen schwarzbraunen, tiefer mit durchschimmernden grauen, unten auch rostroten Querzeichnungen. Altes Weibchen im Frühjahr. (Erlegt am 7. Mai in Martfü.) Wachshaut und die kahlen Augenkreise hellgelb, die erstere ins Wachsgelbe spielend; Schnabel am Grunde gelblich, sonst ins Blau- schwarze übergehend; Mundwinkel gelb, innerlich bläulich; Augenstern hellbraun. Lauf hell wachsgelb, am Rücken stark ins Grauweisse spielend: Zehensoblen blasser gelb; die Krallen schwarz. — 48 — Ganzer Obeikopf von der rostweissen, schwarz gestrichelten Stirne an blass rostrot, mit schwarzbraunen schmalen Schaftfleckchen, welche gegen den fifrauen Nacken stets an Breite zunehmen; über den Augen verläuft ein rüthchweisser, schwärzlich gestrichelter, 0,44 cm breiter Streif; Gesichts- seiten rötlichgrau, unter dem Auge so dicht schwärzlich gestrichelt, dass da- dm-ch ein 0,88 cm breiter, unter dem Mundwinkel ins Rostbraune übergehender Backenstreif entsteht ; ganzer Hinterhals , Rücken , die Schultern , Ober- und Hinterflügel hell rostrot, mit am ersteren pfeilförmigen, an den letzteren aber dreieckigen schwarzbraunen Querflecken; die grossen Schwingen gräu- lich schwarzbraun, die fünf längsten nur auf der lunenfahne, sowie alle die folgenden mit grossen rostroten, nach aussen ins Weisse übergehenden Randflecken, von der fünften an aber auch auf der Aussenfahne mit stets nach hinten zu zunehmenden rostroten Augenflecken und breiten weissgrauen Spitzensäumen; Unterflügelseite roströtlichweiss , mit durchschimmernden schAvarzbraunen Querflecken; Unterflügeldecken weiss, mit matt dunkel- braunen, auf den letzten längsten Federn dreifachen und rostrot ein- gefassten läncjlichen Schaftflecken; Bürzel und Oberschwanzdecken aschblau- rostfarbig mit matten braunen Querwellen und schmalen schwarzen Schaft- pfeilfleckchen vor den Federenden; Kinn und Kehle rostgelblichweiss; übriger Unterleib rostrotweiss, am ungefleckten Bauch und an den Unter- schwanzdecken am weissesten, auf dem Unterhals und der Brust mit langen, auf den Leibseiten aber mit pfeilförmigen, langgestielten, schwarzbraunen Schaftflecken; die zart rostgelb weissen Hosen nur hier und da mit ganz kleinen länglichovalen Schaftfleckchen geziert; Unterschwanzseite rostrot- weiss, mit durchscheinenden schwärzlichen Querstreifen und schwarzbrauner Endbinde vor der roströtlich weissgrauen Spitze; Oberschwanzseite gelblich- rostrot, nach aussen stets röter, mit zehn schmalen, meist ungerade ent- springenden und welligen schwärzlichen Querstreifen und vor dem rost- gelbweissen Ende mit einer 2 bis 2,6 cm breiten schwarzbräunlichen Endbinde; die äusserste Schwanzfeder sehr licht, nur rostgelb weiss. Masse. 1. Männchen von Martfü, 2. Weibchen von Buda. Länge 35,5, 32,2 cm; Flugbreite 79,0, 72,4 cm; Schwanzlänge 17,0, 15,8 cm; Schnabel im Bogen 2,2, 2,2 cm; am Grunde hoch und dick 1,5, 1,3 cm; Nasenloch 0,33 cm lang, 0,22 cm hoch; Unterschenkel 6,6 cm; Lauf 4,6, 4,0 cm; Mittelzehe 2,6 cm; Kralle 1,3 cm. Yorkomiiieii, Aufenthaltsorte. Auf meiner Reise in Biliar traf ich ihn sowohl in den flachen Niederungen als auch in hügeligen und bergigen Waldungen, ja so- gar in den voralpinen Regionen, doch überall nur einzeln, paar- — 49 — oder höchstens familienweise vorkommend. Er hält sich längs der Donau auch in den hohen, steilen, zerklüfteten Ufern gerne auf, wie ich dies am 2. April 1851 unterhalb Hamzsab6g sah, woselbst dieser Falke unter Dohlen (C. monedula) und einer Menge Ufer- schwalben (C. riparia) nistet. Ich traf ihn auch überall auf den Donauinseln und Theissrandwäldchen und beobachtete ihn in Sieben- bürgen am Rotenturmpass (1844), wo auch Cerchneis cenchris (Naum.) vorkommt. Er hält sich auch in Städten gerne auf, und zwar auf den höchsten öffentlichen Gebäuden, wo er von Störungen verschont wird. Auch in Pest hat dieser Vogel mehrere beliebte Aufenthaltsplätze, wo er für den Horst geeignete Nischen findet und mit den in der Nachbarschaft reichlich brütenden Sperlingen die eigene Brut auffüttern kann. Aus der Stadt macht er regelmässige Ausflüge auf die Felder, um daselbst auf Mäuse und Insekten zu jagen, und geht oft recht Aveit weg. Da sich die Zahl der Pärchen alle Jahre durch neue Brüten vermehrt und die jüngeren auf ihren Geburtsplätzen ihre Wohn- und Horstsitze wählen wollen, so jagen diese die alten Paare grimmig herum, stossen auf sie, beissen, schlagen mit den Flügeln auf sie los, bis sie endlich müde und überwunden das Feld räumen. Diese Kämpfe werden von fortwährendem Lärm , zornigen und ängstlichen Rufen begleitet. Ist einmal der Brutort gesichert, so beginnt das schöne Umherkreisen und Schweben beider Gatten, haupt- sächlich aber des Männchens, in den Lüften oberhalb des Horstes, begleitet von frohlockenden Rufen. Nahrung-. In jenen Gewöllen, welche ich im Sommer 1850 untersuchte und welche von den im Museum brütenden Pärchen herausgeworfen wurden, fand ich: 1. Ganze Hausspatzen köpfe; Knochen von Spatzen. Sie müssen also oft beinahe ganze, hauptsächlich jüngere Spatzen ver- schlucken. 2. Überreste von grösseren Dytiscusarten. Diese tragen sie hauptsächlich ihren noch zarten Jungen zu; sie reissen aber bloss die weichen Unterleibteile ab und lassen das übrige fallen, so dass die armen Tiere noch lange herumkriechen. Diese Käfer scheinen sie abends und früh, so lange sie noch herumfliegen oder auf die Äcker gefallen herumkriechen, zu fangen oder abzulesen. Petenyi, Ornithologische Fragmente. 4 — 50 — Denn aus dem Wasser selbst habe ich sie nie etwas wegholen gesehen. 3. Eine Menge von Wasser- und Laufkäfern (Carabiciden, Coccinellen). 4. Eine Menge Schuppen und Knochön von Lacerta viridis und agilis, die sie ihren schon etwas aufgewachsenen Jungen über- bringen. Den Eidechsen beissen sie die Köpfe ganz ab und lassen dieselben fallen. Meist hat ein solcher Kopf abgebissenes frisches Gras im Munde, was daher kommen mag, dass diese Tierchen im Momente der Überraschung, um sich am Boden festzuhalten, ins Gras sich verbeissen und so samt Gras dann weggerafft werden. Die zarten Jungen werden mit den edleren inneren Teilen dieser Tierchen gefüttert, während das übrige fallen gelassen wird. Im Magen des beschriebenen Männchens vom 23, April 1835 fand ich mit Ausnahme eines grünschillernden Mistkäfers lauter schw^arze Feld grillen. Das Weibchen vom 7. Mai aus Martfü hatte eine Feldmaus im Magen. In einem geköpften Weidenbaume unweit seines Horstes fand ich eine ganz frische Feldmaus (Arvicola), der nur der Kopf abgebissen und die Haut über den Hals so zusammengezogen war, dass vom Fleische nichts entblösst blieb, damit es sich um so länger konserviere. iPfisteii. In der Wahl der Brutplätze beweist dieser Rüttelfalk die grösste Mannigfaltigkeit. Man findet sein Nest auf Bäumen, in Baumhöhlen, in Höhlen und Rissen hoher Flussufer oder Bergabstürze; auf Ge- bäuden und zwar auf den Brandmauern, hinter Verzierungen der Kapitale von Halb- und wirklichen Säulen (wie dies am Ungar. National -Museum der Fall ist), in Festungsmauern, auf Türmen, Ruinen u. s. w. Wo dies alles mangelt, wie z. B. im ungarischen Tieflande, brütet er meist in Krähen-, mehr noch in Elsternestern. Ich habe schon alle erwähnten Fälle gefunden, untersucht und be- schrieben, aber frei auf Bäumen selbst angelegte Nester fand ich noch nie. Auf den Donauinseln führen sie um die Nester blutige Kämpfe mit den Nebelkrähen (C. cornix) , begleitet durch beiderseitigen grossen Lärm, welcher alle Krähen der Umgebung herlockt und w^obei oft die Falken den kürzeren ziehen müssen. — 51 — Sie jagen die ilmeii sonst an Grösse, Sehlauheit und Keckheit überlegenen Elstern weniger durch direkten Angriff, als durch fort- währendes Sitzen bei einem solchen Neste weg, indem dadurch die Elstern ewig beunruhigt und geneckt werden. Umgekehrt jagen die Elstern tausendmal die späteren Zudringiinge von ihren Nestern weg, wobei die Falken ein ängstliches Zetergeschrei anheben. Aus- dauer siegt aber endlich doch, und die Elstern weichen. Nur wo viele Falken nebeneinander brüten, mögen sie wohl gesellschaftlich die Elstern und Krähen wegtreiben. Die Eier werden entweder bloss auf Streu oder auf die blosse Erde, Steine u. s. w. gelegt, oder aber es werden, wie schon er- wähnt, fremde Nester hierzu benutzt, wobei sich die ganze Tätigkeit des Falken auf das Ausbessern etwaiger schadhafter Stellen be- schränkt. Am Sitnaberg oberlialb Selmecz hatte ein Pärchen in etwa 5 m Höhe auf einem überdachten Absatz einer Felswand das ganz einfach angelegte Nest. Die Vögel kratzten nämlich vom Absätze die Erde samt den darin gcM^achsenen Pflanzen weg und legten sieben Eier auf den blossen Stein hin. Ein anderes Pärchen, ebenfalls bei Selmecz (1814), hatte auf der Brandmauer einer Scheune in einer Höhe von etwa 3 m das Nest angebracht; dasselbe bestand aus einer kaum bemerkbaren Vertiefung, mit einigen Stroh- und Grashalmen nachlässig belegt und mit lauter ausgefressenen Mäusebälgen kranzartig umgeben. Sieben Eier. Im Jahre 1815 fand ich ihn im Juni bei Abelowa in einer Buchenhöhle brütend, wahrscheinlich in einem Loche, wo auch Holz- tauben sonst brüteten. Auch im Buchenwalde bei Szakäll nistete im Jahre 1850 ein Pärchen in einem hohlen Baume, welcher auch von oben eine breite Öffnung hatte; die Vögel benutzten aber nicht diese, sondern eine seitliche Öffnung eines ausgefaulten Astes zum Ein- und Ausgehen. x\m 24. Mai 1846 traf ich in Beregvölgy (T.-Szt.-Märtoner Hotter) in einem Eichenwalde einige in Elsternestern brütende Pärchen gesellschaftlich mit Cerchneis vespertinus an. Ein Turmfalkenpaar hatte vier, das andere fünf Eier, und auf den letzteren sass das Weibchen schon fest, kam, aufgejagt, bald wieder zurück und schlüpfte trotz unserer Nähe und Gespräche ins Nest hinein. 4* — 52 — Pärchen, welche als die ersten einen Brutplatz behaupten, schreiten auch viel früher zur Brut. So machte ein Pärchen auf der Ercsier Insel schon am 5. April Anstalten zum Eierlegen und bezog vielleicht schon ein fertiges Krähennest, währenddessen die, die sich mit der Wahl des Brutortes verspäten, auch mit dem Nest- bau Zeit verlieren. Das Pärchen z. B. am Museums-Gebäude begann im Jahre 1847 erst Mitte April die Paarung. Das sitzende Weibchen lockt das schwebende Männchen mit kreischender Stimme an, etwa wie: „trrrrrrr-rrzi!" Sie brüten in einem Sommer auch zweimal. Im Jahre 1854 hatte das Pärchen am National-Museums-Gebäude um den 10. August die zweite Brut herausgeführt. Sie sind hierbei sehr um diese be- sorgt, führen und begleiten sie mit ängstlichen Zurufen und locken sie auf höhere, mehr Sicherheit bietende Stellen hinauf. Ein schönes Beispiel ihrer Sorge um die Jungen erlebte ich im Juni 1847 bei dem am Museums-Gebäude brütenden Pärchen. Vom 14. an hörte ich bei Tagesanbruch täglich das Geschrei beider Eltern. Ich meinte, sie riefen die auf dem Dache umherlaufenden Katzen an. Als man aber am 17. darauf aus einem Kaminloche, wo man mehrere Tage vorher ein Kratzen und Poltern vernommen hatte, ein verstorbenes Junges hervorzog, ging mir ein Licht auf. Jene klagenden Töne galten ihrem verunglückten Jungen. Im Juli 1851 wurden wieder zwei Junge im Kamin des Museums gefangen, und zwar zwei Männchen, Cerchneis tinnunculus und Cerchneis cenchris (Naum.). Die Eier dieses Falken sind sowohl nach Gestalt als nach Farbe sehr verschieden. Ich fand schon unter den von Beregvölgy stammenden solche, die schön eiförmig, am stumpfen Ende kaum dicker als an dem spitzen waren und keine auffallende Bauchigkeit zeigten, die man mithin oblong nennen könnte; andere, und zwar die meisten, waren aber kurz- oder rundoval, beide Arten ab- gestumpft und meist in der Mitte sehr bauchig. Die Schale ist fest, ziemlich dick, glatt, matt glänzend, je lichter, desto glänzender, je mehr rot, desto matter; dicht-, aber feinporös. Die Grundfarbe setzt sich aus zwei Farben zusammen: die unterste Schalenfarbe ist grauhchweiss, rötlich gelblichweiss, roströtlichweiss ; hierzu gesellt sich die rostfarbene Schalenfarbe, rein oder braun, eventuell grau vermischt. Die darauf folgende Farbenschicht ergibt sich gewöhnlich aus — 53 — rostroten, andernfalls aus schmutzig rostbraunen bis schwarzbraunen, meist fein verteilten Punkten und Fleckchen, welche manchmal auch ineinander fliessen. Die oberste Schicht besteht endlich aus dunkel rostfarbenen, braunen oder fast ganz schwarzen Flecken, welche auf manchen Exemplaren sich kranzartig ordnen. Überhaupt variieren die Eier auch hinsichtlich der Färbung sehr be- deutend, doch stets bleibt die rostrote und rostbraune Farbe charakteristisch. Nach dem Ausblasen werden sie ganz wenig blasser, bedeutender nur dann, wenn sie dauernd der Einwirkung der Sonnenstrahlen ausgesetzt sind. Innerlich betrachtet erscheint die Schale weiss, mit durchscheinenden rostroten Schattierungen. Masse. 1846 am 24. Mai, Beregvölgy. Gelege: 3,7 X o,l, 3,8X3,2, 3,9 X 3,3 cm. 1852 am 22. Mai, Nat.-Musemns-Gebäude: 3,9 X 3,1, 3,9 X 3,2, 4,1 X 3,2 cm. Sammlung des Ung. Nat.-Musemns : 4 X 3,3, 4x3, 4,02 X 3,02, 4,6 X 3,07, 4,1 X 3,2, 4,3 X 3,4, 3,9 X 3,2, 3,7 X 3,1 cm. Minimum 3,7 X 3,1 cm; Maximum 4,3 X 3,4 cm. Unter sämtlichen ziehenden Falkenarten kommt dieser als der erste im Frühjahr und geht als letzter von uns fort. Bei gelindem Winter zieht er sozusagen überhaupt nicht weg, wie ich dies im Winter 1851 bis 1852 beobachtete, als das am Museums -Gebäude hausende Pärchen bis zum 8. Dezember zurückblieb und nur auf das Eintreten der nasskalten Witterung verschwand; doch sah ich am 1. Januar schon wieder Turmfalken über der Stadt. Ankunft im Frühjahr: 1837, 19. Februar. Einige Hunderte kommen von Südost nach Pest. Viele lassen sich sofort auf die Türme nieder, wobei ihre überwinternden Kameraden ihnen mit frohlockenden Stimmen entgegenfliegen. 1839, 26. März. Kreist über der Stadt Pest, kämpft einige Tage später schon um das Nest. 1846, 25. März. Erscheint in Pest. 1847, 26. Februar. Trotz strenger Kälte in Pest angekommen. 1848, 17. März. Das erste Pärchen am Museums-Gebäude. 1849, 3. März. „ „ „ „ „ 1851, 22. März. „ 1852, 5. Februar. „ „ „ „ „ — 54 — 1854, 17. März. Ein Weibchen kauert ganz verzagt am Museums- Gebäude, verschwindet bald und erst am 31. März kommen wieder einige. Herbstzug: 1834, 19. und 20. Oktober. Einzeln bei Martonväsar. 1836, 30. Dezember. Ein Exemplar noch in Pest. Gelinde Witterung. 1853, 31. Oktober. Einzelne auf den Feldern bei Felsö-Besnyö. (In Pest beobachtete ich die letzten am 22. Dezember.) 1854. Obwohl bis Ende Dezember eine gelinde Witterung herrschte, verschwanden alle aus der Umgebung von Pest. Cerclmeis yespertinus*) (L.), Rotfussfalkc. Fälco vespertinus L., Besehe, Gm., Keys, et Blas. Falco rufipes Beeilst, Boie. Ungarisch: Bötläbü solyom Rsgr., Vajda, Petenyi; Kek vercse, Vereslähü vercse. Deutsch: Der rotfilssige Falk Naum., BotfussfaR-e, AhendfaTke. Slavisch: Sokolrudonoliy-cervenonohy, Palliardi, Vög. Böhm., Skolizh rudezhonogni, Freyer, V. Krains. Artkenuzek'lien. Die erste Schwinge mit der dritten beinahe gleichlang (beim Männchen etwas länger, beim Weibchen aber auch kürzer), über 2,6 cm länger als die fünfte; Krallenspitzen licht braungrau (alt) oder schwärzlich braungrau (Weibchen oder Junges). Füsse, Augen- kreise und W^achshaut mehr oder weniger rotgelb; Zahn am Ober- kieferrande etwas abgestumpft. Rücken des erwachsenen Männchens dunkel, fast schwarzbleigrau, des Weibchens und junger Vögel aschgrau und schwarzwellig bunt. Masse. Länge Breite Schwanz Schnabel im Bogen Lauf Mittelzehe deren Kralle cT ad. 29,6 72,4 13,8 1,75 2,4 2,0 1,1 cm. cfjuv.28,3 68,5 13,0 — _ _ _ ^ Altes Männchen. (Erlegt am 4. Mai 1842 in Erdöallja bei Martfü.) Die Flügelspitzen erreichen das Ende des Schwanzes; die Unter- schwanzdecken sind kaum 1,3 cm länger als die oberen; von den dreiund- *) Erschien in Otto Hernians Arbeit: „J. S. Petenyi, der Begründer der wissenschaftlichen Ornithologie in Ungarn. Budapest 1891." — Bearbeitet durch St. von Chernel. — 55 — zwanzig Schwingen die zwanzigste mit der achten gleichlang; die erste auf der Innenfahne stark verengt. Der Schnabel ist auf seiner Grundhälfte horngelbrot, auf der Spitzen- hälfte schieferblauschwarz, das eine ins andere übergehend, am Unterkiefer ist aber nur der Spitzenrand bläulichschwarz. Innerlich auf den hornartigen Teilen blass rötlichgelb, vorne schwarz schattiert, in den Mundwinkeln orano^ecrelb. Die fieischiffe Zun^e oben schwarzbraun und durch drei Ein- schnitte in vier Läppchen geteilt, deren mittlerer der tiefste ist; hinten mit starken Eckzähnen und scharfen Zähnchen besetzt. Die Wachshaut, äusserer Mundwinkel, wie das Augenlid von einer schönen, etwas glänzenden wachsgelbroten Farbe. Auch der Unterkiefer ist bis zum Kieferastgrund mit der Wachshaut überzogen, welche durch die Mundwinkel mit der oberen Wachshaut in Verbindung steht. Die sehr abgerundeten ovalen Nasenlöcher sind nach vorne etwas verschmälert, samt dem Säulchen schön glänzend gelbrot gefärbt. Die nackte Haut um die Augen blass rötlich- gelb; Augenstern tief braun, Augenwimpern schwarz. Die drei Vorderzehen am Rücken ganz beschildert, die Hinterzehe hat aber nur vier Schilder. Die Fussfarbe ist ein helles Ziegelrot und auf allen Rändern der am Laufrücken sitzenden Schildtafeln und Netze schmutzig weiss; Zehensohlen, vorzüglich auf den recht massiven Ballen warzig, gelbrot; die spitzigen, scharfen Krallen am Grrunde rötlichbraungelb, vorne hornschwärzlich. — Die Schenkel oben und an den Seiten beinahe bis zur Hälfte befiedert, auf der Ferse bis über die Beuge nackt; die bis zu den Zehenballen herabreichenden reichlichen Hosen unten abgerundet. Die Farbe des Hauptgefieders ist eine Bleifarbe, mehr bleiblau als blei- grau am Kopf, vorzüglich um die Augen, und vor ihnen sogar ins Schwarze übergehend. Oberrücken, Oberschwanzdecken und Oberflügel- decken am dunkelsten, am Unterleibe am hellsten; Schwingen oben hellgrau; Unterflügelseiten sehr dunkel bräunlichgrauschwarz ; Schwanz oben bläulich- schwarz, unten braungrauschwarz, mit dunkler silbergrauer Spitzenbinde. Hosen, After und Unterschwanzdecken brennend rostrot, auf den ersten am dunkelsten, überall mit dunklen kastanienbraunen, feinen Schaftflecken und unten ganz feinen weisslichen Federrändchen geziert. Alle die blei- farbenen Federn haben schwärzliche Schaftstriche, die auf den Unterflügel- decken vorzüglich stärker und auffallender werden und über den Schwanz mehrere dunkle Querstreifen bilden. Der Flaum, selbst am Grunde der rost- farbenen Federn, blaugrau. Flügelschäfte oben schwarz, unten weisslich. Der Magen war ein grosser häutiger Sack; Vormagen drüsig. Junges Männchen. (Erlegt ebendort und am selben Tage wie das vorige.) Schnabel am Grunde hornrötlich-weissgelb, vorne blauschieferschwarz, welche zwei Farben ineinander flössen, innerlich blass weissgelb, nur im — 56 — Mundwinkel zitronengelb. Zunge vorne schwarzbraun; Wachshaut, Mund- winkel, Augenlid rotgelb; Augenhaut grünlichweissgelb ; Augenstern sehr dunkel linsenbraun. — Füsse gelbrot, auf den Läufen schmutzig weiss; Zehensohle rotgelb; Krallen rötlichgelbbraun, kaum etwas auf dem Rücken und Spitzen dunkler — schwärzlichbraun — eingelassen. — Die Leibfedern grösstenteils bleigrau, doch von dem vorjährigen Jugendkleide überall noch die Überreste durch das erste Frühlingskleid durchscheinend: und zwar die Stirne weissgelb. Auch an den Kopf-, Halsseiten und der Kehle haben die meisten bleigrauen Federn noch einen mehr oder weniger hervorschimmern- den rostgelblichen Grund, welcher am ganzen Unterleibe, vorzüglich aber an der Oberbrust, ganze rostgelbe, oft innerlich die halbe oder beinahe die ganze Feder einnehmende, in die bleigrauen Ränder einfliessende Schaft- flecke bildet. — Oberflügel nur noch zur Hälfte auf den kleineren Decken bleigrau, das übrige vom schon stark abgetragenen Jugendkleide dunkel schieferbraun, hell graublau mit Rostgelb in der Quere gebändert. — Die Schwingen und ihre nächsten Decken schiefergraubraun mit weisslichen Spitzeneinfassungen, erstere auf den Innenfahnen mit grossen weissen, rot- braun eingelassenen Augenflecken. — Unterflügel mit den Decken weiss- gelb mit rotbraunen Schaftflecken und Strichen gewellt, und nur nahe am Leibe schön dunkel bleifarbig; auf den düsteren bläulichgrauen Schwingen mit matt weissen, ins Bräunliche ziehenden Querflecken durchzogen. Am Schwänze waren nur die vier mittleren Federn schwarzbleifarbig, die zwei mittelsten noch vom vorigen Kleide lichter, mit sehr kenntlichen, und die ihnen nächsten beiderseits mit dunkleren schwarzen Endbindenflecken. Die übrigen Schwanzfedern noch vom Jugendkleide rostgelbschwarzbraun, mit schiefergrauer Einfassung, zehn- bis elfmal in die Quere gebändert, ausser- dem noch mit einer breiteren Endbinde. Unterschwanz matt rötlichweiss- gelb mit schiefergrauen Querbinden. Das Rostrot des Afters, der Unter- schwanzdecken und der Schenkel weniger lebhaft, ja auf den Unterschwanz- decken nur rostgelb. Der ganze bleigraue Unterleib hatte stellenweise — dadurch, dass die rostgelben Flecken am Grunde der meisten Federn durch- schimmerten und auch lichtere Bändchen hatten — ein gemischtes blau- graues, ins Rostgelbe spielendes Aussehen. ö" KestkU'id. Anfangs Juli 1844 wurden mir aus Martfü von dem dortigen Ispan Michael Gube zwei ungefähr zwei Wochen alte Exemplare von diesem Falken zugesandt. Sie waren beiläufig von der Grösse einer Wachtel, aber gedrungener und mehr feist. Die zarte Wachshaut und die Mundwinkel, sowie die kahlen Umkreise der Augen waren anfangs zart bläulichgelb, ins Grünliche ziehend: das Auge recht dunkelbraun, so dass es in einiger Entfernung tief schwarz zu sein schien. Die Schnäbel waren durchaus — 57 — gelblichgrün, kaum mit einiger Andeutung von dunklerer Farbe auf ihren Spitzen; innerlich am Schnabelgrunde blass gelb, ins Rötliche übergehend, die fleischigen Teile samt Zunge fleischrot. Die Füsse waren zart blass zitronengelb, so auch die Zehensohlen. Krallen gelblichweiss, mit kaum merklicher Andeutung eines Braun auf ihren Spitzen und längs der Seiten. Sonst war der ganze Körper mit einem sehr weichen, zarten, wolligen '^^'^Uor^^nV:^^''^ Cerchneis vespertinus (L.) juv. Nach dem Leben. Flaum recht dicht bedeckt. — Damals war noch keine Spur von irgend welchen wahren Federn an ihnen. Übergang' vom Nestflaum zum ei-steu Jugeudkleide. Drei Tage darauf drängten sich schon ganze Reihen von Federn her- vor, hauptsächlich aber am Rücken, innerhalb der Flügel und am Unter- leibe beiderseits, längs der Brust hinab. Binnen 17 Tagen nach ihrer Ankunft in Pest — also als sie vier, höchstens fünf Wochen alt waren — waren sie schon beinahe ganz ausgefiedert, erwachsen und soweit flügge geworden, dass sie leicht sich erheben und weit fliegen konnten. In diesem Alter sahen sie folgendermassen aus: Schnabel, Wachshaut blass bläulich- — 58 — o-rau, mit einem schwachen Gelbgrün vermischt, beim Männchen bedeutend dunkler — nämlich blauer — als beim Weibchen; die nackten Augen- kreise grünlichgelbblau, oben und unten ziemlich stark mit schwärzlichen Härchen besetzt. Der Schnabel selbst am Grunde und an der Spitze beim Männchen grüngelb, am starken Haken dunkel graublau, ins Schwärzliche ziehend: der Unterschnabel ganz grünlichgelb, am Grunde bläulich ein- gelassen; beim Weibchen grünlichblasswachsgelb, stark ins Rötliche ziehend. Bei diesem war schon der grösste Teil des Hakens, sowie auch die Spitze des Unterkiefers hornbläulichschwarz. Die Füsse waren bei beiden Exem- plaren schmutzig und blass orangengelb, doch beim Weibchen rötlicher als beim Männchen; die Zehensohlen und Ballen waren bedeutend rötlicher als die Füsse selbst. Die Krallen des Männchens auf ihrem Grunde und die der Mittelzehe längs ihrer Ränder stark gräulichbraun, sonst gräulich- gelb; beim Weibchen aber weisslichgelb , beinahe ohne alle dunkleren Zeichnungen, nur längs der Kralle der Mittelzehe gegen ihre Spitze bräun- liche Streifen-Andeutungen. Die Kehle, untere Wangenseiten und Schläfen schmutzig weiss, sehr ins Rotbräunliche ziehend; beim Weibchen auch diese Teile rötlichbrauner als beim Männchen, wo sie weisslicher waren. Der dunkle Gesichtsfieck und Backenstreifen — worin das feurige Auge sass — war matt schwarz , von den Schläfen durch eine weissliche Schattierung getrennt. Oberkopf licht rostbraun, auf der Stirne ins Weiss- liche spielend, hier mit matt schwärzlichen Strichen, oder aber Schaftflecken stets nach hinten und nach den Kopfseiten hin bedeutend und dunkler schattiert. Auf den Genickseiten sitzen beiderseits grosse licht rostrot- braune Flecken, welche nur auf den Federspitzchen schwach schwärzlich gefleckt und sehr fein rotweisslich gerändert waren. Am ganzen Kopfe Sassen noch schütter die weisslichen, drei- bis vierspitzigen Fläumchen vom Nestkleide, welche aber mit jeder starken Bewegung einzeln davon flogen. Der ganze Mantel war ein dunkel bläuliches Aschgrau, und vor dieser mit einer starken schwärzlichen, sich allmählich ins Aschgraue verlierenden Schattierung. Die hell rostbraunen Federränder waren je mehr nach unten hin desto breiter, bedeutender, hauptsächlich aber auf den Schulterfedern und den zwei kleineren Ordnungen der Flügeldecken sehr breit. Alle diese rostbraunen Federränder waren auf ihren Spitzen auch noch graulichweiss gestrichelt. Über die Flügeldecken zweiter Ordnung liefen schon einige dunkle, ja schwärzlichgraue, breite Querbinden, worunter stets die tiefste und dem Ende die nächste die breiteste war. Über die Flügeldecken erster Ordnung, an der hinteren Flügelhälfte, sowie über die Schwingen ebenda, liefen aber schon mehrere, vier bis sechs solche Querbinden, und an diesen letzteren waren die licht rostbraunen Endsäume stark, und je mehr nach vorne hin desto mehr ins Weissgraue übergehend. Der Vorderflügel war an den Schwingen und deren Decken schwarzbräunlichgrau, mit dunkleren — 59 — Schaftstrichen und weisslichen Aussensäumen; der Afterflügel (Alula) mit dem breitesten rostbraunweissen, die Decken erster Ordnung mit schon bedeutend lichteren weissgrauen, kaum merklich bräunlich angehaucht: die Schwingen von der siebenten an nur mit weissgrauen Federsäumen, die sieben ersten aber ohne sie, und diese waren auf ihrer Spitzenhälfte bei- nahe schon schwarz. Auf der Innenfahne der Schwingen waren schon je weiter nach hinten hin desto mehr weisse Augenflecke sichtbar, welche auf der unteren Flügelseite mehrere Reihen weisser Augenquerbinden bildeten. Flügelrand weisslichrostgelbbraun mit hervorstehenden pfeilförmigen, schwarz- grauen Schaftflecken. Unterflügeldecken rostgelbbraun, stark ins Weissgraue spielend, die oberen und kleineren schwärzlich und dunkelbraun gefleckt, gewölkt, die längeren mittleren, beiderseits der schwärzlichen Schaftstriche, dunkel rostbraun quergefleckt, mit einigen weisslichen, geschlossenen Augen- flecken; die untersten matt dunkel aschgrau, mit doppelten weissen Augen- flecken. Die untere Schwingenseite graulichschwarz, mit weissen Augenflecken- querreihen. Unterrücken bläulichschwarzbraun mit dunkleren Querflecken und starken rostbraunen Endsäumen, hinter welchen ganz schmale licht- graue Streifchen stehen und so eine dreifache Querschattierung über dem Unterrücken, wie eine Wellenzeichnung von rostbraun, licht grau und schwarzgrau, bilden. Der Bürzel ist ebenso, doch sind die Querzeichnungen alle so breit, dass sie nicht mehr Wellen — sondern Querbinden vorstellen. Oberseite des Schwanzes bräunlichaschgrau mit sechs bis sieben schwärzlichen Querbinden, wovon die lichtere gelbrostrote breite Endbinde die breiteste und bedeutendste ist. Unterseite des Schwanzes silberweissgrau, mit schwärz- licher Quer- und rostgrauer Endbinde. Unterleib überhaupt weisslich rost- gelb, auf der Brust und deren Seiten bis zum Bauch hinab mit starken schwarzbraunen, durch einen schwärzeren Schaftstrich durchzogenen Schaft- flecken, die auf der Gurgel und Oberbrust am grössten, also am dichtesten sind und stets nach unten an Grösse abnehmen, auf der Unterbrust nur als schmalere Fleckenstreifen, auf den Leibseiten und über den Hosen hin nur als schwärzliche Schaftstriche hinabiaufen. Die gelblichen Hosen schon deutlich rostrot angeflogen, mit einzelnen dunkleren Schaftstrichen. Der untere Teil des Bauches, die Schenkel- und Afterbefiederung waren am lichtesten, nämlich weisslichrostgelb, und nur die längsten Unter- schwanzdecken hatten gegen ihre Spitze hin unbedeutende braune, feine Strichandeutungen und versteckte schwarzgraue Querfleckchen. Die dunen- artige Bedeckung der Fettdrüse war gelblichaschrot und einen flachen Pinsel bildend. Man sah schon in diesem Kleide einen zwar geringen, aber doch merklichen Unterschied zwischen diesen beiden Vögelchen. Schon im Habitus war das Weibchen stets robuster, stärker; dasselbe hat sich um drei Tag^e früher auf die Füsse gestellt als das andere. Bei ihm war die — GO — Wachshaut, die kahlen Augenkreise, bedeutend lichter, der Schnabel aber wieder bedeutend dunkler, nämlich das Blassgelb desselben stark ins Röt- liche und das Dunkel des Hakens bedeutender und mehr ins Schwärzliche ziehend. Auch die Füsse waren beim Weibchen rötlicher als bei dem Männchen, die Krallen hingegen bei diesem sowohl auf ihrem Grunde als auch auf den Spitzen mehr dunkler gezeichnet. Ebenso war auch die weisse Kehle und Wange beim Weibchen mehr ins Rostbräunliche ziehend, beim Männchen aber reiner weiss; ja das ganze Gefieder, hauptsächlich am Mantel und dem ganzen Oberleibe, war überhaupt auf den schwärzlichen und rostgelben Zeichnungen schon entschiedener, das heisst vom bläulichen Aschgrau schärfer, also auffallender abstechend als beim Männchen, welches durchweg, hier aber selbst am Unterleibe matt düster, grauer untermischt war, und dessen ganzer Unterleib am Rostgelb einen stark schmutzig grauen Anflug hatte. Vorkommen, Yerbreituiig' mul Aufeiitlialtsplätze in Ungarn. Dieser schöne und wegen seines seltenen Vorkommens in den meisten Ländern Europas, seiner weniger erforschten Lebensweise sehr interessante Falke, hat in Ungarn eine sehr grosse Verbreitung. So traf ich ihn von Pozsony herab auf beiden Seiten der Donau, sowohl gegen Nordwest, als auch gegen Südwest bis Steier- marks und Kroatiens Grenzen; und wieder von den Hochgebirgs- ketten von Gömör, Torna, Szatmar, Bihar hinab über alle offenen, flachen, wärmeren Täler und Niederungen soAvohl Ober- als Nieder- Ungarns verbreitet, sobald sie, gegen Kälte geschützt, für seine Nahrung und Brutplätze geeignete Lokalitäten darboten. Der Rotfussfalke muss nämlich vom kalten, stark bewaldeten Hochgebirge ziemlich entfernte, geschützte, hauptsächlich an Flüssen oder unweit von Gewässern gelegene ebene , oder abwechselnd hügelige, offene Gegenden haben — worunter er jedoch die freie Ebene vorzuziehen scheint — , besonders wenn Wiesen, Triften, Weideplätze und Anbaufelder reichlich abwechseln und dazwischen kleinere Wäldchen oder längs eines Flusses, an einem Teiche Auen vorkommen; wenn Pappelbäume oder baumreiche Parke, englische Gärten oder anderes Gehölze vorhanden sind, in welchen sich auch andere Vögel, hauptsächlich Nebel-, Saatkrähen und Elstern gerne ansiedeln, um zu brüten. Zur Brutzeit sind nämlich die Rotfuss- falken auf anderen Plätzen durchaus nicht zu sehen als dort, wo eine oder die andere der eben genannten Vogelarten brütet. — 61 - Es ist gleichviel, aus welcher Baumart diese Wäldchen bestehen, ob sie auf schwarzem, fettem Humus oder aber auf einem leichten Sand- oder Flugsandboden vorkommen; ob sie auf einer Insel oder endlich längs den Ufern eines Flusses stehen; sie werden besiedelt, sobald ihre Umgebung die Nahrung und vorhandene Nester Gelegen- heit für ihr Brutgeschäft bieten. Eben aus diesen Gründen findet man die Rotfussfalken nie tief in grossen Waldungen, nie auf ganz von Menschen und menschlicher Kultur verlassenen Puszten — Steppen — , sondern stets dort, wo auch die Saatkrähen und Elstern vorkommen; also nicht weit oder oft ganz nahe den menschlichen Wohnungen; selbst in Stadt- und Dorfgärten, wenn sie ihnen übrigens wohlgelegen sind. So fand ich sie vom Jahre 1825 an in verschiedenen Richtungen Ungarns auf allen soeben geschilderten Plätzen in geringerer oder grösserer Anzahl, auf dem Zuge sowohl als auch brütend an. So längs der Donau auf den meisten hochbäumigen Inseln von Pozsony bis Zimony hinab, namentlich häufiger auf den Inseln von Pest, Csepel, Ercsi, Adony. Ebenso fand ich diesen Falken überall längs der Tisza, und zwar von Tokaj an bis zur Mündung dieses Flusses hinab, vorzüglich an waldigen, mit hohen Pappeln und Weiden bewachsenen Ufern des- selben vor. So z. B. im Martfüer Erdöalja in zahlreichen Schwärmen; nicht minder längs der Maros, sowie auf allen den zwischen diesen Flüssen liegenden, geeigneten ebenen oder hügeligen Niederungen. Gleichfalls — aber wegen der wenigeren Weideplätze bei weitem in geringerer Anzahl — kam er am rechten Donauufer, gegen Steier- mark, Kroatien und Slavonien zu, vor. Im Jahre 1839 traf ich ihn auf meiner mit He ekel unternommenen ichthyologischen Reise ziemlich zahlreich in einem nahe an der Fahrstrasse an Wiesen und Anbau gelegenen Eichenwäldchen vis-ä-vis der Ruine Szigiiget im Zalaer Komitat. Ferner unweit von Losoncz auf dem Törökvölgyer Gütchen in dem aus einzelnen alten Eiclien bestehenden und auf einer feuchten Ebene gelegenen „Laposwäldchen". So auch zu Nagy-Käroly — Szatmärer Komitat — im gräflich Kärolyschen Park; ebenso in Siebenbürgen längs der Maros unweit Deva in einzelnen Pärchen. Am häufigsten und in jedem Jahre traf icli ihn längs der Donau — aber auch in ziemlicher Entfernung davon — im Pester Komitat und zwar in Rakos-Keresztur, Räkos-Csaba, hauptsächlich in den durch den Räkosbach durchfiossenen Anlagen, den Weiden- und Pappelalleen, und auch in den von Elstern bewohnten Garten- — 02 — \\aklchcii des Frciliorrn Anton Laffert und Johann Podmaiiiezky; so auch in dem von Elstern bevorzugten „Homokwäldchen" am Planiräcs-Oriiovan; besonders auf den am Mtihlteiche stehenden hohen Pyramidenpappehi. Gleich häufig war er in den Wäldchen von Gyömrö, Peteri, Bille, T6t und Monor zu finden, welche partien- weise zwischen Äckern, Viehweiden, Wiesen stehen und mit Hügeln und Ebenen abwechseln, von Saatkrähen und Elstern bewohnt sind. Hier fand ich im Jahre 1826, und zwar unweit der Weingärten von Peteri, die ersten Eier, welche dann durch Brehm, und zwar als bis dahin unbekannt, zum erstenmal bekannt gemacht Avurden. Auch im Jahre 1846 traf ich in Peteri einzelne Pärchen auf den hohen Pappeln des herrschaftlichen Gartens und noch mehrere im Wäldchen bei den Weingärten; so auch in Tet — bei Bicske — in Täpio-Szent- Märton, im Beregvölgy; in den zwischen Sümpfen eingeschlossenen oder an sie grenzenden Wäldchen auf Flugsand- hügeln bei Szöreg; im Hotter von Szent-Märton und Nagy-Käta, im Orte Täpio-Szent-Märton, selbst in den von Saatkrähen und Elstern bewohnten Gärten, Akazienwäldchen, der Grundherren Blaskovits, Kubinyi und Szabö; ebenso 1842 und in den folgenden Jahren in dem Homokwäldchen um Czegied, Alberti-Irsa, Pills und der ganzen Umgebung, wo Saatkrähen und Elstern nistend vorkommen; im Jahre 1843 bis 1844 in ziemlich grosser Anzahl brütend im Homok- walde von Alsö-Peszer, wo er alljährlich häufig mit Falco subbuteo brütet, ebenso an den Donauufer -Wäldern bei Bugyi, Dömsöd, so auch um Gyön, Dabas, Puszta-Babät. — Nirgends aber traf ich ihn so häufig, wie in den an Weidenbäumen so reichen, von Elstern und Saatkrähen bewohnten, an grosse freie Weideplätze grenzenden Uferwäldchen der Theiss. Im Martfüer Erdöallya brüten alljährlich vielleicht mehr als hundert Paare in einer Nestkolonie. Ende April 1842 traf ich ihn auf der Reise nach Tisza- földvär und zwar von Monor an gegen die Theiss zu überall häufig, sobald auf der grossen Ebene Fluren, Wiesen, Triften vorkamen; ferner wo Waldpartien oder auch nur Baumgruppen standen. So schon im Monorer Wäldchen, dann zu Pills im Beleznaischen unteren Garten, so auch häufig in den zwischen Pills und Alberti liegenden Pappel- und Akazien -Waldanlagen, welche von allen Seiten an Triften, Wiesen, Äcker stossen und daher von Elstern, Saat- und Nebelkrähen in Menge bewohnt werden, an welche Vögel er sich überhaupt anschliesst. Stellenweise fand ich ihn auch im Wäldchen — 63 — von Czegied und in den an den meisten Tanyas stehenden, von Saatkrähen bewohnten Baumgruppen; so auch in Törtel und Abony selbst im Intravillan in grossen baumreichen Gärten. Die weitaus grösste Zahl war jedoch in dem hauptsächlich aus kanadischen Pappeln und hohen alten Weiden bestehenden Theissuferwäldchen „Erdöallya" zu Martfü zu finden, wo dieser Falke überhaupt alles vorfindet, was ihm den Aufenthalt und das Brutgeschäft erleichtert. Hier findet man den Rotfussfalken in dem nicht sehr breiten, sich längs der Theiss dahinziehenden, lichten Waldstreifen, wo viele Krähen, Elstern, Tauben und Stockenten Nester anlegen und wo sich in nächster Nähe Triften und Weideplätze ausdehnen, allwo dann Millionen der ihm zur Nahrung dienenden Grillen, Heuschrecken, Mai- und Laufkäfer vorkommen; wo auf feuchten Wiesen Laub- und Wasserfrösche leben, endlich auf Fluren, wo grasige Böschungen • dahinziehen und die besonders von Lacerta agilis in Menge bewohnt werden. Ebenso traf ich ihn — wie schon erwähnt — auch am Balaton, und zwar im Wäldchen bei Szigliget; dann am Badacsony und jenseits in der Somogy unweit Hidveg, und zwar hier in einem auf moorigem Grunde stehenden Eichen walde. Er kommt manchmal auch in der Gegend vom Fertö-See, end- lich von Sopron und Pozsony vor. Auf meiner Reise in das Bihar- Gebirge im Jahre 1854 sah ich den Rotfussfalken zwischen Szolnok, Mezötür und Körös-Ladäny nur hier und da in geringer Zahl, obgleich in jenen Gegenden die Saatkrähen immer an Zahl, folglich auch an Brutplätzen zunahmen. Im Biharer Komitat selbst traf ich ihn nur auf der Puszta Radvän einzeln an, also im Verhältnis zu der Menge der Krähen-Brutplätze in äusserst geringer Zahl. Wahrscheinlich traut er sich dort weniger zu horsten und zu brüten, wo es der Saatkrähen gar zu viele gibt, weil er sie dort nicht beherrschen und besiegen, sich ihrer nicht erwehren kann. Lebensart. Dieser Falke, da er meist nur von Kerfen — und zwar von solchen, die oft zu Millionen in der Abenddämmerung vorkommen, z. B. Grillen, Heuschrecken, Mai- und Mistkäfern u. s. w. — lebt, also keine Ursache hat, futterneidisch zu sein, ist der geselligste und mit seinesgleichen der verträglichste aller europäischen Raubvögel. Die Kolonie ist so gesellschaftlich, dass sich ihre Mitglieder — von den Nahrungsplätzen zurückkehrend — selbst auf dem Brut- — 64 — platze Avie die Stare zu sechs bis zehn und mehreren auf denselben Baum, ja auf ein und denselben Ast nebeneinander setzen; ja sogar — wenn der Ast ganz besetzt ist, wollen sich die nach- kommenden noch immer zwischen die dicht nebeneinander sitzenden mit Gewalt drängen. So ausruhend, sitzen sie halbe und ganze Stunden lang verträglich nebeneinander; nur dann und wann fliegt der eine oder andere Falke auf, um seinen Ehegatten oder sein Kest aufzusuchen und über demselben fliegend einige Kreise zu ziehen, er kehrt aber gewöhnlich bald zurück und setzt sich wieder zwischen seine Genossen. Bei solcher Gelegenheit kann man mehrere, selbst vier bis sechs Stück, auf einen Schuss erlegen. Von ihren Standplätzen fliegen sie besonders in der Frühe, ferner nachmittags und zwar zu 50 bis 100 Stück, überhaupt so viele als da sind und so viele vom Brutgeschäfte während der Brut- zeit abkommen können, nach den unweit ihrer Aufenthaltswäldchen oder Bäume vorhandenen Hutweiden, Grasplätzen, Stoppelfeldern, Brachäckern u. s. w., wo sie entweder im leichten Schwebefluge dahin schwimmen — lebhaft an Schwalben erinnernd — und zeit- weise rütteln — oder mitunter auf erhöhten Stellen, unweit von- einander — z. B. auf Maulwurfshügeln, umgestürzten Rasenstücken sitzend, auf herumkriechende Käfer lauern, oder auch, umher hüpfend und sich etwas ungeschickt fortschiebend, den Grillen, Lauf- und Maikäfern nachjagen. Von Zeit zu Zeit erheben sie sich einzeln, mitunter aber auch gesellschaftlich, ziehen leichte Kreise in der Luft, machen Schwebemanöver und treiben förmliche Spiele. So sah ich 1841 bei Pills eine Gesellschaft von Rotfussfalken ebenso dicht über den Wiesen rütteln und umherschweben, wie dies die schwarze Meerschwalbe über den Gewässern oder auch manchmal über feuchten Brachfeldern zu tun pflegt; von weitem war eine Verwechselung beider Vogelarten möglich. Sehr interessant ist es, über einer ebenen, freien Hutweide 20 bis 50 Rotfussfalken unweit voneinander schweben, alle Augenblicke einen oder zu gleicher Zeit auch mehrere rütteln und sich auf Grillen, Heuschrecken und andere Kerfe herabstürzen zu sehen; diese Eigenheit erinnert wieder lebhaft an die schwarze Seeschwalbe, welche bekanntermassen über seichten Gewässern, feuchten Brachfeldern oder auch über frisch abgemähten Stoppelfeldern dasselbe tut. Im Juli und August besuchen die Rotfussfalken, ihre — schon flüggen — Jungen mit sich führend und zur Jagd abrichtend, sehr &■ A Vi t/3 3 3V O '^*W \ r'*"^^» ^y^-^ o i>" — 65 — gerne die abgemähten Wiesen und Saatfelder, hauptsächlich so lange noch das Gras oder die Frucht in Reihen daliegt; auf diese Reihen setzen sie sich oft zu drei bis vier Stück nahe nebeneinander, um den verborgenen und sich verbergenden Grillen und anderen Kerfen aufzulauern. Solche Jagden habe ich im August zu Pest und im September zu Rakos-Keresztur an dem Merzse-Sumpfe beobachtet, wo der Rotfussfalke um diese Zeit häufig zu sehen war. Nur sehr selten sieht man den Rotfussfalken auf einer grösseren Strecke einsam fliegen, und wenn dies der Fall ist, so ist es gewiss ein Männchen, dessen Weibchen noch brütet, das Männchen also für sich und für das Weibchen die Nahrung besorgt. Es ist oft der Fall, dass man besonders zu gewissen Tages- zeiten auf den Brutplätzen lauter Weibchen antriff't, wie ich dies im Wäldchen von Peteri und Farkasd erfuhr, wo ich zehn bis zwölf Weibchen aufjagte und kaum zwei Männchen fand; die ersteren hüteten offenbar die Nester und Eier; die Männchen eilten nur dann herbei, wenn die Weibchen aufgescheucht wurden und ihre Angstrufe ertönen Hessen. Auf ihrem Brutplatze sind diese Falken durchaus nicht scheu; von ihren Nestern aufgejagt, setzen sie sich in deren Nähe auf dürre Baumäste, so dass es sehr leicht ist, diese zutraulichen, harmlosen Geschöpfe hierselbst in Menge zu schiessen. Nach der Paarung fliegen die Paare, mit diesen aber auch die Männchen der schon brütenden Weibchen, in Gesellschaften vereint an passenden Ortlichkeiten umher, wobei sie manchmal sehr an- haltend rütteln. Wenn sich dieser Falke auch von Vögeln nähren würde, müssten sich alle kleinen Vögel vor ihm fürchten und flüchten; aber gerade der Umstand, dass dies nicht der Fall ist und alle in seiner Nähe brütenden Vögel sich so ruhig, ja zutraulich betragen, beweist, dass er ihnen nicht feind ist. Als Insektenfresser finden diese Falken bei uns den ganzen Sommer hindurch den Tisch beinahe überall gedeckt, sind also eben deswegen selbst auf den Brutplätzen nie futterneidisch wie andere Falken, welche ihre Nahrung schwerer erbeuten können und eben darum auch ihresgleichen in ihrem Reviere nicht dulden. Die Nahriiug'. Obwohl man im Kröpfe dieses Falken mitunter auch Amphibien, z. B. Laubfrösche, findet, welche der Vogel im Frühjahr, so lange es Petenyi, Ornithologische Fragmente. 5 — m — nämlich am wahren Futter noch mangelt, vom Rande der Lachen der Grasplätze aufnimmt, wohin sich diese Frösche zum Laichen be- geben, so scheint er von Natur doch hauptsächlich nur für grössere Kerfe, wie Coleopteren, Orthopteren u. s. w. bestimmt zu sein. Ich fand in seinem Kröpfe und Magen zu verschiedenen Zeiten gewöhn- lich eine Menge von grossen, dicken, in ihrem eigenen Saft auf- geweichten Heuschrecken, Grillen, so auch Rhizotrogus-Arten. Vor- züglich waren es die grünlichen Heuschrecken, Decticus, Odontura, Locusta, auf welche er seine Jagd auf Saaten, Wiesen, Stoppeln, Äckern veranstaltete. Im Frühjahr 1842 fand ich im Magen, sowie auch im Kröpfe eines Männchens sonst nichts als Melolontha. In den Magen von vier aus Tiszaföldvar erhaltenen Stücken waren Überreste von allerlei Insekten, namentlich von Grillen, von Cicin- delen, Melolontha, Laufkäfern, auch ganzen Raupen, glatten Larven; bei zweien aber waren Stücke von verschluckten kleinen Fröschen und Kröten vorhanden. Es herrschte zu dieser Zeit eine sehr windige, kalte Witterung, dass es kaum möglich war, Käfer zu finden, wahrscheinlich deswegen frassen die Falken aus Not auch Amphibien. In einem Magen fand ich selbst eine glänzende Fleischfliege vor. Nie fand ich aber bei allen den vielen untersuchten Rotfussfalken irgend ein Überbleibsel oder eine Spur von einem Säugetier oder einem Vogel; folglich scheint Meyer zu irren, wenn er behauptet, „dass der Rotfussfalke auch Vögel und Mäuse fresse." Wohl ver- schluckt aber dieser Falke mitunter auch Kieselkörner. Der Flug:. Sein Flug ist sehr leicht — der leichteste unter seinen Familien- verwandten — schwimmend -schwebend mit wenigen, selten an- gewendeten Flügelschlägen. Am herrlichsten ist dieser Flug über seinen Brut- und Nahrungsplätzen, besonders gegen Abend, zu welcher Zeit er in leichten, schönen Kreisen schwimmend zieht. — Obwohl er — von weitem gesehen — leicht mit anderen Vögeln, z. B. See- schwalben — ja sogar, wenn er einzeln und knapp über dem Boden fliegt, selbst mit einem Kuckucksmännchen zu verwechseln ist, so erkennt ihn dessenungeachtet, selbst in seinem niedrigen und geraden Flug, der geübte Beobachter auf den ersten Blick schon durch seine roten Füsse, welche sich auch im Fluge recht gut ausnehmen und in die Augen fallen. Einzeln rüttelnd ist er sehr selten an- zutreff'en, nur wenn eine Gesellschaft von Rotfussfalken einen Platz — 67 — durchstreift, sieht man viele dicht nebeneinander rütteln, was mehr den Eindruck eines Spieles und geselliger Unterhaltung als jenen einer Kunst des Futtersuchens macht und umsomehr, als sie ihre Nahrung mehr auf der Erde hüpfend und laufend aufnehmen, als durch das Rütteln und den Stoss erfassen. Stimme, Ruf und Geschrei. Des Rotfussfalken gewöhnlicher, falkenartiger Ruf oder Lockton ist dem des Turmfalken, ja selbst dem des Baumfalken in Ton und Modulation ziemlich ähnlich, aber von beiden durch seine bedeutendere Höhe und sein leises Wesen auffallend unterschieden, so dass der Beobachter diesen Ruf schon von weitem selbst dort, wo alle drei Arten auf einmal zu gleicher Zeit laut werden, sofort unterscheiden kann. Dieser Ton wird im Gegensatz zu dem starken, durch- dringenden, schrillen Ruf sowohl des Turm- als auch des Baum- falken auf eine merkliche Weise durch sein sanftes, leiseres, an- genehmes, gedämpftes Klingen gekennzeichnet. Er klingt ungefähr giugiugiugiugiugiu, oft wiederholt, und hat viel Ähnlichkeit mit dem des Wendehalses, nur ist er heller und kräftiger. Diesen Ruf lässt der Rotfussfalke sowohl im Fluge über seinem Brutplatz als auch sitzend, mitunter auch vom Sitze auffliegend häufig vernehmen. Ausser diesem Ruf stösst er noch, und zwar auf seinem Brutplatze sitzend, nicht selten ein csilcsül-csilcsül sehr rasch nacheinander aus, welchem er ein klägliches glyi-glyi-glyi-glyi-glyi-glyi und guj-guj-klyi-krlyi, und zwar öfters wiederholt, vorangehen lässt — das CS entspricht dem deutschen tsch, das ly beiläufig dem Ij. Die Stimme der jungen Rotfussfalken — wie ich sie von den im Käfig gehaltenen vernahm — war als Ruf, womit sie ihre Wünsche, ihr Verlangen nach Frass oder um Ausgang in den Hof zu erkennen gaben, und zwar als sie noch im zarten Nestkleid waren — ein dünnes, dem leisen Rufe junger Taubennestlinge sehr ähnliches, aber kräftigeres und durchdringenderes, ungefähr czjh — czjh — czä ch — czäch klingendes Geschrei. Mit jedem Tag — sowie sie an Grösse und Kraft zunahmen — wurde auch der Ruf stärker und durchdringender, und wurde end- lich zum widrigen Kreischen, sodass er endlich wie tschäf — csähf — csähf — csrähf — csjähf klang. — Ein anderer Ruf war die Äusserung einer unangenehmen, unwillkommenen, lästigen Empfindung; wenn die Falken z. B. hinaus wollten und gegen ihren Willen wieder ins 5* 68 — Zimmer zurückgeAviesen wurden, schrieen sie durchdringend und schnell aufeinander csrrräh — trrrrih — trrrrih — trrrih — trih — trih — trich — trich — trich — bis ins Unendliche. Ein dritter Ruf, den sie später, als sie schon grösser und flügge geworden waren, manchmal hören Hessen, war das Geschrei des Zornes, des Unwillens, der Angst, kurz jenes des erhöhten Affektes. Wenn sie z. B. ausreissen wollten und man ihnen beispielsweise mit der schnalzenden Peitsche drohte, so schrieen sie kltyih— khj khjkhj — Cerchneis vespertinus (L.) J cf ^^■ Nach dem Leben. khikhi — khi, und zwar sehr schnell nacheinander, dabei ziemlich wohlklingend. Dieser Ruf glich schon ganz jenem, welchen die Alten im Fluge hören lassen, und dieser eigentümliche Ruf unterscheidet genau den Rotfussfalken vom Turmfalken, welch letzterer ein viel kräftigeres, kreischenderes und unangenehmes Geschrei dieser Art hören lässt. Fortpflanziing-. Da diesem auf Insektenfang beschränkten Falken solche Wald- und Baumpartien, welche an freiliegende Äcker, Viehweiden, Wiesen, Brachfelder und zugleich an Flüsse oder stehende Gewässer grenzen — 69 — oder wenigstens davon nicht weit entfernt liegen, zu seinem längeren Aufenthalt unumgänglich nötig sind, so wählt er auch seine Brut- plätze stets in solchen Baumpartien, welche ausserdem — wie schon mehrfach bemerkt wurde — noch von Nebel-, Saatkrähen oder Elstern bewohnt und auch von diesen als Nistplätze benützt werden. Nachdem ihm die Natur, wie es scheint, den Instinkt, sich selber Nester zu bauen, versagt hat, vielleicht deshalb, damit er einerseits desto mehr Zeit dem Fange schädhcher und meist in ungeheuerer Menge vorhandener Gliedertiere widmen, andererseits vielleicht auch die zu grosse Vermehrung der Krähen und Elstern hintanhalten solle, so ist das Vorhandensein der angeführten Arten, namentlich ihrer Nester, für seine Brutgeschäfte unumgänglich nötig, und zwar der- massen, dass er in allen sonst für ihn geeigneten Gegenden Nieder- ungarns, wo die Krähen oder Elstern nisten, vorkommt, dagegen von sonst für ihn geeigneten und beliebten Örtlichkeiten, wo er sonst alle Jahre in Massen vorkam und brütete, ganz wegbleibt, sobald dort Saatkrähen und Elstern und ihre Nester nicht geduldet oder aus- gerottet werden. Dies ist auf Grund meiner Beobachtungen und Erfahrungen die Ursache, dass dieser Falke auf Plätzen, wo er sonst häufig war, nun nicht mehr vorkommt, und umgekehrt öfter wieder in Menge erscheint und brütet, wo man ihn früher selten oder gar nicht sommernd und brütend angetroffen hat. Ich habe als Pfarrer von Czinkota den Rotfussfalken im Parke des Baron Johann von Podmaniczky zu Räkos-Keresztur von 1826 an mehrere Jahre hindurch häufig angetroffen. Er hielt sich da in dem zwischen dem Räkosbach und den Wiesen stehenden Garten- wäldchen auf, wo auf alten Weiden und Pyramidenpappeln mehrere Elsternester standen; ferner lebte und brütete er auf dem Baron Sändorschen Gartengrundstück, so auch in der Nähe der Mühle auf hohen Pappeln in Elsternestern. Da fiel es dem Baron ein, dass man die Elstern als der Nachtigallenbrut gefährliche Vögel ausrotten müsse; er erteilte dem Gärtner und Jäger Befehl, jedes Esternest unerbittlich zu zerstören, weil er die Elstern überdies im Verdachte hatte, dass sie auch Küchelchen und junge Enten rauben; dies ge- schah im Jahre 1829. Von dieser Zeit an ist der Rotfussfalke, und zwar trotzdem, dass die alten Weiden und Pappeln unversehrt blieben, gänzlich verschwunden. Ebenso waren sie auch eine Zeitlang bei Peteri und Umgebung wahrscheinlich aus demselben Grunde ver- — 70 — schAvumlon; so verschwand er auch aus Budapest, wo die Vögel überhaupt, die Elstern und Krähen insbesondere mehr und mehr ausgerottet, die baumreichen Gärten und Donauinseln mehr kul- tiviert und bewohnt werden, wodurch auch die Brutplätze unserer Falken nach und nach verschwinden. Hinwieder habe ich bemerkt, dass dieser Falke tiefer in Unter- ungarn auf Punkten, wo er früher selten oder gar nicht brütend angetroffen oder wenigstens in grösserer Anzahl nicht bemerkt wurde, besonders seitdem man die Flugsandflächen mit Pappeln und anderen Bäumen bepflanzt hat, diese Anpflanzungen also den Elstern, Nebel- und Saatkrähen Brutplätze bieten, von Jahr zu Jahr häuflger er- schien und auch in steigender Anzahl brütet. So fand ich dies im Mai 1845 in und um Täpiö-Szent-Märton, und zwar sowohl in den umliegenden Sandwäldchen als auch im Dorfe selbst. Vom Nachbarwäldchen Nagy-Käta's hat sich eben dieses Jahr eine neue Brutkolonie von Saatkrähen in den Ort, und zwar in den an hohen Akazien und Pappeln reichen herrschaftlichen Garten gezogen. Und siehe da! sofort erschienen auch die Rotfuss- falken und okkupierten die Nester der Saatkrähen und Elstern. Der Rotfussfalke bevorzugt solche auch sonst günstig für ihn gelegene Punkte, wo er gemeinschaftlich brüten kann, wo also auch die Krähen- und Elsternester in Kolonien stehen. Darum sind ihm Ortschaften und Meierhöfe sehr willkommen, wo nämlich Viehzucht betrieben wird, wo sich daher die Elstern und Saatkrähen auch im Winter gerne aufhalten. Auch liebt er solche Wäldchen, welche auf versumpftem, morastigem Grunde stehen, wo auch zur Brutzeit Wasserreichtum herrscht, wie z. B. in Martfü der freiherrlich Podmaniczkysche Garten, „Csikökert" genannt, ferner die mit Weiden und Pappeln besetzten Dämme, endlich das grosse sogenannte „Erdöallja". Da brüten denn gewöhnlich auch zahlreiche Elstern, Nebel- und Saatkrähen, deren Nester oft zu drei bis sechs auf einem Pappelbaum stehen, welche dann von den Rotfussfalken erobert werden. Wo sich aber eine solche Gelegenheit nicht bietet, dort begnügen sie sich auch mit bescheideneren Verhältnissen, welche wenigeren Pärchen genügen, ja im Notfalle genügen auch einzeln stehende Bäume, wo ein Elsternest zu flnden, worin dann nur ein Pärchen • — natürlich nur falls auch die übrigen Bedingungen vor- handen sind — ganz isoliert brütet, wie ich ein solches Pärchen im Mai 1845 ganz allein in dem unteren herrschaftlichen Garten zu — 71 — P^teri auf einer hohen Pyramidenpappel in einem Elsternest brütend antraf. Nie habe ich beobachtet mid auch von den hunderten von Menschen, die ich in dieser Beziehung ausfragte oder wegen an- zustellender Beobachtungen anging, nie gehört, dass dieser Falke je ein Nest gebaut oder auch nur das von anderen Vögeln okkupierte ausgebessert, umgestaltet oder eingerichtet hätte. Hingegen geht aus allen bis jetzt von mir angestellten und erfahrenen Beobachtungen klar und zweifellos hervor, dass der Rotfussfalke stets in fremde, verlassene oder gewaltsam abgenommene und usurpierte Nester, und zwar ohne an diesen etwas zu ordnen oder zu richten, seine Eier lege, sie ausbrüte und daselbst auch die Jungen erziehe. Vor allem sind ihm die Nester der Saatkrähe willkommen, weil diese Vögel gewöhnlich gesellschaftlich brüten und auf einem und demselben Baum neben- oder übereinander mehrere, oft 6 bis 15 bis 20 Nester anlegen, von welchen er dann in Gesellschaft entweder alle okkupiert oder doch wenigstens einige. Ich sah 1842 im Garten zu Martfü auf ein und demselben Pappelbaum in einigen Nestern die Saatkrähe, in den übrigen wieder Rotfussfalken ihr Brutgeschäft ruhig verrichten und auf den Rändern der Nester in unmittelbarer Nachbarschaft und ganz unbekümmert sitzen. Indessen okkupiert der Rotfussfalke dort, wo Saatkrähen-Nester nicht vorhanden oder deren zu wenige sind, ebenso gerne auch jene der Elstern; ja er soll, nach Berichten glaubwürdiger Männer, die ihn auf seinen Brutplätzen jährlich zu beobachten Gelegenheit hatten, im Notfall und Ermangelung dieser bequemen Nester auch in die Nester der Nebelkrähen, sogar in die der Ringeltauben oder auch in Stockentennestern — wenn sie für ihn besonders auf abgeköpften, alten Weidenstämmen günstig angelegt sind — seine Eier legen und sie darin ausbrüten. So traf Franz v. Kubinyi 1847 am 20. Mai auf seiner Puszta Täzlär unweit Kis-Körös mehrere Pärchen, welche ihre Eier in Elsternester gelegt hatten, wovon er mir zwei Stück aus einem Neste brachte, welches ganz niedrig auf einem am Wege stehenden Akazienbaum angelegt war, so tief, dass man es beinahe vom Boden mit der Hand erreichen konnte. Ich bemerkte es, dass die Rotfussfalken, namentlich die Männ- chen, die Turmfalken im Fluge verfolgten, ihnen stark zusetzten, wahrscheinlich darum, weil diese ihnen als Stärkere mitunter die von Elstern eroberten Nester wegnahmen, oder weil sie befürchteten, dass — l'J — die Turmfalken ihrer Brut gefährlich werden könnten. Mit einem Worte, wo Gefahr droht, wo ihnen z. B. grössere Tagraubvögel, wie Milvus, Aquila pennata, Astur palumbarius, Buteo oder auch mehrere versammelte Saatkrähen gefährlich werden könnten, dort lassen sie sogleich das Angstgeschrei hören, worauf alle Rotfussfalken der Um- gebung hinzufliegen, anfangs schwebend die Gefahr oder den Feind rekognoszieren, dann aber denselben mit vereinten Kräften angreifen, verfolgen und gewöhnlich auch davon jagen. Vor dem Menschen haben sie durchaus keine Scheu. Wenngleich dieser Falke von menschlichen Wohnungen nie sehr weit brütet, da er ja sonst weder Äcker, noch Triften, die ihm wegen seines Futters nötig sind, noch Krähen- und Elsternester haben könnte, auf welche er so sehr angewiesen ist, so ist dennoch kein Beispiel bekannt, dass er sich je nach Art seiner zwei nächsten Verwandten, und zwar des Cerchneis tinnuncula und C. Naumannii, auf mensch- liche Wohnungen, hohe Gebäude, auf Gemäuer, Türme, Kirchen, Schlösser, Stadt- oder Festungsmauern, Ruinen, Felsen gesetzt oder diese gar bewohnt, als Ruhe-, Schlaf- oder Brutplätze gebraucht hätte. Dies tut er nicht einmal während seines Durchzuges; denn er setzt sich entweder im freien Felde auf die blosse Erde oder auf Fahrstrassen, auf die Schollen der Brache oder auf Erdhäufchen der Wiesen, manchmal auf Bäume, besonders Weiden, Pappeln, welche es doch überall gibt, nie aber auf Gemäuer und dergleichen! So habe ich ihn nie auf dem an Löchern und Absätzen so reichen Felsen des Blocksberges von Buda — wo alljährlich mehrere Paare Cerchneis brüten und auch sonst wohnen — gesehen, obwohl er gleich in dem unweit des Blocksberges gelegenen Palatinal-Küchengarten brütend vorkommt. Ebenso habe ich nie bemerkt, dass er sich in den hohen Uferabstürzen bei Hamzsabeg — in deren steilen Wänden wenigstens zehn Pärchen Cerchneis tinnuncula, ausserdem viele Dohlenpaare brüten und wo er in den Rissen und Löchern schon fertige Nester finden und okkupieren könnte — je angesiedelt oder dort auch nur gezeigt hätte, trotzdem er kaum auf Schussweite auf den, sozusagen an diese Ufer anstossenden, durch Donauarme getrennten Inseln haust und dort auf verschiedenen Bäumen brütet. Wenn wir nun die hundertfach bewährte Erfahrung und Be- obachtung der Tiere als eine Regel in deren Lebensart annehmen, entspricht es nicht der Natur dieses Falken, Gebäude, Gemäuer, Uferlöcher, Ruinen, Felsen und dergleichen zu bewohnen; denn würde er dies zur Brutzeit tun, dann würde er solche Objekte — nach eben denselben Erfahrungsregeln — auch ausser der Brutzeit besuchen, weil ja alle Vögel, sogar auch während des Zuges, wie z. B. die Rauchschwalben, solche Plätze aufsuchen, wo sie oder ihresgleichen gebrütet haben. Hinsichtlich der Gemäuer und dergleichen haben wir beim Rotfussfalken — wenigstens hier in Ungarn, wo ihrer jedoch viele Tausende von Paaren brüten — bis jetzt nie dergleichen be- merkt. Eben deswegen sind jene in Naumanns Nachträgen zum I. Band seiner „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands", S. 114 wie folgt ausgesprochenen Vermutungen: „obgleich es nicht unwahr- scheinlich ist, dass er wenigstens an den Grenzen der Gebirge, weiter östlich gelegentlich auch in Felsenritzen oder Spalten hoher Erdwände und in tieferen Schluchten nach der Art des Turmfalken seinen Horst anlegen mag" durchaus nicht auf eine genauere Be- obachtung der Lebensart dieses Falken gegründet oder daraus her- geleitet, und ich fürchte, dass sich Naumanns Vermutung schwer- lich je bewähren wird, wie auch so manch andere, wirklich oft sehr gewagte Vermutung bezüglich des Vorkommens höchst seltener Vögel durch ihre später geschehene Beobachtung nicht bestätigt wurde. Es wäre von Seite Naumanns wahrscheinlich besser ge- wesen, sich in Bezug auf die Fortpflanzung dieses Vogels damit zu begnügen, was er darüber schon im Jahre 1835 von mir als Tat- sache mitgeteilt erhalten hat. , Auch das ist nur blosse Vermutung, was Naumann weiter auf derselben Seite sagt: „sonst soll er auch in Baumhöhlen seine Eier auf feines Wurzelwerk, Moos und Haare legen". Ich habe nur ein einzigesmal — 1826 — im Mai zu Peteri gesehen, dass er seine Eier, und zwar nicht in einer Baumhöhle, sondern bloss in der Nische eines oben durch den Wind abgebrochenen, im Waldschlage einsam stehenden Eichenbaumes und ganz wahrscheinlich nicht im selbst- gemachten, sondern vorher durch einen anderen Vogel bereiteten und verlassenen Neste gelegt hatte. Dazu, dass er sich selbst ein Nest erbaue, hat dieser Falk über- haupt zu wenig Zeit. Er kommt meistens spät, kaum früher als Mitte April, oft auch noch später an; ja, wenn die Witterung un- günstig ist und sich ein Nachwinter einstellt, erscheinen sie sogar erst Ende April auf ihren gewohnten Brutplätzen. Auch hier streifen sie als frisch angekommene Gäste als Fremdlinge unter den schon lange ansässigen anderen Vögeln einige Tage umher, teils um aus- — 74 — zurulicn, teils um sich durch Ruhe und durch reichliches Futter zum Kampf zu kräftigen; ja es vergehen selbst dann noch mehrere Tage, bis die Paarung erfolgt, so dass oft schon die erste Maiwoche oder die erste Hälfte des Mai vergeht, ehe sie Eier zu legen anfangen, welche man gewöhnlich erst am 20. bis 26. Mai in den okkupierten Nestern findet. Wenn sie nun so spät — nämlich Mitte, ja wenn auch anfangs Mai — Nester zu bauen anfangen, so ist in Rechnung zu ziehen, dass Falken überhaupt schlechte Nestbauer sind, daher der Bau wenigstens zehn Tage dauern würde; ferner wäre zu berücksichtigen, dass sie, wo sich dazu geeignete Plätze finden, meist in Kolonien beisammen brüten, also um die besseren Plätze kämpfen müssten, was um so länger dauern würde, weil sie als gute, mutige Kämpfer einander viel schwerer weichen würden, als wie dies die Krähen und Elstern tun müssen. Sie müssen sich überhaupt beeilen, ihr Brutgeschäft, insbesondere die Erziehung ihrer Kinder, zu vollenden, daher damit auch früher beginnen, weil sie das Brutgeschäft verhältnismässig ohnehin zu spät beginnen und sich schon im August samt ihren Jungen zum Fortziehen vorbereiten oder wirklich schon auf dem Zuge begrifl:en sein müssen. Betragen bei den Brntplätzen und während des Brutg-eschäftes. Sobald die Rotfussfalken ihre Brutplätze gewählt haben und sonach auch die Paarung beginnt — was ungefähr anfangs Mai ge- schieht — durchschiessen sie mit raschem Fluge die Wäldchen und Baumpartien unendlichemal kreuz und quer; sie suchen einander auf und schiessen hintereinander her. Bald erheben sie sich über die Kronen der Bäume und schwimmen im herrlichen Fluge kreisend dahin; ihr durchdringender Ruf erfüllt die ganze Umgebung. Die Männchen sind viel tätiger, unruhiger, beweglicher als die Weib- chen; letztere sind mehr mit dem Ausspähen und der Wahl der Brutplätze im Stillen beschäftigt, während die Männchen schon Kämpfe aufführen und dadurch allen anderen Vögeln ihre Gegenwart, ihre Wachsamkeit und Schlagfertigkeit bekannt geben. So oft sie nun von ihren Futterf)lätzen kommend auf den Brutplätzen einfallen und sich versammeln, was gewöhnlich vormittags um 10 Uhr geschieht, geht ein förmlicher Spektakel los. Von allen Seiten ertönt das furchtbarste Geschrei, so dass man nur ein tausendstimmiges chaotisch — 75 — wirres giv, giv, gix, gix, giv, giv und g-iij, guj, guj, klyi, krlyi, klyi, krlyi, krlyi, hört, wobei das erstere sehr gezogen und pathetisch, das letztere aber mit einer Art übler Laune sehr kräftig und schnell ausgestossen wird. Dann beginnen die Flugmanöver. Bald schwebt die Schar mit ganz ausgebreiteten ruhigen Flügeln, wie von der Luft getragen, an einer Stelle, bald macht sie wellen- förmige Schwenkungen zwischen den Baumkronen und bis zum Boden des Wäldchens hinab; dann erhebt sie sich in einer grossen Wellen- linie auf der entgegengesetzten Seite des Waldes neuerdings empor; bald schiessen die Falken pfeilschnell nach echter Falkenart — ein- ander jagend, verfolgend mit so rasender Schnelligkeit dahin, dass das menschliche Auge kaum im stände ist, dieser Bewegung zu folgen; bald lassen sie sich herab und zwar häufig auf die Bäume, wo Elster- oder andere Nester — auf welche sie es abgesehen haben, stehen, und huschen einander drängend in ein und dasselbe Nest hinein, um es zu besetzen oder den Besitzer daraus zu vertreiben, wobei immer grosser Hader, grosses Jagen und Gezanke herrscht. Sobald sich aber irgendwo der Angstruf eines Artgenossen ver- nehmen lässt, eilen aus der ganzen Umgebung alle herbei und trachten durch Geschrei, Flattern und Stossen — gerade so, wie es Hydrochelidon fissipes und ihre Artverwandten machen — den gefähr- lichen Gegner, z. B. eine Saatkrähe oder den ihnen an Stärke über- legenen Turmfalken, welcher beinahe überall mit ihnen brütet und ihnen gefährlich oder wenigstens lästig wird, zu verscheuchen. Der Turmfalk macht ihnen überhaupt viel zu schaffen; mit ihm, als einem stärkeren Nebenbuhler, welcher sie oft von ihrem Neste verdrängt, müssen sie grosse Kämpfe bestehen; einzelne von ihnen verjagt er aus seinem Revier, und zwar weit weg; sobald aber mehrere da sind, erheben sie ihr Kampfgeschrei, jDarieren als bessere Flieger die Stösse des Gegners und behauiDten meist den Kampfplatz. Wie schon erwähnt, baut sich der Rotfussfalke in Ungarn kein eigenes Nest, sondern okkupiert gewaltsam Krähen- und Elsternester, um darin brüten zu können; den wahrscheinlichen Grund dieser Erscheinung habe ich auch schon angegeben. Diese Tatsache bestätigen auch alle Bewohner der Ufer des Tisza-Stromes, wo diese Falken häufig brütend vorkommen; dieses bestätigen unter anderen die Fährleute in Martfü, welche sie seit Jahren in allen ihren Lebensverhältnissen sahen und unwillkürlich beobachteten, ihre Eier und Jungen zum Verspeisen herausnahmen. — li\ — Diese scharfsichtigen Natursöhne versicherten, dass die Rotfussfalken auch dort nie selbst Nester bauen, sondern stets in okkupierte fremde Nester ihre Eier legen; dass sie nicht nur Elstern, sondern auch Saatkrähen immer gemeinschaftlich angreifen und mit grossem Mut und Lärm so lange jagen, bis dieselben ermüdet das Feld räumen; ja dass selbst die um vieles stärkere Nebelkrähe dem vereinten Angriff der Falken weichen und ihnen demütig das Nest über- lassen muss. Ich habe mehrere Elsternester, welche die Rotfussfalken schon okkupiert hatten, untersucht. Eins davon war oben 23 cm im Durch- messer, im Sitznapf 15,3 cm, innerlich 18 cm tief, draussen im ganzen — ohne Dach gerechnet — 25,6 cm. Es stand in der Krone eines Weidenbaumes, zwischen dem Hauptseitenast und zwischen mehreren seitlichen Sprossen. Bei diesem noch ganz leeren Neste sass wachend das Weibchen, um es ja nicht zu verlieren. Am Rande des Nestes fand ich einen abgebissenen Kopf der Lacerta agilis, deren Leib das Weibchen verzehrte; die Beute scheint das Männchen ge- bracht zu haben, damit das Weibchen die Wache ununterbrochen besorgen möge. Im „Csikökert" sah ich, wie die Falken auf den- selben hohen Pappeln, wo die Saatkrähen 20 bis 30 Nester neben- und übereinander hatten und futtertragend scharenweise ab- und zu- flogen, in den von ihnen eroberten Nestern ruhig sitzend, unbekümmert um die in steter Bewegung begriffenen Nachbarn, an deren Gesell- schaft sie übrigens von Jugend auf gewöhnt sind. In einem vom Rotfussfalken okkupierten Elsternest — ebenfalls im „Csikökert" — fand ich am 12. Mai noch gar keine Eier, sowie überhaupt auch in allen anderen von Weibchen bewachten Nestern noch nirgends Eier waren, aber im Napfe selbst fand ich eine Handvoll Kuhhaare und Schafwolle, beides von den Erbauern, den Elstern eingetragen, was dem Falkenpaar ganz zu statten kam. Man kann höchstens ver- muten, dass der Rotfussfalke im schlimmsten Falle, wenn z. B. das okkupierte Nest am Bodenteile gar zu locker und schlecht ist, sich dazu bequemt, einiges Gerüst zur Ausbesserung einzutragen. Doch fehlt eine Beobachtung dieser Tatsache gänzlich. In der Abenddämmerung, besonders noch vor dem Brüten, und vom Felde zurückkehrend, versammeln sie sich zu Hunderten auf dem Brutplatz, besetzten oft zu 20 bis 30 denselben Baum, w^obei sie die hohe Pyramidenpappel, wo sie am erhabensten sitzen und die Gegend im weiten Umkreise übersehen können, allen anderen — 77 — Bäumen vorziehen. Auf diesen Bäumen besetzen sie die obersten Gipfelsprossen, und zwar truppweise, wie dies aucli die Saatkrähen zu tun pflegen. Um Martfü, auf einem Flecke von beiläufig einer Quadratmeile, hielten sich wenigstens 500 Stück auf. Sie begeben sich überhaupt sehr spät zur Ruhe, fliegen und kreisen bis in die dunkle Nacht über ihren Stand- und Brutplätzen; ja selbst im Dunkeln entbrennt oft noch Streit um das Nest, wobei die Vertriebenen mit zornigem Geschrei in die Höhe schiessen; einige Kreise ziehen, um dann Avieder den verlassenen Ast aufzusuchen. Wegen der Eigenschaft des so späten Fluges und Lärmens des Rot- fussfalken passt wohl der Name „vespertinus", welchen ihm Linne beigelegt hat. Da die Rotfussfalken nicht nur ganz verträgliche, sondern, wie wir gesehen, sogar gesellige Geschöpfe sind, welche weder alte Vögel, noch ihre Brut antasten, so bewohnen auch viele kleine Sänger und andere Vögel, wie Feldsperlinge, Grasmücken, Laubsänger, Fliegen- fänger, Beutelmeisen u. s. w. dieselben Wäldchen und besorgen ganz unbekümmert um jene ihre Brut. Sie hüpfen, klettern und flattern ganz unbesorgt in nächster Nähe der Falken, oft auf ein und dem- selben Baume, umher; schreien den Rotfussfalken auch nie so an, wie schon z. B. die Sperlinge den Turmfalken oder den Nachtkauz an- zuschreien pflegen, sobald sich einer oder der andere dem Brut- platze naht. Hieraus folgt, dass der Rotfussfalke unter keinen Um- ständen zum Nesträuber wird. Beschreibung der Eier. Die Rotfussfalken legen vier oder fünf Eier. Diese sind ihrer Grösse, Gestalt und Färbung nach untereinander, ebenso wie die Eier des Turmfalken und überhaupt der kleinsten Falkenarten, wie des Baum-, Merlin- und lichtkralligen Falken so sehr verschieden, dass man auch unter ihnen kaum je zwei einander ganz gleiche Stücke antreffen kann. Auch sind sie den rostrot marmorierten Eiern der oben erwähnten Falkenarten in Bezug auf Gestalt und Färbung meist, in Bezug auf Grösse ebenfalls, mitunter geradezu täuschend ähnlich. Trotzdem aber sind sie, mit den Eiern der ge- nannten Arten in eine Reihe gestellt, sowohl durch ihre meist ge- ringere Grösse, wie durch ihre Niedlichkeit, ihr zartes Aussehen und ihre zartere rostgelbe Grundfarbe und Schattierung beinahe auf den — 78 — ersten Blick zu unterscheiden. In Betrefit' ihrer Grösse gehen die eTössten Rotfussfalken-Eier allmählich in die kleinsten der Cerchneis tinnuncula, C. Naumannii und des Falco subbuteo über. Mehr als hundert gemessene Exemplare der Eier des Rotfussfalken ergaben folgende mittlere Grössenverhältnisse : Länge: 30,7 32,8 33,5 34,0 34,6 34,7 37,3 37,3 mm, Dicke: 26,3 27,4 28,5 28,5 29,0 29,1 27,4 30,7 „ Aus allen bekannten Massverhältnissen folgt, dass die kleinsten Eier, also die geringste Länge 30,7 mm und die geringste Dicke 26,3 mm messen, dagegen die grössten darunter oder die grösste Länge 37,3 mm und die grösste Dicke 30,7 mm beträgt, daher die durchschnittliche Grösse zwischen 33 bis 35,1 mm Länge und zwischen 27 bis 29 mm Dicke eingesetzt werden kann. Die in Naumanns Nachträgen, S. 115 angeführte Grösse der Rotfussfalken-Eier: „durchschnittlich 40 mm (18"') lang und 33 mm (15"') breit, denen des Merlin (die von 33 mm (15'") bis 42 mm (19'") lang und 30,7 mm (14"') bis 31,5 mm (14 ^4'") dick sind) an Grösse gleich oder diese (sogar!) kaum etwas übertreffen" ist höchstwahr- scheinlich nicht auf echte Rotfussfalken-Eier, sondern eher auf die Eier der Cerchneis tinnuncula basiert, womit auch die angegebene Färbung besser übereinstimmt. Die meisten Eier sind rundlich oder mitunter sogar auch — doch nie so auffallend als bei manchen Turmfalken-Eiern — kugelig- oval, seltener länglich; und wenn auch mitunter eins vorkommt, dessen Enden beinahe ganz gleich dick und abgerundet sind, so sind sie dennoch auch in dieser Gestalt kurz erscheinend, am Ende rund abgestumpft und bauchig, dann beinahe unmerklich gegen das andere Ende, welches weniger gewölbt erscheint, abnehmend. Ihre Schale ist wie die der Turmfalken-Eier, mit freiem Auge betrachtet, glatt, dicht, fein-porös ; mit der Lupe angesehen aber zeigt sie viele flache Porennarben mit einem — hauptsächlich an den lichtschaligen — bemerkbaren schwachen Glanz. Die Grundfarbe variiert auch bei ihnen — und oft auch in ein und demselben Gelege — von rötlichweiss bis ins dunkle Gelblich- rot, durch alle Nuancen, so, dass sich hier durchaus keine bestimmten Grenzen angeben lassen. Es finden sich folgende Hauptnuancen: 1. Grundfarbe rötlichweiss, über dieser ist das Ei überall sehr fein rostrot überpudert, doch so, dass die helle Grundfarbe bei einem Stücke mehr, bei dem anderen weniger hervorleuchtet. Auf — 79 — dieser blassen Überpuderung sind stellenweise grössere oder kleinere, oft auch zusammenhängende, unregelmässig diluierte, rostrote Schmitze zerflossen — und sowohl diese Zeichnung, als auch die feine Über- puderung tiberall mit gröberen, dicker aufgetragenen rostroten und rostbraunen Punkten übersäet. Darüber liegen dann rundherum am ganzen Ei, hauptsächlich aber um sein dünneres Ende, grössere und kleinere, häufig zusammenstossende, zusammenhängende Fleckchen, Schmitzchen und Kleckse von dunkler, rostbrauner Farbe, über welchen sich wieder an einem Ei mehr als an dem anderen, vor- zugsweise gegen die Pole hin oder auf denselben einzelne dicke schwarzbraune glänzende Punkte, Kleckse oder Schnörkel befinden. Solche Eier gehören stets, da die lichte Grundfarbe überall stark hervorleuchtet, zu den lichtesten unter allen. Manchmal ist die Grundfarbe etwas rötlichweiss, durchgehend fein rostrot überpudert, mit hier und da bedeutenderen, dunkleren, rostroten Punkten, welche im oberen Drittel, namentlich des stumpferen Endes, so dicht werden, dass sie endlich am dickeren Pol zusammen- fliessen und von der Grundfarbe kaum etwas noch durchblicken lassen. 2. Grundfarbe über das ganze Ei einförmig rötlichweiss, unten fein überpudert, darüber rostrot zerflossen überschmitzt oder wieder gröber und röter überpünktelt und überkleckst, mit nur ganz wenigen schwarzbraunen Pünktchen oder Fleckchen. Diese Eier sehen im ganzen rostroter aus als die vorigen. 3. Grundfarbe gelblichrot, kaum merklich hier und da ins Weissliche spielend, nämlich nur dort, wo sie durch die matt rost- roten Schalenflecke — die beinahe über das ganze Ei zerflossen sind — stellenweise durchschimmert. Auf dieser Grundfarbe ist nun wieder auf einem Ei mehr und reichlicher als auf dem anderen eine rost- rote oder rostbraune feinere und gröbere Überpuderung von Pünkt- chen und Punkten sichtbar, über welche wieder rundherum entweder rostrote oder rostbraune dicker aufgetragene rundliche Fleckchen, Kleckse, Augenflecke oder auch Schnörkelchen sitzen, dazwischen liegen wieder noch dunklere rost- und braunschwarze Fleckchen oder Kleckschen zerstreut. Diese Eier sind gewöhnlich unter allen wegen ihrer roten Grund- farbe die rotesten. Oder aber ist die Grundfarbe rostgelblich, überall sehr fein rostrot überpudert, am dünnen Ende am wenigsten, dort ist das Ei am lichtesten; die grösseren rostbraunen Flecke und Kleckse unter der Hälfte des Eies, näher dem dünnen Ende, sind — 80 — unterbrochen kranzförmig gezeichnet, sonst am ganzen Ei bloss hier und da ein grösserer rostbramier Punkt. Doch sind in der Schale auf einzelnen Stellen blass gumraigutgelbe Schmitzen recht dick aufgetragen. Ein anderes Ei war über der rostgelben Grundfarbe un- regelmässig rostrot gewölkt, Mie mit zerrissen aussehenden Wölkchen punktiert; zwischen diesen Wölkchen erschien die hellere Grundfarbe in Form von helleren, rostgelben Wölkchen, mit ganz wenigen dunkleren schwarzbraunen Punkten. Bei noch einem anderen war wieder die rostgelbe Grundfarbe derart mit rostroten, ineinanderfliessenden Punkten Übergossen, dass von der Grundfarbe kaum hier und da etwas durchschimmerte und die obere rostrote Schattierung meist so zusammenfloss, dass das Ei grösstenteils und am dünneren Ende durchgehend von einem schönen Rostrot wie Übergossen aussah, worin dann auch einzelne grössere und kleinere rostbraune, rund- liche Fleckchen zu sehen waren. An einem 3,4 cm langen, 2,8 cm dicken, folglich kurzovalen, am dünnen Ende ziemlich, am dicken sehr stark abgerundeten Exemplar war über dem gelblich-rostroten, kaum hier und da hervorguckenden Grunde die Schale matt gelbrötlich überzogen, wodurch dann auf dem ganzen Ei eine ausgeprägte rostbraune Wölkung entstand, welche dann am dicken Ende durch starke Punkte, abgerundete Fleckchen, Schmitzchen marmoriert war; am dünneren Ende aber sah diese Zeichnung mehr zerrissen aus, so dass dann durch ganze Stellen die ziegelroten Schalenfarben frei hervorblickten, die Wölkungen aber durch schwarzbraune Schmitzen, Kleckse, Flecken und allerlei unregel- mässige Schattierungen durchzogen und begrenzt waren. Dieses Ei sah im ganzen sehr dunkelrot, den Eiern des Turmfalken sehr ähnlich aus. Nach dem Ausblasen wurden alle diese Eier bedeutend blässer und verloren, je mehr sie austrockneten, stets mehr von jener Frische und Lebhaftigkeit, welche sie im frischen und unausgeblasenen Zu- stande auszeichnete. Sie wurden endlich ganz matt und bleich. Gegen das Licht gehalten, auf den Durchblick geprüft, sind sie je nach der Intensität der Färbung ihrer Schale, und zwar die meisten blass grau- rötlichgelb, hell ziegelrot, blass ziegelrotgelb oder rotgelblich-weiss- grau, mit durchscheinenden, ganz matten Schattierungen der Flecke. Lebensweise, Betragen und Kahrung des jungen Rotfassfalken. Schon im Nestflaum — wie ich dies bei den im Jahre 1844 aus Martfü erlangten, kaum zwei Wochen alten Exemplaren beobachtet — 81 — habe — war ihre Haltung trotzdem, dass sie noch auf der Ferse Sassen oder — so zu sagen — lagen, eine aufrechte. Je mehr sie heranwuchsen, desto aufrechter stand der Körper, und als sie sich endlich — nach häufigen Versuchen — kräftig genug und im stände fühlten ganz aufzustehen, da wurde die Haltung ganz falkenartig. Im Sitzen war ihre Haltung, wie jene aller Edelfalken, eine beinahe ganz senkrechte, wobei sie ganz frei, mit dem Schwänze an den Sitzpunkt angelehnt, mit etwas gelockertem Gefieder da sassen, und zwar so, dass ihre Ftisse stets wenigstens zur Hälfte eingezogen, die Beine beinahe ganz bis an die Ferse vom Gefieder überdeckt waren. Gerne setzten sie sich auf erhöhte Gegenstände, sogar auf solche, welche ganz nahe an den Mauern oder an grossen Gegenständen angelehnt waren, wie auf Gesimse, an die hervorstehende Tür- verkleidung, wobei sie stets mit dem Rücken nach auswärts und mit der Bauchseite der Mauer zugekehrt waren, gerade so wie dies auch Turmfalken tun. Auch wenn sie auf Kästen zu sitzen kamen, wählten sie die Ecke derart, dass ihr Rücken ganz frei nach aussen gewendet war, der Schwanz senkrecht nach unten gerichtet, die Stellung also eine aufrechte war. Sie liefen aber auch sehr gerne umher und ihr Lauf — denn langsam konnten sie überhaupt weder gehen, noch hüpfen oder springen — war sehr schnell, dabei hielten sie ihren Körper stets ganz wagrecht und den Kopf etwas tief nach vorwärts gesenkt; so liefen sie eine Strecke gradaus, machten dann einen Absatz und Halt — beinahe so, Avie manche Strandläufer — ; während des Laufes richteten sie den Schwanz bedeutend in die Höhe; wenn sie anhielten nahmen sie eine senkrechte Stellung an, um bald mit der wage- rechten zu wechseln und den Lauf fortzusetzen. Haben sie w^ährend des Laufens einen für sie interessanten Gegenstand erblickt, so bleiben sie stehen und heben ihn mit dem Schnabel auf. Diesen schnellen, wagrechten Lauf gab ihnen die Natur offenbar darum, damit sie den Heuschrecken, Grillen, Käfern gut nachsetzen können. Sie verlangten — sobald sie grösser und auch schon einigermassen ßügge wurden — ungestüm hinaus ins Freie und wollten sogleich in die grünen Kronen der Bäume hinauf; da sie aber noch nicht recht fliegen konnten, machten sie mit Hilfe der Flügel gegen die Baumstämme einen Satz und kletterten selbst auf den ganz senk- Petenyi, Ornithologische Fragmente. 6 — 82 — rechten Stämmen der Akazien schnell und geschickt in die Höhe, waren auch sehr bald — gleich einem Specht — oben in der grünen Baumkrone. Ihre Geselligkeit und Anhänglichkeit zueinander be- wiesen sie stets, denn sie sassen meist ganz dicht nebeneinander, spielten zusammen, schnäbelten sich und verlangten voneinander den Frass. Wenn sie Hunger hatten und den Frass nicht sogleich bekamen, verlangten sie schreiend und fortwährend darnach. Als eins von ihnen — das Weibchen — starb, suchte das am Leben gebliebene Männchen mit grosser Unruhe die Gefährtin, wollte durchaus in den Hof hinaus, um auch dort zu suchen, und war so traurig, dass es sich in ein finsteres Ofenloch verkroch, dort mit aufgeblasenem Gefieder bewegungslos sass und volle zwei Tage hindurch jede Nahrung zurückwies. Diese jungen Falken frassen am liebsten frisches, rohes Fleisch; das gekochte Fleisch mundete weniger; Käfer, die ich ihnen vorhielt, Hessen sie fallen und laufen, obwohl sie den laufenden aufmerksam nachsahen. Sie frassen ziemlich viel auf einmal, und wenn sie satt waren, griffen sie die ihnen noch dargereichten Stücke wie ein Papagei mit den Krallen. Am liebsten nahmen sie nur so kleine Stücke, welche sie leicht verschlucken konnten; hatte man sie aber hungern lassen und warf ihnen dann ein grösseres Stück vor, so behandelten sie es ebenso, Avie alle Raubvögel. Sie setzten sich nämlich darauf, packten es mit den Krallen, zogen daran mit dem Schnabel mit aller Gewalt, rissen Stücke ab und verschluckten dieselben wie die Habichte oder andere Edelfalken. Auch waren sie im stände die an ihren Füssen anhängenden kleinsten Überbleibsel und zwar mit der Zunge abzulösen und in den Schlund zu befördern. Der am Leben gebliebene Rotfussfalke griff den Kadaver seiner abgebalgten Schwester ohne weiteres an und frass davon die leicht ablösbaren Stücke auf. Einen ihm vorgeworfenen Staphylinus packte er mit den Krallen, hob den Fuss und sah ihn so von allen Seiten an, riss ihm nun den Kopf ab, zog aus dem Truncus die weichen Teile hervor, verschluckte sie und warf dann die äussere Kruste weg. Diese Falken ergreifen also die Kerfe laufend und zwar mit den Krallen, verschlucken sie dann, nachdem sie vorerst den meist harten Kopf beseitigt und den Leib mit dem Schnabel zerquetscht haben. Noch im Dunenkleid spielten sie schon mit Gegenständen, welche sie mit ihrem noch zarten Schnäbelchen zu ergreifen und zu — 83 — zerstücken vermochten, verschluckten auch nicht nur die in ihr Nest gefallenen Fleischstückchen, sondern sie schluckten auch oft — und schon frühzeitig dem Neste entschlüpfend und in der Küche oder im Hofe umherlaufend — alles was ihnen auffiel, so Holzspäne, Erdstückchen, kleine Steinchen u. s. w. Sie kannten mich — ihren Pfleger — in einigen Tagen so gut, dass sie nicht nur auf meine Stimme achteten, sondern selbst meinen Gang erkannten und csjih— csjih rufend, nach Futter verlangten. Als man sie mir brachte, warfen sie schon in der ersten Nacht Gewölle aus lauter Maikäferkrusten und Füssen bestehend aus; dann aber, mit reinem Fleisch gefüttert, bemerkte ich nie mehr Gewölle. Also schon in der zartesten Jugend wurden sie von den Eltern mit Käferarten gefüttert, und kaum zwei Wochen alt, bekamen sie die Kerfe samt Elytren. Doch ist zu vermuten, dass die Eltern die Kerfe vorher zerquetscht und erweicht haben. Schon als zarte Nestlinge haben sie ihre Exkremente nie in das Nest und auch nie auf dessen Rand fallen lassen — ich machte ihnen nämlich ein Nest aus Heu in einen Strohkorb hinein — sondern sie rückten gegen den Rand hin, erhoben den After in die Höhe und spritzten den Auswurf ganz weit von sich weg, was sie später, als sie auf erhöhten Gegenständen stehen konnten, nimmermehr taten, sondern den Auswurf gerade hinabfallen Hessen. Als sie ihr Dunenkleid mit dem Jugendgefieder wechselten, entwickelte sich bei ihnen plötzlich eine Zungenkrankheit, die Zunge erschien mit einer Aveissen Haut belegt, der Schnabel wurde brennend heiss. Sie wollten in dieser Periode einige Tage hindurch nichts fressen, ich musste sie mit ganz kleinen Fleischstückchen und zwar so stopfen, dass die Zunge nicht berührt wurde. Damals tranken sie hastig und viel kaltes Wasser und badeten auch sehr gerne. Wenn sie ins Freie kamen, legten sie sich im Sande ganz flach auf den Unterleib nieder, breiteten die Flügel aus und sonnten sich so auf dem Boden. Zngzeiteu, Aukiiiift, Verweileu, AVegzug-, Der Rotfussfalke kommt im Frühjahr unter allen unsern Zug- falken am spätesten an. Da er zumeist nur auf grössere Kerfe an- gewiesen ist, so kann er auch nicht früher bei uns erscheinen als bis diese Gliedertiere in entsprechender Menge für ihn vorhanden sind; und da dies nur in den letzten Tagen des Monats April der 6* — 84 - Fall ist, so stellt er sich iiuch meistenteils erst im letzten Viertel dieses Monats auf seinen gewöhnlichen Aufenthalts- und Brutplätzen ein. So versicherten die hierüber befragten Fährleute der Tisza in Martfii, dass dieser Falke daselbst stets erst in den letzten Tagen des April anlangt; obgleich sein etwas früheres oder späteres Er- scheinen ebenso, wie auch bei anderen Zugvögeln, sehr von dem früheren oder späteren Eintreten der wärmeren Frühjahrszeit ab- hängt, so dass der Vogel auf denselben Punkten in einem Jahre um einige Tage früher, im nächsten dagegen später anlangt. So hat mein Schüler in der Ornithologie, Johann Stettin ay, im Jahre 1839 schon am 30. März einige Exemplare in Peteri gesehen, worauf dann im April noch ganze zwei Wochen hindurch ein tüchtiger schnee- reicher Nachwinter folgte. Was mögen wohl diese gefressen haben? Gewöhnlich treffen sie hier um Budapest zu jener Zeit ein, wo die kleinen braungelben Rhizotrogus- Käfer besonders auf unseren Viehweiden zum Vorschein kommen, welcher Käfer gewöhnlich ihr erstes sehr beliebtes Futter zu sein pflegt; und da diese Käfer meistens Mitte April zu schwärmen beginnen, so erscheinen auch die Falken zu dieser Zeit auf ihren Brutplätzen. So kamen sie 1844 am 15. April, wo die ersten schönen und anhaltend warmen Tage erfolgten, in Martfü an. Ebenso traf ich auf meiner Fussreise von Ercsi nach Budapest am 15. April 1846 bei Teteny im Uferwäldchen zwei Rotfussfalken an, welche schon über dem Wäldchen schwebten und ihren Ruf fleissig hören Hessen. Beide Falken waren Männchen und schienen als Vorposten angekommen zu sein, denen hoffentlich bald mehrere auf diesem, jährlich von mehreren bewohnten Brutplatz nachgekommen sein dürften. Im Jahre 1852, wo sich überhaupt alle Zugvögel verspätet haben und der Zug unregelmässig von statten ging, kamen auch die Rotfuss- falken viel später als gewöhnlich an. Ich traf sie noch am 29. April in den Pappelalleen ziehend an, und Franz von Kubinyi erzählte mir, dass sie in Täzlär ihre gewöhnlichen Brutplätze erst am 26. April bezogen und erst später den Krieg um die Nester mit den Saat- krähen und Elstern begonnen haben. So wie dieser Falk aus natürlichen Ursachen im Frühjahr unter seinen Gattungsverwandten als der letzte ankommt, ebenso zieht er aus denselben Ursachen, nämlich weil nach der Ernte die grösseren Kerfe, als Käfer, Heuschrecken und Grillen, allmählich verschwinden, als erster fort. — 85 — Gewöhnlich schon im letzten Viertel des Monats August und im ersten Viertel des Monats September beginnt der Rückzug und zwar langsam; wobei sich wohl die aus den nördlicher gelegenen, kühleren Gegenden früher fortgezogenen Vögel bei uns, z. B. bei Budapest, zuerst sehen lassen und gewöhnlich mit den unsrigen dann noch eine Zeitlang, besonders wenn die Witterung günstig ist, verweilen und schliesslich mit diesen zusammen den Zug fortsetzen. Sie ziehen auch im Herbste gesellschaftlich, d. h. die Eltern mit ihren Jungen vereint, von uns fort und fallen auf dem Zuge überall, wo sich geeignete Örtlichkeiten bieten, oft in grosser Anzahl ein. So traf sie mein ornithologischer Schüler Adolf Aebly im Jahre 1845 am 8. und 9. September unweit Budapest hi zahlreichen Zügen an. Sie weilten da, Männchen und Weibchen, jung und alt, an der stark befahrenen Landstrasse ohne alle Scheu, ja selbst auf dem Körper der Fahrstrasse. Einige liefen den Käfern nach; von Zeit zu Zeit erhoben sie sich in die Lüfte, schwebten und rüttelten über den Viehw^eiden und Stoppelfeldern, stiessen auf ihre Beute, welche sie bald davon trugen, bald an Ort und Stelle verzehrten. Das ist alles, was ich über diesen gewiss interessanten Falken im Laufe langer Jahre erforscht, erfahren und hier nieder- geschrieben habe. Xeophroii percnopterus (L.) 1758, Sclmiutziger Aasvogel. Ungarisch: Feketeszärnyü clögkeselyü Pet. Im Südosten Ungarns ist er keinesfalls so selten wie manche glauben, da er an der Bänater Grenze auch brütet. Er horstet auch in den an Rumänien angrenzenden Teilen Siebenbürgens. 1843 brütete er in der Umgebung von Mehädia. Nach Bielz sieht man ihn um Deva herum öfters. Laut Angabe des Elek de Buda wurde 1847 im Strelltale ein Exemplar erlegt. Auch in Kroatien und Dalmatien ist er ziemlich häufig. Nach Stefan Nogells Behauptung schmaust dieser Vogel oft gesell- schaftlich mit Gyps fulvus und Vultur monachus. Emerich von Frivaldszky traf ihn besonders in Brussa oft auf Felsenzinnen und in Felsspalten brütend. Sie horsten dort alljährlich an denselben Felsen, obwohl ihre Jungen von den Griechen zumeist weggenommen und als fette Leckerbissen verspeist w^erden. Nach der Meinung Frivaldszkys brütet dieser Geier auch in der — 86 — Umgebung von Konstantinopel, da er sieh daselbst stets in grosser Anzahl aufhält. Der Horst ist nach Naumann kunstlos, gewöhnlich aus dürren Pflanzen auf die Felsen gebaut; in Wüsten und steinigen Gegenden findet man ihn aber auch auf der Erde. Das von Emerich von Frivaldszky aus Brussa mitgebrachte Ei war 66 mm lang, 49 mm dick, kurzoval, an den Enden stark abgerundet, näher am dickeren Ende bauchig. Auf der dicken, stark porösen Schale erheben sich rundliche Kalkknötchen. Oberhalb der schmutzig rostweissen Grund- farbe befindet sich eine schmutzig rostgelbe Wölkung mit verstreuten, hier und da zusammenfliessenden wolkenähnlichen Flecken und Schmitzen, deren manche von den schmutzigen Füssen des Brut- vogels herzustammen scheinen; rings um das dickere Ende herum eine rostschwarzbraune Wölkung. Oyps fulviis (Griu.) 1788, (xäiisegeier. Ungarisch : Fakokeselyü. Die Stellen seines häufigsten Vorkommens sind die mit Ebenen und Felsengebirgen abwechselnden Gegenden des Banats, die beiden Donauufer von Zimony bis in die Walachei und vom Csernatale aufwärts. Öfters sah ich ihn in den Auen der Donau von Dunaföldvär abwärts, zumal von Tolna bis Mohäcs, dann einzeln oder scharen- weise auf der an Viehherden reichen ungarischen Tiefebene. Ja in den höchsten Bergen Oberungarns ist er nicht selten, woselbst manchmal Scharen von Hunderten vorüberziehen und mehrere Exemplare erlegt werden. Am 29. September 1836 erhielt ich aus der Gegend von Eperjes, aus Finta, drei erlegte Stücke; ausgestopfte Exemplare fand ich beim Forstmeister Wagner in Sumjacza und in der Rokosz sehen Sammlung zu Beszterczebänya. Zweifellos brütet er zwischen der Drau- und der Save, ja an der Südseite des Matra-Gebirges (Oberungarn) häufiger als man bisher annahm. B. Johann Podmaniczky sagte, dass er von den Mätraer Saskö-Felsen im Jahre 1820 zwei Nestjunge er- hielt. Auch nach Angabe der Beamten Ulm ans brütet dieser Geier in den Felsenwänden der Mätraer Saskö und Bagolykö (= Adler- und Eulenfelsen) alljährlich. Die Horste befinden sich sowohl in der Clyssura, wie im Csernatale zwischen unbesteigbaren Felsen. Sie brüten meist gesellschaftlich und kreisen an schönen Tagen mit ihrem prächtig segelnden Fluge über ihren Horsten. Das in der Sammlung Au gust Kubin yis gefundene (von einem im Tiergarten gehaltenen Weibchen herstammende) Ei ist 97 mm lang, 78 mm dick, von länglich ovaler Form. Die dicke Schale ist rauh und besonders an den Enden grobkörnig; auch die Spuren von Rissen sah ich darauf, welche ich aber doch nicht für jene an den Eiern dieser Art beschriebenen Furchen halten würde. Die Farbe ist ein etwas ins Grünlichblaue ziehendes Kalkweiss, welches nach dem Ausblasen lichter wird; innerlich grasgrün. Er brütet sehr zeitig; im März und April hat er schon fast erwachsene Junge. Die Walachen nehmen ihm die Jungen auf zweierlei Art aus: entweder lassen sie diese an langen Seilen befestigte Fleischstücke verschlucken und ziehen sie mit deren Hilfe in die Höhe oder aber sie werfen ihnen Schlingen um den Hals. Solcherweise werden jährlich viele gefangen und als wohlschmeckendes Wildpret verspeist. 1835 fiel ein Junges von dem Clyssurafelsen bei Kazän in die Donau; dieses erzog Ingenieur Väsärhelyi und übergab es dem Grafen Stefan Szechenyi, der es mir zusendete; ich aber ver- schenkte es später an Naumann.*) Bei mir angekommen, war es äusserst wild und scheu. Auch vor der zu ihm gesperrten kleinen Aquila naevia flüchtete es mit Schrecken. Dem kleinen Adler wurde dadurch der Mut erweckt. Er griff den Geier oft an und schlug seine Fänge in dessen Brust, worauf dieser auf dem Rücken liegend jammerte. Unbekannte Gegenstände flössten ihm noch lange Zeit Furcht ein. Trat ich ihm näher, so zischte er auf mich und drohte mit dem Schnabel; doch flüchtete er, wenn ich ihn dann schlug, mit entsetzlichem Gekreische. Später wurde er derart zahm, dass er aus meiner Hand frass und, wenn er bei mir Fleisch sah, mir nachlief und mich an den Kleidern zog; ergreifen oder streicheln liess er sich aber nie. Er konnte riesige Stücke verschlingen; beim Fressen stemmte er den Schwanz schonungslos gegen den Boden oder gegen die Wand. Fleisch verzehrte er auch in recht schmutzigem Zustande, *) Wie Naumann schreibt, rettete sich dieser vielerprobte Geier auch in ausgestopftem Zustande abermals aus der Wassersnot. Bei der grossen Donau- überschwemmung 1838 stürzte nämlich auch die Pester Wohnung Peten vis ein, doch hatten den daselbst aufgestellten Geier einige querliegende Balken vor den einstürzenden Trümmern gerettet (s. Naumanns Naturg., neue Auflage, V. S. 315). T. Cs. — 88 — aber Federn, Haare und Gehirn niemals. Auch das blosse Blut verschmähte er lange. Er pflegte auf den Schwanz gestützt mit eingezogenem Halse zu sitzen. Wenn er sich recht wohl fühlte, schaute er mit geöffneten Flügeln und ausgestrecktem Halse viertelstundenlang regungslos in die Höhe. Seinen, dem Eselgeschrei ähnlichen, starken, heiseren Ton liess er im Zorne oder in der Freude hören. Das am 19. August 1831 auf der Czinkotaer Puszta erlegte Exem- plar roch stark nach Moschus, hatte ausserdem an den Schwung- federn unzählige Mengen Vogelläuse. Tiiltur moiiacliiis L. 1766. Kiitteiigeier. ViiÜiir cinereus Gm. 1788. Ungarisch: Barna keselyü. In Ungarn seltener als der vorige, da Avir ihn — das Banat und die angrenzenden Ebenen ausgenommen — nur als zufälligen Gast betrachten können. Im Kis-Szalatnaer Kollegium bei Losoncz ist ein im Jahre 1832 daselbst erlegtes Exemplar aufgestellt. Das ältere Exemplar des National-Museums stammt aus der Szeremseg her, das zweite Weib- chen lebte beim Grafen Johann Beleznay zu Pills in der Ge- fangenschaft. Das Ei, welches ein aus Brassö gebrachtes dreijähriges Weib- chen im Pester Tiergarten am 27. März 1847 legte, war 96 mm lang und 64 mm dick, von länglichovaler Gestalt. Die Schale grob porös mit vielen Vertiefungen und Kalkkörnern. Die Farbe ist bläulich kalkweiss, an der Spitze mit gelbbräunlichen Schmutzflecken, am stumpferen Ende aber mit zerflossenen fahl braunroten Schalenflecken und Schnörkeln, zerstreuten gelbbraunen Schmutzflecken und mit eingekeilten dunkel rotbraunen Schnörkeln und Flecken. Grypactus barbatus L. 1758, Lämmergeier. Bei uns nur in den Südkarpathen. Nicht selten in den Hätszeger Gebirgen bis Bukowina, dann vom Retyezät bis Polyana Ruszka und im Banater Merul-Gebirge, Ludwig Bälint traf ihn zwischen dem Retyezät und dem Merul brütend an. Dr. Knöpf 1er erlegte ein Exemplar am Retyezät (1843) in dem Momente, als dasselbe ein Lamm zu rauben trachtete. Kotschv sah 1850 oft mehrere Exem- — 89 — plare in den Arpaser-Gebirge unter dem Surul. Nogell schreibt im Oktober 1848 aus Amasia (Kleinasien), dass dort der Lämmergeier in mehreren Pärchen hause. Im Fluge erkennt man ihn von weitem am langen Schwänze und dem schlanken Körper. Aquila inelaiiaetus (L.) 1758, Kaiseradler. Äqiiila imperialis Beeilst] Aquila heliaea Sav. Er hält sich meist den bewaldeten Donauufern entlang auf, zu- mal an der Theissmündung in den Komitaten Bäcs und Torontäl, besonders aber im Csaikistengebiete, wo ihn Baldamus, Scheffer und Br. Wiedersperg oft auf hohen Bäumen horstend antrafen. Wiedersperg entdeckte im Frühjahr 1847 die Nestjungen, indem er die beiden Alten — das Weibchen mit einem grossen Fleischstücke im Schnabel — lange über dem Baume mit klagenden Tönen kreisen sah, ohne dass sie sich aber darauf niederzulassen getraut hätten. Ein Knabe brachte dann die von den grossen Wald- ameisen ganz überdeckten und fast halbtoten Jungen herab. Zelebor fand diese Art im Frühjahr 1853 in den Wäldern um Titel zahlreich brütend. Fritsch sah sie auf den Ebenen des Temeser Bänäts manchmal zu sieben beieinander, zumal bei Feher- templom. Graf Chotek besitzt in Futtak mehrere ausgestopfte Exemplare. Auch in der Geszter Sammlung des Dominik Tisza sah ich 1854 ein Exemplar. Aquila clirysaetus (L.) 1758, Steinadler. Aquila fulva Savign. Ungarisch: Küszirtisas. Er kommt in sämtlichen bewaldeten Hochgebirgen Ungarns vor. Im Winter zieht er auch in die Wälder der Ebene herab. Nach Bald am US horstet er auch im Csaikisten-Gebiet. Man findet ihn auf der ganzen Gebirgskette zwischen Liptö und Zölyom, so auch — wie Gasparecz erfahren — um Jeszena, wo es in den Waldungen auch Felspartien gibt. Ich selbst beobachtete ihn am 20. Juni 1854 an der Grenze zwischen Ungarn und Siebenbürgen. Seinen Horst bezieht er trotz wiederholter Beraubung stets von neuem. Am Oblik-Berge bei dem Säroser Hanusfalva hob man die Jungen auf einer hohen Buche mehrere Jahre hindurch' aus. — 90 — A([uila maeulata (Crin.) 1788, Grrosser Seliiviadler. Aquila danga Fall. 1811: A. fusca C. L. Brelim (1823); Ä. hifasciata C. L. Brelim (1831). Ungarisch: Szeplos-, csengö- oder foltos sas. Jenes Exemplar, welches ich von Grineus erhielt, wurde 1846 in den Bergen bei Töt-Lipcse — wahrscheinlich vor Hunger er- mattet — lebend ergriffen. Auf der Soproner Vogelausstellung sah ich ein altes, vom Fertö-See herstammendes Exemplar. Aquila iiaevia IVolf, Kleiner Sclirciadler. Äqiiila pomarina Brelim 1831. Ungarisch: Lärmäs sas. Er unterscheidet sich von dem vorigen dadurch, dass jener stets einen dunklen, ja schwarzen Schnabel hat, während dieser beim letzteren nur stark grau angelaufen horn- braun ist und zwar in jedem Alter.*) Vorkommen. In den Bergen zwischen Liptö und Zölyom ist er nicht selten. Am 24. Mai 1838 wurde bei Pencz ein Männchen auf seinem etwa 2 m hoch stehenden Neste erlegt. Am 6. Juni desselben Jahres aber brachte man aus der Nähe von Breznöbänya ein altes Männchen ins National-Museum. In der Strib asschen Sammlung zu Breznöbänya befindet sich ein kleineres Männchen und ein stärkeres Weibchen. Keiner erlegte 1845 am 5. Mai, dann am 17. Juli je ein Weibchen. In der Gegend der Banater Szäszka, zumal im Tale von Mehadia, sah ich im Juni 1835 diesen Adler oft samt seinen Jungen herum- fliegen oder aufgebäumt. 1854 begegnete ich ihm oft im Bihar-Gebirge. So am 4. Juni auf den Puszten bei Geszt, wo er in den nahen Wäldern horstet. Ich brachte auch ein Ei dorther mit. Am 26. Juni flog er über den Feldern des Dorfes Kaluger. Am 28. Juni aber kreisten solche Adler zwischen Hollöd und Venter über den Wäldern. *) Stefan von Chernel {Magyarorszäg madarai, S. 417) vereinigt die beiden Schreiadler auf Grund der Übergang'sformen unter dem Namen Aquila maeulata (Gm.) zu einer Art, wozu er auch Aquila nipalensis Hodg. mit der Be- nennung A. maeulata orientalis Gab. 1850 rechnet. Die auf die Schnabelfärbung begründete Unterscheidung fand ich bisher nur bei Petenvi. T. Cs. — 91 — Sein Brüten. Er brütet in den Gcbiri;swaldiing'en, wie auch in den Wäldern der Ebenen Ung'arns, alljährlich. 1828 kam ein weibliches Nestjunges aus dem Bakony in das National -Museum, wo es vier Jahre lang lebte. 1836 erlegte man im Breznöbanyaer Walde ein Pärchen am Horste. 1837 erhielt ich ein junges Weibchen aus dem auf einer Tanne des Kesmärker Waldes gebauten Horste. Prof. Wallsteiner fand 1844 auf einer verlassenen Scheune ein brütendes Pärchen, welches, obwohl kein eigentlicher Horst da war, doch drei Eier hatte. Diese waren kleinen Hühnereiern gleichkommend, doch auch an ihren spitzeren Enden mehr abgerundet; grobkörnig, schmutzig weiss, rostbraun gefleckt. Das aus Tätrafüred erhaltene Exemplar brütete 1845 in dem- selben Horste des Neuwalddorfer Gebietes, welchen im Vorjahre eine Aquila maculata benutzt hatte. Alljährlich brütet er auch in den Wäldern der Ebene um die Puszta Tisza-Radväny, von wo ich 1854 auch das Ei mitbrachte und wo dieser Adler auf hohen Eichen horstet. Eig-enschafteu. Sein Flug ist leicht und majestätisch. Aus der Ferne erscheint dieser Adler, wie auch A. maculata, schwarz. Im Juni 1837 erhielt ich aus der Tatra ein junges Exemplar, welches erwachsen derart zahm wurde, dass man mit ihm alles tun konnte. Mit dem ihm vorgelegten Fleischstück oder Vogel wusste es nichts anzufangen, es wartete bis man ihm dieselben zerstückelt hatte. Auf eine Stelle hingesetzt, blieb es den ganzen Tag daselbst. Auf Wagen machte dieser Adler lange Wege mit mir; in meinen Mantel gewickelt, sass er neben mir in gerader Haltung mit aufgerichteten Nackenfedern. Aquila peuiiata Om. 1788. Zwergadler. Aqidla mimita Brehm. Ungarisch: Palya - gatyäs oder am treffendsten: Fehervällü sas. Cuvier, Schinz und Naumann bezweifeln die artliche Selb- ständigkeit der Aquila minuta Brehmii. Ich selbst, der die Auf- gabe des Naturforschers nicht in der blinden Befolgung von Be- hauptungen anderer, sondern in der selbständigen Erforschung von Tatsachen sehe, stelle mich offen auf Brehm s Seite, indem ich die — 92 ~ auf eigene Untersuchungen basierten Charaktere der beiden Arten im folgenden gebe:*) Aquila jDennata Gm. Länge 45 bis 50 cm. Der Schnabel dick, fast gerade, nur an der Spitze gekrümmt. Der Flügel er- reicht das Schwanzende nicht. Die Hauptfarbe ist kaffeebraun mit dunkleren Strichen. Die Bauchseite weiss mit dunkelbraunen Strichen, auf der Hose mit unbedeutenden rostroten Querbinden. Die Unterschwanzdecken weiss oder kaum merklich gebändert. Gesicht und Zügel weissgrau. Die Genickfedern mit Rostgelb ein- gefasst. Die Schulterfedern sind in jedem Alter weiss. Unterrücken schwarzbraun. Bei den Jungen ist die Bauchseite rostbraun mit starken dunkleren Strichen. Aquila minuta Brehm. Ungarisch: Törpe sas Pet. Länge 53 bis 55 cm. Breite (bei ungarischen Exemplaren) 132 bis 148 cm. Der Schnabel klein, vom Grunde an stark gekrümmt. Der Flügel reicht bis ans Schwanzende. Die kaffeebraune Hauptfarbe ist am Rücken sehr dunkel, am Oberrücken und an der Schulter am lichtesten; die längsten Schulterfedern, wie die Spitzen der Schwingen schwarzbraun. Auch die Bauchseite ist kaffeebraun mit dunkleren Strichen, und an der Brustgegend fast auf jeder Feder mit je einem schwarzbraunen Flecke. Der Stirngrund ist weisslich, das Gesicht braun. Hinterkopf und Genick rostgelb mit braunen Längsflecken. Am Schwänze vier bis sechs kaum wahrnehmbare schwarze Querbänder; die Schwanzspitze weisslichgrau. Aquila pennata ist einer der meist verbreiteten Adler Ungarns, der, wie es scheint, in der Mitte des Landes, an den hügelig-waldigen Ufern der Donau, am häufigsten vorkommt Dass er aber auch in *) Dieser Adlerstreit ist selbst heute noch nicht beendet. Graf Koloman Läzär (Az. Erdelyi Muzeumegylet Evkönyvei, III. H. S. 153) sucht auf Grund der Nestjungen (dass nämlich das Pennata-Männchen schon als Nestjunges lichter als Minuta ist) die artliche Selbständigkeit der Minuta zu beweisen. Diese Ab- handlung hat selbst C. L. Brehm in einem an den Grafen Läzar gerichteten Briefe als entscheidend erklärt. Die Beobachtung von Howard Saunders, der in zwei Jungen desselben Horstes beide Formen erkannte (Ibis 1871, S. 63), spricht aber für das Vorhandensein einer einzigen Art. H. Göbel erklärt auf Grund seiner tiefgehenden Forschungen, dass das vollkommene Übereinstimmen der Lebensweise für eine Art spricht, die unendlichen — durch Übergangs- formen nicht verbundenen — Farbenverschiedenheiten der Männchen aber das Vorhandensein zAveier Arten beweisen. (Journ. f. Ornith. XX. S. 454 bis 463.) T. Cs. — 93 — Oberungarn nicht fehlt, beweist das in der Gedulyschen Apotheke aufgestellte, bei Losoncz erlegte Exemplar. Bei Pest wurde er am 20. September 1835, in Lovas-Bereny am 2. Juni 1837 erlegt. 1846 fand ich bei einem Jäger auf der Insel Csepel die abgeschnittenen Flügel dieses Adlers. Circai'tus gallicus (Oiu.) 1788, NatteriLidler. Aquila hrachydadyla Wolf. Ungarisch: Kigyäsz sas. Vorkommen. Den Sommer hindurch hält er sich nicht nur im bergigen Ober- ungarn, sondern auch in den Waldungen der Ebenen an der Donau, Theiss und Drau auf. In den Jahren 1846 und 1847 trafen ihn Baldamus, Schaff er und Wie der sp er g in den Banater Waldungen auch während der Brutzeit an. In der Kayszrälschen Sammlung zu Sopron sah ich ein aus der Gegend des Fertö-Sees herstammendes Exemplar. Ich fand ihn gegen Juni alljährlich auch in den Morast- und Wiesenwäldern von Peszer, wovon er aber wegen der Abnahme der Amphibien schon im September weiter zieht; ausnahmsweise blieb er 1834 bis Mitte Oktober daselbst, da es bis dahin noch Schlangen in Fülle gab. Eigenschaften. Sein Flug ist schön, leicht, Spirallinien beschreibend. Er setzt sich gerne auf kleinere oder grössere Bäume der Waldränder, Wenn er auf Bäumen sitzt, ist er leicht zu beschleichen, im Fluge aber sehr schwer zu schiessen. Die Schlange packt er am Kopfe und tötet sie mit einem Biss in diesen. Auf ApaJ kam er 1839 schon zu Ende Februar. Nahrung^. Das am 17. August 1833 bei Peszer erlegte Weibchen hatte im Kröpfe eine 74 cm lange Coluber natrix, im Magen noch zwei solche Schlangen und eine Lacerta viridis, in den Gedärmen aber Mengen von Schlangenschuppen. Im Kröpfe des am 3. März 1839 bei Apaj erlegten Weibchens Avar eine 50 cm lange Vipera berus; im Magen eine ebenso grosse Schlange mit ganz abgetrenntem Kopfe, ausserdem viele Rüssel- und Laufkäfer, welche möglicherweise mit der schon halbverdauten Schlange in den Magen des Adlers geraten waren. — 94 — AiiJitomische Merkmale. Der ganze Körperbau ist zum leichten Schweben eingerichtet. Die Knochen sind dünn und porös, die ganze Muskulatur schwach entwickelt und weich. Der Kropf ist sehr gross; der Magen ein grosser häutiger Schlauch. Der Darm ist 184 cm lang; am Dick- darm sind zwei enganliegende, fast 0,65 cm lange Blinddärme. Das bei Apaj (3. März 1839) erlegte Weibchen hatte unter den erbsen- grossen Eiern ein schon dem Turteltauben -Ei gleichkommendes. Diese Art brütet also recht zeitig. Paiidioii haliaetus (L.) 1758, Fhissadler. Pandion fluviälis Sav. Ungarisch: Rdrö. Er ist, obwohl nicht oft, doch auch in Ungarn zu finden. 1835 sah ich einen zwischen Mezöhegyes und Komlös. 1841 wurde auf der St. Margarethen-Insel (Pest) ein Exemplar erlegt; bei Walaszka ebenfalls einige. Br. Wiedersperg erlegte 1847 bei Ujvidek ein am Donauufer einen Hecht verzehrendes Exemplar. Auch Baldamus und Schaff er sahen ihn einige Male um Titel herum. Rainer er- legte am 23. September 1844 ein Exemplar bei Kesmärk. Einst muss dieser Adler in Ungarn häufiger gewesen sein, wie das einige Ortsnamen beweisen. So in Nögräd bei Szakäll das tiefe „Rarös-völgy" (= R.-Tal), in Csongräd bei Derekegyhäz die „Rärö- Puszta" u. s. w. Haliaetus albicilla (L.) 1758, Seeadler. Aquila albicilla (L.) Fall. Ungarisch: Feherfarkü sas. Die Artkennzeichen wären auf Grund folgender Daten fest- zustellen: Der Schnabel bei Jungen schwarz, bei Alten gelb; der Lauf vorne bis zur halben Länge befiedert, hinten kahl, gelb ge- färbt; die Hose gewöhnlich dunkel- oder fahlbraun, nur bei den Jungen gefleckt; der 32 bis 37 cm lange Schwanz in der Jugend dunkelbraun mit weissen Flecken, später rein weiss. Nur die recht alten Exemplare haben am Schnabel einen Zahn oder eine Auskerbung. (Unter den 27 Schwingen ist die erste gewöhnlich um 5 bis 8 cm kürzer als die zweite, diese etwas kürzer als die dritte, welch letztere oder die vierte die Flügelspitze bildet. Die Aussenfahne — 95 — der ersten ScliAvinge gradrandig, die der nächsten sechs Schwingen aber ausgeschnitten.) Das im Csäszarfürdö in Buda 1847 gefangen gehaltene etwa einjährige Exemplar hatte einen dmikelbraunen Augenstern und fahl grünlichgelbe Augenlider, die Wachshaut und der Schnabel- winkel bläulich schwefelgelb; der Schnabelhaken hornschwarz. Die Füsse fahl orangegelb. Der Schwanz am Grunde und am Endstreif schwarz, sonst bräunlich weissgrau. Vorkommen, Eigenschaften. Er bewohnt vorzüglich die Ufer grosser Flüsse. Längs der Donau von Pest abwärts, wie auch an der unteren Theiss, so im Csaikisten-Gebiete, pflegt er auch zu brüten. Im Winter streicht er die Flüsse entlang und besucht von dort die nahen Waldungen, so auch den Gödöllöer Wildgarten, wo er alljährlich erlegt wird. Zelebor sah im Juni 1853 bei Eszek und Mohäcs diesen dort brütenden Adler mehrmals. Am 6. Juni 1854 sah ich in der Gyantai-Puszta ein Pärchen, welches daselbst auf den hohen Erlen und Eschen zu horsten pflegt. Auch auf der Räczkever Insel, ferner um Baja, Futtak und Ujvidek brütet dieser Adler, wie das Baldamus und Wiedersperg oft beobachteten. Im August 1835 traf ich ihn von Tolna bis Zimony, um Petervärad und in ganz Slavonien überall an. 1837 sah ich bei Ercsi ein altes Exemplar. Den Bau des Horstes beginnt er zeitig; auf der Adonyer-Insel begann er 1848 schon im Februar und Avar im März schon fertig; da wurde er aber durch ein Würgfalken-Pärchen nicht nur vom Neste, sondern auch von der Insel vertrieben. Dieser Horst war in einer Höhe von fast 10 m aus trockenem Reisig und aus Unkraut zwischen drei Ästen gebaut. Am 12. April 1851 erlegte man auf der Insel Csepel ein brüten- des Männchen. Ein brütendes Exemplar war auch jenes, das man im Gyaraker Walde erlegt hatte und das ich in Nagy-Szalonta präparierte. Der Ruf dieser Adler klingt — abgesehen von der Stärke — dem des Grünspechtes (Picus viridis) ungemein ähnlich. Sein Flug erscheint etwas schwerfällig,, ist aber dennoch rasch. Er setzt sich oft auf Bäume, aber auch auf das Flussufer, wo er die verendeten Fische aufklaubt. Die Beute reisst er an den Weichteilen auf, worauf er die Muskeln und zuletzt auch einen Teil der Knochen verzehrt. Das am 8. November 1850 bei Ugra erlegte Männchen — 96 — hatte eine Wasserratte im Kröpfe. In dem 1854 bei Csongrad er- legten Avar lauter Hasenfleisch zu finden. Das im September 1832 bei Kis-Körös verwundete Exemplar Avar bei mir anfangs sehr Avild; befreundete sich dennoch später mit mir und nahm mir das frische Fleisch aus der Hand. Aas, ver- westes Fleisch berührte es selbst bei grösstem Hunger nicht. Die kleinen Vögel, denen es zuerst die Köpfe abbiss, verschlang es in einem Stücke. So tat es auch mit kleinen Knochen und dem zer- trümmerten Hasenschädel. Von grösseren Knochen frass es nur das Fleisch ab. Nach Art anderer Tagraubvögel zitterte es im Zorne. Die Mauser begann es Ende November und verlor dabei ausser dem Kleingefieder auch die Schwanzfedern und die Schwingen zweiter und dritter Ordnung. Buteo biiteo (L.) 1758, Mäuse-Bussard. Buteo vulgaris Leach. Ungarisch: Közönseges ölyv. Er kommt in allen Auen und Wäldern der Berge und Ebenen Ungarns auch brütend vor. Areliibuteo lagopus (Brunn.) 1704, ßaulifuss-Bussard. Buteo lagopus Gm. Ungarisch: Gatyds ölyv. Keine Seltenheit für Ungarn. Besonders ist er häufig von Ende Oktober bis April in den Ebenen des Landes, wo er zwischen Feldern, Wiesen und Weiden auf Ausblick gewährenden höheren Stellen, wie Bäumen, Tristen, Stein- und Holzhaufen zu sitzen pflegt. Er ist ein fleissiger Mäusefänger. Sehr oft traf ich ihn in den Komitaten Hont und Nögräd (Oberungarn), wo er auf hohen Buchen und Eichen brütet.*) 1816 brachte ich aus dem Walde bei Selmecz zwei Eier mit. Im Magen eines 1854 um Pest erlegten Exemplars fand ich ein junges Wiesel. *) P et (in vi ist demnach unter den ersten, die das Horsten dieser Art in Mittel -Europa beobachteten. Mojsisovics nimmt für sicher an, dass dieser Bussard im Keskender Walde des Drauecks 1884 brütete (Zeitschr. f. d. ges. Ornith. 188i, S. 236 bis 242). Auch Karl von Lakatos erwähnt, dass ihm Alex Gozsdu aus Temesvär brütende Exemplare zugesandt habe. (Termeszet, 1898, XVII, S. 13.) T. Cs. — 97 — Pernis apivoriis (L.) 1758, Wespeiilmssard. Ungarisch: Mehesz, Dardzsölyv. Er kommt, obwohl nicht oft, auch in Ungarn vor, wo er mehr die nördlicheren Gegenden bewohnt. Ich fand ihn in den Samm- lungen zu Sopron und Pozsony. Am 15. Mai 1842 erlegte Rainer ein Männchen in Tätra-Füred. Sein Nest fand ich am Hradovo bei Tiszolcz auf einer Buche in bedeutender Höhe. Die beiden Eier waren schon bebrütet; folglich hätte das Weibchen kaum noch mehrere dazu gelegt. Im Magen des bei Alsö-Pencz am 24. Mai 1839 erlegten Männ- chens befand sich ausser Überresten von Bienen, Wespen und anderen Insekten auch eine grüne Eidechse. Milvus milvus (L.) 1758, Roter Milan. Milvus regius seu ruhidus Pet. Ungarisch: Közönseges kdnya. In allen hohen, besonders Buchenwaldungen Ungarns ein häufiger Vogel. Im Frühjahr erscheint er zeitig. 1835 sah ich ihn schon am 4. März bei Turopolya. Im Winter zieht er, wie es scheint, nicht weit w^eg, nur in die südlicheren Gegenden Europas. Ende März beginnt schon die Begattung; da fliegt er paarweise über den Wäldern, grosse Kreise oder Spiralen beschreibend. Er ist einer unserer am leichtesten und schönsten fliegenden Raubvögel. Zur Zeit des Herbstzuges kommt er sehr bald auf die Ebenen. Bei Gönyö sah ich schon am 8. August 1847 mehrere, zweifellos ziehende Exemplare. Am 30. September 1845 zogen in der Frühe etwa 50 Stück, auf den Brachfeldern und Wiesen zwischen Szt. Märton und Pills ihrer Nahrung nachjagend. Im R.-Kereszturer Walde fand ich am 10. August 1839 etwa 60 Exemplare, die sich dort längere Zeit hindurch aufhielten; über ihrem Nachtlager kreisten sie allabendlich lange und zogen, wenn sie in der Nähe einen Menschen sahen, vorsichtig weiter. Auch in den hohen Gebirgswaldungen des Bihars sah ich ihn oft; so am 26. Juni 1854 beiKaluger, wo er über den zerstreuten Wohnungen der Walachen kreiste, wahrscheinlich dem Hausgeflügel nachstellend. Milvus migrans (Bodd.) 1783, Scliwarzer Milan. Buteo ater seu fuscoater Pet. Ein Bewohner des Hügellandes, noch mehr der Ebenen; be- sonders die an Flüsse, Sümpfe und Teiche anstossenden Wälder und Petenyi, Ornithologische Fragmente. 7 — 98 — BaumgTuppen sind ihm lieb, wie die Inseln der Donau und der Theiss, das Banat- und das Csaikisten-Gebiet. Ich fand ihn 1831 am Fusse des Lipecz-Berges im oberen Nograd, ferner in den Wäldern bei Tisza-Radvany; zwischen Nagyvarad und Tenke, um Görbesd, Kövesd und Tulka, endlich in der Gegend von Elesd und N. Baröd. Den A\'ald benutzt er nur mehr als Brutplatz und Nachtlager; sonst ist er ein Bewohner der Felder, da ihn schon seine Nahrung dazu zwingt. Manche Waldpartien liebt er besonders und brütet in solchen in grosser Anzahl, wie in den mit Sümpfen und stehenden Gewässern begrenzten Wäldern der Peszerer- und Adonyer- Insel; auf der letzteren brüteten 1848 mindestens 20 Pärchen. Das Nest baut er möglichst in den lichteren Waldpartien oder auf ganz freistehenden Pappeln oder Eichen, am liebsten zwischen die Kolonien von Krähen, Reihern und Kormoranen, da ihm die Jungen der letzteren, aber auch die fallengelassenen Fische und Amphibien stets reiche Beute geben; ferner, da er gewöhnlich die Nester anderer Vögel, be- sonders der Saatkrähen zu beziehen pflegt. Deshalb ist ihm die Adonyer-Insel so lieb. Er ist mehr als andere Raubvögel gesellig; man findet manchmal ein Milannest kaum 20 bis 30 Schritt vom zweiten entfernt. Ein solches aus trockenem Reisig gebautes Nest war 34 cm hoch, 45 cm im Durchmesser und 8 bis 10 cm tief. Viele Nester waren mit alten Mantel- und Filzstücken ausgefüttert. Ge- wöhnlich fand ich zwei Eier oder zwei Junge in einem Neste, doch legten die Weibchen, falls ich ihnen die zwei Eier ausnahm, in mehreren Fällen wieder zwei nach. Die Eier dieses Vogels sind in Form, Grösse und Färbung ausserordentlich abweichend, so dass man im selben Neste ganz verschiedene Eier findet. Ihre Grösse variiert zwischen 48 bis 55 mm Länge und 38 bis 42 mm Breite. Ihre Gestalt ist gewöhnlich läng- lich oval, mit abgerundeten Enden und gebaucht in der Nähe des stumpferen Endes. Die Schale ist fest, doch nicht dick, meist ziemlich glatt. Die Grundfarbe ist gewöhnlich bläulich kalkweiss, mit violettbläulichcn kleineren oder grösseren Flecken und eben- solchen oder dunkleren Punkten und Schnörkeln, Avelcher sich noch verschiedenfarbige, vom Bebrüten herstammende Flecken zugesellen. Manche Eier sind ganz ungefieckt. Am 13. Mai 1846 beobachtete ich die Begattung auf der Insel bei Ercsi. Die Männchen kreisten in der Höhe, während die Weib- — 99 — chen auf niederen Asten sitzend ihren Paarung'ston liören liessen^ welcher dem Frühjahrsrufe der Perlhühner ähnlich, doch bedeutend kräftiger, dabei weicher, flötend ist. Über den jungen .Saaten, Stoppelfeldern, Wiesen huscht er niederen, langsamen Fluges dahin, mit abwärts gerichtetem Kopfe nach Beute suchend, welche er im Herabstossen ergreift. Seine Hauptnahrung besteht aus eben flügge gewordenen Vögeln. Seinen majestätischen Flug entfaltet er besonders über den Nestern in ganzer Schönheit, wobei gewöhnlich mehrere zugleich ihre Kreise ziehen. Obwohl von geselligem Wesen, gerät er über die Beute doch oft mit seinesgleichen in Streit. Andere Raubvögel, wie die Falken der Insel Adony, treiben ihn oft in die Flucht, was aber auch die Möven und Elstern zu tun nicht unterlassen. Er kommt etwas spät an; in den ersten Tagen des April pflegt er noch nicht zu erscheinen. Am 13. April 1851 war er aber im Pilis-Jenöer Walde schon da. Im Herbste zieht er scharenweise ab. Am 10. Oktober eines Jahres sah ich ihn im R.-Kereszturer Walde zu Hunderten. Am 22. September 1834 zog er über Keresztur in Gesellschaft von Mäuse-Bussarden. Jung erzogen wird er so zutraulich, dass er in dieser Hinsicht selbst die Hühnerarten übertriff't. Circiis aerugiiiosiis (L.) 1758, llolirweilie. Circus rufus Briss. Über den Sommer ist sie an allen grösseren Rohr- und Binsen- flächen Ungarns anzutreffen. Den Nestbau beginnt sie bei uns schon in der zweiten April- hälfte. Ein Nest, das ich am 2. Mai 1848 auf der Adonyer-Insel fand, enthielt drei Eier (das vierte Ei war noch im Eileiter des er- legten Weibchens) und befand sich in einem mit Rohr durchwachsenen Gebüsch, in fast unzugänglichem Dickicht. Das auf einem Brom- beerbusche angelegte Nest war unten aus dickeren und dünneren Rohrstengeln gebaut, darüber lagen dicke, trockene Rohrstücke und Weidenäste, während die oberste Schicht durch dünnes, blätteriges Rohr gebildet war. Der äussere Durchmesser betrug etwa 1 m, der innere 25 bis 30 cm. Die ganze Konstruktion des über dem damals trockenen Boden 1 m hoch angebrachten Nestes zeugte da- von, dass dieser Vogel auch mit der Überschwemmung rechnet. 7* — 100 — Die Eier waren mehr rund als oval, doch gab es auch solche, die kurzen Hühnereiern ähnlich waren und deren Bauchigkeit in die Nähe des stumpferen Endes fiel. Ihre Schale ist ziemlich fest und porös, doch nicht bei allen gieichgradig. Die Farbe ist Circus aeruginosus (L.) ad., Rohrweihe. Gez. V. Titus Csörgey. weiss, mit durchscheinendem, bläulichem Ton. Inwendig schön licht grasgrün. Länge 48 bis 49 mm, Dicke 37 bis 38 mm. Circus cyaneus (L.) 1766, Koni weihe. Sie scheint in Ungarn die an Fruchtfeldern und Gewässern reichen südlicheren Teile dem gebirgigen Nordungarn vorzuziehen, da sie an den letzteren Orten meist nur auf ihrem Herbstzuge vor- zukommen pflegt. Des Winters streicht sie aber überall herum. Das am 13. Februar 1830 beim Czinkotaer Ziegelofen gefangene Exemplar hatte bräunlich gummiguttgelbe Augensterne; der Augen- ring war aussen ähnlich gelb, innen schwarzbraun gefleckt. In der — 101 — lichtschwarzen Pupille waren braune Punkte sichtbar. Wachshaut und Mundwinkel gelblichgrün, Füsse wachsgelb gefärbt. '"^ ta ivi Gez. V. Titus Csörgey. Circus cyaneus (L.) ad., Kornweihe. Circus i>ygargus (L.) 1758, Wiesenweihe. Das junge Weibchen dieser Art wird oft mit dem der vorigen verwechselt. Seine Kennzeichen sind folgende: beim Cyaneus- Weibchen sind die Längsstreifen und Flecken der Bauch- seite in jedem Alter viel stärker als bei Pygargus, bei welchem diese kaum sichtbar sind oder auch gänzlich fehlen. Circus maemrus (Grin.) 1771, Steppenweihe. Circus pallidiis Sykes 1832. Ausser der Gestalt macht — besonders das alte Männchen — die auffallend lichtere Färbung, welche besonders auf der Bauch- — 102 — Seite, dem Gesicht und der Flüi;elinnenseite hervortritt, sofort er- kenntlich. Am Rücken ist die Farbe ascho-rau oder bläulichi>'rau. Auch der Schwanz ist lichter. Der Augenstern der alten Männ- chen ist lichtgelb. Das erste 1829 bei Holics erlegte ungarische Exemplar sah ich im Naturalien - Kabinett zu Wien. 1844 fand ich dann bei E. A. Bielz in Nagy-Szeben ein in schlechtem Zustande l^efindliches Exemplar, welches ich von ihm erbat. Auch B. Wied ersperg soll zwei erlegt haben, eins in Cserevicz, ein anderes bei Josephsdorf im Csaikisten-Gebiet. Gen.: Astiir Lac, Habicht. Geschlechtskennzeichen. Der Schnabel von halber Kopflänge, stark, schmal; Oberkiefer von der Wurzel an abschüssig gekrümmt, mit einem sehr überbogenen spitzen Haken und einem zwar breiten, doch nur sanft hervortretenden Zahn. Die Wachshaut nicht gross, auf ihrem Vorderrand doppelt ausgeschweift (ob bei allen Exemplaren und Arten? Pet.); oben wenig kahl, an den Seiten durch Haarborsten grösstenteils überdeckt. Nasenlöcher nach vorne zu etwas schräg liegend, fast eiförmig; inwendig mit einem ganz flachen, hinter dem Oberrande versteckten, kaum von aussen etwas sichtbaren Läpp- chen versehen. Die Füsse sehr lang und schmächtig (machen die Hälfte der Länge des ganzen Vogels aus); Schienbein um ein Viertel länger als der Lauf; letzterer bis zur Hälfte (Palumbarius) oder bloss auf ein Drittel seiner Länge (Nisus) befiedert; beim Palumbarius dreimal so lang als der Schnabel im Bogen gemessen und der samt Kralle gemessenen Mittelzehe an Länge nicht gleichkommend; vorne ist der Lauf durchaus, hinten grossenteils mit Schildern bedeckt. Die Zehen, vorzüglich die Mittelzehe, lang und schmächtig, alle oben weit beschildert, unten mit grossen, hohen, warzenähnlichen Ballen versehen; die Krallen sind mächtig, sehr gekrümmt und scharf- spitzig. Zwischen der Aussen- und der Mittelzehe ist eine grosse, auf ihrem Rande bis über das erste Gelenk laufende Spannhaut zu sehen. (Bei den Habichten sind die inneren und die hinteren Zehen samt Krallen die massivsten, kräftigsten Teile des Fusses, da sie beim Erhaschen, Davon- tragen und Festhalten während des Reissens die grösste Schliesskraft zu äussern haben.) Die auffallendsten Kennzeichen der Astures sind ihre kurzen Flügel, welche nur die Hälfte oder kaum mehr vom Schwänze überdecken; sie sind breiter oder schmäler, doch spitzig, mehr Stoss- als Schwebeflügel; bestehen aus 24 hartschäf tigen , straff kiehgen , stark einwärts gebogenen Schwingen (des letzteren Umstandes wegen erscheinen die Flügel von unten ziemHch hohl); die erste Schwinge tritt um ein Drittel oder etwas mehr hinter der zweiten, diese bedeutend hinter der dritten, letztere noch ziemlich — 104 — hinter der unter allen am längsten vierten zurück; die fünfte nur wenig kürzer als die vierte, Avährend die sechste stark hinter der fünften zurück- tritt; die ZAveite, dritte, vierte, fünfte und sechste sind auf der schmalen Aussenfahne ziemlich, die erste, zweite, dritte, vierte, fünfte aber auf der Innenfahne merklicher verengt. Das Gefieder ist nicht lang, derb und glatt anliegend. Der Kopf ist klein, oben flach, nach vorne zugespitzt, an den Seiten zusammengedrückt, mit stark hervorragenden Augenknochen. Der Leib ist lang, schlank, nach hinten zu spitzig zulaufend. Die Leibfedern meist lang, aber glatt anliegend und im reifen Alter in die Quere gewellt. Der Flug ist schnell, ohne viele Flügelbewegungen, doch bei weitem nicht mit dem Edelfalkenflug zu vergleichen. Astur palumbarhis (L.) 1758, Taul)eiilial>iclit. Ungarisch: Tiköldkdnya (im Komitate Sopron); Oalambölyv. Slavisch: Oastrab holubicjar, Holuhjar. Artkeiinzeicheu. Der stämmige Lauf viel länger als die Mittelzehe samt Kralle; der auf seinem Ende ziemlich abgestufte, ab- gerundete Schwanz mit vier bis sechs sehr deutlichen, un- gleichbreiten, nie über beide Fahnen gerade laufenden, bedeutend dunklen Querbinden; die Flügelspitzen reichen bei den meisten bis auf die Hälfte des ganzen Schwanzes hinaus; der Lauf mit 15, die Mittelzehe mit 18 bis 19 Schil- dern, welche auf der letzteren durch ein 15 bis 17 mm breites Schuppenfeld unterbrochen werden; auch auf der Hinterseite des Laufes sind 15 ganz flache, seicht getrennte Schilder; der Lauf ist bis zur Hälfte herab befiedert. Grösse ungefähr die einer Nebelkrähe, des langen Schwanzes Avegen sieht aber der Vogel viel länger aus. Anmerkung. Folgende N au mannschen Artkennzeichen wie: „Wachs- haut, Augenstern und Füsse gelb; über den Augen ein weisser Streifen; Oberleib dunkel aschgrau oder dunkelbraun; Unterleib weiss mit schwarz- braunen, wellenförmigen Querlinien" u. s. w., überhaupt alle seine spezifischen Kennzeichen — die Länge ausgenommen — sind auch dem Nisus ebenso eigen, also nicht charakteristisch. Die B r eh m sehen, wie: „die Schwingen- spitzen reichen bis auf die Hälfte des 26,3 bis 31,6 cm langen Schwanzes" u. s. w. sind neben mehreren anderen gut, aber auch mitsamt den Mass- angaben (52,7 bis 63 cm) für sich allein ungenügend, nicht ausschliessend. — 105 — Schalten wir aber diesen die folgenden (Bre hm sehen) Kennzeichen an: „der Lauf hat oben (^ vorne) 15 bis 16, unten (= hinten) 9 bis 10, die Mittelzehe 19 stark eingeschnittene Schilder; die erste Schwinge zwei Drittel der zweiten" — mit der Bemerkung, dass die Schilderreihe des Laufes und der Mittelzehe durch ein Schuppenfeld unterbrochen wird, und geben wir allen diesen die Naumann sehen Farbencharaktere bei, so haben wir diese Art gut gekennzeichnet. Ich kann es nicht begreifen, wie Keyserling und Blasius in ihren „Wirbeltieren Europas" folgende Charaktere geben konnten: „Nacken dunkel^ ohne weisse Flecken; der Lauf bis ein Drittel der Länge befiedert". Masse; Länge Breite Schwanz Schnabel (Culmen) Lauf Mittelzehe deren Kralle cT ad. 52,7 103 25,8 2,6 7,9 4,6 2,0 cm cf ad. 52,7 101,4 26,3 3,3 7,9 5,3 2 cT juv. 52,7 106,7 25,7 — 9,4 5,1 2 "> $ ad. 58,8 110,7 26,3 3,7 9,2 5,3 2 4 Vorkommeu, Aufenthaltsplätze. Der Habicht ist in allen Gegenden Ungarns zu Hause, wo nur grössere oder einander nahe liegende Waldungen vorkommen. Den Sommer bringt er in den Vorwäldern zu, im Winter aber zieht er in die Nähe der mit Bäumen umgebenen menschlichen Wohnungen, um sich dort von Haustauben und sonstigem Hausgeflügel zu nähren; auch in den Flusswäldchen hält er sich gerne auf, mit einem Worte überall, wo es an Lauerplätzen nicht mangelt. Er überwintert auch auf der ungarischen Puszta, nur müssen einige Bäume in der Um- gebung der Gebäude stehen. Auf solchen Plätzen lauert er mit ein- gezogenem Hals auf irgend einem dicken Aste oder hinter einem Gebäude, um von hier aus die Beute unverhofft überraschen zu können. In der Nähe solcher entsprechender Plätze findet man dann unter dem Buschwerk überall die Federn der verspeisten Tauben, Hühner, Rephühner, Fasanen. Auch im Pester Stadtwäldchen traf ich im Februar 1854 einen solchen Lagerplatz an, woselbst grosse Flecke mit den Federn der erhaschten Tauben überdeckt waren. Dasselbe beobachtete ich Ende Dezember 1846 in dem Garten- dickichte zu Räkoskeresztiir. In den Waldungen um Selmecz brütet dieser Vogel in ziemlicher Anzahl, so auch im Walde zu Sopron. Ausgestopfte Exemplare — 106 — sah ich ni den Kayszra Ischen und Vi dak sehen Sammlungen in Sopron, alte und junge Stücke bei Pater Ezechiel in Pozsony. Nach Co ehr an e soll der Habicht in Grossbritannien, wo alle Raubvögel durch die Fasanenjäger fleissig weggeschossen werden, schon eine ausserordentliche Seltenheit sein. Eig'enscliJifteii. Er ist schlauer, verborgener noch als der Nisus, lässt sich weniger als dieser im Sitzen erblicken oder nahe kommen, sondern er fliegt meist von der Hinterseite des Baumes gerade, ohne sich in höhere Lüfte zu erheben, dahin fort, avo er sich zu verbergen glaubt. Nahrung'. Im Kröpfe und Magen eines Weibchens fand ich eine ganze Saatkrähe, die der Vogel zum Nachtmahl, sonst nichts besseres er- haschend, mit vielen Federn und Knochen aufgefressen hatte, so dass ich selbst im Magen Federn, darunter dicke Oberarm- und Schenkelknochen vorfand, sowie das ganze Rückgrat in zwei Stücken. Der Vogel ist also ein starker Fresser. Brutplätze, Nestbau, Eier. In allen Teilen Ungarns als Brutvogel verbreitet, sowohl auf der Ebene als in den Gebirgsgegenden, wo nur irgend welches Ge- hölz die menschlichen Wohnungen umgibt. Er nistet also auch in den Uferwäldern und Inselauen. Seiner der Wildzucht gefährlichen Eigenschaften halber wird er aber meist am Neste weggeschossen, wie dies z. B. auch auf der Insel Adony der Fall ist, avo man ihn nie seine Eier ausbrüten lässt. In den Gödöllöer Waldungen kommt er nicht selten brütend \"or; so traf Cochrane im April 1848 einige Nester dort an. Ich fand im Jahre 1815 bei Selmecz auf einer jungen Tanne ein Nest, Avelches auf einem Seitenaste kaum manns- hoch angelegt war und aus lauter unten dicken, oben dünnen ZAveigen und Baumwurzeln bestand, die nur ganz lose aufeinander lagen. Die Grösse der Eier ist meist die kleiner Hühnereier, obgleich sie von den Oologen geAvöhnlich grösser als Hühnereier angegeben AA^erden. Länge .52,7, 53,8, 53,8 mm; Breite 42,8 41,7, 42,8 mm. Sie sind meist länglich-, doch mitunter auch kurzoval, am dünneren Ende stumpf zugerundet, am dicken stark abgerundet; die grösste Bauchig- — 107 — keit liegt bei den kurzen Exemplaren dem kurzen Ende näher als der Eimitte, bei den langovalen so ziemlich in der Mitte. Bei der Mittelform sind beide Enden beinahe gleichförmig stumpf zugerundet und die un- bedeutende Bauchigkeit ist in ihrer Mitte zu sehen. In der Gestalt variieren diese Eier mehr als betreffs der Farbe. Die Schale ist recht dick, consistent, ziemlich grob und rauh, mit sehr bemerkbaren Poren, worunter viele tiefer als die anderen sind; die grösseren Poren verbinden oft feine Strichelvertiefungen miteinander. Die Farbe ist meist ein blaugrünliches Kalkweiss ohne jede Zeichnung, oder bloss mit einzelnen zerstreuten, unregelmässigen, in der Schale ver- wischten bräunlichgelben, grünbraunen oder gelbgrauen Flecken und Wölkungen, die jedoch bloss durch die schmutzigen Füsse oder durch die frischen, als Unterlage dienenden, beblätterten Zweige dem noch weichen, frischgelegten Eie eingedrückt, also bloss zufällig zu sein scheinen, wes- halb sie meist auf der bauchigen Mitte der Eier vorkommen. Innerlich sehen sie schön dunkel apfelgrün, beinahe malachit- oder kupfergrün aus. Accipiter iiisus (L.), Sperl)er. Falco nisus L. Ungarisch: Karvaly, Karoly-madär. Karoly-ölyv. Slavisch: Kralmlec, Krahujec^ Gastrah-Krcümlec, Wrabcjar. Artkeiiiizeiclien. Der sehr schlanke, hohe Lauf bedeutend länger als die Mittelzehe samt Kralle; die auf dem Laufe aus 20, auf der Innenzehe aus 29 Schildern bestehende Reihe wird durch kein Schuppenfeld unterbrochen; auf der Hinter- seite des Laufes sind bloss Einkerbungen, aber keine Schilder zu sehen; die Schwingen sind braungrau, mit schwarzbraunen oder dunkelbraunen Bändern; der Nacken weissgefleckt; Zügel, Kehle und Oberaugenstreif weisslich; der an seinem Ende beinahe gerade abgeschnittene, von w^enigstens fünf bis sieben über die ganzen Fahnen, selbst der mittelsten Federn, gleichbreit laufenden, dunklen Querstreifen durchzogene Schwanz wird kaum zur Hälfte von den Flügeln überdeckt. Anmerkung. Keyserling und Blasius geben die folgenden Art- kennzeichen: „Zehen getafelt (vielmehr beschildert! Pet.); der Lauf bis höchstens ein Fünftel seiner Länge befiedert (ich fand ein Drittel. Pet.); — 108 — der Schwanz gerade, seine dunklen Endbinden und der trübweisse Endsaum sind durch Mitteltinten verbunden oder allmählich ineinander abschattiert; (nicht immer so; auf dem Männchen vom 27. März 1847 war der End- saum ziemlich rein weiss und die Mitteltinten der Schäfte reichten kaum bis zur Mitte des weissen Endsaumes, indem selbst die Schaftspitzen bis über die Hälfte weiss waren. Pet.); im Nacken ein weisser Fleck." Die Naumannschen Artkennzeichen: „Iris, Wachshaut und Füsse gelb, letztere mit langem, dünnem Lauf und schlanker Mittel- zehe;" (die Wachshaut ist nicht immer gelb, oft dunkel blaugrau, nur vorne gelb eingefasst; selbst bei dem schon älteren Männchen vom 27. März 1847 war dies der Fall. Pet.). „Alte Vögel: Oben blaugrau, unten weiss mit braunen oder rostfarbenen Wellenlinien. Junge Vögel: Oben grau- braun, unten weiss, an der Kehle und am Vorderhalse braun in die Länge, am Bauch und an den Schenkeln in die Quere gefleckt." Masse. Länge Breite SchAvanz Schnabel (Culmen) Lauf Mittelzehe deren Kralle cf med. 32,3 63 15 2 5,3 3,1 1,1 cm d" juv. 30,5 63 — 2 5,5 3,7 1,0 „ d^ ad.*) 31,6 — 15,8 — — — » Beschreibung-. Die Nasenlöcher liegen auf dem Rande der Wachshaut, sie sind mandelförmig, unten geradrandig. Der Schenkel ist kurz und dünn, das Schienbein lang und schmächtig: der Lauf ganz schmächtig, stark zusammen- gedrückt, auf ein Drittel seiner Länge befiedert; vorne beinahe ungeteilt gestiefelt, bloss nach aussen mit etwas erhöhten Täf elungsstricheln ; hinten nur angedeutet genetzt. Die Mittelzehe sehr schmächtig, mit einem 4,4 mm hohen Zehenballen; ihre Kralle ist sehr spitzig. Die Mittelzehe und die mit einem 2,2 mm hohen Ballen versehene Aussenzehe wird durch eine beinahe bis auf die ersten Gelenke reichende Spannhaut verbunden. Die Innenzehe zwar kurz, sie repräsentiert aber samt der Hinterzehe den kräftigsten Teil des Fusses und ist unter sämtlichen Zehen die geeignetste zum Ergreifen der Beute. Alle Zehen am Rücken beschildert, seitlich fein genetzt, an den Sohlen feinwarzig. Etwa zweijähriges Männchen im Übergangskleide. (Erlegt am 27. März 1847 auf der St. Margaretheninsel.) Schnabel hornschwarzblau, am Zahn und dem Rande des Unterkiefers meist horngrau; Wachshaut schwärzlichblau, mit durchschimmerndem Gelb, vorne schmal gelb eingefasst; Zunge und Rachen grösstenteils schwarz- ') Aus Candia. — 109 — blau, nur auf den Schnabelrändern licht horngrau, Mundwinkel blaugrau. Iris rötlichgelb, Augenlider schwärzlich, Augenhaut grünlichgelb. Füsse schmutzig schwefelgelb, ins Rötliche ziehend; Zehensohle graulichgelb. Oberkopf und der ganze Mantel etwas graulich dunkelaschblau, mit schwärzlichen Schaftstrichen und ganz wenig helleren aschgraulichen Feder- rändern, welche am deutlichsten auf der Schulter und den zwei Reihen der längeren Oberflügeldecken zu bemerken waren, wo sie sogar auf den letzteren in weissliche, schmale Bändchen ausarteten; die kleineren, dem Flügelrande näher liegenden Oberflügeldecken hatten rötlichweisse Rändchen auf den neuen, rostgelbliche aber auf den alten Federn; auch die licht blaugrauen Oberschwanzdecken, namentlich die längsten, hatten trübweisse Endkanten; der Endsaum der auf den meisten alten, vom vorigen Kleide noch stammenden bräunlichaschgrauen Schwanzfedern war trüb weiss, 4,4 bis 6,5 mm, vor ihm die braunschwarze Endbinde bis 2 cm breit (die neuen Schwanzfedern waren licht blaugrau, kaum merklich ins Rot- braune ziehend). Stirne, Umgebung der Schnabelwurzel und der Gesichtsteil vor dem Auge war trüb weiss, schwärzlich gestrichelt; auch über dem Auge zog ein durch blaugraue Schaftstriche zum Teil verdunkelter, weisser Strich; im Nacken sass ein ebenfalls grosser, aber durch die schwärzlich asch- blauen Federspitzen bedeutend unterbrochener weisser Fleck; auch die Schulterfedern, sowie die letzten Schwingen und ihre Decken haben rund- liche, weisse Flecken, zwischen welchen die graubraunen, sie trennenden Grenzflecken rostrote Beimischung hatten; die trübweisse Kehle zog stark ins Rostbraune und war ebenso wie die hell rostbraunen Wangen- und Vorderhalsseiten fein schwarzbraun gestrichelt; Brust, Bauch und Hosen trüb weiss, mit rötlich braungrauen Wellenlinien durchzogen, welche auf der Brust und den Leibseiten schon grossenteils hell rostrot waren und nur aschbraune Beimischung hatten, hingegen am Bauch und den Hosen nur roströtlichbraungraue Querwellen bildeten; auch die innere Schienbeinseite war schon stark rostrot angeflogen; Unterschwanzdecken beinahe rein und ungefleckt milchweiss, nur auf den kürzesten Federn mit versteckten dunkel aschgrauen Schaftmittestrichen. Unterflügelseite schwach bräunlichweiss, mit schwachem Glänze, auf den Schwingen schwarzgrau quergebändert; die Unterflügeldecken am Flügelrande mehr rostgelb angeflogen, mit dunkel braungrauen, in der Mitte kurz gestielten, auf den kürzeren Decken etwas herzförmigen Querflecken. Die vorderen Schwingen oben dunkel braungrau, stark ins Rostbraune ziehend; die übrigen dunkel blaugrau; alle auf ihren inneren Fahnen mit weissen Augenflecken und von der siebenten an mit ganz schmalen, weisslichen Endrändern. In diesem Alter, wo der Vogel wenigstens schon seinen zweiten Winter überlebt hat, war also das dunkle Aschblau des Oberkörpers noch — 110 — bei weitem nicht das schöne und sanfte Blau, welches man bei ganz alten, wenigstens dreijährigen Männchen beobachten kann, sondern bloss dunkel blaugrau, mit merklicher graubrauner Beimischung, wie dies bei recht alten Weibchen der Fall zu sein pflegt; der weisse Nackenfleck war grössten- teils noch versteckt und überhaupt alle weisse Farbe auch am Unterleibe nicht ganz rein, sondern bloss trüb weiss; die grössten Federn im Flügel imd dem Schwänze hatten noch viele rostbräunliche Beimischung, die auf den neuen Federn aber schon Aveniger bemerkbar gewesen; am Unterleibe Avar das schöne lichte Rostrot nicht vorherrschend, sondern bloss als ein Drittel der graubraunen Wellen angedeutet. Junges Männchen im Übergangskleide. (Erlegt am 24. Februar 1840 im Rakoskereszturer Park.) Schnabel hornblau, die Spitze blauschwarz, Wachshaut und Mund- winkel dunkel wachsgrün; Augenstern hell gummiguttgelb, am Rande etwas ins Dunklere spielend und schwarz eingefasst; Augenlid schön gelb; Füsse schmutzig zitronengelb, die Krallen hornschwarzbraun. Der dunkelbraune, etwas wie mit Aschgrau überflogene Scheitel war rostrotgelb gekantet, am Nacken leuchtete der grosse weisse Fleck schon stark hervor, so auch der über die Augen gegen den Nacken hinlaufende Streifen; die Hinter- und Seitenhaisfedern stark gelblich rostfarben gesäumt, jede in der Mitte auf beiden Fahnen mit verdeckten, grossen, weissen Ovalflecken, Oberrücken-, Schulter- und Steissfedern dunkel aschgraubraun, rostgelblich, die längsten Oberschwanzdecken aber weissgrau und die Unter- rückenfedern rostrot gekantet. Ausserdem haben die Schulterfedern und die Schwingen dritter Ordnung sowie auch ihre Decken in ihrer Mitte verdeckt breite weisse Querflecken. Die kleinen Flügeldecken schwarzbraun mit rostroten, am Flügelrande etwas weisslichen Kanten; die Schwingen sowie ihre nächsten Decken dunkel fahlbraun, mit schwärzlichen, bei den letzteren bloss vor der Spitze sichtbaren Querbinden; Unterflügeldecken rostgelblichweiss, mit braunen und schwarzbraunen, nach oben zu stets spitzigeren, nach unten zu herzförmigeren Schaftflecken; sonst ist die Unterflügelseite rostweissgrau, mit durchscheinenden fahlbraunen Querbinden; Oberschwanz fahlbraun mit rostgelblichen schmalen Kanten, weissbräunlichen Schäften und fünf, auf der äussersten Feder aber sechs dunkelbraunen Querbinden, wovon die unterste am breitesten, die oberste bloss halb aus- gebildet ist; Unterschwanzseite gelbrostgrau mit durchscheinenden braunen Querbinden, Unterschwanzdecken weiss, zart rostgelblich gerändert und wenig so angeflogen; die weissliche Kehle dunkelbraun gestrichelt; die Backen dunkler, rostrot überlaufen; Unterhals, Kropf und die ganze Brust weiss, mit rostbräunlichen, dunkelbraun und schwärzlich eingefassten Quer- und Herzspitzenflecken; Bauch und die gegen den Rücken hin stark rost- roten Leibseiten sowie die Schenkel weiss, nur etwas rostgelblich angeflogen, — 111 — mit graubraunen, meist rostfarben gemischten Quer- und Spitzenfleckchen; am weissen After sitzen ganz einzelne braune Schaftspitzenfleckchen. Die Beschreibung der aus Candia herstammenden Stücke. (Mitgebracht von Tesen und J. v. Frivaldszky). Das junge, etwa einjährige Weibchen war den bei uns vorkommenden Sperberweibchen ähnlich, das schöne alte Männchen aber wich in der Färbung stark von unseren Vögeln ab und kann vielleicht als eine klimatische Varietät angegeben werden.*) Schnabel des letzteren bläulich hornschwarz, am Grunde des Unter- kiefers gelb; Wachshaut und Füsse gelb, Krallen hornschwarz. Ganzer Oberkopf bis auf den weissen Nackenfleck schwarz -schieferblau (wie bei den dunkelsten alten Männchen von Cerchneis vespertinus. Pet.). Der ganze Mantel dunkel aschblau, dazu alle Federn, hauptsächlich die kleinen Oberflügeldecken und die langen Schulterfedern breit schwarzblau gesäumt; die Schwingen erster Ordnung sowie der äussere Flügelrand durchaus bläulichschwarz, durch welche Farben der Vogel von oben ein sehr dunkles, beinahe schwarzes Aussehen erhielt und hier in der Färbung ganz einem alten Männchen von Cerchneis vespertinus glich; die Gesichtsborsten waren nicht weiss, wie gewöhnlich, sondern samt dem oberen Teil der Halsseiten hell aschblau mit einem schwachen rostroten Anflug; die Kehle war auch hell aschgrau, ins Weissliche spielend, auf dem Kinn durch schwarze Borsten, auf ihrer oberen Hälfte durch schwach angedeutete dunkel aschblaue und weissliche, auf der unteren Hälfte aber durch kräftigere weissbläuliche und rostbraune schmale Querwellen geziert; die ünterhals- und Oberbrust- seiten rostbraun, aschblau überflogen, ohne alle Schattierungen; übriger Unterkörper weiss, doch so dicht hoch rostbraun in die Quere gefleckt, dass das Weiss bloss als schmale Querwellen vorkommt, die nach oben- hin stets geringer und grösstenteils von Rotbraun überschattet, nach unten- hin aber sowie auf den Hosen und Bürzelseiten stets vorscheinender werden, Unterflügeldecken weiss, auf der oberen Hälfte rostbraun, auf der unteren dunkel schieferblau und rostbräunlich in die Quere gewellt; Unterflügel- seite auf der oberen Schwingenhälfte dunkel silbergrau, auf der Spitzen- hälfte bräunlichschwarz; Unterschwanzdecken weiss, mit bloss angedeuteten rostbräunlichen Querwellen; Oberschwanzseite dunkel aschblau mit fünf schwärzlichen, Unterseite bleigrau mit jenen auf den äussersten Federn nur als Bruchstücke, auf den übrigen aber als schwarze Streifen stehenden Querbinden. Über dem Auge war bei diesem Exemplar keine Spur von einem weissen Fleck oder Strich, sowie kein Weiss zwischen denselben und der Schnabelwurzel; diese Teile waren wie der ganze Oberkopf dunkel *) Allem Anschein nach handelt es sich um die seitdem als Astur brevipes Se.v. benannte Art. T. Cs. — 112 — seil warzblau; auch die Schwingen dritter Ordnung waren grossenteils auf der Aussenfahne durchgehends dunkel aschblau und hatten bloss auf ihren Innenfahnen nach dem Grunde hin grosse weisse Flecke. Verbreitung, Aiifeuthaltsorte. In Ungarn ist der Sperber überall Standvogel, wo es nur Waldungen gibt. Nicht nur in hügeligen und Gebirgsgegenden, sondern auch auf den Ebenen findet er eine Unterkunft; so kommt er auch auf den Donauinseln vor. Ich traf ihn im Hochgebirge des Banats, vorzüglich in den Buchenregionen, an; ausgestopfte Exem- plare sah ich in den Kayszralschen und Vi däk sehen Sammlungen zu Sopron, wie auch bei Pater Ezechiel zu Pozsony. Zur Winterszeit zieht er in die Nähe der mit Wäldchen und baumreichen Gärten umgebenen Dörfer und Städte, überhaupt auf Plätze, wo Finkenarten, Lerchen und Ammern sich aufhalten, also auf Viehstände, Schaffütterungsplätze und ähnliche. Die Nacht ver- bringt er zwischen Bäumen, um tagsüber hieraus seine Ausflüge auf das offene Feld zu unternehmen. Im Ludoviceumsgarten zu Pest hielten sich gewöhnlich einige Stücke auf. Ein Männchen, welches am 10. März 1848 vom freien Felde aus gegen Abend zum Übernachten hereinkam, war — ob- gleich es mich schon beim Hereinziehen gut gesehen hatte und €twas abwärts hinglitt — durchaus nicht scheu. Es flog oftmals von einem Baume auf und machte im Gartenwäldchen kurze Flüge, um noch vielleicht einen Vogel, der dort übernachten wollte, auf- zuscheuchen und abzufangen, nachdem es gehört hatte, dass da mehrere Gimpel lockten und auch eine Certhia familiaris sich hören liess; es gelang ihm diesmal jedoch nicht etwas aufzujagen. Wo sich dieser Vogel längere Zeit, namentlich den Winter über, in einem Gehölze aufhält, dort findet man in den Dickichten unweit von- einander Plätze, die mit den Federn der verzehrten Vögel, haupt- sächlich der Finkenarten, doch auch der Meisen und Drosseln be- deckt sind. Die Federn sind gewöhnlich etwas in den Boden hinein- getreten. In grosser Anzahl fand ich derartige Plätze in dem Räkos- kereszturer Gartendickicht, in dem tiefen Graben bei Ercsi, aber auch im Bienenstande meines Schwagers. Unter jenen Federnestern fand ich auch manche von Haustauben ; es ist demnach wahrscheinlich, dass im Notfalle besonders die starken Weibchen auch diese Vögel überfallen und töten. — 113 — Eigenschaften. Der Sperber ist einer unserer schlauesten, heimtückischsten Tag- raubvögel. Er traut sich, wie sonst kein anderer Raubvogel, bis zwischen die menschlichen Wohnungen zu kommen, vorzüglich im Winter, um daselbst auf Bäumen, Dächern, Mauern versteckt auf seine Beute zu lauern; von oben wirft er sich dann auf diese und erhascht, was er, nachdem ers durch Schrecken betäubt hat, er- haschen kann. Auch nach erfolglosem Stoss geht er nicht weit da- von, sondern er versteckt sich vielmehr in der Nähe. Im Winter überfällt er der Reihe nach solche Plätze, wo sich in dieser Jahreszeit kleinere Vogelarten scharenweise aufhalten. Kann er nun aus der am Boden sitzenden Schar nichts erhaschen, so wirft er sich auf die Fliegenden. Dem flüchtenden Vogel geht er nie mit der Sicherheit der Edelfalken nach, er flattert vielmehr häufig wie ein Lanius excubitor über ihm herum, um ihn möglichst zu ängstigen und ausser Fassung zu bringen und zugleich auch zu ermüden, in- dem er dem hin- und hergleitenden Vogel den Weg immer versperrt, bis er das arme Schlachtopfer erhascht oder bis der Vogel sich durch irgend einen glücklichen Zufall retten kann. Beim Erscheinen des Räubers kommt alles in Bestürzung; die Spatzen warnen durch ihr sonderbares, schwirrendes Geschrei die Nachbarvögel, dann verstecken sie sich in die nächsten Löcher und sind eine geraume Zeit mäuschenstill; die Tauben, ja selbst die Elstern trachten sich durch Flucht und Verstecken zu retten. Gelingt es dem Sperber nicht von den auffliegenden Vögeln einen zu erbeuten, dann flattert und schwingt er sich über jene Bäume und Sträucher, in denen sich die Flüchtenden verborgen haben, um sie von dort herauszujagen und zu erhaschen. Gelangt er auch so nicht zum Ziele, so eilt er gleich dem nächstfolgenden Platz zu, um das Manöver von vorne zu beginnen. So sah ich dies am 26. Dezember 1848 auf dem Trettplatze des Barons S. Pod- maniczkys in Räkoskeresztür, w^oselbst viele Hunderte Vögel sich aufhielten. Am 30. Dezember 1853 beobachtete ich einen Sperber, der im Garten meines Schwagers einen Edelfinken im Bienenstande und den dritten Tag darauf im tiefen Graben des Parkes wieder einen Vogel auf einem beinahe horizontalen Stamme einer Weide verzehrte. Derselbe stiess von diesem Orte von Zeit zu Zeit auf die sich dort im frischgefallenen Schnee badenden Saatkrähen, wahr- scheinlich bloss zur Unterhaltung oder um sie von seinen Lieblings- Petenyi, Ornithologische Fragmente. 8 — 114 — platzen zu vertreiben; die Krähen machten sich aber aus seinem Spasse gar nichts und rührten sich nicht vom Fleck. AYie dreist dieser kleine Raubvogel sein kann, wenn ihn Hunger dazu zwingt, möge das folgende Beispiel beweisen: ein Sperber, — welcher jetzt in der Földväryschen Sammlung aufgestellt ist — stiess auf eine Schar von etwa 40 Stück Truthühnern, die auf dem Meierhofe der Grundherrschaft zu Peteri herumgingen, herab, wahr- scheinlich durch ihre roten fleischigen Köpfe dazu gereizt und an- gelockt, wurde jedoch von dem Truthühnerregiment derart umringt und von allen Seiten mit Schnabel- und Flügelhieben dermassen bearbeitet, dass es ihm unmöglich war, sich zu erheben, worauf er ermattet lebendig gefangen wurde. Im Winter mag der Sperber dann am leichtesten zu seiner Beute gelangen, wenn die kleineren Vögel nachts stark durchfrieren, sich in der Frühe lange nicht erwärmen, auf ihre Füsse sich nicht stellen können und auf dem Leibe aufliegend — um die erfrorenen Füsse zu erwärmen — sich von dem Fleck schwer rühren, so dass sie beinahe mit der Hand zu ergreifen sind. Sie trachten sich wohl bei solchen Gelegenheiten möglichst im Dickicht des Lyciums und anderer Gesträuche zu verbergen. Nistplätze. Auch der Sperber brütet überall in Oberungarn und im un- garischen Tief lande, wo sich viele Land- und Gebüschvögel aufhalten; doch wählt er sich die Niststelle möglichst in der Nähe menschlicher Wohnungen aus. Auch auf den Donauinseln und in den Uferwäldchen siedelt er sich an, wo er aber überall, wo das nützliche Wild gehegt wird, wie z. B. in Fasanerien, von den Jägern fleissig aufgesucht und samt der Brut weggeschossen wird. So geschieht dies auf der Adonyer Insel, wo er alljährlich Anstalten zum Brüten macht, aber auch immer weggeschossen wird. Am 18. Juli 1847 schwamm ein Pärchen noch beisammen wahr- scheinlich über seinen Brutplätzen, am Fusse des Johannisberges im Gebirge zu Buda umher. Gen: Strigidiie, Eulen. Die grossen vorwärts gerichteten Augen sind mit strahlenförmig stehenden, steifen, zerschlissenen, einen mehr oder weniger ganzen Kreis bildenden Federn umgeben; die Augenlider sind mit kurzen Wimperfedern besetzt. Der Schnabel vom Grunde an stark ge- krümmt, mit hakigem Ende, ohne Zahnausschnitt. Eine Wachshaut ist vorhanden. Die sehr beweglichen Kiefer, dann Zügel und Wachs- haut, wie auch die an dem Vorderrande der Wachshaut liegenden Nasenlöcher sind mit borstenartigen Federn bedeckt. Den grossen Kopf wie den ganzen Körper bedecken seidenweiche Federn. Die gewöhnlich sehr grossen Ohröffnungen sind mit eigentümlich ge- bildeten Federn umgeben. Die Füsse sind gewöhnlich bis zu den Krallen befiedert; von den ziemlich kurzen Zehen ist die äussere eine Wendezehe, d.h. nach vorne und hinten stellbar; die Krallen sind stark gekrümmt, dünn und sehr spitzig. Die Flügel sind bald lang und spitzig, bald kurz und stumpf. In ihrer Erscheinung und ihren Gebärden ist etwas geheimnis- volles; hierin liegt der Grund, dass sie von vielen Menschen mit einer gewissen Scheu betrachtet und für Todesverkündiger u. s. w. gehalten und verfolgt werden, obwohl sie als Vertilger der Ratten, Mäuse, Hamster und anderer für die Landwirtschaft schädlicher Tiere zu den nützlichsten Vögeln gehören. Alles ist an ihnen leicht und zart. Ihr ganzes Knochengerüst ist sehr fein, mehr knorpel- als knochenartig; ihr Rumpf ist unter der dichten, langen Befiederung verhältnismässig klein. Ihr Flug ist leicht und geräuschlos. Ihr Kopf erinnert — zumal bei den be- ehrten — an einen Katzen- oder Hasenkopf. Ihre Angreifer trachten sie durch Sträuben des Gefieders und Schnabelklappen zu verscheuchen; gelingt ihnen dies nicht, so ver- teidigen sie sich auf dem Rücken liegend mit ihren Fängen. Manche Arten sind durch geschicktes Nachahmen von Mäuse- oder Hasenlauten heranzulocken. — 116 Bubo bul)0 (L.) 1758, Uhu. Diese grösste unserer Eulen kommt in allen felsigen Gebirgs- wäldern Ungarns vor, ja auch in den solchen naheliegenden Wäldern Gez. V. Titus Csörgey. Asio otus (L.), "Waldohreule. der Ebenen. Sie horstet in den Donauwäldern des Banats und lebt In grosser Anzahl in den Bergen Syrmiens und Slavoniens. Ihr Federohr besteht aus zehn Federn. — 117 — Asio otus (L.) 1758, Waldolireule. Ihr 4 cm langes Ohr ist aus zehn bis zwanzig längeren und kürzeren Federn gebildet. Ihre halbkreisförmige Ohröffhung reicht vom Schnabel bis zur Kopfseite und ist mit einer membranartigen Haut umfasst. Eine der häufigsten Eulen Ungarns, welche in allen bewaldeten, besonders hügeligen Gegenden vorkommt. Auf ihrem Frühjahrs- und Hejbstzuge besucht sie auch die Weingärten. In verlassenen Scheunen überwintert sie auch. Sie brütet gegen Ende April und hat Anfang Juni schon grosse Junge. Nach allgemeiner Erfahrung brütet sie ihre vier bis fünf Eier stets in verlassenen oder eroberten Elster-, Krähen- oder Turtel- taubennestern aus. An solchen Nestern wird nichts ausgebessert. In ganz niedrig angelegten Nestern sah ich sie niemals. Anfangs Juni 1827 fand ich ihre Jungen in einem Krähenneste, am 24. Mai 1846 zwei Eier in einem Elstern- und einem Krähenneste. Diese zwei waren längiichoval, an beiden Enden fast gieichgradig stumpf. Die sehr feste Schale war matt glänzend, feinporös und -körnig. Die Farbe war auch innerlich milchweiss. Den Eiern der Columba palumbus waren sie täuschend ähnlich, nur gedrungener. Ihre Länge betrug 38 bis 44 mm, die Dicke 32 bis 33 mm. Asio accipitrinus (Pall.) 1771, Sumpfohreule. Augenumgebung mehr oder weniger tief schwarz; die Federn um die Ohröffnungen weiss mit kleinen schwärzlichen Spitzenflecken; die erste Schwinge länger als die vierte. Der Kopf ist klein, an den Seiten (nach oben) sich verschmälernd; die Ohren bestehen aus fünf sehr kurzen Federn, deren Innenfahnen nach der Spitze zu schwärzlich eingefasst sind. Rücken auf rostgelbem Grunde w^eiss- lich und dunkelbraun gesprenkelt; Bauchseite weiss oder licht rost- gelb mit dunkelbraunen Längsflecken und -linien. Man findet diese Eule in ganz Ungarn, sowohl in hohen Gebirgen als auf den Ebenen. Ich sah sie in den Sammlungen zu Sumjacza, Breznö- und Beszterczebänya, Pest, Sopron und Fozsony. Auf den Krautfeldern des Poprad-Tales wird sie alljährlich erlegt. Auch im höheren Alter eingefangen, wird sie bei guter Be- handlung ausserordentlich zahm. Das 1846 bei mir gehaltene Exem- plar frass mir aus der Hand; ich konnte ihm alles antun, es benutzte seine Fänge niemals. 118 — Asio accipitrinus (Fall.) pull. Sumpfohreule, Flaumkleid. Gez. V. Titus Csörgey. Pisorliiiia scops (L.) 1758, Zwergolireule. Scojps minor Brehm. Sie hält sich mehr im Südosten Ungarns auf; in Nordungarn suchte ich sie vergebens. Nach Angabe Baldamus' kommt sie im Banat und auf den an Waldungen und Gebüschen reichen Höhen Syrmiens vor. — 119 — In Siebenbürgen fing- und erlegte man einzelne um Deva und Nagy-Enyed. Man fand sie noch bei Pencz, im Osten des Gebirges von Väcz, am Szälhegy und unterhalb des Lakat -Waldes. Am letzteren Orte fand ich Ende Mai 1837 in einer Baumhöhle drei Eier. Pisorhina scops (L.), Zvvergohreule als Mimikri. Gez. V. Titus Csörgey. Deren eins war 31 mm lang und 27 mm dick; also fast rund, in der Mitte bauchig. Die Schale war stark porös, fest; von Farbe schmutzig weiss, etwas ins Gelblvche ziehend. An demselben Orte erlegte man im Juni 1838 ein Männchen und ein Weibchen, später aber zwei junge Exemplare. Im Magen hatten sie Heuschrecken- und Käferüberreste. — 120 — Syniiuiii iiraleiise (Pall.) 1771. Habiehtseule. Strix macrura Wolf. Ihr einzig stichhaltendes Artkennzeichen besteht darin, dass sie auf ilirem hingen, keilförmigen Schwänze sieben bis neun lichtere, oben weniger, unten mehr regelmässig laufende Querstreifen trägt. Bei den Jungen sind Schnabel, die Horntafeln der Zehen und die Oberseite der Krallen fahl Aveisslich, bei den Alten stets schöner gelb gefärbt. Der Kinnfleck fehlt im ersten Jahre, ist bei den zwei- jährigen unbedeutend und rostbraun, bei den Alten gross und gelb. Dieser Vogel war in Ungarn bis zum Oktober 1837 unbekannt. Im bewaldeten Tale von Stola (Szepeser Komitat) erblickte ich das erste Exemplar, welches ich an dem langen Schwänze sofort er- kannte. Das erste Stück erhielt ich am 12. November 1840 aus Breznöbanya, aus welcher Gegend vier Exemplare unseres Museums herstammen. Später erhielt ich solche aus der Gegend des Nograder Kekkö, aus Siebenbürgen wie auch aus der Umgebung des Banater Ruszberg. Auch in Pecs und Bellye gibt es ausgestopfte Exemplare dieser Art. Sie kam um Eperjes und Kassa vor, während sie Rokosz oft um Beszterczebänya antraf. Folglich ist sie keine Selten- heit bei uns. Das 1840 erhaltene Exemplar hielt ich längere Zeit hindurch am Leben. In seinem Betragen war viel Papageienartiges; die Nahrung trug es mit dem Fange zum Schnabel, beim Herumklettern hing es oft am Fusse oder am Schnabel, mit dem letzteren klammerte es sich auch gewöhnlich an. Gekochte Lunge, Fische und Vögel frass es am liebsten. Die Katze duldete es anfangs nicht um sich, spielte aber später gerne mit ihr; doch mit Hunden befreundete es sich nie. Syriiium aluco (L.) 1758, Waldkauz. Strix aluco L. Manche Ornithologen halten die grauen und die rostbraunen Varietäten für zwei selbständige Arten. So beschrieb auch Bech- stein (Ornith. Taschenbuch, S. 51) die graue Varietät als Strix aluco L., die rostbraune aber als Strix stridula L. Spätere Autoren vereinigten die beiden unter dem Namen Aluco: so Brehm, Meyer und Wolf, Keyserling und Blasius und Naumann. Letzterer sagt in seinem Werk (Bd. I, S. 447): „Dass die fuchsroten Vögel junge Weibchen, die rötlichbraunen junge — 121 — Männchen, die rötliehgrauen alte Weibchen und diejenigen, welche in einiger Entfernung mehr hellgrau aussehen, alte Männchen sind, hat sich mir durch eine vielfache Sektion alter und junger Gez. V. Titus Csörgey. Syrnium aluco (L.), Waldkauz. Individuen bestätigt. Im Herbst sehen übrigens alle Farben frischer aus als im Frühjahr, weswegen man auch gegen Ende des Frühlings hin keinen recht dunkel fuchsroten Waldkauz mehr sieht, weil diese Farbe besonders sehr stark abbleicht." — 122 — In der reichen Sammlung des Baron Feldegg in Karlsbad stehen die beiden Varietäten unter besonderen Namen, und aus beiden sind vom Nestjungen bis zum alten Exemplar sämtliche Farben- und Geschlechtsverschiedenheiten gruppiert. Nach seiner Meinung ist Strix stridula eine gewöhnlich kleinere, rostrote Art, welche in Deutschland, besonders um Mainz, in sämtlichen Alters- und Ge- schlechtsverschiedenheiten vorhanden ist, Aluco aber nicht. Letztere ist gewöhnlich stärker, weissgrau und weicht durch diese Farbe schon in der frühesten Jugend von der vorigen ab. Die fraglichen Varietäten hält auch Friedrich Stetter für zwei Arten und zwar auf Grund seiner Sammlung in Deva, woselbst Männchen und Weibchen beider Varietäten vorhanden sind. Nach ihm sind beide Geschlechter der Aluco grösser als Stridula, und da diese zwei Varietäten in derselben Gegend und unter ähnlichen Um- ständen leben, kann man sie nicht für einfache Farbenspiele be- trachten. Zwar findet man unter den Männchen der Stridula manch- mal auch ein graues Exemplar, doch ist dasselbe stets rostbraun am Kopfe und auch an anderen Teilen so angelaufen; das Weib- chen der Stridula ist rostbraun oder fuchsrot.*) Sowohl die grauen als auch die rostroten Varietäten fand ich bei- sammen in den Sammlungen von Sopron, Pozsony und anderen Orten. Der Waldkauz kommt in allen grösseren Wäldern Ungarns vor; er bewohnt besonders die gebirgigen Gegenden. Er brütet sehr zeitig, hatte bei Abelova schon Ende April grosse Junge. Im Herbst und Winter streicht er von seinen Sommerwohnplätzen weit weg. Im Winter 1846 bis 1847 erschien auf der St. Margarethen- Insel, wo sich die Mäuse den Sommer über sehr stark vermehrt hatten, auch diese Eule in mehreren Exemplaren. Er wird sehr bald zahm, viel leichter als die Waldohreule. Eine erstaunliche Kraft und Zähigkeit trug ein am Budaer Szechenyi- Berge verwundetes Exemplar zur Schau. Nach viertägigem Fasten entkommen, verkroch es sich in einem schmutzigen Kanal, wo es *) Die obwaltende Frage ist heute noch nicht entschieden. Die Eichtigkeit der von Naumann bestimmten Farbenvarietäten ist von mehreren Seiten be- zweifelt worden; auch 0. Kleinschmidt fand, dass die Färbung individuell ist, nicht aber nach den Geschlechtern abweicht, so dass man unter den fuchs- roten, sowohl Männchen als auch Weibchen findet. Er beobachtete auch eine hochgradige Variierung' in der Schädelbildung, was er aber derzeit auch nur für individuell hält. In der geringeren oder bedeutenderen Stärke der Querbänderung glaubt er aber Altersunterschiede zu sehen. T. Cs. — 123 — in der strengsten Kälte abermals drei Tage lang hungerte. Von dort herausgenommen und ganz nass gewaschen, verharrte es noch drei Tage hindurch ohne Nahrung und besass auch dann noch, ob- wohl anscheinend in Ohnmacht gefallen, eine solche Kraft, dass es uns dreien Mühe machte, bis wir ihm Nahrung einstopfen konnten, wobei es uns alle blutig kratzte. Nyctea scaiidiaca (L.) 1758, Schnee-Eule. Sie kommt, wenn auch nicht brütend, doch auch in Ungarn vor, wie das schon zwei erlegte Exemplare beweisen. Eins erlegte im Dezember 1837 einer der im ärarischen Walde bei Breznöbänya arbeitenden Holzhauer, doch er warf es, da er es nicht verwerten konnte, auf die Gasse hinaus. Ich kam noch rechtzeitig dazu, um den schon verdorbenen Vogel an seinen Federn zu erkennen. Nyctea ulula (L.) 1758, Sperbereule. Ungarisch : Karvaly-csuvik. Das einzige Weibchen, das ich von dieser Art erhielt, wurde am 17. März 1839 bei Breznöbänya erlegt. In seinem Magen fand ich Mäusereste. Es konnte kein vorsichtiger Vogel gewesen sein, da es leicht zum Schusse kam.*) Nyctala tengmalmi ((xui.) 1788, Tengmalmskauz. Ungarisch: Oatyäs csuvik. Material zu den Artkennzeichen: Läufe und Zehen sind sehr dick mit weichen Federn bedeckt; am Vorderteile des grossen Kopfes und an den Füssen findet man viel Graulichweisses. Die Schleierfedern sind nicht bedeutend steifer als die übrigen. Die Nasenlöcher kommen am unteren Rande der zu zwei Höckern ge- schwollenen Wachshaut als abwärts und nach vorne gerichtete Röhre vor. Der Lauf ist halb so lang als der Unterschenkel. Unter den 24 Schwingen ist die dritte am längsten. Der Schwanz ist abgerundet. Am 4. Oktober 1837 erhielt ich von Nagy-Szalök ein auf den Erbsenfeldern erlegtes Weibchen; am 20. Juni desselben Jahres gab mir auch Rainer ein Männchen. Am 24. Oktober 1842 aber erhielt Em. Frivaldszky von ihm ein altes Männchen, Unsere bisherigen Exemplare stammen also alle aus den Karpathen. *) Von meinem Vater erlegt. Auch heute in der Sammlung des National- Museums zu Budapest. 0. Herman. — 124 — Das Nest fand Gasparecz bei Pojnik in der Höhle einer Buche in etwa 8 m Höhe. Eins der sechs Eier schenkte er mir. (xlaucidiuiu noctuum (Retz.) 1800, Steinkauz. Ungarisch: Közönseges csuvik. In ganz Ungarn verbreitet. Er hält sich an jenen Orten auf, wo es Mäuse und Sperlinge in Fülle gibt. Als eine echte Tageule streicht er auch beim grellsten Tageslicht herum. Bei Czinkota und Ercsi sah ich ihn oft bei Tage Sperlinge fangen. Seinen Ruf ver- nahm ich auch zur Mittagszeit. Sein Schlafplätzchen pflegt er sehr zeitig, noch vor Sonnenuntergang, zu beziehen. Dass er aber die schlafenden Sperlinge auch nachts oder in der Dämmerung überfällt, beweisen die morgens gefundenen Köpfe und Füsse dieser Vögel. Deshalb sind auch die Sperlinge Feinde des Steinkauzes; wo sie ihn finden, jagen sie ihn mit grossem Lärm herum. Reiche Nahrungsplätze besucht dieser Kauz manchmal in grosser Zahl, wie 1845 bis 1846 die St. Margarethen-Insel, wo sich die Mäuse ungemein stark vermehrt hatten. Grlaiicidiiim passerinum (L.) 1758, Sperliiigseule. Ungarisch: Törpe csuvik. Lauf und Zehen dicht befiedert; zwischen den dunklen Streifen der Bauchseite am Unterhals weisse Flecken; der Schwanz überragt die Flügel fast um seine halbe Länge, trägt am Ende vier bis fünf weissliche Querstreifen. Augenstern gelb. Eine Bewohnerin der Nadelwälder. Sie brütet auch in Ungarn; ihre denen der Pisorhina scops ähnlichen, doch kleineren und rein weissen Eier fand ich am 5. Juni 1846 bei Beszterczebänya in der Sammlung Roksz'. Aus dem 1846 von Rainer erhaltenen Briefe vernahm ich, dass Graf Szirmay jun. diese kleine Eule, Avelche manchmal auch in der Szepesseg vorkommt, um Kassa und Eperjes herum oft beobachtet und erlegt hatte. Man traf sie auch in Sieben- bürgen an. Strix flammea L. 17G6, Schleiereule. Ungarisch : Läng-bagoly. Die langen Zehen sind knöchelig, spärlich mit langen Borsten besetzt. Die gelbe Bauchseite ist mit schwarzen, der Rücken aber mit schwärzlichgestielten weissen Perlfiecken geziert. — 125 — Sie ist eine der schönsten und schlanksten Eulen. Die seidene Weichheit ihrer Befiederung steht in der Vogelwelt fast einzig da. Nächst dem Steinkauz ist sie die häufigste Eulenart der Um- gebung von Pest. Sie wohnt in Türmen, auf Hausböden und zwischen Kuinen und brütet in den Nischen solcher Gebäude. Im gebirgigen Nordungarn ist sie nicht häufig; von Breznöbänya aufwärts schon eine grosse Seltenheit. Im Jahre 1847 fand ich in Sopron ein Exemplar aus der Fertö-Gegend. Den Mäusen nachsetzend, kommt sie oft auch in die Wohnungen herein, wie am 4. Januar 1847 in das Schloss zu R. Keresztur. Sie ist leicht zu fangen, ist aber schwer zu zähmen und schneidet sehr traurige Gesichter. Meine beiden gefangenen Exemplare er- griffen und zerrissen einen in ihren Behälter gegebenen munteren Sperling in einigen Minuten. Ordo: INSESSORES. ordo: Insessores. Genus: Coraclas. Kennzeichen. Schnabel stark, gross, scharfkantig-, am Grunde viel höher als breit, nach vorn stets schmäler; Oberkiefer am Rücken sanft, vorn aber bedeutend gebogen und als dünner Höcker endigend; auch die untere Kinnlade seicht bogenförmig; am Grunde ziemlich in das Gesicht hineingehend; am Grunde stehen starke Borsten. Schnabel- öffhung zweimal so lang als der Lauf. Nasenlöcher ritzenförmig, nackt, am Stirngrunde schief seitlich liegend, durch eine gedunsene Schwielhaut halb verschliessbar; Ober- kieferschneppe von aufwärts in den Vorderkopf greifenden haarigen Federn gebildet. Zunge schmal, dünn, fast linienförmig, vorn pergamentartig, an der Spitze ungleich gespalten und in Fransen zerrissen; am Grunde jederseits zwei Zähnchen, mehrere solche hinter dem Kehl- kopf, und auch der Obergaumen erscheint mit solchen besät. Füsse zum Hüpfen eingerichtet, kurz, stark beschildet, aber weich, mit drei ganz geteilten Vorderzehen; die Hinterzehe etwas einwärts gebogen; die weichwarzigen Sohlen sehr flach und breit; Nägel mittelstark, hohl und scharfkantig. Flügel ziemlich lang, wenig spitzig, mit 23 harten Schwung- federn, von denen die erste merklich, die dritte wenig kürzer als die längste zweite. Spitze der 23. zwischen der fünften und sechsten. Mehr Segel- als Schwebeflügel. Schwanz mittellang, die äussersten Federn abgerechnet ab- gerundet; zwölffederig; die mittelsten zwei am längsten, die folgen- den allmählich kürzer, nur die äussersten sind bei recht alten Exem- plaren wieder länger und spiessartig. Unterschwanzdecken bedeutend länger als die oberen. Petenyi, Ornithologische Fragmente. 9 — 130 — Kopf gross, oben breit; das Auge halbmondförmig mit dichten feder- und haarartigen Augenwimpern und -brauen umgeben. Hals kurz, dick; Leib konisch zulaufend. Ein kahler Fleck hinter dem Auge. Ich halte dies für Geschlechts-, sogar Ordnungskennzeichen, denn auch Oriolus scheint diesen zu haben. Bei Coracias ist dieser Fleck recht gross. Befiederung ziemlich locker, lang und schmalfederig ; die Federn des Kopfes, des Unterleibes, vorzüglich des Unterhalses auf ihren Spitzen zerschlissen, sonst derb. Der Magen gross, häutig, aber muskulös, in einen schlauchartigen Vormagen und breite Speiseröhre mündend. Abweichungen der Coracias garrula Ton Oriolus und den Coraces: 1. Bau der Füsse (kürzer, weicher u. s. w.). 2. Schnabel- und Schädelbau (Schädel sehr porös-pneumatisch; auf der Stirne stark niedergepresst, mit sehr ausgebildeten Augen- höhlen). 3. Mangel an Singapparat (bloss ein schwaches Muskelpaar). 4. Nicht ein, sondern wie bei Alcedo, Picus u. s. w. zwei Paar Abdominalfortsätze des Brustbeins. Coracias garrula L., Blauracke. Ungarisch: Szalaköta, Karicsa, Szaricsöka, Kek szarka, Zöld känya (bei Sopron). Deutsch: Kukuruz- Tauhe (im Banat). Slovakisch: Krakla, Bunajka, Modra wrana, Modra sojka^ Swetla sojka. Walachisch: Csore vergye. Artkennzeichen. Hauptfarbe blaugrün; Rücken hell zimmtfarbig mit dunkleren Schaftstrichen; Unterseite der Schwingen präch- tig tief lasurblau; die zwei mittleren Schwanzfedern grau- grün; Füsse schmutzig bräunlichgelb. Beschreibung. Altes Männchen. (Erlegt am 1. Mai 1846 bei Pest.) Schnabel liornf arbig, am Grunde schmutzig grau gefleckt; Rachen und Zungenhinterteil blass grüngelb; Zungenspitze graulichgelb; die kahlen Zügel und die Bartborsten schwarzbraun; der kahle Fleck hinter dem Auge — 131 — graulichbraun; Augenwimpern grünlichgelb; die Füsse dunkel lehmgelb, auf vielen Stellen schmutzig überflogen; Krallen braunschwarz. Stirnumgebung und das Kinn weisslich mit einzelnen schwärzlichen Borstenhaaren; Kopf, Hals, Brust, Bauch, Schenkel, Unterschwanzdecken, die mittleren Ober- und Unterflügeldecken schön hell grünlichblau, bei Wendungen bald mehr ins Blaue, bald ins Grüne spielend; am intensivsten blau erscheinen die schmalen Schaftstriche des Vorderhalses. Der Rücken samt den hinteren Flügeldecken und die letzten Schwingen hell zimmtbraun, mit wenig dunkleren Schaf fcstrichen durchzogen. Die obersten kurzen Flügeldecken glänzend violett- oder königsblau, in dunklere Wässerung spielend; der Bürzel dunkel violettblau, allmählich in das Blaugrün der Steissseiten und der längsten Oberschwanzdecken übergehend. Oberschwanzseite vom Grunde aus bis zwei Drittel auf den Aussenfahnen dunkelviolett, nach aussen zu stark ins Grüne übergehend, auf den Innen- fahnen bräunlich schwarzgrün ; der Spitze zu hell grünlichblau, meist violett- graulich beschattet und an den Spitzen fein graulich gerandet; die beiden Mittelfedern einfarbig schmutzig graugrün, längs des schwarzbraunen Schaftes bläulich; die zugespitzten äussersten Seitenfedern mit einem dunkel blau- schwarzen Spitzenfleck; alle Steuerfedern mit schwarzbraunen Schäften. Unterschwanzseite am Grunde dunkelblau, sonst sehr licht grünblau, mit dunklen Schäften. Die Daumen- und die Deckfedern der grossen Schwingen hellblau mit dunkelvioletten Spitzen; die Aussenf ahnen der ersten drei schwarzen Schwingen spitzewärts bläulichgrün angelaufen; alle übrigen Schwingen von ihren Wurzeln an bis ein Viertel bis zwei Drittel auf der Aussen- fahne hellblau mit dunkelvioletten Enden, auf den Innenfahnen schwarz; die zimmtbraunen hintersten Schwingen nur auf ihren Endhälften graulich- grünlichbraun. Alle Schwingen auf ihrer Unterseite — ihre hell blau- grünen Wurzeln ausgenommen — prächtig glänzend dunkel lasurblau, nach aussen und unten zu von Blauschwarz eingefasst. Junges Männchen. (7. August 1834, Peszerer Wald.) Schnabel bräunlichschwarz, an der Spitze horngrau, inwendig zart grünlichgelb; der kahle Fleck um das Auge grünlich; Iris erbsenbraun. Füsse grünlichgrau, Nägel schwarz. Stirngrund und Kehle grünlichgrau; Oberkopf, Hinterhals und Wangen graulichgrün mit bräunlicher Spitzenpunktierung; Rücken samt den letzten Schwingen schmutzig zimmtbraun, stark grüngraulich angeflogen; Unter- rücken und Bürzel grünlich indigoblau, Schwanz an den mittelsten zwei Federn durchaus — wie am Grunde der übrigen, — bläulich bräunlich angeflogen, vorn licht blau. Flügelarm hoch indigoblau mit grünlichen Federrändern; Oberflügel blaugrün bräunlich, Mittelflügel vorn licht grau- blau, hinten blaugrün, Schwingen schwarzblau mit schwarzen Schäften; 9* Länge Breite Schwanz ^ ad. 33,0 67,0 12,5 cf ad. 33,0 06,0 12,5 cT ad. 34,2 66,5 12,5 cT ad. 33,0 64,5 — cT juv. 33,0 66,0 — — 132 — Unterflügelseite halb hellblau, graulich gerändert, halb licht stahlblau; Kropf, Vorderhals und Oberbrust braungrün mit hellgrünen Schaftstrichen; übriger Unterleib bläulich grüngrau. Die äusseren Schwanzfedern be- deutend kürzer als die übrigen. Masse : 3,3 2,4 2,6 1,1 cm 3,3 2,2 2,4 1,1 „ 3,7 2,4 1,8 0,9 , Torkommen, Aiifenthaltsplätze. Auf seinem Zuge nach Südost traf ich diesen Vogel im August und Anfang September von Szalhegy bis Zimony überall einzeln, — j)aar- oder familienweise an. Im August 1844 bei Lugos zwischen den bewaldeten Flugsandhügeln recht häufig. Ebenso um Nagy- Karoly bei Szatmär. Er wurde von Hinke auch in Rumelien häufig angetroffen. Brütend fand man ihn auch um Sopron im Särkänyer V^ald; Eier davon sah ich in der Sammlung des Professors Vidäk (1847). Im Budaer Gebirge soll er bloss zur Zeit des Zuges vorkommen. Als beliebteste Aufenthaltsplätze dienen diesem Vogel an Felder, Wiesen, Weideplätze stossende Waldränder. In Ermangelung ein- zelner Bäume oder Sträucher wählt er zur Umschau gern hohe Stangen, Heuschober, Fruchtmandeln, ja sogar die Spitzen von dürren Verbascum- oder Maisstengeln, von welchen aus er auf die vorbeifliegenden oder -kriechenden Käfer lauert und sie sich ihnen nachwerfend im Fluge erhascht oder ihnen nachhüpft. Eig-eiischaften. Sowohl in der Lebensart als ihrer Lockstimme hat sie mit der Elster viel ähnliches, schreit wie diese „Kagagaga! Kragaga! Grakra! Ihr Flug ist recht schnell, taubenartig. Sie ist recht scheu, lässt sich im Herbst noch am ehesten nahe kommen. Auf den Puszten kommt sie den Meierhöfen recht nahe, so auch in die Dorfgärten. Auf ihrem Herbstzuge streiclit sie von Anfang August bis Ende September, ja bei warmer Witterung auch bis Anfang Oktober um Pest herum. 1 oo Ihre Nahrung" ergibt sich aus den folgenden Mageninhalten: 1. Grosse Käfer-, Grillen-, Heuschreckenstücke, eine Menge Eidechsengebeine nebst Schädelknochen. 2. (10. April 1840) Magen mit grünblauen Mistkäfern (Scara- beus) gefüllt. 3. (29. April 1842) Reste grosser Käfer. 4. (8. September 1826) Lauter Feldgrillen. 5. (1. Mai 1846) Grosse Coleopteren, Grillen, Gebeine von kleinen Fröschen. Eier. Die Masse der mir von Professor Vidak im Jahre 1852 ein- gesendeten, aus der Räbaköz von Anfang Juni herstammenden vier Eier waren: Länge 35, 33, 35, 39 mm; Dicke 27, 28, 27, 31 mm. Meist eigestaltig, nur das eine kurzoval; auf ihren Spitzen stark stumpf und zugerundet; unweit ihrer dicken Enden am bauchigsten, vor den dünnen Enden — wie bei Spechtarten — wie etwas ver- dünnt und eingebogen. Die Schale war glänzend glatt, dünn, feinkörnig, doch mit vielen bemerkbaren grösseren Poren schütter übersät. Die Farbe ist ein reines, zartes Milchweiss. Das eine grosse Stück darunter hatte um das dickere Ende viele schmutzig licht- braune Punkte, Fleckchen und Schmitzchen in Form eines zerrissenen Kranzes. Wohl eine Seltenheit. Feinde. Hauptsächlich Falco subbuteo und Astur palumbarius. Ordo: OSCINES. ordo: Oscines. Gen.: AllipellS L. Lanius et Ämpelis Linne, Parus Fall., Bombicilla Naiim., Bonibyci- phora Petenyi. CTeschleelitskennzeiclieii. Schnabel kurz, gerade, dick, unten und noch mehr oben gewölbt, an der Wurzel breit und flach, vor den Nasenlöchern aber bedeutend nach der Spitze zu verschmälert, mit ziemlich eingezogenen Schneiden. Der längere Oberkiefer am Rücken ziemlich messerförmig erhöht, mit einem Ausschnitte vor der gekrümmten Spitze. Der Unterkiefer hat einen kleineren Ausschnitt auf der Spitze. Rachen ziemlich geöffnet. Nasenlöcher sehr gross, schön oval, liegen nahe an der Stirne in einer spitzigovalen Vertiefung, sind von den tief herabreichenden Borsten bedeckt. Zunge ziemlich breit und flach, knorpelig, mit pergamentartiger zweiteiliger Spitze; beiderseits etwas gezähnt, hinten mit je einem grösseren Eckzahne und mehreren aussen und innen stehenden kleinen weichen Zähnchen versehen; vor der Gaumenspalte ein länglicher, schmaler und weicher Höcker. Füsse kurz, stark, die äussere der drei Vorderzehen mit der mittleren an der Wurzel verwachsen; Lauf vorn getafelt, die hinteren Horndecken nach aussen zur Hälfte, nach innen zu zwei Drittel ihrer Längsflächen ohne Querteilung. Lauf mit der Mittelzehe von gleicher Länge, Schienbein doppelt so lang als die vorgenannten. Die Krallen spitzig, stark gekrümmt. Flügel mittellang, ziemlich spitzig, zählt neunzehn Schwingen, deren erste auffallend kurz, weit kürzer als die Flügeldecken, ein — 138 — Zehntel der zweiten ist; die dritte Schwinge bildet allein oder mit der zweiten zusammen die Spitze des Flügels; die zweite Schwinge bedeutend länger als die vierte. Die Schwingen der zweiten Ordnung an den Enden schief rund abgestutzt, deren zehnte bis achzehnte (nach Naumann manchmal sogar die neunzehnte) trägt merkwürdige pergamentähnliche Schaftfortsätze oder Anhängsel. Die Schwung- federn alle steif und elastisch. Schwanz mittellang; seine Federn mit gleichbreiten Fahnen und mit sehr dünnen Schäften; zwölffederig, oben und unten über sechs Siebentel seiner Länge überdeckt. Gestalt etwas kurz, doch durchaus nicht plump, sondern schön proportioniert; die Flügel sogar etwas schmal und gestreckt. Das weiche Gefieder ist recht dicht, zierlich gezeichnet und trotz seiner Seidenweichheit schön schliessend. Bemerkuiig'en. Naumann erwähnt ihn in der Ordnung Coraces, zwischen den Hähern und der Blauracke und lässt ihn nach dem Tannenhäher (Nucifraga caryo- catactes) folgen. Bei Keyserling und Blasius steht er zwischen Sitta und Garrulus; bei Schinz in der Ordnung Passeres, Familie Coracoideae, zwischen Pyrrhocorax graculus und Coracias garrula. In Brehms „Hand- buch" steht dieser Vogel nach den Spechtartigen (Picoidae), worauf die Muscicapidae folgen; Meyer und Wolf stellen ihn unmittelbar nach dem Genus Turdus und vor Cinclus. Aus allen diesen Versuchen ist soviel ersichtlich, dass man für diese Vogelart noch immer keinen wahren Platz in dem System der europäischen Vögel gefunden hat und auch schwerlich finden wird, da keine ihm nahe- stehende Verwandte bei uns vorkommen; er muss daher stets gewaltsam in das System hineingeschoben werden. So versuchte man diesen Vogel auch in die Reihe der Fliegenfänger oder in die der Steinschmätzer zu stellen; nur ist bei den Genannten der Schnabel verhältnismässig länger, oben scharfkantig (bei Bombycilla zugerundet) und auch der Bau der Füsse verschieden: im ganzen viel länger, mit kurzem Schienbein und langem Tarsus, während bei Bombycilla die sehr kurzen Tarsen mit dem verhältnis- mässig langen Schienbein auffallen. Wie verschieden ist noch dazu ihre Nahrung, die kalten Wohnorte, Aufenthaltsplätze, ihr ganzes Betragen, die einfältige Lebensart von der der flinken, schlauen, sozusagen vornehmen Fliegenfänger ! Er kommt wohl in seinem Habitus auch den Hähern ziemlich nahe (nur hat er einen viel kürzeren Schwanz), so auch dem Lanius und selbst dem Parus. — 139 — Brehm und Meyer beschreiben den Schnabel als gerade, doch irrig, da die Oberkinnlade gleich von der Stirnwurzel an allmählich gebogen und an der Spitze in einen Haken gekrümmt ist. So wäre ja auch der Schnabel eines Geiers gerade! Oder aber sollten die Ornithologen bestimmen, worauf sich der Ausdruck „gerade" beim Schnabel beziehe? Ob vielleicht nur auf die zwei Seitenwände desselben, an welchen sich die beiden Kinnladen berühren oder auf die obere und untere, meist zugerundete Fläche? Nehmen wir den ersten Fall, so passt die Note „der Schnabel gerade" auf diesen Vogel, im zweiten aber gar nicht mehr. Falsch bezeichnet Meyer den Schnabel als „oben gewölbt", da der- selbe doch auch unten gewölbt ist. Was Brehm damit will, wenn er sagt: „die Nasenlöcher sind offen und doch von darüberliegenden Borsten- haaren bedeckt" — weiss ich nicht. Was offen ist, ist nicht bedeckt.*) Falsch geben Naumann, Schinz und auch Meyer beim Charak- terisieren des Flügels die erste und zweite Schwinge für die längsten an, da sie die erste, abortive Schwinge verkannten. Die Form des Flügels sollte — wie sie Ampelis hat — ihren eigenen Namen bekommen. Er ist mittelmässig ausgebreitet, einer Tschismenmacher- Kneif ähnlich, wenn man ihn beim Stiele hält. Die Schaftfortsätze der Flügel- und Schwanzfedern sind schmale, lanzettförmige, pergamentartige Zierden; ihre Spitze zugerundet, aber in der Mitte auch eingeschnitten; von unten etwas ausgehölt; sie sind glattglänzend. Was ihre Grösse anbelangt, so sind am Flügel manchmal die hintersten am kleinsten, die vordersten am grössten, doch auch oft umgekehrt. Be- trachten wir ihre Entwickelung, so sind sie gewiss nichts als ausschweifende Fortsätze der Schäfte. Zuerst fehlen sie ganz, dann werden sie auf den Schwingen als weisslicher, später als rötlicher Flaum bemerkt, — aber noch steif zerschlissen, — der sich endlich konsolidiert und sofort in das lederartige Anhängsel sich umbildet. Am Schwänze scheint der Vor- gang anders zu verlaufen: zuerst ist der Schaft kürzer als das Ende der Feder ohne Flaum. Die Endbärtchen werden hier anfangs rot, später lederartig, bis endlich der Schaft hinauswächst und sie in ein Anhängsel vereinigt. Ampelis garrula (L.), Seidenschwanz. Bomhycipliora garrula Peienyi. Bomhicilla peregrinans Petenyi. Lanius homhicilla L. Ampelis garnäus L. Parus homhycilla Pall. Bomhicilla garrula Naum. *) Brehm mag wohl darauf hingedeutet haben, dass die Nasenlöcher durch kein Häutchen zum Teil verschlossen sind, folglich nach dem Aufheben der Borsten offen erscheinen. T. Cs. — 140 — Seidenschwanz, Sddemchivaferi (in Nagy-Koväcsi). Friesling (bei Körmöcz). Slavisch: Koclüac hrkohlatvi; Kalinäk (bei Lipötvar); Kochlacka (in Nög-rad.) Unbegreiflicherweise hat dieser in unserem Vaterlande beinahe all- winterlich erscheinende Vogel im ungarischen Volke keinen eigentlichen Namen erhalten. Trotz meinem angestrengten Nachfragen fand ich bloss die allgemeine, auch den Wacholderdrosseln gegebene Benennung „fenyves madar", die aber noch weniger auf diesen als auf die Wacholderdrossel passt, da die Seidenschwänze noch viel weniger auf die genannten Beeren als jene Drosseln angewiesen sind. In den gebildeten Kreisen ist die Benennung „Selyemfark, Selyemfarkü madiir" — wörtlich aus dem Deutschen übersetzt — üblich, doch gilt dieser Name durchaus nicht als charakterisierend. Unser fleissiger Schriftsteller, aber unpraktischer Naturforscher Peter Vajda kam bei der Übersetzung Cuviers auf den unglücklichen Einfall, den ohnehin für diesen Vogel von Linne unpassend gewählten Spezies- Namen „Garrula" sogar zu einem Gattungsnamen im Magyarischen zu er- heben und ihn „Locska" (von locsogni = schwatzen) und die Spezies „Selyemfarkü locska" zu nennen, obwohl dieser Vogel eher ein Stummer als ein Schwätzer genannt werden könnte. Artkennzeicheii. Rötlichgrau; Scheitel mit einem Federbusch; der Bauch gelblich silbergrau; Unterschwanzdecken sowie Vorder- gesichtseinfassung mahagonibraunrot; Spitzen der vorder- sten Flügeldecken und der sieben Schwingen zweiter Ord- nung auf der Aussenfahne w^eiss; Spitzen derHauptschwingen nachaussen gelb, nach innen weiss; die mittleren Schwung- federn mit scharlachroten, pergamentartigen Schaftanhäng- seln; Schwanzspitze lebhaft gelb. Läno-e Breite Schwanz ...„t, „ Lauf Mittelzehe jr,..iiie ^ 19,5—21,135—35,8 6,6 1,1 2,2 1,75 0,7—0,9 cm $ 18,9—19,7 34,2—35 5,9 1,1 1,75-2,0 1,4—1,7 0,7—0,88 , Zahl der Flügelanhängsel: ^^ 4—9; $ 2 — 8. Färbung. Typus des alten Männchens: Vorderhälfte des Schnabels horn- blauschwarz, an der Wurzel weisslichhornfärbig, an den Schneiden rötlich angelaufen; Mundwinkel schwärzlich eingefasst, sein innerer Rand rötlich. Masse. iwanz Schnabel im Bogen 6,6 1,1^ 5,9 1,1 1 — 141 — Iris rotbraun. Füsse schwarz mit graulichen Einschnitten. Sohlen erdgrau, Kralleu schwarz. Nasendecken, Zügel, ein breiter, über dem Auge sich hinziehender, beim Genick spitzig endender Streif und die Kehle samtschwarz, letzt- genannte am unteren Rande mehr oder weniger durch bräunliche Feder- ränder verwaschen und scharf begrenzt durch einen vom Mundwinkel aus- laufenden weissen Streif. Stirn, Kehlseiten und die Unterschwanzdecken mahagonibraun: die Farbe der Stirne verliert sich allmählich in den Schopf. Gez. V. Titus Csörgey. Ampelis garrula (L.), Seidenschwanz. Kopf, ganzer Hals bis an den Oberrücken und auf der Oberbrust hin rötlichgrau, welche Farbe nach der Brustmitte hin allmählich lichter werdend in ein Rötlich- oder Gelblichsilbergrau verschmilzt und sich über die Bauch- seiten und Schienbeine verbreitet und die schmutzig weissgraue Bauchmitte einschliesst. Oberrücken sanft blaugrau, welche Farbe sich auch an den Flügeldecken verbreitet. Unterrücken, Bürzel und Oberschwanzdecken zart aschgrau. Die Schwingen erster Ordnung schwarz, etwas lichter fein gesäumt, mit einem scharf abgeschnittenen, weissen, meist gelblich eingelassenen Spitzensaum, welcher nach aussen das Ende der ganzen Fahne einnimmt und sich von der vierten bis zehnten sehr schön zitronen- oder gummi- — 142 — guttgelb färbt. Die Spitze der fünften bis neunten Schwinge weiss in die Quere eingefasst. Die Schwingen zweiter Ordnung bräunlichgrau oder dunkelaschgrau, der Reihe nach stets dunkler werdend, bis sie ganz schwarz erscheinen. Die weissen Spitzenflecken der Aussenfahnen letztgenannter Schwingen bilden einen Querstreif auf dem Flügel. Ausser diesen tragen die Schwingen zweiter Ordnung von der zehnten bis achtzehnten auch pergamentartige, oben hochscharlachrote, unten matt karminrote Schaftfortsätze. Die Decken der Schwingen erster Ordnung schwarz mit weissem Ende, wodurch ein schieflaufender, länglicher, lichter Streif entsteht, der jenem, welcher durch die Schwingen zweiter Ordnung entsteht, schief entgegen- gesetzt ist. Innere Flügeldecken weisslichgrau, schwach braun angehaucht. Die Spitzenhälfte der Flügelinnenseite seidenartig glänzend, aschgrau. Die Schwanzfedern an der Wurzel hellaschgrau, nach der Spitze zu allmählich bis ins Grauschwarze übergehend; die Spitzen aller Federn sind sehr schön goldgelb, welche Farbe sich vom Schwarz scharf abscheidet. Auch feine schwarze Schaftstriche und äusserst feine scharlachrote An- hängsel oder innerliche rote Schaftstriche kommen am Ende der Schwanz- federn vor, doch nur bei sehr alten Männchen. Färbung der Jungen und der Weibchen. Im allgemeinen düsterer, als die der alten Männchen. Der Kehlfleck matter schwarz, Zügel lichter, die Schwanzbinde lichter gelb, manchmal nur schmutzigweiss. Die Haupt- schwingen zeigen nur die lichtergelben Längsstreifen, aber keine weissen Quer- flecken. Die Anhängsel fehlen am Schwänze gänzlich und auch die am Flügel sind weniger an Zahl, kleiner oder fehlen auch gänzlich; doch ist es möglich, dass bei solchen Individuen dieselben sich erst beim Brüten entwickeln. Je älter der Vogel ist, desto zahlreicher und schöner sind die An- hängsel der Schwingen, desto grösser auch die weissgelben Flecken der Spitzen derselben, desto schöner die allgemeine Färbung. Anmerkungen. Die Flügel- und Schwanzzeichnungen variieren un- gemein: Männchen bald gar nicht, bald auffallend gezeichnet; Weibchen haben oft gar kein Rot auf den Flügeln, dann wieder ein so schönes, wie die schönsten Männchen. Auch das Schwanzende bald mit breiter, bald mit schmälerer Endbinde; diese bald weiss, bald gelb, schwefelgelb, ja so- gar rötlichgelb. Bei mehreren alten Exemplaren waren die äussersten Spitzen der Schwanzfedern rot eingefasst; auch diese Zeichnung kam bald nur an einigen, bald an sämtlichen Schwanzfedern vor. Auch in der Totalfärbung zeigen sich bedeutende Verschiedenheiten. So fehlte bei einem Exemplar die schwarze Farbe gänzlich; Schnabel und Füsse waren dabei rötlich; ein im Jahre 1847 am 14. Januar von Grineus eingeliefertes Weibchen stellt wiederum eine schöne weissbraune Varietät dar. — 143 — Verbreitung- und "Wohnorte. Der Seidenschwanz ist Bewohner des hohen Xordens; den Sommer hindurch findet man ihn nur innerhalb des arktischen Kreises. Von dort durch Kälte und hohen Schnee vertrieben, wandert er nach südhcheren Gegenden, wobei er sämtliche Länder Europas, so auch Ungarn, be- sucht. Er hält sich am Uebsten dort auf, wo viele beerentragende Bäume und Büsche stehen, besonders wo Sorbus aucuparia wächst. Auf ihren Streifzügen über Ebenen besucht die Schar alle Ge- hölze, Auen, englische Anlagen und Baumgärten und verweilt dort so lange, als noch etwas für sie zu fressen da ist. Durch die jSTot getrieben, besucht er die Gärten inmitten der belebtesten Ortschaften. Auch in der Gesellschaft der Wacholderdrosseln hält sich der Seidenschwanz oft auf und scheint auch mit diesen zu ziehen. In Nordamerika fand ihn Langdorf unter 56 Grad nördlicher Breite. Lebensart.*) In einer Gegend angekommen, besetzt die ganze Schar die Spitzen der hohen Bäume, um von dort Umschau zu halten; sie ge- währen hierbei dem Beobachter ein herrliches Bild. Nach kurzer Weile lassen sie sich auf die Sträucher nieder, um Nahrung zu suchen, wobei sogar die zu Boden gefallenen Beeren aufgeklaubt werden. Ist der Hunger gestillt, so vereinigt sich die indessen zerstreute Schar wieder auf einer hohen Baumspitze, verhält sich eine halbe Stunde lang ruhig und gibt sich der Verdauung hin, um dann das Fressen wieder von vorne zu beginnen. Es ist mir fast unbegreiflich, wie dieser sonst so einfältige Vogel im Stande ist, seine seidenweiche Befiederung auch in dem dichtesten Gewirr der Wacholdernadeln, woselbst er sich doch viel bewegt, vor Verunreinigung und Zerzaustwerden zu schützen! Nahrung'. Sie besteht aus Beeren und kleinen Früchten, welche ihm von den verschiedensten Sträuchern und Baumgattungen dargeboten werden. So z. B. die Früchte von Sorbus aucuparia, torminalis und aria, Crataegus oxyacantha; Sambucus, Juniperus communis, Rosa canina, Vaccinium myrtillus und vitis idaea, endlich Viburnum lantana und opulus. *) Nach dem Briefe Rokosz'. — 144 — Auch die Erlensamen werden angenommen, doch am liebsten werden die Beeren von Ligustrum vulgare verzehrt. Nur wenn die letzteren schon ausgegangen sind, wird die Frucht von Rosa canina aufgesucht; ist auch diese nicht mehr zu finden, dann erst sucht der Seidenschwanz seinen Hunger auf den Juniperus-Sträuchern zu stillen. Er besucht auch wohl die Eichenwälder, um zu der Frucht des Viscum album zu gelangen. Er braucht sehr viel Nahrung: bei einem Exemplar zeigte der Magen- und Kropfinhalt 32 Stück Beeren, und bei einem anderen wurden sogar die nadelspitzen Wacholderbaum- blätter im Magen gefunden, ohne dass der Vogel davon Schaden erlitten hätte. Man sagt: in einem schönen Leibe wohnt auch eine schöne Seele; hier ist die Natur gestolpert, denn in diesem Falle ist ein herrlicher Leib zu nichts als zum Fressen fähig! Stimme, Gesang. Der ganz leise Ruf laut tönt wie: si— sirrrrri— rie ! sisirrirri! Bezüglich des Gesanges erzählte man mir zu Bilin, dass man im März 1845 von den dazumal häufig erschienenen Seidenschwänzen, die die Gärten besuchten, einen dem des Pirols {Oriolus) ganz ähn- lichen, schönfiötenden Gesang recht häufig gehört habe. (?) Möglich, dass ein anderer Vogel sich auf demselben Baume hören liess. Die Stimme der in der Gefangenschaft gehaltenen ist ein „criiii — crii" auf „cerr— cerr", hat die grösste Ähnlichkeit mit der Stimme der Schwanzmeise, tönt angenehm und wird des Tages öfters gehört. Ankunft, Aufenthalt, Wegzug. Wie schon erwähnt, besuchen diese Vögel unser Vaterland nur dann, wenn sie die Strenge des zirkumpolaren Winters dazu zwingt. Obwohl Wandervögel, haben sie doch keinen regelmässigen Zug und sind eher Landstreicher zu nennen, die bald nach Westen, bald nach Süden oder Osten herumschweifen. Wie auch andere unserer nordischen Vogelgäste, schlagen auch die Seidenschwänze zum Rückzug stets einen anderen Weg ein, da sie auf diesem mehr Nahrung finden. Das mag die Ursache sein, dass sie nicht in jedem Winter überall zu sehen sind und einmal im Herbste, ein anderes Mal im Frühjahre, bald da, bald dort auf- tauchen. — 145 — Aus ihrer zeitweisen Erscheinung prophezeit das Volk einen Krieg-, eine Pest, Hungersnot und ähnliehe Unglücksfälle. Finden sie in nördlicheren Gegenden genügend Beeren zum Überwintern, so ziehen sie nicht mehr weiter nach Süden herab. Der Rückzug dauert gewöhnlich von Ende November bis Mitte März, oder, falls der Winter weiter ausharrt, bis Anfang April. Es kommt aber doch selten vor, dass man sie noch im April bei uns findet, nämlich nur dann, wenn ein Nachwinter eintritt, wie das im Jahre 1844 der Fall war. Nun möge die Reihe jener Daten folgen, welche auf den Auf- enthalt des Seidenschwanzes in Ungarn ein Licht werfen, von den frühesten Ankunftsdaten an bis zu den spätesten Frühlingsdaten.*) Monat Tag- Jahr Ortschaft, Gegend Bemerkungen Oktober 24 1831 Ostroluka November — 1843 Majna 57 Mitte — Cmarova n gegen Ende 1849 Buda n 27 — Lipes Grosse Scharen Dezember 1 1847 Zölyom Ungemein häufig » 2 1847 Präskova Scharenweise n — 1845 Mostenicz Viele V zweite Hälfte 1847 Buda Mehrere Stücke V 26 1844 Besztercze Sehr viele n gegen Ende 1845 Bossacz Januar Anfang- 1851 Pest Ein Stück V IS 1835 Präskova Kleine Schar » 14 1847 Zölyom » Mitte 1850 Rof. (Tisza R. ?) » 24 1831 Ostroluka » Ende 1844 Bossacz Ungemein häufig r> » r> Sohler Herrengrund V n n w Mostenicz " ET ^ n )i » Szepesseg » B » Februar Mitte 1850 Rof. » "■ » — 1835 Zölyom Zahlreich *) Die Datenreihe in der Tabelle beweist die Richtigkeit der Behauptung- Pete nyis den Aufenthalt des Seidenschwanzes in Ungarn betreffend, da die meisten Daten zwischen November und März fallen, während die Aprildaten des Jahres 1844 für die Richtigkeit seiner Ansicht den Nachwinter betreffend sprechen. Das auffallend späte Datum vom Juni 1844 wird sich auch wohl nicht auf einen Irrtum gründen, da doch P e t e n y i selbst auf die Feldeggsche Sammlung hin- weist, wo der betreffende Vogel zu finden ist. Immerhin bleibt es aber möglich, dass eine frühere Verwundung den Vogel so lange zurückgehalten hat. Petenyi, Ornithologische Fragmente. 10 1 4() Monat Tag- Jahr Ortschaft, Gegend Bemerkung-en Februar 1831 Trencsen V 28 1844 Zölyom Sehr liäufig März — 1845 Bilin Häufig ^ Ende 1850 Nagy-Koväcsi April — 1850 Nagy-Koväcsi » 20 1834 Kosöcz Sehr viel V Ende 1844 Besztercze Juni — 1844 Eger In der Feldeggschen Sammlung. Benehmen in der (xefan^enschaft.*) Die Gefangenschaft erträgt der Seidenschwanz sehr leicht, ist sofort zutraulich und nimmt schon am ersten Tage das Futter aus der Hand. Er ist ruhig und ziemlich verträglich; nur wenn ihn der Hunger plagt, wird er neidisch; bei genügender Nahrung macht er gar keinen Fluchtversuch. Nach jedem Frasse trinkt er, dann geht er zur Ruhe und bläst das Gefieder etwas auf, um nach kurzer Zeit — 18 bis 30 Minuten — den Unrat abzugeben. Er ist genügend reinlich und erkennt den Pfleger bald. Der Federbusch wird meist niedergelegt, nur in der Erregung und beim Putzen des Gefieders wird er aufgestellt. Er badet sehr gerne; Sand und Erde nimmt er nicht auf, sondern frisst den Unrat von den Sitzhölzern, Was das Futter anbelangt, gab ich meinen Vögeln anfangs nur Wacholderbeeren und weisses Brod, doch wollten sie dasselbe nicht anrühren, frassen aber das Mischfutter, mit welchem ich Versuche machte und welches aus ge- kochtem Rindfleisch, Möhren und Semmeln bestand, sehr gerne, und blieben dabei stets munter und gesund. Ausserdem frassen sie folgende Früchte: Kirschen, — welche sie bald im ganzen, bald in zwei Teilen, zuerst das Fleisch, dann den Kern verschluckten, — Weichsein, Ribiseln, Stachel-, Heidel- und Himbeeren, schwarze Maul- beeren, Erdbeeren, Holunder- und noch viele Waldbeeren, reife Zwetschken und Ebereschen; nur „Sviba" (Schlehen) frassen sie schlecht oder gar nicht. Neben allen diesen bekamen sie noch weisses Brod, was sie sehr gerne frassen. Mit Insekten machte ich folgende Proben: Mehlwürmer fressen sie gerne, grüne glatte, oder behaarte Raupen rühren sie gar nicht an. Sie verzehren aber einige geflügelte *) Nach dem Briefe Rokosz'. — 147 — Insekten; Fliegen fangen sie geschickt auch im Fluge weg. Ameisen fressen sie wenig, die geflügelten mehr, jedoch Ameiseneier gerne, Maikäferarten und Engerlinge gar keine, Würmer wenige. Schmetter- linge frassen sie nicht, desto lieber nahmen sie aber Topfen und süssen Käse an. Die Verdauung ist in der Gefangenschaft gut und schnell; diese Vögel brauchen eine Menge Nahrung täglich. Als ihnen 20 Rosen- beeren vorgelegt wurden, sprangen die Vögel hinzu, fassten je eine Beere, drückten sie ein wenig und schluckten sie ganz hinab; nach 18 bis 30 Minuten kamen schon die Exkremente der Frucht hervor. Die Nahrung ist halb verdaut, die Kerne unversehrt, der Vogel da- her geeignet, die Nahrungsgesträuche zu verbreiten. Ich hatte auch gepaarte Seidenschwänze im Käfige, die schon Baumaterial zusammenschleppten, doch brachten sie es nicht zu Eiern, obwohl sie sehr gut verpflegt und im Sommer auch vor der ihnen lästigen Sommerhitze geschützt wurden. Einst entfloh mir einer, kam aber bald zurück, setzte sich mit dem Locktone „crrr — crrrr" auf den Käfig seiner Kameraden und Hess sich dabei mit der Hand ergreifen. Schmarotzer bemerkte ich keine. Vier Stücke hatte ich schon ein halbes Jahr hindurch in meinem Besitz, als plötzlich zwei davon umkamen, ohne dass die Ursache davon mir bekannt wurde. Fang. Gefangen werden sie mit Schlingen und Vogelleim wegen ihrer Einfältigkeit sehr leicht, daher oft in grosser Menge. 10* Farn.: Corvidae, Rabenartige. Die Raben bilden ihres Singapparates halber eine Familie der Oscines. Samt dem Schnabel ist auch ihr Geruchsinn wohl entwickelt. Mit ihrem Schnabel töten, zerstückeln und bohren sie; die Füsse werden nur zum Festhalten der Beute benützt. In ihrer Lebensart sind sie Halb-Raubvögel. Die meisten sind gesellig und verbringen den grössten Teil des Jahres in Scharen, leben aber während des Brütens meist paarweise. Meist vorsichtig, schlau und von raubsüchtiger Natur, verzehren sie aber auch Aas, Käfer, Fische, Weichtiere, Sämereien und auch Obst, sind also Alles- fresser. Sie sind allgemein vorzügliche Flieger. Brüten auf Bäumen, Felsen, in Mauerlöchern, jährlich regelrecht bloss einmal; ihre grössten- teils grüngefärbten Eier werden entweder von dem durch das Männ- chen gefütterten Weibchen oder von beiden Geschlechtern bebrütet. Vor Wetterveränderung legen alle, vorzüglich aber C. frugi- legus und monedula ein sonderbares Benehmen an den Tag. Am besten ist dies vom Herbst bis zum Frühjahr zu beobachten, so lange sie noch in Scharen leben. Falls auf die Nacht stürmisches, kaltes oder nasses Wetter nahen sollte, versammeln sie sich scharenweise in der Nähe der Städte und Dörfer oder aber sie ziehen in der abendlichen Wind- stille in Täler, auf Wiesen oder in Gärten, die durch Berge, Wälder oder Gebäude geschützt sind. Ihr Flug ist hierbei schnell, einem ge- wählten Punkte zustrebend, geräuschlos; die ganze Aufmerksamkeit richtet sich auf die Deckung. Ist hier wieder für die Nacht starker trockener Frost mit Wind- stille zu erwarten, so versammeln sich die Rabenarten auf Dächern grosser Gebäude, wo ihnen die verschiedenentierischen Ausdünstungen — 149 — und der Rauch der Kamine gegen die Kälte einen Schutz bieten. Um den besseren Platz entsteht hierbei unter den verschiedenen Arten ein heftiger Streit, so dass ihr Lärm oft bis in die späte Nacht hörbar ist. Die Schwächeren werden durch die Stärkeren vertrieben, was im Winter den Saatkrähen, im Spätherbste und Anfang des Frühjahrs den Dohlen zu passieren pflegt. Verspricht aber das Wetter, so gegen das Frühjahr, eine milde Nacht und einen angenehmen Tag, dann kreisen die Scharen lustig umher, spielen schwatzend in der Luft und lassen sich auf ihren gewohnten Ruheplätzen friedlich nieder. Ihre Freudegefühle vermögen auch die Rabenartigen, zumal die Saatkrähen zu äussern. Im Jahre 1841 war ich Zeuge hier- von im Csikös-Garten auf der Puszta Martfü, wo diese Art zu Hunderten brütet. Dies war am 8. März, am ersten, auf eine strenge Kälte folgenden warmen Tage. Scharenweise erhoben sich die Krähen in die Lüfte, wo sie unter Freudenrufen kreisten und gaukelten, dann über ihren Nestern schwebten, wobei sich drei bis vier Krähen gleichzeitig in je ein Nest niederlassend die entfalteten Flügel um dasselbe schwangen; wieder aufgeflogen besuchten sie auf solche Weise die sämtlichen Nester, zweifellos aus Freude liber die beliebte Beschäftigung der sich nähernden Brütezeit. Corvus corax L. 1758, Kolkrabe. Ungarisch: Hollb. Beschreibung. Mit dem vorrückenden Alter zeigen beide Geschlechter die folgenden Veränderungen: bei stetiger Zunahme der Körpergrösse wird die schwarze Farbe tiefer, glänzender; die Scheitel- und Stirn- federn erscheinen abgerundet, steifer und schuppenartig in Violett schimmernd. Die Federn der Kehle werden stets länger, streifen- artig geschlitzt, tiefer auf den Kropf herunterreichend und ebenfalls von violettem Schimmer. Die Bartborsten werden grösser und mehr nach vorn gerichtet. Die Unterschwanz- und Unterflügeldecken bekommen stets breitere Fahnen und stärkeren Stahlgianz. Das Schnabelinnere färbt sich stets mehr schwarz. Je jünger der Vogel, desto kleiner ist er, seine Farbe matter, statt blau und violett bloss von grünlichem Glänze; das Innere des Schnabels desto mehr fleischfarbig, der Augenstern lichter. — 150 — Bei Jungen im ersten Jahre sind auch noch im Januar sämt- liche Bauchfedern braungrau eingefasst. Verbreitung, Eig'euschafteii. Vereinzelt ist der Rabe in ganz Ungarn anzutreffen, wo es nur an grossen Waldungen, Bergen oder wenigstens an Hügeln nicht mangelt. Er meidet den Menschen möglichst, nur der Hunger zwingt ihn in die Nähe der Wohnungen, wie dies im strengen Winter 1830 der Fall war, als man ihn auch in den Vorstädten von Budapest erlegte. Zurzeit seiner Herbststreifereien erscheint er auch in den verlassenen Weingärten. Seinem Brutplatze anhänglich, kommt er, wenn er auch tagsüber weit entfernt gewesen, jede Nacht zu diesem zurück. Im Abelova-Tal brütet ein Pärchen seit unbekannten Zeiten auf einer hohen Buche, obwohl es seiner Jungen alljährlich beraubt wird. Schon im Januar beginnt die Ausbesserung seines Nestes, und Ende Februar werden bereits die Eier bebrütet. Nach Art der Adler und Falken leben die Raben auf einem begrenzten Gebiete, in welchem sie kein anderes Pärchen dulden. Das Pärchen, welches schon seit Jahren auf der Tabdi-Puszta bei Kis-Körös nistet, duldete im Jahre 1851 sein von vier übrig gebliebenes Junges nur bis zum Februar des nächsten Jahres in demselben Walde, dann vertrieb es dasselbe. Andere Vogelarten verjagen wieder den Raben aus ihrer Nähe. Im Jahre 1842 beobachtete ich dies im Walde von Keresztür, aus welchem die Saatkrähen die Raben die dort brüten wollten mit vereinten Kräften vertrieben; gewiss damit diese ihnen die Nester nicht ausrauben könnten. Denn während des Brütens, zumal zurzeit des Erziehens der Jungen, ist der Rabe ein echter Raubvogel. Er plündert die Nester seiner Umgebung, holt die Eier der Wildenten, Gänse und Trappen, hauptsächlich wenn in denselben die Jungen schon ziemlich entwickelt sind — wie dies Ludwig Boczkö in Tabdi oft beobachtete. Man sieht die Raben gewöhnlich paarweise, selten mehrere zugleich herumkreisen, nach Beute spähend oder eine nahende Ge- fahr beobachtend. Beide Geschlechter lassen ihren weitschallenden Krr! Krrr!-Ruf hören. Von den drei Eiern des auf einer kleinen Eiche im Walde von Keresztür brütenden Pärchen kaufte ich am 5. April 1842 zwei Stück. Eins war 4,8 cm lang, 3,1 bis 3,3 cm dick, also nicht grösser, als ein grosses Saatkrähenei; ein Beweis, dass es von einem Jungen, — 151 — zum erstenmal brütenden Pärchen herstammt. Auch das Nest war sehr schlecht angebracht, auf einem in der Nähe der Landstrasse stehendem, leicht besteigbaren Baume. Das Ei hatte eine dünne, zerbrechliche, weitporöse Schale. Auf dem mehr als bei Saatkrähen- und Elster- eiern grünlichblauen Grunde waren weniger zerfliessende Flecke wie bei jenen sichtbar, die auf einem Ei wie ausgebleichte Tinten- flecke, am anderen schmutzigbraun aussahen. x\m dickeren Ende sieht man verschieden gestaltete schwarzbraune und schmutzig grün- lichbraune — , auf den Seiten und dem spitzen Ende zerstreute Flecken, dunklere und lichtere Spitzen und Punkte. Von Innen be- trachtet sind sie licht grünlichblau. Corviis eornix L., Nebel-Rabe. Ungarisch: Szürke varjü. Aufeuthaltsplätze. Sie hält sich gerne in der Nähe der Ortschaften auf, haupt- sächlich vom Herbste bis zum Frühjahr, doch baut sie auch ihr Nest in der Nähe menschlicher Wohnorte. Den Winter verbringt sie in den Wäldern, hauptsächlich in der Gesellschaft der Elstern. Im Herbst und Frühjahr mischt sie sich auch unter Saatkrähen und Dohlen, in deren Gesellschaft sie die Bäume, Wiesen und Brachfelder besucht. Im Winter lebt sie scharenweise an den Ufern grosser Flüsse, so der Donau, wo in dieselbe Kanäle grosser Städte münden. Am 20. November 1842 flogen bei Pest viele solcher Krähen über dem Wasserspiegel herum, nach Art der Möven die fortgeschwemmten Nahrungsstücke aufgreifend. Sie Hessen sich auch von den schwimmen- den Eisschollen forttragen und suchten teils auf diesen, teils aus dem vorbeifliessenden Wasser ihre Nahrung. Sie lässt sich auf Düngerhaufen, in der Nähe der Viehfutterplätze nieder; ja sie setzt sich auf dem Rücken der Schweine, teils um diese von ihren Parasiten zu befreien, teils um ihre eigenen frierenden Füsse zu erwärmen; ausserdem wühlt das Schwein oft die leckersten Bissen für sie aus der Erde. Im Jahre 1840 versammelten sich diese Krähen auf den Fisch- plätzen bei Tiszaföldär, wo sie die aus den Netzen ausgeworfenen kleinen Fische und grossen Wasserkäfer aufklaubten — was natürlich ohne Zänkereien nicht abging. Die grösseren Fische trugen sie ein Stück Aveiter und bohrten ihnen zuerst die Augen, dann die Eingeweide aus. — 152 — Zurzeit des Schweineschlachtens kommen sie mit den Elstern auf die Fleischabfälle. Erblicken ihrer zwei ein längeres Darmstück, so beisst sich jede in ein Ende desselben ein ; ein grosses Hinundher entsteht dabei, das auch in der Luft noch fortdauert. Eig'enscliaften. In der Gegend jener Wohnungen, wo man sie nie beunruhigt, wird sie sehr zutraulich. Desto vorsichtiger wird sie aber dort, wo sie Verfolgungen ausgesetzt ist. Wurde sie einmal auf ihrem Ruhe- plätzchen durch Schüsse gestört, so fliegt sie nie ein, bevor sie sich von irgend einem in der Nähe stehenden Baume aus von ihrer Sicherheit überzeugt hat. Solche scheu gemachte Exemplare trauen lange Zeit keinem dunkel gekleideten Menschen und lassen nur die in Bauerntracht in die Nähe. Wittert ihrer eine irgendw^elche Ge- fahr so bringt diese durch Warnungsrufe die ganze Schar zum Auf- fliegen. Während ihres würdevollen Einherschreitens wirft diese Krähe stets ihren Hinterkörper hin und her. Als mutiger und starker Vogel fällt sie den Raubvögeln bei weitem seltener zum Opfer, als dies bei der sanfteren und schwächeren Saatkrähe der Fall ist. Nur selten fand ich Überbleibsel zerrissener Nebelkrähen, die der Saatl^rähe desto häufiger. Ja es greifen die Vorgenannten, falls sie sich vereinen, selbst die gewandtesten Raub- vögel, zumeist die Buteo-, Circus- und Falco-Arten, mit grosser Kühn- heit an und treiben sie gänzlich in die Flucht. 1814 sah ich, wie sie einen Turmfalken zum Verlassen der erbeuteten Maus zwangen, über welche sie wieder untereinander in Streit gerieten. Nach Art der Saatkrähen halten auch diese gegen das Früh- jahr hin ihre Freudentage ab, indem sie in Scharen versammelt lustig rufend übereinander kreisen; später aber, zurzeit der Nest- ausbesserung, bewegen sie schreiend ihren breit entfalteten Schwanz. Sie paaren sich sehr zeitig, schon im Februar, und legen ihre Nester auf die noch unbelaubten Bäume an. Auf der Adonyer Donauinsel brüteten sie zwischen den Scharben, Grau- und Nachtreihern. Doch nistet diese Krähe nicht nur an Ge- wässern, sondern auch in den Wäldern des Sandbodens. Ende Mai 1848 sah ich sie um Pills und Czegled überall. Ihr Nest pflegen mehrere Vogelarten zu benutzen; in der Tiefebene meist Milvus migrans und Cerchneis vespertina, selten Falco sacer. — 153 — Als Nutzen kann man ihnen zuschreiben, dass sie auf den be- ackerten Feldern eine Menge schädlicher Insekten, Maikäferlarven und Mäuse vertilgen. Dagegen rauben sie auch viele Eier, haupt- sächlich die der Wasservögel. Sind die Walnüsse reif, so kommen sie auch nach diesen und tragen sie der grünen Schale entblösst auf Bäume oder Dächer um sie dort zu öffnen. Was ihre Farbenvarietäten anbelangt, sah ich am 5. Juli 1826 bei Sarkad ein Exemplar mit weissgeflecktem Rücken ; am 12. März 1836 bekam ich wieder aus Tisza-Roft" ein schon verwestes Stück, dessen lichte Teile gelblichbraun, die dunklen aber schwarzbraun waren. Corvus frugilegus L., Saat-ßabe. Ungarisch: Vetesi varjü. Vorkommen, Eigeuscliafteu. In Ungarn gilt diese Krähe in erster Reihe als Bewohnerin des Flachlandes, in welchem sie zu Tausenden lebt. Wenn auch in ge- ringerer Anzahl, findet sie sich auch in den breiteren Tälern, doch in dem Verhältnis abnehmend, in welchem die Gegend gebirgiger und die Täler enger werden. Zu uns kommen sie im Herbst zu- meist aus Galizien, Böhmen und Mähren, doch brüten auch bei uns ihrer viele. Nur in strengen, schneereichen Wintern versammeln sie sich in grösseren Scharen und ziehen den menschlichen Wohnungen näher. An milderen Wintertagen streifen sie meist nur paarweise herum. Den vorsichtigeren und schlaueren Nebelkrähen gesellen sie sich gerne zu und besuchen mit diesen die Schlacht- und Senge- plätze der Schweine, wo sie das geronnene Blut samt der Erde fressen; sogar die Klauen werden zerstückelt und hinabgewürgt. Im Frühjahr 1848 versammelten sie sich auf den überschwemmten Wiesen und Äckern und griffen tote Mäuse und andere schwimmende Abfälle aus dem Wasser heraus. Brütend fand ich diese Art um Bekes und Gyula; dann im Walde zwischen Pills und Alberti Jrsa; bis 1833 nisteten auch auf der Adonyer Insel ihrer viele, wurden aber damals von den in grosser Zahl erschienenen Kormoranen gänzlich vertrieben. Im Jahre 1854 sah ich Tausende von Nestern im Park von Körös-Ladäny. Sie brütet auf der Puszta Tisza-Radväny, von Nagyvärad bis Püspök- und Felixfürdö; fehlt aber schon um Elesd und wird durch Grau- krähen und Dohlen ersetzt. Im Juni 1854 fand ich unter den von — 154 ~ Sarkad bis Geszt und Nagyvärad gesehenen viele kröpfige Exem- plare; der Kropf hing bei manchen förmlich von der Kehle herab. In grosser Anzahl brütete diese Krillie am 23. Mai 1846 in T.-Szt.-Marton. Wie es scheint, brütet sie am liebsten in den im Flugsande der Tiefebene stehenden Wäldern, und zwar in Gesellschaft von Cerchneis vespertina und Asio otus. Ihre Eier sind 3,8 bis 4,7 cm lang und 2,6 bis 3,1 cm dick. Die häufigste Form ist die länglich ovale, in der Nähe des dickeren Endes gebauchte; doch gibt es auch etwas birnenförmige Stücke. Die dünne, doch feste Schale ist fein porös; ihre Grundfarbe ist eine mehr oder weniger ins Grauliche übergehendes Fahlgrün, meist mit grossen, zerfliessenden, schmutzig aschgrauen, braunen oder grau- lich grünbraunen Flecken und Ritzen, zwischen und über welchen dunklere oder lichtere, meist licht umzogene schmutzig grünlich- braune, dunkel- oder lichtbraune Flecken und Ritze zerstreut liegen. Innerlich ist die Schale fahl graugrün. Diese Krähenart zeichnet sich durch ihre sonderbaren Unter- haltungen aus. So fliegen sie namentlich mehrere zugleich auf dünne Seitenäste mancher Bäume und hutschen unter grossem Lärm und Flügelschlägen. Dann wählen sie wieder Dachgiebel oder die glatten Knöpfe und Kreuze der Türme zum Sitz, von welchen sie aber entweder abrutschen oder die schon sitzenden herabwerfen. Auf diese Art spielen sie oft stundenlang. Bei starker Winterkälte blähen sie ihr Gefieder auf, und kommen deshalb sehr breit und kurz vor. Bei solchem Wetter verlassen sie ihre Plätzchen nicht bald und lassen einen ganz nahe kommen. Im frischgefallenen Schnee baden sie wie Hühner im Staube, oft ihrer 40 bis 60 zugleich. Bei hohem Schnee versammeln sie sich in Massen auf den Dreschplätzen, nach Ähren und Sämereien suchend. Aus ihren ge- meinschaftlichen Schlafplätzen kommend besetzen sie schon vor Sonnenaufgang die Dächer der Reihe nach um bei Anbruch des Tages sich nach allen Richtungen zu zerstreuen. Jfutzeii, Schaden. Wo es viele Feldmäuse gibt, macht sie Jagd auf diese. Am 23. Januar 1847 fand ich auf den Herbstsaaten um Keresztür ganze Scharen, welche die so schädlichen Agrotis-Raupen mit ihren Schnäbeln — 155 — aus der Erde hervorzogen. Überhaupt besuchten ■ sie die Ortschaften in diesem Winter, so lange der Schnee nicht zu hoch lag, bloss zum Übernachten. Dagegen erwähne ich, dass sie im Jahre 1854 in den Mais- feldern um Gyanta sehr grossen Schaden verursachten. Im Komitat Bekes bezahlte man sogar die Köpfe der Erlegten. Coliieus moneclula (L.) 1758, Dohle. Ungarisch: Csöka. Eigeiiscliafteu. Nicht nur mit ihresgleichen lebt sie stets in Gesellschaft, sie schliesst sich auch den Scharen der Nebel- und Saatkrähen an, ob- wohl sie beim teilen der Beute als schwächere gewöhnlich den Kürzeren zieht. Gerne hält sie sich in verlassenen Burgruinen, von Wäldern umrandeten Felsen auf, wie im Mossöczer Walde in Turöcz, wo eine Felskette nach ihr benannt ist. Sie nistet von Batta bis Mohäcs in den Löchern der hohen Donauufer in Gesellschaft der Turmfalken; in diese oft schräg seitlich mündende Löcher pflegt sie mit erstaun- licher Gewandtheit gerade hineinzufliegen, wie ich dies in den Jahren 1847 bis 1848 sah. In Pest und Buda nisten die Dohlen meist auf den Kirchen, Türmen, zwischen den Ornamenten grosser Gebäude, wie auch in den Felsen des Blocksberges. Falls die Witterung es erlaubt, be- ginnen sie die Ausbesserung der Nester schon Mitte März. Vereint fliegen sie auf jene Plätze, wo sie das nötige Nistmaterial, dürre Zweige und Stengel finden, warten dort bis sie alle den Schnabel voll haben, dann streben sie vereint ihren Nestern zu; dort warten sie einander wieder ab, bis das gebrachte Material an seinem Platze ist, um dann abermals in Gesellschaft zum neuen Sammeln auf- zubrechen. Lange ergötzte mich ein solcher Trupp, welcher aus dem Museumsgarten das Nistmaterial auf die Türme der Universität, auf die griechische Kirche und auf das Rathaus trug. Die Pärchen bleiben oft den ganzen Winter hindurch beisammen; sie halten engzusammen und schmiegen sich beim Sitzen zärtlich aneinander. Auffallenderweise bleiben die in Pest regelmässig nistenden Dohlen nie über den Winter da, sie ziehen weiter südlich auf die — 156 — Tiefebene ; die Kälte mag dies keinesfalls verursachen, da man doch im oberen Nogräd auch im Winter 1844 bis 1845 Hunderte beobachtete. Piea piea (L,). Elster. Ungarisch: Szarka. In Ungarn überall verbreitet, ausgenommen die hohen Berge und ganz engen Täler. In erster Reihe bewohnt sie doch die von Gewässern durchschnittene, bäumige und buschige Ebene. Zur Winterszeit kommt sie meist mit den Nebelkrähen in die Höfe, wo man sie auf Düngerhaufen oder auch auf den Rücken der Schweine sitzen sieht. Wo sie ungestört lebt, legt sie auch das Nest in der Nähe der Wohnungen, meist auf Pappeln und Akazienbäumen an, manchmal sehr hoch, ein anderes Mal sehr niedrig. Am 20. April 1851 fand ich ein Nest auf einer fingerdicken, kaum anderthalb Meter hohen Akazie, ein anderes 1850 in Szt. Peter auf einem Lyciumbusche. Professor Jan es ö fand in Siebenbürgen ein Elsternest im Röhrichte auf einigen mit Erde verklebten Rohrstengeln angebracht. In den Gärten in Keresztür fand ich die Nester von Manneshöhe an, bis 18 bis 20 m hoch. Cerchneis vespertina und tinnuncula vertreiben, obwohl sie geringer an Kräften sind, die Elster von ihrem Nest, und zwar in der Weise, dass sie sie oft stundenlang beunruhigen, bis sie endlich die Geduld verliert und das Nest verlässt. Sie besucht ihr Nest sehr vorsichtig ; hält zuerst auf einem Baum in der Nähe Umschau, ob sie nicht beobachtet wird, und schlüpft oft erst nach mehreren Minuten ein. Die Schale der 2,8 bis 3,6 cm langen und 2,2 bis 2,5 cm dicken Eier ist ziemlich glatt, wenig glänzend; die Grundfarbe ist ein fahles Grünlichgrau, über welchem meist längliche und unten spitzig aus- laufende schmutzig grünlichbraune, hie und da stark braungelb über- gehende Spritzer, Flecken und Punkte liegen. Diese Flecke ver- decken am dicken Ende die Grundfarbe oft gänzlich; ein anderes Mal findet man eine, meist am oberen Ende, einen unterbrochenen Streif bildende schwarze Punktreihe. Das Innere der Schale ist fahl grün- lichgrau. In Form, Grösse und Färbung variieren sie übrigens wie die Sperlingseier. Nutzen, Schaden. Als Nesträuber ist dieser Vogel hinreichend bekannt. Aus den Nestern der im Hofe des Ludoviceums in Budapest unter dem Ge- — 157 — simse brütenden Schwalben und Sperlingen nahm die Elster Eier und Junge vor meinen Augen. Im Freien raubt sie selbst die jungen Fasanen. Dennocli übertrifft ihr Nutzen den verursacliten Schaden, da sie viele schädliche Insekten und viel Aas vertilgt. Dass sie auch Hunderte von Maikäfern abfängt, sah ich im Jahr 1848 selbst. Niicifraga caryocatactes (L.) 1758, Taiiiieiihälier. Ungarisch: Magtöro. Vorkommen, Aufeuthaltsplätze. Ich fand ihn in sämtlichen höheren Gebirgen Ungarns, bis in die höchsten Täler hinauf, in den stillen Nadel- und anderen Ge- birgswäldern, welche auch der Schwarzspecht bewohnt. So von Selmecz und Gyetva bis gegen Körmöczbänya, ferner in den Wäldern der Komitate Turöcz, Lipto, Trencsen, Szepes, Säros, und Gömör, wenn auch nicht besonders häufig, doch in ziemlicher Anzahl, haupt- sächlich von September bis November in jenen Hängen der Täler, wo es viele Haselnüsse gibt, wie im Jahre 1837 um Leibicz-Bad, Gr6nitz und Vernär. Ich traf ihn im August 1841 bei Nagybänya an, im September unter der Detunata, in den Wäldern um Abrud- bänya und Vöröspatak herum, namentlich am Fusse des felsigen Vulkan-Berges. In gewissen Jahren machen diese Vögel, ihre gewöhnlichen nördlichen Aufenthaltsplätze verlassend, grosse Wanderungen gegen Süden, nach Art der Bergfinken und Seidenscliwänze mehr die Ebene in grosser Zahl bevölkernd. Eine bestimmte Richtung hat dieser Wanderzug keinesfalls. Die bedeutendste Wanderung fiel auf den Herbst 1844. Schon am 24. September schrieb mir Grineus aus Beszterczebänya, dass über dieser Gegend eine unerhörte Zahl Tannenhäher gegen Süden zieht; und Ende September und Anfangs Oktober bedeckten sie schon das Ofener Gebirge in noch nie beobachteter Zahl; am Szechenyi- Berge wurden an einem Tage mehr als 30 Stück erlegt. Auch von der Margarethen-Insel erhielt ich mehrere Exemplare; viele gab es um Väl, Lovasbereny etc., wo sie auf den Brachäckern die Mist- käfer aufsuchten. In diesem Jahre kamen um Beszterczebänya auch solche Exemplare vor, deren Schnabel länger und dünner als gewöhnlich war, so dass Rokosz diese Form für eine neue Art hielt. Am 10. Oktober 1844 erlegte man auch bei Keresztür ein — 158 — solch dünnschnäbeliges Exemplar; ein zweites wurde bald in dem Budaer Gebirge gefangen; letzteres paarte sich mit dem bei Herrn Sandor schon seit längerer Zeit gefangen gehaltenen Stück sofort. In dieser Zeit schrieb mir mein Freund Sztraka aus B. Csaba folgendes: „Ich erlegte einen bisher in Ungarn noch nicht beobach- teten Vogel, Nucifraga macrorhyncha Brehmii, dessen Kropf voller Käfer war". Xisten. Betreifs des Brütens und der Eier dieses sonst in allen liöheren Gebirgen Europas beständig vorkommenden Vogels herrscht unter den Ornithologen eine grosse Unsicherlieit, viel Dichtung. Solche Nester gelang es mir schon 1843 um Zölyom, Pojnik und Tiszolcz zu entdecken. Das Nest steht immer an der Nordseite der Nadel- bäume zwischen Zweigen versteckt, dicht am Stamme am Grunde eines dicken Astes, in der Höhe von 2 bis 8 m. Es ähnelt sehr dem der Nebelkrähe, ist also gross und flach, aus Zweigen und Wurzeln gebaut und mit feinen Wurzeln und Moos gefüttert. Gasparecz fand sie auch auf Bäumen, die auf Felsspitzen standen. Der Tannenhäher brütet sehr früh, wenn an seinem Aufenthalts- orte noch holier Schnee liegt. Die Zahl der Eier ist 3 bis 5.*) Xahriiiig. Im Magen des am 10. Oktober 1850 in Weingärten in Keresztür erlegten Stückes fanden sich Laufkäfer arten, wie Poecilus, Har- palus aeneus, ferner Wasserkäfer wie Dytiscus, Colymbetes fuscus, Hydroporus picipes. Garrulus glaiidarius, Eichelhälier. In Ungarn allgemein „ilfai^/ds" genannt. Auch: Cser-szajkö. Unter allen seinen Eigenschaften steht sein erstaunliches Nach- ahmungsvermögen voran; darin übertrifft er sämtliche Rabenarten. Die im Freien lebenden erlernen das Gänsegeschnatter, spottend ahmen sie das Zetergeschrei der raufenden Spatzen, die Lockrufe der Meisen, das Krähen der Haushähne, das Klappern der Störche, die Laute der Hunde und Katzen, ja die Töne der Flöte nach. Ein Häher ahmte auch den Wachtelschlag täuschend nach. Sie sitzen hierbei nie ruhig, sondern hüpfen unter meisen- artigen Wendungen von Ast zu Ast und schwatzen rastlos. So oft *) Die weiteren Beschreibungen gingen verloren. T. Cs. — 159 — man ihnen im Walde begegnet, findet man in ihren Stimmen stets etwas Neues. Ahnen sie etwas Verdächtiges in ihrer Nähe, so hüpfen sie schnell auf die Spitze des Baumes und erwecken durch bedeutenden Lärm die Aufmerksamkeit ihrer ganzen Umgebung. Dr. Karl Nendvich's Vater, Apotheker in Pecs, hatte einen Häher, welcher unter anderen auch das Geräusch des Ziehbrunnens so täuschend nachahmte, dass der Laborant wiederholt in den Hof hinauslief, in der Meinung, es spielten schlimme Buben mit dem Brunnen. Daselbst pflegte man das Hausgeflügel durch Pfiffe zum Füttern zu versammeln. Mit demselben Pfiff'e rief dann auch der Häher die Hühner zur Türe des Laboratoriums herbei.*) *) Die Fortsetzung der Handschrift fehlt. T. Cs. Gen.: Oriolus L.*) Naumann rechnet dieses Genus zu den rabenartigen Vögeln (Coraces); Brehm zu den Sitzfüsslern (Bracliypodes); Schinz in seiner Fauna zu den Insektenfressern (Insectivorae); Keyserling und Blasius in ihrer Fauna zu den Singvögehi {Oscines) und beide letzteren zu den Drosseln (Turdidae). Gesclilechts-Kennzeichen. Der Schnabel stark, länglich kegelförmig, an der Wurzel etwas breitgedrückt aber hochrückig, am Rücken sanft gebogen, an der wenig überhängenden Spitze mit einem seichten Einschnitt. Die Mundspalte länger als der Lauf; am Mundwinkel stehen nur wenige und schwache, kurze Borsten; die stumpfeckige Stirnschnepfe endet am Hinterende des Nasenloches, ziemlich dicht über dem Kieferrande; die Entfernung zwischen den Nasenlöchern an ihrem Hinterrande ist so gross, als die Schnabelhöhe mitten zwischen dem Astwinkel und der Spitze. Die Nasenlöcher nahe an der Stirnwurzel, seitlich ganz frei liegend, verkehrt eiförmig; sie öffnen sich unter einer grossen aufgeschwollenen Membran und haben ein längs ihrer Mitte liegendes, schmalovales Geruchsläppchen; der Oberkieferrand unter dem Nasenloche verdickt. Die Zunge schön lanzettförmig, grössten- teils hornknorpelig, durchscheinend, mit scharfem Steuerende und in der Mitte tiefgeteilter und zerfaserter Spitze; hinten mit starken, hervorstehenden, geteilten Eck- und innerlich kleinen schwachen, äusserlich grösseren und starken Nebenzähnen; die obere Gaumen- spalte mehrreihig schwach gezähnelt. Hinter dem Auge ein ziemlich kenntlicher kahler Fleck. Die Läufe sind kurz, von halber Unterschenkellänge und von der Länge der Mittelzehe ohne Kralle; die drei Vorderzehen an der Basis, die *) Bearbeitet durch Otto Her man und Julius Pethö. Erschien in den ,Termeszetrajzi füzetek" fed. I (1877), S. 249—255. — 161 — äussere und mittlere dagegen bis zum ersten Gelenke verwachsen; (schon dies reiht den Pirol mehr an Coracias an); die Hinterzehe stark, hinten abgebreitet; der Fuss weich (hierdurch also auch an Coracias genähert); die Spanne getäfelt. Die schwachen Krallen an den Seiten ziemlich zusammengedrückt, unten zweischneidig, etwas gekrümmt, die der Mittelzehe mit ein wenig vorstehendem, scharfem Rande, Die Flügel mittelgross, ziemlich breit; die Hinterflügelfedern überragen die des Mittelflügels kaum; mit 20 Schwingen, wovon die erste schon die halbe Länge der zweiten erreicht, die zweite be- deutend kürzer als die vierte und die dritte unter allen die längste ist und die 17. die Mitte zwischen der neunten und zehnten trift't; nach aussen ist die dritte, vierte und fünfte, nach innen die zweite und dritte Schwinge verengt. Der Schwanz ist mittelgross, zwölffedrig, am Ende fast gerade abgeschnitten; Unterschwanzdecken zwei Drittel, Oberschw^anzdecken etwas mehr als die Hälfte der Schwanzlänge. Das Gefieder ist meist derb und abgerundet; schön und angenehm gefärbt; herrschende Farbe gelb und diese Auszeichnung ständig. Oriolus oriolus (L.) 1758, Kirsclipirol. Oriolus galhula L. 1766. Ungarisch: 8drga velphe; Särga rigö: Arany male; Särmalinkö; Szolgahirb. Deutsch: Kugel viel auf. Artkennzeichen. Bürzel, beiderlei Schwanzdecken, Schwanzspitze und Unterflügeldecken schön gelb; Zügel mehr oder weniger schwarz. Männchen: hochgelb; Zügel, Flügel und Schwanz schwarz. Weibchen und junger Vogel: oben zeisiggrün, unten weisslich mit schwärzlichen Schaftstrichen; Oberschwanzseite mehr oder weniger olivengrün. Masse. Weibchen: Länge 23,7; Breite 44,8; Schwanz 8,5; Schnabel im Bogen 2,6; Lauf 2,0; Mittelzehe 2,0; deren Kralle 0,7 cm. Beschreibung eines Weibchens. (Erlegt am 22. Mai bei Pest.) Der Schnabel ist braunrot, am Oberkiefer grösstenteils schmutzig dunkel- braunrot, über den Nasenlöchern am gelblichsten; innerlich wie die Zunge Petenyi, Ornithologische Fragmente. 11 — 1G2 — weissrot; die nackte Haut über und hinter dem Auge schwarzbraun, unter demselben blassgrün. Augenlid schwärzlich. Die Füsse sind grünlich fleisch- farben, mit schmutzigweissen Einschnitten; die Zehensohle schmutzig gelb- grau; Krallen dunkelbraun mit schwärzlichen Spitzen. Die unteren Schwanzdecken und die Unterflügeldecken wie auch die Schwanzspitze (letztere auf den mittleren Federn 0,4, auf den äussersten aber 2,2 cm breit) schön hochgelb. Oberkopf, Hinterhals, Ober- und Unterrücken und grossenteils auch die gegen den Flügel hin mit schwarzgrau gemischten Schultern hell oliven- gelbgrün, mit versteckten dunklen Schaftstrichen, der Unterrücken allmählich in den ungestrichelt olivengoldgelben Bürzel übergehend. Die kleinen Flügeldecken zeisiggrün und schwärzlich gewölkt; die grossen und der Hinterflügel nach aussen olivengraugrün, nach innen schwarz- grau, alle übrigen Schwingen schwarzgrau mit trübweissen Kanten und Endfleckchen; die Decken der längsten Schwingen sowie die Alula matt- schwarz, erstere mit grossen weissgelben, durch die anlaufenden schwarzen Schaftstriche etwas geteilten Endflecken, wodurch ein unterbrochenes Quer- bändchen gebildet wird. Oberflügelhälfte grünlichgrau; Oberschwanzhälfte hellgelb olivengrün mit schwarzen Schaftstrichen, von da an gegen die Endbinde zu stets schwärzlicher; über dem Schwänze viele derbere, grau- bräunliche, verborgene Querlinien bemerkbar; Unterschwanzseite hinten und vorne goldgelb, in der Mitte schwarzgrau, doch stark zeisiggrün überhaucht. Die Augenwimpern zeisiggelb; Zügel dunkelgrau, etwas ins Zeisig- grüne spielend; Kinn schmutzigweissgrau, olivengelb getüpfelt; Kehle, Gurgel und ganzer Vorderhals schmutzigweissgrau, die erstere mit versteckten un- bedeutenden, die letzteren mit stets nach unten an Grösse und Farbenintensität zunehmenden dunkelgrauen, an der Spitze zeisiggrauen Schaftstrichen, welche auf die Brust hin in ebensolche Flecken übergehen. Das Gesicht graulich zeisiggrün. Unterbrust und Bauchmitte schmutzig- weiss, stark gelb überflogen, erstere mit schwarzbraunen Schaftstrichen, letztere meist ungefleckt. Die Leibseiten ebenso, doch so kräftig goldgelb überflogen, dass diese Farbe die vorherrschende wird. Die Unterschenkel innen graulich und gelb, aussen zeisiggrün und weissgraulich meliert. Der Vogel hatte grosse Brutflecke; am Darm zwei längliche Blind- därme; im muskulöshäutigen Magen zwei zerstückelte Maikäfer. Im Eier- stocke erbsengrosse Eier. Das Brüten. Ein im Mai 1846 im Wald von T.- Szt.- Marton auf einer dünnen Eiche gefmidenes Nest stand zwischen einer Gabel mid deren Zweigen, beinahe am Ende des Seitenastes, etwa 6 m hoch. Es war ein wahrer Napf, von aussen 8 cm hoch, der Boden 13 cm breit, im — 163 — Durchmesser am Rande 10,5 und 13 cm, innen 8- bis 9,2 breit und 6,6 cm tief. Das Material bestand äusserlicli aus trockenen, mit breiten Binsenblättern gewundenen Baumblättern, worin sehr feine Spinngewebe eingewebt waren; innerlich mit feinen Grashalmen in der Runde gefüttert, im Rande dazwischen Gänse- und Hühnerfedern. Der ganze Rand mit zarten gelben Spinngeweben zierlich an die Zweige angebaut. Ein anderes an demselben Tage ebendort gefundenes Nest stand auf einer dicken Eiche und zwar auf dem dicksten Stammast zwischen einem dicken und einem Seitenzweig. Es war von dürren Baum- und Grasblättern, wie sie dort im Walde zu finden waren, halb- beutelförmig gebaut, an die Zweige mit Blättern und dürren Gras- halmen angeflochten, sowie auch mit Spinngeweben, w^orunter selbst die Eiersäcke von Spinnen waren, befestigt. Miteingeflochten waren auch Vogelfedern und Flaum. Innerlich war es ovalrund von feinen Grashalmen und miteingeflochtenen kleinen Federn gebaut. Lang war es samt Ast 13, sonst 9 cm, im Durchmesser 10,5 und 13,2 cm, also länglich-oval; seine innere Tiefe 8 cm. Es stand höchstens 3 m über der Erde. Ein zu Räkos-Keresztur 1850 auf einem Apfelbaum dicht über dem Hauptwege zwischen Gabelzweigen gebautes Nest stand höchstens 2,2 m hoch über der Erde. Es war grossenteils aus Baum- bast gebaut, mit eingeflochtenen dürren Baumblättern, Hühnerfedern und Spinngeweben; innerlich mit Rosshaar und Zwirn ausgelegt. Im R. Kereszturer Garten trieben sich am 16. und 17. Mai 1854 etwa 5 bis 6 Paare unaufhörlich herum, sich erst damals unter an- genehmem Flötengesang paarend; ihre Paarungszeit fällt also un- gefähr in die Mitte des Mai. IS^ahrimg'. Stetinay*) fand im Frühjahre in ihrem Magen grüne Baum- wanzen und Maikäfer. Ich beobachtete, wie sie im Räkos-Kereszturer Garten im Herbst Kohlraupen zu Tausenden verzehrten, indem sie nebst ihren flüggen Jungen von den Bäumen herab kamen und sie fleissig aufsuchten und verschluckten. Sie fressen sehr gerne das Baumobst, vorzüglich auch süsse Birnsorten, denen sie in den Gärten nachgehen und womit sie ihre flüggen Jungen füttern. ^■) Peteiiyis Freund und Proselyte. 11* — 164 — Eigreiischaftoii, Lebensweise. Es sind sehr unruhige, in ewiger Bewegung und stetem Umher- fliegen begriffene Vögel, die kaum einige Augenblicke ausser jener Zeit, wo sie etwa ein Mittagsschläfchen halten, auf einem Aste bleiben, sondern stets von Zweig zu ZAveig, von Baum zu Baum im schnellsten Fluge fliegen, dabei viel schreien, einander zurufen; überhaupt sind sie sehr lebhaft, ja ungestüm, folglich leidenschaftlich in ihrem Wesen.*) Zug. Die Pirole zogen 1834 Ende August und in den ersten Sep- tembertagen aus der Budapester Gegend fort. Am 5. Mai desselben Jahres traf ich sie schon am Hradek bei Turopolya zum ersten- mal an. Im Frühjahr kommen sie beinahe unter allen Zugvögeln am spätesten, erst dann an, wenn nicht bloss ihr Futter: Würmer, Raupen, edlere Insekten, sondern auch schon Avenigstens einige Beeren- und Obstarten: Erdbeeren, Birnen u. s. w\ im Reifen und geniessbar sind, also erst zu Ende April oder Anfangs Mai. So bemerkte ich diesen Vogel selbst um Pest 1835 erst am 1. Mai im Museums-Garten; sie mögen wohl einige Tage früher im Wäldchen erschienen sein, denn dann ziehen sie sowohl beim frühjährlichen als herbstlichen Zuge über alle baumreichen Orte und berühren selbst in Dörfern und Städten alle grossbäumigen Gärten, Weingärten. Im Juni 1835 traf ich diesen Vogel im ganzen Banat, vorzüglich im Deutschen Banat und an der walachisch-illyrischen Grenze, wo die Chausseen grösstenteils mit Kirschbäumen gesäumt sind, zumal in dem arkadischen Almas, w^elches wahre Arkadien Ungarns die herrliche Nera durchströmt und für den Vogel höchst angenehm sein muss. Zu Ende Juni führten sie schon ihre Familie auf den Bäumen in den Gärten herum und fütterten sie sorgfältig, wobei das Männchen oft ziemlich weit nach dem Futter: Käfer, Kirschen, Birnen oder anderen Beeren, flog und pfeilschnell zu den Jungen zurückeilte, das Weibchen hingegen in ihrer Nähe, sie bewachend und warnend, das Futter suchte. Die Jungen geben fortwährend einen Ton von sich, welcher Avie: klyahi! glyahi! u. s. av. klingt; die Alten aber, vorzüglich das *) Otto Herman beobachtete sie 1882 bei Vörösmalom, wie sie von den Weidenbäumen auf den Teicli herabstossend sich nach Art der Schwalben badeten. — 165 — scheue Männchen, schreit, wenn ihrem Neste oder ihren flüggen Jungen Unheil naht, sehr stark und garstig wie eine Katze. Die Jungen gehen sehr bald, sowie sie die ersten Federn bekommen und noch kaum 2,6 cm lange Schwänzchen haben, aus dem Neste, sobald sie sich auf den Ästen und Zweigen erhalten können. Auf der Adonyer Insel traf ich sie Ende April und Anfang Mai 1848 häufig an, wo sie unaufhörlich sangen und Brutplätze oder schon Nestmaterial suchend sich paarweise umliertrieben. Dort waren sie (ehedem) noch häufiger, sie wurden aber — da sie im Sommer mitunter auch Obst, nämlich süsse Birnen fressen — vom Inselhtiter stark weggeschossen. Auch in Baron Nyäry 'sehen Garten zu Pilis liess sicli ein Pärchen Ende Mai hören, folglich kommen sie im ganzen ungarischen Tiefland, überall wo es nur geeignete Laubhölzer, Wäldchen gibt, ziemlich häufig auch brütend vor. Im Komitat Gömör kommt diese Art bloss bis Röcze hier und da in Tälern vor, höher aber nie, wie mir dies Wagner*) in Sumjäcz 1846 erzählte. Am 13. Mai 1845 sangen sie schon bei Ercsi im englischen Garten. Am 12. August 1839 sangen noch einige recht schön flötend mitunter im Gartenwäldchen von R. Keresztur. In Selmecz und dessen nächster Umgebung, sowie auch höher in tiefen Waldungen und Tälern nordwestlich kommt er nicht vor; aber gleich unterhalb Selmecz, in Antal, bei Bäth, Bagonya schon überall, weil da mehr lichte Plätze, Fluren, folglich schon wärmere Gegenden sind. Überhaupt ist er schon mehr ein südlicher, afrikanischer Typus. So wie sie spät bei uns anlangen, so ziehen sie auch ganz früh von uns fort und zwar schon gegen Ende August. So bemerkte ich 1854, wie eine Familie über die Gärten von Pest in der Nähe des Museums am 21. und 22. August zog, wobei sie sich sehr stark zuriefen, ohne je einen flötenden Ton von sich hören zu lassen. Locktöiie, Gesang-, Stimme und Sprache. Der eigentliche Gesang dieses Vogels ist unbedeutend, ein aus leisen, abgebrochenen Tönen bestehendes Plaudern, Avelchen er mit- unter flötende Modulationen beimischt, wodurch er es verschönt und angenehm macht. *=) Petenyis Proselyt, der eine hübsche ornithologische Sammlung besass. — 166 — Er singt meist sitzend und ruhend, folglich etwa um die Mittags- zeit, nachdem er schon satt geworden und sich genug umher- getummelt hat. Aber das Pfeifen gehört allerdings zu den angenehmsten, llötendsten Tönen aller Vögel Europas. Diese Töne sind kräftig, rein, vollständig, im wahren Sinne Flötentöne, von weitlier vernehmbar, die die ganze Gegend, die der Vogel bewohnt, verherrlichen. Sie lauten ungefähr: Filyo*) — flyio — tyokalyio! Tyilyiolyio — tyikflyio — tyikolyiö! Ibirlyiö — iolyö — iolyio ! Tyioilyio — tyioblyio! Triolyio — iolyo! — tyiolo — iolyo! Tyiolyo — blyioio ! Tyliolyio — tyioilyo! — Tyioilyio — tyioblyio! Triblyio — fidlo — flyio! Tribidlyio— flyüo — bdlyio! Uilfö — flyüo — olyio! Tyibilyio — tutulyio ! Diese an weichen Tönen reichen Sätze moduliert er nun in Bezug auf die Silbenumsetzung, Betonung und Schnelligkeit des Vortrages, wahrscheinlich nach der Verschiedenheit seiner Gemüts- stimmung und Laune ins Unendliche. In seinem Geplauder klingen viele Töne nicht unähnlich jenen, die das Schärfen einer Sense hervorbringt; manche sogar dem Geknirsche eines ungeschmierten Schiebkarrens. Ganz im Gegensatze zu jenem melodisch-flötenden Tönen stehen seine kreischenden Rufe, die er beim Herannahen und Wahrnehmen eines ihm verdächtigen Gegenstandes hören lässt, die also bei ihm Warnungs-, Angst- und Schmerzlaute sind und ungefähr so klingen: Korr — vaerr! Mrrrwzsii! Mrrzsizsi! Krrrzivaevae! Mrrraevzsevae! In diesen Tönen ist viel Katzenartiges. Sie klingen sehr un- angenelim und sind schwer nachzuahmen. Ausser diesen Tönen hört man von ihm noch ganz kurze Lock- töne, am häufigsten solche, die wie Hu hu! Heu — hu! lauten. *) Das „y" klingt tiefer als „i", höher als „ü". Gen.: Pastor Temiii., Xoiiiaclites Petenyi. Geschlechtsiiaineii. Nomadites Petenyi; Merula Briss., Koch, Aldrov^ Naumann, Pastor Temm. (Manuel d'Orn.); Gracula Cuv. (le Regne Animal T. pag. 321); Boscis Brelim (von ßocrxo) = pasco und ßoaxoq = pastor) ; Thremmaphilus Macgillivray (von ^QSi.i{.ia = Rind und (filog =: Freund); Psaroides Vieil.; AcridotJieres Yieillot. In Ungarn: Csacska; Csacska-madär. Deutseh: Staramsel; Viehvogel', Atzel; Grillenfresser; Voigt. Polnisch: Gmarek; Drozd. Krainisch: Drozgela; Droseg. Durch längere Beobachtungen geführt , gab ich diesem Vogel den Namen „Nomadites". Und zwar: w/tag = pascualis = in pascuis degens cum reliquo armento = mit Vieherden oder wie Vieherden ohne festen Sitz umherschweifend; ')'Ojt(aJ'^xoc = zum Viehweiden oder Hirtenleben geliörig; wie Vieh auf der Weide herumstreifend. Gleich- bedeutend mit voixadkrig. Seine beiden Hauptcharaktere drückt dieser Name aus, da er grösstenteils mit und um das weidende Vieh lebt und von Ort zu Ort, von Land zu Land herumzieht. Linne rechnete diesen Vogel mit demselben Unrechte zu Turdus (Gmel. Lin. System L 2. S. 819), mit welchem ihn Scopoli (Ann. L S. 138) zu Sturnus zählte, zu welchen beiden er durchaus nicht ganz gehört. Aus diesem Grunde stellte später Koch (Baier. Zoolog. L S. 242) nach Aldro- vandi den Namen „Merula" auf, der aber mit , Turdus" gleichbedeutend, daher unpraktisch ist. Temminck hat ihn mit mehr, wenn auch nur scheinbarem Rechte Pastor genannt, was er darum nicht ist, weil ein Hirte aus Pflicht sich bei der Herde aufhält, während diesen Vogel der Eigen- nutz, der erleichterte Insektenfang an das Vieh sich anschliessen lässt. Cuvier zählt ihn einerseits zu „Gracula", trennt ihn aber anderseits unbewusst von diesem ihm ähnlichsten Geschlechte durch die Charakte- risierung der Gracula: „um das Auge eine nackte Stelle", was unser Vogel gar nicht hat. Zwar sind die Augen der sämtlichen Pastor, die ich in der — 168 — kaiserlichen Vogelsammlung zu Wien, sowie in der Feldegg sehen zu Karls- bad untersuchte, mit nackter Haut umgeben (so bei Pastor griseus *), tricolor, Jalla), doch bei den echten Nomadites-Arten ist die Augenumgebung stets befiedert, wie z. B. bei Pastor pagodarum.**) Viellots „Acridotheres" = Heuschrecken jäger (von dxgi'c = Heu- schrecke und vielleicht ■i^rjo/'oitai = jagen) bezeichnet nur teilweise die Lebensart dieses Vogels, und Brehms Benennung „Boscis" bedeutet das- selbe wie Pastor. (xeschleclitskennzeicheu. Schnabel: ziemlich stark, lang und spitz, am Rücken stmnpf messerförmig; an den Seiten zusammengedrückt, Schneiden ein- gezogen; der hohe, schwach abgerundete, in einem spitzen Winkel in die Stirne hinaufgehende Oberkiefer von seiner Wurzel an sanft gebogen, vor der scharfen Spitze schwach ausgeschnitten ; die Mund- winkel beinahe in einer Wellenlinie nach vorne und nach hinten gebogen — wodurch der Unterkiefer auf seinem Grunde sehr erhöht, der Oberkiefer aber ausgeschnitten wird — w^eit gespalten und bloss von oben mit dichtstehenden, gleich kurzen Borstchen begrenzt. Die Nasenlöcher an der tief herabreichenden Stirnw^urzel etwas seitlich liegend und von dem kurzen, haarigen Gefieder derselben oben eingefasst; oval, ganz offen und durchsichtig — bloss von oben durch eine gedunsene, etwas ohrförmig ausgeschnittene Hautschwiele übergrenzt (also weder, wie Naumann sagt, durch einen aufgeblasenen Hautdeckel, noch, wie es Brehm beschreibt, durch eine mit Federn besetzte Haut halb oder zum Teil bedeckt!); innerlich mit einem löflfelförmigen Schwammblättchen versehen. Zunge knorpelhäutig, seicht herabgebogen, oben flach rinnen- förmig, unten abgerundet, ziemlich vorschnellbar, vorne bedeutend eingeschnitten, beiderseits faserig; die Sc hlundbe grenzung wie auch der Obergaumeneinschnitt stark gezähnelt, letzterer vorne mit drei Höckerdrüschen versehen. Auge mittelgross, in der Kopfmitte liegend. Die Ohren mit grossen, flachen Öffnungen, schütter, bloss mit kurzen Federn tiberdeckt. Kopf länglich, nach vorne sich spitz verschmälernd. *) Pastor griseiis findet sich im Kataloge des „Britisli Museum 1890" unter (lern Namen Acridotheres ginginianus (S. 85), Pastor Jalla daselbst = Sturnopastor Jalla (S. 57), Pastor tricolor = Graculopica melanoptera (S. 78). **) Pastor pagodarum = Pollopsar malabaricus (S. 48). T. Cs. — 169 — Hals mittellang, seitlich etwas flachgedrückt. Der Kropf etwas herabhängend, hervorgebracht durch das reiche, etwas zerschlissene Gefieder. Die Füsse wie bei Staren ziemlicli lang, stark gebaut; Scliien- bein verhältnismässig lang; der Lauf etwas kürzer, seitlicli stark zusammengepresst, liinten scharfkantig; im Ganzen schütter, aber stark getafelt; Aussenzehe mit der mittleren — welch' letztere samt Kralle mit dem Laufe gleich lang — durch ein Häiitchen verbunden, kaum länger als die innere, während die Hinterzehe die kürzeste, aber auch die stärkste ist. Die innere und hintere Zehe stehen auf einem gemeinschaftlichen Ballen. Echte, zum Laufen eingerichtete, starartige Füsse. Die Krallen stark, gekrümmt, scharfschneidig, spitzig; die der Hinterzehe am grössten, im Bogen so lang, wie die Zehe selbst. Die Flügel erreichen die Schwanzmitte, sind schmal und spitzig; bestehen aus 19 elastischen Schwungfedern, deren erste kaum ein Siebentel der zweiten, welche etwas länger als die dritte und mit dieser die Flügelspitze bildet; die 16. und 17. Schwinge sind gieichlang und erreichen am geschlossenen Flügel zwischen der 9. und 10. die Mitte. Schwanz zwölffedrig, mittellang, ganz schwach ausgerändert, von unten zu zwei Drittel bedeckt. Das Gefieder etwas derb, aber dicht und schön anliegend, seidenartig anzufühlen. D e r R u m p f gedrungen, abgerundet konisch. D i e S p e i s e r ö h r e weit; der Magen sehr muskulös, innerlich mit dicker Schwielhaut gefüttert. Vom Mastdarm beginnen zwei länglichovale, kleine Blind- därme; die Leber wie auch das Gehirn sehr gross. Keyserling und Blasius stellen diese Gattung in die Ordnung der Sänger (Oscines), in deren 13. Familie und in das Geschlecht der Stare (Sturnus), deren Charaktere sie folgendermassen angeben: „die 2. und 3. Schwinge bilden die Flügelspitze und sind bedeutend grösser als die folgenden; die 2. am längsten (ich fand sie oft mit der 3. gleichlang!); das Nasenloch oval, dessen oberer und unterer Rand von der Schneppe umgeben, an der sich über dem Nasenloch eine vorgestreckte Spitze, unter demselben eine Ecke bildet; die Firste über den Nasenlöchern nicht eingedrückt, tief in die flache Stirn einspringend". — j^Die Läufe vorn getafelt" u. s. w. — 170 — ^ K Xl SS S öß r L. •Z. c o m cd -t-2 OJ 14^ S s -1-3 CO CS -1-3 -^ 1 -*3 'S -4-3' Ü nrs 5-1 S! C» CO 'p 1 3 1:3 fcJO '5 Ol 'bio o > -1-3 :0 5 -1-3 "S CO 3 0) 'S zn _ '^ 'TS a S bß o (D bß s CS a" CD bß 5-1 :a c -1-3 5-1 CS 3 bß _bß 3 'S -1-3 5-1 s bß a a a a -1-3 'S a !» a < S '0 -t3 CO 5h CÖ CS -I-3' CD na «D :a s o Ü S3 CD rj .0 3 Cß :-i-3 :cö r^ 'S CO p bß S p S -1-3 -»■3 -i3 N <1 o bJO 1 — 1 _CD '=4-1 a cö '0 tß a p bi) 1 1 Ol Ö "-(-3 CO a rs 'S -1-3 'El in -1-3' '0 !h a i 5h :a a P S -t3 1 bß 'S 0:1 bß s 3 cö 3 s .bß s '03 3 'S CO ■3 -1-3 S] p bß ID p I—H (D 3 ■+3 1 M c bß 'S 3 Sl '0 a CS a CD '03 3 3 cö CO (D bo "3 Tcö S bß a cö 'Öj (D 'S 'S Cß -(-2 -O ^ -1-3 -4J PQ 'TS Ol -jj" ■ «u m O) -t-3 1 _l a ^ 1 a> -1-3 rO a a rS • ^ cö ü O! CD a a '^ 's c« o f> oT cö s bß ^ 'S a a > -ij' -73 3 'S cö .r =^ ö 3 ■TS (D bß 'S 'S m _-+3 'S -t3 -(-3 13 -4-3"^ bß ;-i ^ r-| CO Ol ■TS a S -1-3 3 S] S bß '03 bß CÖ 'p 3 n ^ rO <:d S 3 -1-3 a -1-3 m bß CO ra cö Q a CD tS] -t-3 'Sh xn a =+H 'Ti s 3 'S a bß S CO CO c Ol o o > o; tS5 Ol .3 "S O 3 bß 3 Ö .3 bß a CD Sl 'Sh s 13 cö a CD a" -f3 TS a a S bß cö 3 S a -^3 CO PQ a Ol 5h CS -1-3 xn S "13 -t3 CO Ü 3 SJ 02 a 1s 5h Ol -k3 CD cö .'S s 'S 0^ '0 CO s ■lö bß a % bO Co T3 3 'S «4H ES] o "ü 3 a '03 ^^ C Ul cö Oi a o CÖ '•^ ^ 'ji ■^^ bß CS d» C3 '-^ S -1-3 ,. ^4 CS 'w Ol Co -4J • r-H bß !2^ ^ -t-3 ü c3 «3 a Ol o (D O n3 'S -1-3 *3h CO ra 5-1 (D •5 bß a a :0 1 — 1 CO s CO o s -t-3 a" bß 3 s xn cö 3 ■-ö 02 «3 3 -t3 ^ , ^^ iD Ol 'ü Ol o G^ CD <;5 --o ;^ bßrß X! 171 — Ö r— 1 Ol a> S -t3 a B a Cd ■73 a Ol tS3 -1-3 l-H OJ rt N 'Ö C 13 -1-3 03 bß g a ri3 -4-3 g o r/3 _l I a> Ol 03 ^ 6> '^ a ■JJ bß cö bß o 2 0^ M cc ce ^ bß N bß n3 t-t Ö :a a riiS rH n-l OJ Ö -1-3 o; -1-3 a ^ O) N f^ c t^ 03 -1-3 - -1-3 Sl ^ bß 03 -1-3 CO CO i Ol ^ -M g 53 ^r -ö -tJ bß a g 1 :cd }-i bß Ph i| 03 "— ' bß .. g «2 ö Ö :0 '03 g CO a f:^ bß g ? § 'i ö g O «2 52 S O CS P^ '9 „ Ü 'TS ^ g 'S l a <5 ä ^ &-( 0,- ^ Ti -t3 ^ rö =3 -1-3 M ® (JJ •ffl r/5 -1-3 ro r^ a N 03 :0 cö -1-3 CO s Ol bß CO =1 Co bß tn 03 bß r^J -i s s cS ^-5 ro 03 }-i • pH CO cö 03 t» ;-4 ö~ -1-3 03 -1-3 'S -1-3 03 03 03 g -1-3 bß 3 c3 CO bß 03 03 1^ 3 ^ :S Sh ■Tj OJ pq 03 03 W 3 Ö o 03 ^ bß 03 S 03 02 03 tJ bßP o S 13 ^ <ü S) :cS "-< 03 .•"03 ^ •^ -1-3 "^ S ö f^ bß 03 ^ >i bß ^ S s 'S "S r^ ;? 03 f=H rd --Ö Ü 03 02 rC p Ü :ci 03 =-IH nr! W bß g 03 -t3 -1-3 (Ä N 03 -1-3 bD 03 > OJ :3 ^ p bf) 03 (7J bß r^ :-) cö =+-( Ü f3 a -1-3 'A 03 O) 03 rT\ "^ bn c3 -1-3 03 ^ m W M K > 03 03 03 CO a 03 Ph 3 03 J-4 g 1 1 — 1 ^ 03 03 ^ ■^ 0) 03 OJ ,-a =4-1 03 "3 '03 03 ^^^ vj bß bß a 03 bß ■-Ö a 03 -5 03 n3 03 m a 03 bß § .-S 'S ^ bß-g 5h 'o3 "S "bß ^ a g ^^ a 03 CS cd ^ -^ .g — 172 — Charaktere der Merula: „Die Schneppe am Schnabel ragt über das ganze Nasenloch hin; der Schnabel seitlich zusammengedrückt, der Oberkiefer höher als breit; die unteren Schwanzdeckfedern bedecken zwei Drittel des Schwanzes; Kopf mit einer Haube von verlängerten Federn." — „Hirtenvogcl" u. s. w. Sie stellen den Vogel nach den Pyrrhocorax und Fregilus, zwischen Sturnus und Trogiodytes. GeschlechtseigentUiiilichkeiteii. Die Vögel dieser Gattung bilden, obwohl sie vormals bald zu den Drosseln, bald zu den Staren oder zur Gracula gerechnet wurden, sowohl ihrem äusseren und inneren Baue, als auch ihren Eigen- tümlichkeiten nach ein besonderes Geschlecht. In den letzteren ähneln sie meist den Staren. Gesellschaftlich wie jene, halten sie sich ausser der Brutzeit in grossen Scharen auf den grasigen Plätzen, vorzüglich den von weidendem Vieh aller Art bewohnten Steppen auf, folgen dem Vieh noch hartnäckiger als jene, wobei sie die vom Vieh aufgejagten Insekten, vorzüglich die Grillen und Heuschrecken, abfangen, und zwar in einer Menge, dass ihre ganze Nahrungsröhre stets mit zerstückelten oder ganzen Insekten vollgepfropft ist, sodass sie dieselben kaum halbverdaut wieder von sich geben — ähnlicher Fall bei den Seidenschwänzen. Aus ihrer südöstlicheren Heimat alljährliche Reisen unter- nehmend, besuchen sie zur Zeit, wo bei uns die ihnen beliebtesten Insekten am häufigsten sind, also in den Monaten Mai und Juni, in kleineren, grösseren, oft unzählbaren Scharen unsere Gegenden und bleiben, falls sie hier auch nisten, was jedoch sehr selten geschieht, bis ihre Brut zur Fortreise fähig ist, bis August und September umherstreifend da. Sie nisteten in unserem Vaterland in Bürtelholz- haufen, in Ziegelhaufenlöchern, legten 7 bis 8, selten mehr Eier und zogen dann mit ihrer Brut auf einmal fort. Sie verschmähen auch die kleineren Obstarten und Beeren nicht und verursachen auf Kirsch- und Weichselbäumen durch ihre Ge- frässigkeit, als auch durch Herabschlagen des Obstes einen nicht geringen Schaden, was aber mit dem Nutzen, den sie durch Vertilgen vieler schädlicher Insekten bringen, nicht verglichen werden darf. Ihr Gefieder ist nach Geschlecht und Alter verschieden. Harmlose, zutrauliche Tierchen ; ihr überall häufig gehörter Gesang ist ein anspruch- loses, heiseres, hier und da mit flötenden Tönen vermischtes Geschwätz. 173 — Artuamen. Nomadites rosetts Petenyi; Merula rosea Äldrov, Briss., Koch, Naum.: Pastor roseus Temm., Brelim, Mey. u. Wolf; Gracida rosea Cuv.: Boscis rosea Brehm. In Ungarn: Rözsaszinü sereg61y: Vändor serege; Tarka seregely; Aprö piros szarka; Jöttmentmaclär; Rözsarigö (in Siebenbürgen). Rosenfarbige Staramsel Naum.; Roseufarbiger Vieh- vogel Brehm, Mey. u. Wolf; Triftling Pet.; Neumodi-Vögel (um Pest). Polnisch: Gmarek rözowy; Drözd rözowy (siehe Zawadzki's „Galizisch-bukovinische Fauna der Wirbeltiere", Stuttgart 1840 S. 54). Krainisch: Drozgela rudezh kastä; Droseg roshasti (siehe Freyer s „Fauna der krainischen Wirbeltiere". Laibach 1842. VI. S. 13). Artkennzeicheu. Der Rumpf oben und unten mehr oder weniger lebliaft rosenrot; der Kopf samt seinem herabhängenden Feder- busch, so aucli Hals, Flügel, Schwanz und Schienbein, dann die Leibseiten scliwarz. Der Federbusch der Jungen und Weibchen kürzer, das Schwarze und Rosenrote blasser. Irrig gibt Brehm als spezifischen Charakter die Flügel und den Schwanz als „braun", oder im Handbuch „braun oder schwarz" an, da diese Teile bei Jungen wohl braun, bei Alten aber wenigstens licht- oder noch mehr tiefschwarz sind. Artkennzeichen nach Keyserling und Blasius; Schnabel und Füsse fleischfarben; Gefieder (vielleicht Rumpfgefieder?!) rosenrot; Kopf, Gurgel, Schwingen und Schwanz schwarz; in der Jugend braungrau, ohne Haube. — Rosenamsel. Masse. Schnabel imBoffen Läng'e Breite Schwanz Holle Lauf Mittelzehe deren Kralle cf 21,7 38,8 7,0 2,4 2,0 cT 23,0 39,5 7,9 — 2,2 ^ 23,7 41,5 — 3,9 — ? 20,4 37,5 7,0 — 1,75 ? 21,5 38,8 7,2 3,3 1,85 3,3 }-^- 2,4 2 2 0,9 0,9 cm Färbxiiig-. Altes Männchen im Sommerkleid. Schnabel: An der Unter- kieferwurzel bis an den Kinnwinkel, auf dem Oberkiefergrunde aber bloss — 174 ~ am Hinterrande des Mundwinkels, dann um das Nasenloch nebst der oberen Schwiele desselben, schwarz, etwas ins Bläuliche ziehend; übrigens licht- rosenrotgrau, vor der weisslichen Spitze braunschwärzlich; der Rand des Unterkieferschwarz schief ausgerandet, oft in zwei über 2 mm langen, un- gleichen Fortsätzen ausgezackt, vorsj)ringend; Mund und Zunge bläulich- schwarz, ersterer gelblich eingefasst; Obergaumen und die inneren Kinn- ladenseiten kaum bis zur Hälfte schwarz, vorne blassrotgraulich. Augenstern schwarzbraun, vom Schwarz kaum zu unterscheiden. Füsse fleischrotgrau, auf ihren Tafel- und Schildereinschnitten, dann die Rücken und Spitzen der Krallen schwarz. Der ganze Kopf und Hals glänzend bläulichschwarz mit schönem stahlbläulich-purpurviolettem Schimmer; der unter dem Federbusch ver- steckte Nacken zeigt vereinzelte graubräunliche Federspitzen. Die Schultern, ganzer Rücken samt Steiss, so auch der Unterleib zart rosenrot, die oberen Teile von Asl)estglanz. Über den Rücken geht ein ziemlich breiter, beinahe tiefschwarzer Streif, der aber vom Rosenrot fast gänzlich überdeckt wird; After und zum Teil auch die Bauchseiten, Schien- bein, sowie die Unterschwanzdecken purpurgrün, glänzend schwarz, die letzteren kaum auf einigen Federn mit ganz geringen weisslichen Spitzenflecken. Ganzer Flügel, Schwanz samt den längsten, gewöhnlich auf ihrer inneren Grundfahnenhälfte rosengrau gesäumten oberen Decken tiefschwarz, prächtig stahlgrün schillernd; ersterer bloss auf seinem Oberrande rosen- rötlich-braungrau, letzterer bloss auf den neuen Federn schmal graulich gesäumt. Von der Seite betrachtet, zeigt der Schwanz auch gewisse wellen- artige, besonders auf der Unterseite sichtbare Querstreifen. Afterfederchen schmutzig rosenrot. Schwingen auf der Unterflügelseite schAvärzlichgraubraun, ihre Spitzen, besonders die des Hinterflügels und der schmalen Aussenfahne der zweiten Schwinge, mattschwarz, bloss am Grunde derselben sind trübweise Innen- fahnensaumstriche. Die längeren Unterflügeldecken bräunlichschwarz, mit weissen Endschaftsspitzen und sehr schmalen trübweissen Säumchen auf ihrer Grundhälfte, die kürzeren aber beiderseits mit etwas breiteren eben- so gefärbten Einfassungen; innerer Flügelrand schwarz, sehr fein weiss gewölkt. Junges Männchen im Sommerkleid. Im ganzen wie das vorige, nur das Rosenrot unreiner, in ein bräunliches Karminrot übergehend; Hinter- hals und Kopfseiten mit vielen graubräunlichen Federspitzen gemischt; selbst der Federbusch hat hie und da bräunliche Spitzchen; die Kehle mit einem grauen Wellenanflug. Die Schultern rötlichgraubraun, die versteckten Schulterstreifen schwarz- graurötlich meliert. Die längsten Sclnvungfedern haben graubläuliche Kanten, die mittelsten auf der Endhälfte beider Fahnen grauweissliche Säume und — 175 — ebensolche Spitzenränder. Sämtliche Schwanzfedern schmal rotgrau ein- gefasst; die Unterschwanzdecken, die Bauch- und Afterseiten, dann das meiste der Schienbeinbefiederung breit weissgrau, die Oberschwanzdecken aber rötlichgrau gesäumt. Überhaupt sind die sämtlichen schwarzen Teile, die Schopf- und Mantelfedern ausgenommen, stark braun und grau angeflogen. Altes Weibchen im Sommerkleid. Das Schwarz des Schnabel- grundes kürzer (nicht so weit vorspringend), das des Unterkiefers schief, aber nie zackig endend; es ist wie bräunlich überlaufen. Der Schnabel sonst ganz blass rosenrot, vor der weisslichgrauen Spitze graubräunlich. Der Fuss rotgrau, stark ins Bräunliche ziehend, die Seiten und Spitzen der Krallen dunkelbraun. Kopf- und Halsgefieder glänzend bläulichschwarz, mit zwar etwas mattem, aber doch schönem purpurviolettem Schimmer, der am Oberkopf und an der Kehle lichter violett, auf dem Hinterhals aber mehr grünlich spielt, als bei dem Männchen; der Nacken mattschwarz mit kaum merk- lichem Schimmer, die Federspitzen hie und da graulichbraun; Oberleib schmutzig rosenrot, durch gelbbraune, oft sehr breite Federränder, am Mittel- rücken auch durch schwärzliche Flecken wie gescheckt; die breiten, aus dem Rückenrot sehr sichtbaren Schulterflecke matt russbraun mit schwarzen Aussenf ahnenflecken und rotbräunlichen Rändern; Unterleib blassrosenrot, etwas ins Gelbliche und Gelbbräunliche ziehend. Die Schwingen erster Ordnung schwarzbraun, die äusserste mit einer etwas merklichen, die zwei darauffolgenden mit kaum merklichen, sehr feinen lichteren Seitenkanten; ihre Decken tief bräunlichschwarz, ganz matt, stahlpurpurblau — die übrigen Schwingen samt Decken grünschwarz, elster- grün, ins Goldgrüne schillernd; die ersteren auf ihren Spitzen, wie auf der .Grundhälfte der Aussenf ahnen fein weissgrau gesäumt; Vorderflügelrand rötlichweiss und schwarzgrau geschuppt. Unterflügelseite graubraun, die schwarzbraunen Decken breit weiss und rötlichweiss gesäumt; die von den Flügeln bedeckten Leibseiten schwärz- lich graubraun. Oberschwanz bräunlichscliwarz mit einem schwach grünlichen Schiller, seine längsten Decken lebhafter schillernd schwarz mit rötlichgrauem Säum- chen; Schwanzunterseite mattbräunlichschwarz, wie die Oberschwanzseite mit ziemlich deutlichen Querwellenstreifen. Unterschwanzdecken, After und Bauchseiten, sowie die Schienbein- befiederung bräunlichschwarz, die letztgenannte mit feinen, die vorigen mit breiten, Spitzenflecke bildenden, rötlichweissgrauen Einfassungen. Junges Weibchen im Sommerkleid. Der Schnabel lichtrosenrot, hinter der weisslichen Spitzenhälfte stark graubraun gefärbt; das Schwarze des Schnabelgrundes weniger weit nach vorne reichend, noch nicht mit dem — 176 — Vorderrande des Nasenloches gleichlaufend, matt braunschwarz von Farbe; die Schwielenhaut oberhalb des Nasenloches nicht schwarz, sondern rötlich; der Gaumen kaum schwärzlich, die Zunge stark rotgraublau. Die Füsse fleischrot, längst der inneren Laufseite und in den Schilder- einschnitten rotgrau gestrichelt; die Sohlen und Krallen rötlichgrau, die letzteren auf ihren Spitzen und Seiten hornschwärzlich eingelassen. Der Oberkopf, der glattanliegende Schopf, sowie der Vorderhals und Kropf zwar purpurrot schillernd schwarz, aber wie etwas graulich über- flogen; die Kopfseiten nur schwarzbraun, grau überflogen, kaum glänzend; Kinn und Kehle beinahe ganz grau; letztere mit schwärzlichen Schaftpunkten gesprenkelt. Der Rumpf oben blassrosenrot, mehr ins Fleischrote ziehend und be- sonders auf der Rückenmitte bräunlich und bräunlichgelb beschmutzt; die grossen, stark aus dem Rückenrot sichtbaren Schulterflecke russbraun, braun- rötlich eingefasst und mit schwarzbraunen Schaftflecken eine nicht üble Fleckenreihe darstellend; Unterleib blass, beinahe weissrosenrot, stark ins Braungelbliche ziehend, über dem After sogar nur rötlichweiss. Die längsten Schwingen schwärzlichbraun, die übrigen, sowie die sämtlichen Decken bräunlichschwarz, überall mit schmalen, rötlichgrauen oder weissrötlichen Federsäumen; die zwei letztgenannten ganz schwach grün schimmernd. Oberflügelrand schmutzigbraun und rötlichbraun, Vorderflügelrand aber meist rötlichweiss und schwarzbraun geschuppt; Unterflügelseite auf der Spitzenhälfte bräunlichgrau; das Schwarzbraun der Unterflügeldecken so breit bräunlich und rötlichweiss gesäumt, dass es bloss Längsflecken bildet; die durch die Flügel bedeckten Leibseiten aschgrau mit dunkleren Schaft- flecken und lichteren, ins Rötliche ziehenden Federrändern. Der Schwanz oben schwärzlichbraun — unten wenig bleicher — . mit ganz feinen, weissen Seitenstrichen; oben und unten mit zahlreichen, breiten Wellenbändern graulich und schwarzbraun in die Quere gestrichelt, die längsten Oberschwanzdecken schwarzbraun, in die Quere graulich gewellt, schmal rotbräunlich gesäumt; Unterschwanzdecken, After- und Bauchseiten, sowie Schienbeinbefiederung bräunlichschwarz mit schwachem grünlichem Schiller; erstere mit breiten, weissgraulichen, kaum etwas rötlichen Spitzen- flecken, letztere mit schmäleren rotgrauen Rändern; Afterfederchen blass- rosarot mit roteren Schaftstrichen. Unterschied des Weibchens vom Männchen. Das Weibchen unterscheidet sich vom Männchen — wenngleich es diesem im hohen Alter auch ziemlich nahe kommt — auffallend genug, um auf den ersten Blick erkannt zu werden. Und zwar: 1. durch die geringere Grösse aller Teile; 2. durch den kürzeren, nicht überhängenden, sondern meist glattanliegenden Federbusch, der höchstens im aufgeregten Zustand die Form einer nach o Co 0- — 177 — hinten zugespitzten Holle hat: 3. durch ein matteres, graulich oder bräun- lich überhauchtes Schwarz des Gefieders, das an manchen Stellen graulich oder bräunlich getüpfelt ist; 4. durch einen lichtvioletten Purpurschiller des Schwarz auf dem Kopfe und einen schwach grünen Elsterschiller des Schwarz auf dem Oberflügel; 5. durch die stets vorhandenen lichteren, meist rotgrauen oder rostbräunlichen Seitenkanten der Schwung- und Schwanzfedern, dann durch die allemal breiteren, rötlichweissen oder rotgraubraunen Säume der Unter- flügel- und Unterschwanzdecken, sowie der Leib- und Afterseiten und der Schien- beinfedern; 6. durch ein unreineres, bleicheres, braungelblich gemischtes Rosen- rot am Unter- und vorzüglich am Oberleib; 7. durch das matte Russbraun der bedeutenderen Schulter- und Leibseitenflecken, welch erstere nie unter dem Rosenrot — wie beim Männchen oft — ganz versteckt, sondern stark sichtbar sind; 8. durch das weniger ausgedehnte, nicht Tief-, sondern nur Mattschwarz am Schnabelgrund; 9. durch das merkliche Wellenspiel an den Ober- und Unterschwanzseiten, ja selbst auf den längsten Oberschwanzdecken. Je älter der Vogel überhaupt ist, desto: 1. grösser ist er, 2. glänzender das Schwarz des Gefieders; 3. reiner, schöner das Rosenrot des Gefieders, des Schnabels und der Füsse, 4. desto grösser, vorspringender das Schwarz am Schnabelgrunde; desto schwärzer die Einfassung der Nasen- löcher, dunkler der Mund und der Gaumen, 5. desto dunkler der Augen- stern, 6. weniger die lichten Einfassungen der dunkel gefärbten Federn, 7. geringer, mehr schwarz, mehr versteckt der Schulterstreif, 8. desto länger die Halsfedern und der Federbusch. Je jünger der Vogel, desto: 1. geringer seine Grösse, 2. matter, mehr bräunlich und graulich überhaucht das Schwarz seiner Körperteile, 3. desto unreiner, ins Fleischfarbene ziehender das Rosenrot des Gefieders, des Schnabels und der Füsse, 4. geringer, matter das Schwarz am Schnabel- grunde, desto röter, lichter die Nasenlochbegrenzung, der Mund und der Gaumen, 5. desto heller braun der Augenstern, 6. häufiger, breiter, mehr rötlich die Federsäume der dunkelgefärbten Teile, 7, desto breiter, aber lichter der Schulterstreif, 8. kürzer die Halsfedern und der Federbusch, 9. auffallender das Querwellenspiel an den Ober- und Unterschwanzseiten, ja selbst an den längsten Oberschwanzdecken. Abfärbungim Winterkleid, Im Winterkleid erscheint das Schwarz bei jüngeren Vögeln überall, bei sehr alten Männchen bloss an den Bauch- und Leibseiten, wie auf dem Schienbein bedeutend weiss gesäumt, und so- gar die Kopffedern besitzen weisse Spitzenflecke. (Alle diese Umsäumungen verlieren sich teils durch Abnützung, teils durch den Einfluss der Luft bei alten Männchen gänzlich, bei jüngeren Vögeln grösstenteils.) Auch das Rosenrot erscheint viel trüber als im Sommersfefieder. Allgemeine Bemerkungen über die Färbung. Ein Männchen hatte eine schwarzgraue Schnabelspitze; auch die Zungenspitze desselben Petenyi, Ornithologische Fragmente. 12 — 178 — erschien rotgelbbräunlich, und sogar die Krallen färbten sich viel mehr schwarz als bei lichtschnäbligen Exemplaren. Die Schäfte der rosigen Federn alter Männchen tragen einen fast ganz karminroten Fleck, den aber die nächsten Federn grösstenteils überdecken. Am abgetragenen Gefieder sind die rötlichen Federn fahl weisslich ge- säumt, wodurch die ganze Färbung hübsch weiss-rosenrot gewellt erscheint. Naumann hält die feinen weissen Einfassungen der äussersten Schwanz- federn zu sehr für charakterisierend. Ich fand, dass bei sehr alten Männchen mit nur etwas abgetragenem Gefieder diese Einfassungen gänzlich fehlen und nur bei frisch gemauserten Federn, dann aber an den sämtlichen des Schwanzes, vorhanden sind. Brehm beschreibt die Füsse als „gelblich", wahrscheinlich nach schon lange ausgetrockneten Exemplaren, da sich bei diesen die Füsse wirklich gelbbräunlichgrau färben. Irrig behauptet er auch, dass die Oberbrust schwarz sei. Rosenrot ist sie, doch von den herabhängenden schwarzen Halsfedern überdeckt. Verbreitung. Noch vor kurzem — nämlich vor dem Jahre 1837 — machte dieser schöne, in seiner Lebensart sonderbare Vogel den Ornithologen Europas viel zu schaffen. Zwar besuchte er unser Vaterland schon früher — Baron Fr. Ocskay beobachtete ihn im Jahre 1814 auf seinem Gute Ocskö im Nyitraer Komitat in kleineren Gesellschaften — doch verging die Erscheinung wegen Mangels an Beobachtern, ohne der Wissenschaft etwaigen Nutzen gebracht zu haben. Schon seit mehreren Jahren wurden einige Exemplare in der Pester Umgebung bemerkt; so erhielt ich die ersten im Jahre 1830 aus Peteri durch Güte des Herrn Nikolaus v. Földvary, so hatte Herr Sändor im Jahre 1835 ein Weibchen gefangen, so sah Dr. Frivaldszky im Juni 1836 ein Pärchen im Stadtwäldchen, ohne schiessen zu können; und als ich nach diesen forschte, versicherten mir die Hirten überall, sie hätten alle Jahre einige Stücke auf den Weiden zwischen dem Vieh gesehen. Seitdem erwartete ich ihr nächtes Erscheinen mit wachsender Begierde, bis mir im Jahre 1837 die Freude wurde, an den zahlreichen Scharen selbst Beobachtungen zu machen und viele Fragen über Eigenschaften und Lebensweise dieser interessanten Vogelgattung lösen zu können, wobei ich auf die liebenswürdigste Weise von meinen Bekannten unterstützt w^urde. Am Pulverturm, oberhalb des Stadtwäldchens, beobachtete man die ersten Exemplare, Avorauf sie, sich täglich vermehrend, alle Niederungen der Donau und Theiss in solcher Menge überschwemmten, — 179 — da SS alles, was nur ein Gewehr fassen konnte, dasselbe ergriff, die Vögel schoss, und dass man sie bei jedem Tracteur auf dem Speise- zettel finden konnte. Mit einem Wort: unsere Umgebungen waren damals nicht anders, als „die grünen Weiden mit den wandernden Rosengruppen zu nennen". Sie kamen über Hermanecz, wo man sie schon im April bemerkte, über Beszterczebanya, wo sie Rokosz im Mai erlegte, und es wurde endlich unser heissester Wunsch erfüllt, den Vogel in unserem Vater- lande nisten zu sehen, zu erfahren : welcher Art und Farbe Eier und wie und wo sie gelegt werden? Auch in Siebenbürgen erschienen im selben Jahre grössere Scharen, so z. B. bei Deva und bei Nagy-Szeben, wo sie Michael Bielz im Jahre 1842 wieder auf dem Durchzuge bemerkte. Nach Prof. Wallsteiner sollen sie in Palästina stets und häufig vorkomen. Sie brüten zu Jerusalem in den Mauerlöchern hoher Festungsmauern, auf Kirchtürmen, dann auch in Uferlöchern am Jordan. Sie werden daselbst überall wie bei uns die Hausschwalben geschont, sind daher sehr zutraulich. Aufentlialtsplätze in Uiig-arii. Auf ihrem Zuge und Strich fallen sie in alle nahe an bebauten Landstrassen, vorzüglich aber an Viehweiden, liegenden Wäldchen, Gärten, mit Obstbäumen bepflanzte Weingärten, um von dort aus auf die kurzgrasigen Weideplätze ihrer Nahrung halber ausfliegen zu können. Wo ihnen aber der Ort behagt, das heisst, wo es breite, reich von Vieh bewohnte, an lichte Wäldchen oder reichlich mit Bäumen bewachsene Flussufer oder Wege, oder aber an baumreiche Weingärten stossende Weideflächen gibt — zumal wenn dazu noch geeignete Brutplätze vorhanden sind — dort verweilen sie auch länger. Ihre ungemeine Anhänglichkeit an Viehweiden und Vieh be- wiesen sie aljährlich um Pest; so auch im Jahre 1837. So lange noch die Pester Kühe in aller Frühe zu Hause aus- gemolken wurden, warteten die Rosenstare, an den baumreichen Liniengraben versammelt, dieselben ab. Da sprangen und flatterten sie auf den hohen Pappeln und astigen Akazien, einander herum- jagend, oder sich M^ahrscheinlich schon paarend — Tausende an Zahl — trotz der Schüsse und Verfolgungen, die sie hier täglich auszustehen hatten; andere hüpften Nahrung suchend um den Graben 12* — 180 — herum, aber alle zwitscherten und bewillkommneten die hcran- schreitenden Kühe mit lustigen Freudentönen. Kaum erreichten dieselben die Linie, da gab je ein sich in die Lüfte erhebender Zug durch sein „schwrrr" das Zeichen zum Aufbruch. Und da flog die eine Schar dicht vor den Köpfen des Viehes, die andere hinten nach, noch andere — von den entfernteren Plätzen angekommen — kreisten und schwenkten sich in Gesellschaft über dem Vieh umher; sobald aber die Csorda etwas stillstehend zu weiden angefangen, da zerstreuten und postierten sie sich zwischen und um die Herde, wo nur Platz zum Herumlaufen und Springen war. Sie setzen sich zwar auch zwischen die weidenden Schafe und Schweine, da jedoch die ersteren gewöhnlich sehr gedrängt weiden, die letzteren wühlen, sich beissen und dazu grunzen, haben sie beide nicht so gerne wie das zerstreute, stille, langsam vorschreitende Rindvieh. Gleich nach ihrer Ankunft, als sie, noch scheu, sich mehr in den Gehölzen verborgen aufhielten, Hessen sie sich nach den herab- gefallenen Maikäfern auch in das tiefe Gras hinab, wo sie ganz ungesehen herum irrten; ja auch auf die sandigen und angeschwemmten Ufer der Donau und des Räkos, an Stellen wo die Strömung des Wassers die hineingefallenen Käfer hintrieb, wo Cicindela litoralis wohnt, gingen sie Anfangs gerne und liefen den Käfern nach. Auch besuchten sie alle Vormittage den Blocksberg. Da sassen und krochen sie auf den dicht über den menschlichen Wohnungen starrenden Felsenabsätzen herum, setzten sich auf das aus dessen Wänden herausgewachsene Gesträuch, flogen beständig von einer Felswand zur anderen, waren dabei ganz erregt, guckten fleissig in die Felsenritzen, dabei so in Emsigkeit vertieft und vom Reize des Mstens verblendet, dass sie sich von Knaben mit der Hand ftmgen Hessen. Ein Beweis — was ihre Brütezeit, wie die aufgeschwollenen Geschlechtsteile beider Gatten, ja vorzüglich das bald erfolgte Brüten selbst bestätigt — , dass sie wirklich gesonnen waren in den Felsen- löchern des Blocksberges zu brüten, falls man sie nicht verfolgt und abgeschreckt hätte. Sie übernachteten bei Pest meist am Räkos in den dichtbelaubten Pappelbäumen, viele auch im Ludoviceum-, so auch im Palatinal- garten unterhalb Buda, überhaujDt wo sie ruhige Plätze fanden. Ein Jäger, der den Rosenstaren viel nachging, um sie für seine Herrschaft zu schiessen, versicherte mir, dass dieselben nach Art — 181 — der Stare scharenweise zur Nachtruhe sich ins Rohr gelassen und dort bei regnerischem Wetter auch bei Tag verweilt hätten; dies habe ich aber weder selbst bemerkt, noch von anderen gehört. Lebensweise, Eigenschaften. Wie andere in Scharen weidende und lebende Vögel, so haben auch die Rosenstare der Pester Umgebung ihre verschiedenen Ver- richtungen in gewisse Abschnitte des Tages eingeteilt, so dass man sie, eine Schar nach der anderen, in der Frühe auf die Weide fliegen, gegen Mittag auf dem Blocksberg sich versammeln, darauf andere Flugtouren, vielleicht Spiele über der Stadt machen, dann wieder auf die Weide, von dort auf die Trinkplätze und endlich auf die Ruheplätze fliegen sah. Da zog ein Schwärm nach dem anderen in sehr schnellem Flug dahin, bis endlich dies ein Ende nahm und es in umgekehrter Richtung wieder, wenn die Zeit dazu kam, so fort- dauerte. Sie strichen also ganz nach Art der Wildgänse, Enten und anderen Wassergeflügels. Auf der Weide angekommen, warten die Rosenstare mit etwas aufgerichtetem Vorderkörper oft recht lange vor den Mäulern des weidenden Viehes oder ganz dicht an dessen Füssen stehend auf die durch die Bewegungen des Viehes aufzujagenden Insekten, vor- züglich aber auf die Heuschrecken. Fliegt nun eine Heuschrecke auf, so machen sie darnach gewaltige Sprungsätze, die schnellsten Wendungen, laufen dabei blitzschnell von einem Rinde, welches stehen geblieben, zu einem anderen, das sich zum Schreiten anschickt, wo- bei sie sich, in der Art von Bachstelzen auf der Fliegenjagd, ihrer halbgeöffneten, flatternden Flügel bedienen, so dass selten eine Heu- schrecke ihnen entgeht. Nähert sich nun ein neuer Zug der schon weidenden Versammlung, so fliegt diese gewiss den Ankömmlingen entgegen, um mit ihnen wieder am gefälligen Orte einzufallen. Und es geht das Hin- und Herlaufen, das Herumspringen unter den Füssen des Viehes von neuem an, wobei es auch an kleinen Streitereien zwischen den Brot- süchtigen nicht fehlen darf, indem ein jedes das springende Insekt vor dem anderen wegzuschnappen trachtet. Hierbei verändern sie den Ort natürlich fortwährend, denn sie springen, um den anderen zuvorzukommen, den fliegenden Kerfen ganze Flugsätze nach. Es war ein herrlicher Anblick, diese schönen Vogelscharen auf den grünen Weideplätzen als zerstreute, herumlaufende und wieder — 182 — jeden Augenblick in den mannigfaltigsten Umgestaltungen zusammen- fliessende, wandelbare Rosengruppen vor sich, und in ihren Flug- bewegungen als tanzende Rosenwölkchen über sich zu sehen. Ist endlich der Hunger gestillt, so legen sich die Vögel ganz dicht auf die Erde, entweder mit dem ganzen Unterleibe, oder mit der einen Leibseite, und ruhen auf diese Art vor oder neben dem Vieh aus. Am auffallendsten ist es, dass sie vormittags stets vor, nach- mittags aber meist hinter dem weidenden Vieh stehen. Gegen Mittag, wenn die Kuhherde zu Wasser ging, flogen die Rosenstare als unzertrennliche Gesellschafter noch vor ihr den Tränk- plätzen zu, setzten sich auf die zufällig in der Nähe stehenden Bäume und hielten ihre mit fortwährendem Zwitschern und Gesang be- gleiteten Mittagsunterhaltungen ab. Sie Messen sich dabei einzeln unter das trinkende Vieh herab und tranken und badeten mitten unter demselben. Bei solchen Mittagsunterhaltungen sollen sie am Räkos so viel Blätter von den Bäumen herabgezwickt und herabgerissen haben, dass es förmlich wie Blätter regnete und der Boden und der Fluss- teich unter den Bäumen davon überdeckt waren. Oft war ich Zeuge davon, wie sich die Rosenstare vor der brennenden Nachmittagssonne in den Schatten des Viehs stellten. Auch wo höhere Krautarten, wie das Eryngium und die so häufige Euphorbia standen, eilten sie dahin und durchsuchten alles fleissig; denn in diesen dem Vieh unwillkommenen Pflanzen verbergen sich verschiedene Insekten, hauptsächlich aber die flüchtigen Heuschrecken, woraus sie solche aufjagten und wegfingen. Wenn es dann gegen Abend etwas kühler ward, die Heu- schrecken nicht mehr herumsprangen, sondern sich im Gebüsch ver- krochen, da zogen die Vögel zu Tausenden auf ihre Schlafplätze, zumeist auf die Bäume nach Räkos hin, wo sie auf den hohen Pappeln und Akazien rasteten. Bis in die dunkle Nacht zwitscherten sie um die Plätze ringend, von Ast zu Ast, von Baum zu Baum springend und fliegend; wobei die Tausende von Kehlen ein un- angenehmes, starartiges Geschwirre anstimmten. Die Unterhaltung wurde auch hier von einem Blattregen begleitet, ganz so, wie bei den Trinkplätzen. Bei regnerischem Wetter versammelte sich die Schar auf den Bäumen und Sträuchern und zwitscherte da so ungeheuer, durch- — 183 — einander fliegend, sieh jagend, spielend — also ganz nach Art der Stare — dass das Gesclirei schon von weitem vernommen wurde. Ich habe es nie bemerkt, dass sie während des Laufens je den iSchopf aufgerichtet oder gar in die Höhe gehoben hätten, obwohl ihre Fähigkeit dazu höchst wahrscheinlich ist. Jedoch ist der be- deutende Schopf der Männchen schon von weitem von dem viel kleineren der AVeibchen zu unterscheiden. Die Rosenstare stehen und sitzen mit ziemlich stark auf- gerichtetem Leib, ja selbst im Laufe halten sie sich nie so wage- recht wie Stare. Besonders schön aufgerichtet ist ihre Stellung, wenn sie auf den Menschen passen; es hängt diese Stellung mit ihrer Ernährungsweise zusammen, da sie ihre Beute nicht wie andere Vögel vom Boden aufpicken, sondern stets die hüpfenden Käfer im Fluge erhaschen. Einzeln oder in geringer Anzahl auf dem Zuge begriffen, sind sie etwas scheu und flüchtig, so dass man nur durch Beschleichen ihnen nahekommen oder sie schiessen kann. Wo sie aber in grosser Menge sich schon gelagert haben, zumal wenn sie dort zu nisten entschlossen sind, benehmen sie sich trotz aller Verfolgungen so un- vorsichtig und harmlos, dass man, mit dem weidenden Vieh fort- schreitend, unter sie gehen, lärmen, ja selbst oft schiessen kann, ohne sie weit zu verscheuchen. Die Hirten fürchten sie so wenig, wie das Vieh. Haben sie aber durch fortgesetzte Verfolgungen eine Gefahr in ihrer Nähe wahrgenommen, dann laufen die zer- streuten Glieder alle geschwind in eine Linienreihe, stellen sich mit ganz aufgerichtetem, Aufmerksamkeit verratenden Leibe, zwit- schern ihr „Schwrrr" — den gewöhnlichen Warnungston — erheben sich plötzlich und fliegen gesellschaftlich nach einem bequemeren Platz. Auf den Pester Heiden hielten sich die Rosenstare oft mit den Staren zu gleicher Zeit auf, doch sah ich sie nur dann gemischt, wenn einzelne von einer Art grössere Scharen der anderen antrafen, doch grosse Scharen mischen sich nie. In ihrer Lebensart sind sie auch dadurch von den Staren verschieden, dass letztere nur mit ihrer schon flüggen Brut auf die Hutweiden kommen, die Rosenstare aber dort selbst nisten, dort erziehen, also ewig am allerliebsten um das Vieh und mit demselben wohnen, herumziehen, also ein echt nomadisches Leben führen. — 184 — Die Niihrung. Im Mai, wo es noch wenig Heuschrecken gibt, daher diese Vögel mehr am Gehölze sich aufhielten, fand ich in ihrem Magen vorzüglich grössere Coleopteren, wie Maikäfer und Laufkäfer, Pachy gaster, Cleonus und andere, wovon selbst Maikäfer oft in einem Stück oder doch kaum zerstückelt im Magen und Kröpfe vorkamen. Auch kleinere Helices (Schnecken) fand ich mitunter. Kieselsteinchen aber nie, da ihr Futter ganz weich, also leicht zu verdauen ist. Ein Männchen — am 27. Mai (1837?) von Baron Orczy er- halten — hatte lauter ringelige, den Kellerasseln ähnliche, aber noch härtere Insekten aufgenommen (deren ähnliche ich unter faulem Holze in Wäldern antraf) und der ganze Kropf, Magen und die Gedärme waren mit diesen gefüllt. Bei anderen, ebenfalls im Mai erlegten, machten den ganzen Mageninhalt Maikäfer aus. Am 2. Juni kam schon nebst Cicindela silvatica eine Menge von Heuschrecken und Grillen im Magen dieser Vögel vor. Stettinay fand am 20. Juni 1830 in fünf bei Peteri erlegten Stücken viele weissliche, aus Viscum album oder Loranthus europeus fleissig her- vorgesuchte Raupen. Später, gegen Mitte Juni, wo diese Vögel auf die grasigen AVeideplätze gingen, kröpften sie sich ausschliesslich mit meist noch unvollkommen entwickelten Heuschrecken voll, wovon ihr ganzes Innere rot gefärbt erschien. Flug. Ihr Flug ist im ganzen starartig. Bald flattern alle, die Flügel häufig und schnell gegen den Leib schlagend, bald segeln sie, eine kurze Strecke mit ausgebreiteten Flügeln fortschAvebend, was be- sonders vor dem Niedersetzen geschieht. So schnelle Schwenkungen machen sie nie, wie die Stare. Auch ist ihr Flug leichter, weniger schwirrend, sie breiten dabei ihre Flügel nicht so stark aus, flattern weniger und purzeln seltener als die Sturnus. Von dem schönen Rosenrot des Leibes ist im Fluge, falls sie gegen das Sonnenlicht fortschwirren, beinahe nichts zu sehen, schon bei ihrem Schwebefluge nimmt es sich schöner aus, am allerschönsten aber, wenn sie von hintenher der Sonnenstrahl trifft: da glänzt das Rosaasbest des Rückens prächtig und wie in einem roten Goldschimmer. Locktoii, OesaiiJr. Die rauhen, heiseren, doch eigentümlichen Locktöne werden sowohl im Fluge , als im Sitzen häuflg gehört. Gewöhnlich locken — 185 — sie im Fluge wie: „schriT-tschorr-tschorr-scherr!" — die Zurück- gebliebenen kräftig: „tschr-intsch! schör-intsch!" — im stillen Fluge ungetrennt fortfliegend: „scliworr-tschorrr!" im Auffliegen: „schrrr- tschrrr! detschorrr-tschrrr-dzrrr!" — schnell nacheinander ausstossend; manchmal auch besser und stärker wie „schwöröty-schöröty!" Sehnt sich einer nach dem anderen, oder wirft sich vom Baume, ihm nachzukommen, herab, so ruft er: „tschrö-tschöwöly! tschrö- tschewely!" Der Gesang ist unbedeutend, leise; besteht aus zischenden, rauh- heiseren, meist schlecht modulierten, einförmigen Tönen, die sehr fleissig und überall hervorgebracht werden, besonders wenn grössere Scharen sich versammeln. Auf der Erde, am Rasen, zwischen dem Vieh, sitzend oder auf Augenblicke stehen bleibend, auf Bäumen hüpfend und herumflatternd, bei der Mittagsruhe, auf ihren Brut- plätzen, ja selbst in Löchern, an den Nestern sitzend, zwitschern sie unaufhörlich. Im ganzen ist der Gesang dem Schwirren der Stare sehr ähn- lich, doch, wenn man ihn im Konzert mit dem der Stare unweit voneinander anhört, ganz eigentümlich; hat viele Ähnlichkeit mit dem gemeinschaftlichen Schwirren der Uferschwalben und der Grau- ammer (Emberiza miliaria), ist aber ein noch leiseres Geschwätz, wie: „schicr-srrr-tschörörö-sisr-ririri-crririri" — gemischt mit etwa „tschröntsch-tschrintsch" und „tchrötschrö-tschötschörr-sirie", dazu manchmal einige dem Rufe des Lanius minor ähnliche, kräftiger klingende Laute, wie „schlanzl-schan-schl!" Xisten, ^est, Eier. Alle Vögel akkommodieren sich in ihrer ganzen Lebensart den Umständen. Dies fällt besonders , beim Nestbau auf, wobei die Wahl des Ortes, der Höhe und der Nestform oft beträchtlichen Veränderungen unterworfen ist. Nicht so ist es aber bei dem Rosenstare. Da er als ewiger Wanderer nie im voraus weiss, welche Um- stände ihm durch Zufall geboten werden, so hat ihn die Natur in einen Kosmopoliten verwandelt, der, über alle Vorurteile erhaben, die bescheidensten Umstände benützt. Bei ihm ist das keine Akkommodation. Er richtet sich überall heimisch ein, wo verfallende Gebäude, Klöster, Felsen mit passenden Ritzen da sind, in Holz- und Ziegel- — 186 — häufen, im dichten Lvciumzaune, ülierall wo der Ort zum gemein- schaftlichen Nisten geeignet ist. Wie schon erwähnt, machten die Rosenstare bei jenem Massenzug im Jahre 1837 ernste Anstalten am Blocksberge zu brüten, worauf ich schon im voraus nach ihrem Ein- und Ausschlüpfen in den Felsenlöchern, nach den Eierstöcken und Brutflecken der unter- suchten Weibchen, nach den sehr angeschwollenen Geschlechtsteilen der Männchen sicher folgerte. In Überzeugung der herannahenden Brutzeit gab ich vielen meiner Bekannten Aufträge zum Beobachten derselben. Und darauf erfuhr ich, dass sie in Baracs, Adacs, Vacs und Kaskantyii wirklich nisteten, da ihnen daselbst Ruhe vergönnt wurde, nicht so wie am Blocksberge, wo die fortwährenden Ver- folgungen, das ewige Schiessen, Nachklettern und Werfen alle ihre Absichten unmöglich machten. Am Athos, wo sie nach Wahlsteins Berichten selbst in den Avildesten Gebirgsgegenden nistend vorkommen, legen sie ihre Nester in Felslöcher hinein. (Siehe seinen Brief vom 22. Januar 1839.) Nach Drechslers — Präparators bei Feldegg — mir in Karls- bad mitgeteilter Behauptung brütet dieser Vogel in Dalmatien in Gebirgsfelsen, Klippenlöchern, wie Hausspatzen in Strohdachlöchern, dann in alten Holzlagern und dergleichen. Der Rosenstar baut viel zu eilends, kann also keine Zeit ver- lieren mit dem Herschaffen weitliegender Materialien, begnügt sich daher mit allem, was ihm die nächste Umgebung bietet. Baumreiser und Blätter, Holzspäne, Unkrautstengel, herumliegende Federn werden mit grösster Hast zusammengeschle]3i3t; wo es Heu gibt, baut er aus- schliesslich von diesem, begnügt sich aber oft mit dem Kuhmist. Es wird auf Zeit- und x4.rbeitersparnis sehr viel Gewicht gelegt, die Zeit des Hierbleibens ist kurz gemessen, das Eierlegen vor der Tür — und die Liebe und Sorge für die Vollendung der Erziehung ihrer mit sich zu nehmenden Jungen zu heiss, unwiderstehlich gross! Zalü und Beschreibuug der Eier. Das Gelege zählt sieben bis acht, selten mehr Eier. Die Grösse. Länge: 27,4, 27,8, 27,8, 27,9, 28, 28,2, 28,4, 28,5, 28,7, 28,7,. 29,4, 30,6 mm; Die grösste Dicke: 21,1, 21,6, 21,9, 21,9, 21,4, 21,9, 21,4 20,3,. 20,8, 21, 21,6, 20,9 mm. — 187 — Die Gestalt abwechslungsvoll: die Mittelgestalt massig gedrungen oval, doch sind auch sehr gedrungen rundliche Formen nicht selten, welch letztere verhältnismässig spitzig enden, wogegen andere wieder sehr gestreckt an Form dem Grehäuse der Seidenraupe gleichkommen. Die Schale glänzend, ungemein dünn, sehr feinkörnig, zeigt dem unbewaffneten Auge dicht zerstreute, Nadelstichen ähnliche Löchel- chen; unter der Lupe erscheint sie fein genarbt. Die Farbe sehr blass bläulichweiss, etwas ins Bläulichgrüne spielend, mit durch die Schale sichtbarer, schwacher, wässeriger Aderung. Die Kleidung' flüg-ger Jungen. Kopf und Hals schmutzig grauweiss mit scliwärzlichen Längs- streifen, die grauschwarzen Flügel- und Schwanzfedern breit weiss- grau eingefasst; die Unterschwanzdecken schwärzlich, breit grauweiss gefleckt; der Rumpf unten rosiggrau, die Füsse und der Schnabel rötlichbraun. Sobald in Baracs die Jungen flügge geworden, führten sie die Alten in die obstbaumreichen nächsten Dörfer hinein, so nach Györ, wo sie alle Maulbeerbäume überdeckten, mit deren Obst sie ihre Jungen fütterten und welches sie selbst frassen. Sie fütterten da- selbst ihre schon flüggen Jungen sehr lange. Auf den Györer Hausdächern, Türmen oder in deren Löchern bemerkte man sie nie. Maiiserzeit. Da ich im Schwänze mehrerer neu angekommener Vögel kaum halbwüchsige Federn fand, glaube ich die Mauserzeit knapp vor die Ankunft, also auf Ende April oder den Anfang Mai setzen zu können. Zug. Der Rosenstar unternimmt seine alljährlichen Reisen aus seinem Vaterlande nicht, wie die Sommerzugvögel, um da zu nisten, denn sonst müsste man, wenn auch selten, doch regelmässig seine Nester antreffen, besonders in Ungarn, Sollte er der Nahrung halber verreisen? In seiner gelinden Heimat — Afrika und Asien — wo sozusagen ewig Sommer herrscht, müsste ja seiner Lieblingsnahrung zu allen Jahreszeiten die Fülle sein! — Und dennoch wird dies letztere die Ursache seines Ziehens sein, denn dies allein erklärt sein unregelmässiges Erscheinen, da die Heuschrecken bei uns gewöhnlich in jenen Jahren in Überfluss — 188 — auftreten, während welcher es an denselben in Asien und Afrika mangelt. Die Gefrässigkeit zwingt den Rosenstar zum nomadischen Leben. Bietet eine Gegend keine genügende Menge an Heuschrecken und Obstarten, um sich und seine Jungen zu ernähren, so bricht er auf und streift wie wandernde Zigeuner von Land zu Land. Auf diese Art gelangt er durch Ägj^i^ten, die Türkei und Griechenland, auch nach Ungarn, immer dem Zug der Heuschrecken folgend. Immerhin merkwürdig, dass der Vogel in dieser Zeit unsere Gegenden aufsucht, wo die einheimischen Vögel schon längst mit dem Brüten und Erziehen beschäftigt sind. Es folgt daraus, dass seine Brutzeit in seiner Heimat in eine ganz andere Zeit fallen muss — da er sonst keine Zeit zu langen Streifzügen hätte — und dass er in solchen Weltteilen heimisch ist, wo das Frühjahr in unseren Winter und unser Sommer in den dortigen Winter fällt. So wurden im Jahre 1830 am 5. Juni bei Peteri aus einer grossen Schar fünf Exemplare erlegt, wovon die meisten in der F öl dväry sehen Sammlung sich befinden, und ein vStück wurde im Jahre 1835 bei Pest gefangen, bis endlich das Jahr 1837 eine wirk- liche Überflutung von Scharen dieser Vögel brachte. Die ersten Exemplare wurden am 24. Mai bei Beszterczebänya auf einer an der Garam liegenden Wiese erlegt, so auch ein Weib- chen am selben Tage bei Räkos. Am 25. Mai fiel ein junges Männchen aus einer Schar von etwa 60 Köpfen zur Beute. Am 26. Mai schoss man bei der Teufelsmühle — unweit Pest — ein junges, am 27. beim Stadtwäldchen ein sehr altes Männchen, und schliesslich wurden am 1. Juli zwei Männchen und ein Weibchen gefangen. Baron Joh. Podmaniczky behauptete am 18. April 1842 bei Keresztür, unweit des Merzse-Sumpfes an einem Weideplatze, drei Exemplare des Rosenstares gesehen zu haben. Mein Schwager be- obachtete wahrscheinlich dieselben drei Exemplare kurze Zeit darauf am Rande der Hamzsabeger Weingärten. Der Rosenstar in Gefaiig-enschaft. Viel munterer und unruhiger als der Star, springt und flattert er fortwährend und dreht den Kopf gegen das Käfigdach herum; er frisst die Ameiseneier ungemein gern, selbst aus der hohlen Hand weg, wird sehr zahm, ruft und schwätzt fortwährend sein gzabaty- tschrabaty-gzabaty-tschrabaty, — wie die Stare, häufig wiederholt: — 189 — „bzabza-bzabza-gzagzagz-gzaty!" Manchmal schreit er sehr stark, monoton: „brölty! brölyty! brölybröty-gTöty-dröty-tschröty!"; oft: zamzl-mzamzl-mamschl!" — dem Haussperling nicht unähnlich, nur bedeutend stärker. Als sehr fleissiger Sänger singt er, die Mauserzeit ausgenommen, fast das ganze Jahr. Sobald er sich etwas gesättigt — beim Fressen wird der Schnabel, wie bei den Staren, sehr weit gespreitzt — stimmt er sein aus dem Grunde seiner Seele hervorspriessendes einfaches Liedchen an, lässt dabei die Flügel hängen, richtet den Leib ziem- lich, den Kopf stark in die Höhe, mit weit aufgesperrtem Schnabel und dick aufgeblasener Kehle. Den Körper wirft er indessen wie ein singender Girlitz hin und her und ruckselt mit den Flügeln. Hier- bei nimmt er sich so interessant komisch aus, dass man einen von Tanz- und Singlust Betrunkenen und mit sich selbst Unvermögenden vor sich zu haben glaubt und sich unmöglich des Lachens ent- halten kann. Hört er andere seinesgleichen singen, so verzieht sich sein Gesang oft sehr lange und wird das Unterbrochene oft wieder und wieder erneuert. Nicht nur zutraulich, sondern auch ausdauernd. Bei Herrn von Sändor erlebten diese Vögel wohl vier bis sechs Jahre und gingen an einer Seuche ein, die ich zumeist der verdorbenen Luft zuschreibe. Die Sektion ergab, dass die Leber, der Magen und die Eingeweide fettschimmerige Indurationen (Tuberkeln) hatten und die Milz gänzlich zu einer solchen fetten, harten Masse sich verwandelt hatte. Die Krankheit begann mit einer abscheulichen Ausdünstung der Vögel. Während der Mauser, die in die Monate November und Dezember fällt, verlieren sich die meisten Kopf- und Halsfedern, an deren, so- wie an die Stelle der an den Afterseiten stehenden mattschwarze Federn treten, die im Winterkleid weisse Spitzen tragen, bis sich die letzteren gegen Frühjahr abreiben und das reine Schwarz her- vortreten lassen. Leider verliert sich an den gefangenen Exemplaren das Schillern des Schwarz, so auch das zarte Rosa allmählich, welch letzteres sich in ein mit russigen Flecken beschmutztes Weisslich- rosa verwandelt. ;?futzeii, Schadeu. Sein Nutzen sowohl als Schaden wird meistens durch seine Er- nährungsweise bestimmt. Nachdem ich im Magen der Rosenstare — 190 — vorzüglich Maikäfer in grosser Menge fand, wird wohl niemand daran zweifeln, dass diese Vögel für den Obstgärtner und Förster stets willkommene Gäste sein müssen. Herr Andreas v. Bernäth — Tafelbeisitzer zu Heves — hat sich überzeugt, dass die Rosenstare daselbst scharenweise am Rande der Eichenwälder, die damals von Cnetocampa processionea ab- gefressen wurden, jene schädlichen Raupen fleissig aufsuchten und verzehrten. Dieser einsichtsvolle Mann sali sofort ihren Nutzen ein und verteidigte die Vögel gegen alle Verfolgungen. Denn wo diese Raupen mit ihren Fäden das Gras überziehen und mit ihrem stinkenden und ätzenden Safte besudeln, dort frisst das Vieh nimmermehr, ja es wird davon krank. Wo demnach Tausende von Rosenstaren so fleissig diese schädlichen Raupen sammeln und vertilgen, ist ihr Nutzen für den Wald und die Weide für Gegenwart und Zukunft ausserordentlich gross. Auch das Wildpret, zumeist der äusserst fetten Weibchen, ist sehr schmackhaft; die Eier und Jungen dienen aber als Delikatesse. Was die Schädlichkeit betrifft, behaupten zwar Leute in Baracs, dass sie, sobald die Gerste zu reifen anfing, diese ihren zarten Jungen zutrugen und durch Abbeissen und Treten der Frucht einen un- bedeutenden Schaden anrichteten; doch zweifle ich daran; sie werden wohl nach Anisoplienarten gesucht, und um diese sich in die Frucht niedergelassen haben. Feiude. Abgesehen von den in ihrem Gefieder haftenden zahlreichen Parasiten — schmalflachen Läuschen — war der Sperber und der Baumfalke (Falco subbuteo) bei uns ihr Feind. Doch haben sie, obwohl auch vielem anderen Raubzeug zur Beute fallend, den aller- grössten Feind im unbeschränkten Herrscher der Natur, im Menschen, gefunden, der betreffs der Verfolgung oft unter seine Würde, ja unter die Würde der Raubtiere herabsinkt. Ihre alte Heimat verlassend, wo sie als anerkannt nützliche Tierchen stets verehrt und verschont wurden, legen sie auch bei uns ihre harmlose Zutraulichkeit dar. Nichts ahnend von der Mordlust des Westens, finden sie eben durch diese schöne Eigenschaft ihr Verderben. Denn so geschieht es, so oft sie uns in grösseren Scharen be- suchen: Tausende werden ermordet. Hunderte verwundet; und alle werden ohne Rücksicht verfolgt! Gen. 119: StuniUS L. 1758. Oeschleclitskennzeicheii. Schnabel: mittellang', hinten gerade, vorn leicht herabgedrückt, an beiden Kinnladen flachgepresst, vorn spitz und scharf, mit einem glatten, bis unter das Auge einwärts bogenartig klaffenden Rande; die Oberkinnlade geht hoch in die flache (wie bei Icterus), beinahe mit dem Schnabelrücken gleich tief liegende Stirn hinein. Nasenlöcher am Stirngrunde eiförmig, nackt, oben mit einer gewölbten Haut bedeckt. Zunge flach, hornartig, vorn wie abgerissen, in der Mitte recht gespalten und zaserig, etwas vorstreckbar, am Rande eingekerbt. Füsse mittellang, stark an den Seiten flachgepresst;. die äussere und mittlere Zehe recht zusammengewachsen; der schütter beschildete Lauf mit der Mittelzehe samt Kralle von gleicher Länge. Krallen gross, recht bogenförmig, scharfspitzig. Flügel mittellang, spitzig, mit 18 harten und starken Schwingen; (Brehm zählt ihrer 20); die erste Schwinge am längsten, die zweite bald kaum merklich, bald bedeutend kürzer. Schwanz kurz, breit, etwas ausgescJinitten, zwölffedrig. Stiiriius vulgaris L. 1758, Greiiieincr Star. Sturnus varius Meyer. Ungarisch: Seregely, Serege. Slavisch: Skorec (späcek); Spak. (Nach Brehm): „Die Schwanzfedern schwarzgrau, auf beiden Fahnen hellgrau gesäumt" — (ist nicht präzis, denn dasselbe kann man auch von seinen Schwungfedern sagen). Besser ist: „die Federn vor dem After haben stets etwas Weiss". Zweijähriges Weibchen. (Erlegt am S.März 1834 bei Abelova.) Länge 22,4, Breite 39,5 cm. Der Schnabel schmutzig strohgelb, am Rückengrunde noch brami, an der Spitze schwärzlich. Füsse hellkastanien- braun, Krallen tiefhornbraun. — 192 — Das ganze Gefieder schwärzlich, am Oberkopf und Hinterhals mit schütteren, feinen, weissgraulichen, am Rücken und an den Oberschultern mit abwärts stets grösseren, dreieckigen, weissbraunen Spitzenflecken; am ünterrücken und vorzüglich am Bürzel mit hellgraubräunlichen Federrändern. Die schwarzgrauen Schwung- und Schwanzfedern, sowie ihre nächsten Decken hello^raubräunlich gesäumt. Die Kehle im Schnabelwinkel dicht schwarz- grau meliert; die schwarze Gurgel und Oberbrust mit wenigen, die Kehl- seiten mit kleinen, die Kopfseiten aber mit sehr dichten, kleinen, reinweissen Spitzenherzflecken, die auf der Oberbrust und dem ganzen Unterleib grösser erscheinen und am After sehr häufig vorkommen; die Afterseiten mit bräun- lichen grossen Spitzenflecken, die braungrauen Schenkel ungefleckt; die I nterschwanzdecken sehr breit, hellgraubräunlich gesäumt. Der Oberkopf, die Kehle, Schultern, Unterrücken und Unterleibseiten haben einen schön grünen, der ganze Hals aber und der Oberrücken einen herrlichen Purpurschiller, was beides nach der Verschiedenheit der Wendungen gegen das Licht sehr mannigfaltig wechselt. Der Star ist überhaupt, vorzüglich im hohen Alter, einer der schönsten europäischen Vögel, nur seine grosse Zahl macht ihn gemein. Lebensweise, Eigenschaften. Unter den Eigenschaften des Stares steht die gesellige voran. Nicht nur dass sie mit ihresgleichen in Scharen beisammen leben, nisten und ihre Jungen grossziehen, sie gesellen sich auch fremden Arten zu. Diese letztere Eigenschaft geht aus ihrer Ernährungs- weise hervor. Da sie nämlich als sehr gefrässige Vögel ihre Nahrung mit angestrengter Aufmerksamkeit und stets gebücktem Koi^fe oft in höheren Gräsern, Stoppeln etc. suchen müssen, folglich auf ihre Feinde kein Auge haben, so schliessen sie sich, wenn nur tunlich, an andere, weit grössere, vorsichtige Vögel an. So an Nebelkrähen, Kiebitze, Numenius- und Tringa-Arten, überhaupt an alle grösseren Vögel, welche ihre Nahrung an denselben Plätzen suchen. Sie über- lassen sich der Obhut solcher Wächter derart, dass sie nichts als das Auffliegen derselben zum Aufstehen bringt. Hiervon kann man sich in Ungarn alltäglich überzeugen. Die grosse Lebhaftigkeit der Stare ist ihrer Gefrässigkeit an- gemessen. Sie hüpfen im Gras, auf den Steppen herum und springen in den schnellsten Wendungen den aufgejagten Käfern, hauptsächlich den Heuschrecken nach, welche sie sehr geschickt abfangen. Sie singen so fleissig, dass ich die in einer Baumkrone oder einem Gebüschdickicht sitzenden Vögel am 13. Mai 1845 bei Ercti nur einige Schritte entfernt beobachten konnte. — 193 — Im Sommer und Herbst gehen sie zurzeit der lieissen Mittags- stunden gerne scharenweise von den Weideplätzen in die Rohrwälder, um sich dort unter stetem Gezwitscher abzukühlen und auszuruhen. Oft sah ich dies beim Merzse-Teich. Bei Csongrad brütet der Star in Uferlöchern der hohen Theiss- üfer zwischen Merops und Cotyle. Er sucht nur kurze, aber breitere Löcher auf, in welche er dann sein karges Nestmaterial bringt. Sie brüten auch in Unterungarn, wo Waldungen mit hohlen Bäumen stehen, nicht selten. So traf ich Ende April und Anfang Mai 1848 auf der Adonyer Insel ziemlich viele brütende Pärchen an. Sie hatten schon Junge und trugen ihnen gesellschaftlich das Futter von der grossen Insel zu. Wechseln in der Nähe der Brutplätze weite Felder, Wiesen mit Wäldchen oder gar auch mit Rohrteichen ab, so bleiben die Stare daselbst, so lange es nur die Witterung im Spätherbst erlaubt. Noch am 15. Oktober 1847 sah ich bei Ludäny auf den Wiesen des Ipoly- tales grosse Scharen umherschwärmen, obwohl schon in den ersten Tagen des Oktober starke Fröste eingetreten waren. Im September 1844 traf ich auf der ungarischen Tiefebene von Arad bis Pest ganze Scharen, meist mit Kiebitzen vermengt, hauptsächlich auf Stoppel- feldern Insekten nachjagend, aber auch auf frischen Saaten. Aus Gegenden, welche um den Nistort keine passenden Nahrungs- plätze bieten, kommt er schon Ende Juni mit seinen erwachsenen Jungen aus den Waldungen auf die ebenen Heideplätze, z. B. in die Pester Gegend, wo er sich dann auf den Weiden um das Vieh bis zur Weinlese, ja auch nach dieser auf den Wiesen bis zum spätesten Herbst aufhält. Im Jahre 1834 übernachtete er Ende September und Anfang Oktober auf dem Merzseer Rohrteich in solcher Menge, dass er aufgejagt mit donnerähnlichem Gebrause wie eine schwarze Wolke emporwirbelte und ganze Flächen Feld wie ein schwarzes Tuch be- deckte. Durch wiederholtes Aufjagen und Schiessen vorsichtiger geworden, kam er nicht wie anfangs von der Seite, sondern die Scharen erhoben sich zu bedeutender Höhe, aus welcher sie sich dann vereinzelt schraubenförmig mitten in das Rohr herabliessen, um sich auf solche Weise den am Rande des Röhrichts auflauernden Schützen zu entziehen. Ankunft, Abzug. Der Star ist einer der ersten Boten des Frühlings. Er erscheint schon oft im Februar, wenn manchmal noch harte Fröste und Schnee- P e t e n y i , Ornithologische Fragmente. 13 — 194 — fall eintreten. Im letzteren Falle wird er oft gezwungen, sich in die Dörfer zu ziehen, wie dies auch 1847 Sztraka bei B. Csaba be- obachtete. Die Stare flüchteten dort in die Taubenschläge der Meier- höfe und wurden zu Hunderten gefangen. 1833 kam er schon mit Anfang März in grösseren Scharen zu Pest auf die Wiesen und neubeackerten Saatfelder. 1834 war er schon Anfang März bei Pest häufig, ja Mitte Februar bei sehr gelinder Witterung nicht selten. Am 8. März er- legte man sogar im Abelovaer Osztrovska- Gebirge ein Stück aus einer kleinen Gesellschaft; am 17. März fand ich ihn am Präskovaer Wald recht häufig singend. 1838 erschien er scharenweise in den ersten Märztagen bei Ercsi trotz des alles überdeckenden Schnees. 1844 war er schon Mitte Februar bei Czinkota, mit den Feld- lerchen zu gleicher Zeit. 1854 erschien er erst am 29. März bei R.-Keresztür, also ver- spätet. Als kein echter Zugvogel, mehr herumstreichend, bleibt der Star bis zum Spätherbst in der Umgebung seines Brutortes, und nur bei eintretender strengerer Kälte zieht er nach südlicher liegenden Ländern. Schon in Kroatien und Dalmatien sollen Tausende über- wintern. In gelinderen Wintern bleiben aber auch in Ungarn einzelne, selbst Scharen zurück. 1844 bis 1845 blieben Scharen bei Szeged über den Winter da und wurden zu Hunderten nach Pest geliefert, hauptsächlich als im Februar Kälte und Schnee sie mehr in die Städte und Dörfer drängten. Auch in dem vom warmen Spätherbst eingeleiteten Winter 1846 bis 1847 überwinterten einzelne um Pest. Ein Exemplar hielt sich in Ercsi zwischen Sperlingen den ganzen Winter hindurch auf grösseren Düngerhaufen und Viehfutterplätzen auf, sass mit diesen in der ver- trautesten Freundschaft auf den Bäumen und Gebäuden. 1851 sah ihn F. v. Kubinyi in Täszlär im November und Dezember; J. Sterba bei Kälnö in Nögräd Ende Dezember 1851; Baron J. Podma- niczky ebenfalls Ende Dezember 1851 und Anfang Januar 1852 in Martfü und Tiszaföldvar. Auch in Csongräd soll er zu dieser Zeit überwintert haben. Nahrung. In seinem Magen fand ich grosse Rüssel- und Laufkäfer, Cocci- nellen, Insekteneier, grosse Käferlarven. — 195 — Feinde. Zu seinen Feinden gehören: der Sperber (Accipiter nisus L.) und Mäusebussard (Buteo vulgaris Leach.). Vor dem ersteren er- hoben sich zwischen Abony und Käta alle Augenblicke Scharen von Tausenden, um seinen Stössen zu entgehen. Letzteren sah ich am 18. Oktober 1846 in Merzse, als er eine sich im Rohre sammelnde Schar umhertrieb und umflog. 13* Farn.: Friiigilli(la(% Finken. Passer domesticiis (L.), Haussperliiis. Seine Neigung zu Farben Varietäten ist bekannt. Man findet gänzlich oder zum Teil weisse, wie auch rostigweise Exemplare. Eigentümlicherweise kommen unter den Weibchen nie ganz weisse vor; diese sind entweder nur lichtrostig oder bloss an einigen Federn weiss. Passer moiitaiius (L.) 1758, Feldsperliiig. Der Name „montanus" — Bergsperling — trifft auf diese Art gar nicht zu, da sie auch in den Ebenen in grosser Zahl vorkommen. Besser wäre der von seinem weissen Halsband genommene Name „Ring-Spatz". Man benennt ihn auf Grund seines Nistens in Garten- brunnen auch „Brunnenspatz". Er mischt sich selten mit Hausspatzen, bleibt vielfach lieber unter seinesgleichen; an Dreistigkeit bleibt er hinter dem Haussperling zurück. Ohne schlau zu sein, ist er sehr behutsam und hält, bevor er sein Nachtlager bezieht, sorgsam Umschau. Das in einer Linde des Waldes von Keresztur brütende Pärchen wartete immer solange, bis ich seitwärts blickte, erst dann flog es ein. Seine Bruthöhle be- hält er auch im Winter als Schlafplatz, bis ihn strengere Kälte in die Nähe der Dörfer treibt. Auf der Erde nach Sämereien suchend, senkt er seinen wage- recht gehaltenen Körper so tief herab, dass sein Bauch den Boden berührt; auch seine Flügel lässt er stets hängen. Die Scharen zwitschern ziemlich angenehm, zumal vor dem Schlafengehen. Vor rapider Wetterveränderung, vor Gewitter oder starker Kälte erheben sie einen auffallenden Lärm. Im Magen eines am 2. Juli 1842 erlegten Stückes fand ich un- reife Avena fatua- und hirsenähnliche Samen. Da er sich im all- — 197 — gemeinen von Samen verschiedener Unkrautarten, vorzüglich des Amaranthus vulgaris, nährt, ist er ein sehr nützlicher Vogel. Friiigilla coclebs L. 1758, Buchfink. ungarisch: Erdei pinty. Neben dem Sperling einer der weitestverbreiteten Vögel Ungarns. Er paart sich schon Ende März, brütet im April und Ende Mai, und Anfang Juni sind seine Jungen schon flügge. Sein kunstvolles Nest baut er auf Buchen, Birken und Obstbäumen aus dem Moose des- selben Baumes, so dass es nur als ein Astknoten erscheint. Die grosse Zahl zieht im Winter nach wärmeren Gegenden, mehr oder weniger bleiben aber stets bei uns zurück. Solche Über- winterer kommen dann mit den Spatzen auch auf die Höfe ; im Not- falle fressen sie auch Erbsen, was ich am 16. Januar 1847 beobachtete. Einer ihrer grössten Feinde ist Accipiter nisus. Friiigilla moiitifriiigilla L. 1758, Bergfink. Ungarisch: Hegyi pinty. Erst im Spätherbst erscheint er in Ungarn, avo er in der Ge- sellschaft von Hänflingen, Ammern und Spatzen unsere Gärten und Auen bewohnt. Im Winter findet man ihn zumeist an den Fuss- wegen und Landstrassen, ferner wo Polygonum aviculare wächst. Im Jahre 1847 fielen sie auf die Samen von Amaranthus vulgaris, ich sah aber auch, dass sie Erbsen verschlucken und mit ihrem starken Schnabel nach Sämereien suchend die Oberfläche der Erde ganz aufwühlen. Ist der Schnee nicht allzuhoch, so kommen sie auch nicht in die Nähe der Ortschaften; sie halten sich am liebsten in den Buchenwaldungen auf. Ihre Gefrässigkeit ist so gross, dass sie auf den Fangplätzen auch dann noch weiter fressen, wenn ihre Füsse schon in den Schlingen stecken. Im Winter 1847 bis 1848 fand ich auch fahle Farbenvarietäten. Friiigilla nivalis L. 1758, Sclmeefink. Ungarisch: Havasi pinty. In der Sammlung der Väczer Piaristen fand ich vier Stücke unter dem Namen Emberiza nivalis aufgestellt. Diese wurden im Februar 1833 in den Trencsener Bergen aus einer etwa 100 Köpfe zählenden Schar erlegt. — 198 — Chlorls chloris (L.) 1758, Grrünliiis:. Ungarisch : Zoldike. Mehr ein Bewohner der hügeligen und buschigen Gegenden; in den grossen bewaldeten Bergen findet man. ihn nur an den Blossen. Er brütet am liebsten in Gebüschen nahe an Wiesen und Feldern. Die meisten ziehen für den Winter nach dem Süden, doch manche bleiben auch zurück. Sie sind vorzügliche Sänger, welclie die Ge- sänge anderer Vögel, so auch den des Kanarienvogels, täuschend nachahmen. Caniiabina caniiabiiia (L.), Bluthäiifliiis. Ungarisch: Kenderike. Obwohl in erster Reihe Bewohner der Gebüsche sonniger, steiniger Berglehnen, sind sie doch auch auf den Ebenen Ungarns anzutreffen. Ihre Zahl nimmt im Verhältnis mit der der Weingärten, Wäldchen und lebenden Zäune zu. Sie brüten gewöhnlich zweimal im Jalire. Schon um Ende August streichen sie in stets wachsender Zahl auf die Ebenen Ungarns, um endlich zu riesigen Scharen vereint samt anderen Finkenarten auf die Felder, in die Wein- und Gemüse- gärten, kurz dorthin zu fliegen, wo sie viele Unkrautsamen finden. An sonnigen Wintertagen versammeln sie sicli in den Mittags- stunden auf den Bäumen und zwitschern gemeinschaftlich. In strengen Wintern ziehen sie auch in die Grossstädte scharenweise ein. Weiss- und schwarzfleckige Varietäten sind nicht selten. Caiiiial)iiia flarirostris (L.), Bergliäiifling. Ungarisch: Särgacs'örü pinty. Artkeimzeichen. Der Schnabel wachsgelb, mit schwärzlicher Spitze; Füsse schwarz; die ersten vier Schwingen schmutzig weiss, die folgenden vier bis fünf Federn von ihrem Grunde an breit reinweiss eingefasst; die dritte Schwinge am längsten; Augenumgebung, Kinn und Kehle roströtlichbraun; bei den Weibchen fehlt die rote Farbe; der weiss- liche Bürzel der Männchen ist rötlich schattiert. Bei uns nur ein Gast, welcher zurzeit seines Herabkommens nach Ungarn gern unter den Spatzen verweilt und die Locktöne letzterer sehr gut nachahmt; nicht nur die Männchen, sondern auch die Weibchen singen fleissig und ziemlich angenehm. Ein im Oktober 1842 in Pest gekauftes Exemplar benahm sich anfangs derart wild, dass es seine sämtlichen Federn zerschlug; mit — 199 — einem beigegebenen Kanarienvogel befreundete es sich jedoch bald und wurde so zahm, dass es aus der Hand frass; es lebte zwei Jahre lang. Dieses Stück sang nicht, sondern gab nur einen wie tschr- tschr lautenden Ton zu hören. Caiiiial)iiia linaria (L.) 1758, IJirkenzeisig. Ungarisch: Csicsörke Pet. Artkeimzeicheii. Der Vorderkopf lichter oder dunkler karminrot; die unter und neben dem schwärzlichen Kehlfleck liegenden Teile sind bei den alten Männchen ebenfalls karminrot, beim einjährigen Männchen uad älteren Weibchen auf gelblich-braungrauem Grunde purpurrot und beim jungen Weibchen braungefleckt lichtpurpurfarben. Je älter der Vogel, desto kleiner der schwarze Kehlfleck und desto grösser die rote Fläche. Schon beim einjährigen Männchen ist der Bürzel entschieden rot angeflogen, was man auch beim alten Weibchen kaum in Spuren antrifft. Länge der Männchen 13 bis 14 cm, der Weibchen 12,5 bis 13 cm. Er kommt nicht alle Jahre nach Ungarn oder überwintert nicht alljährlich in derselben G-egend. 1830 erschien er schon im Oktober bei Czinkota, wo ich ihn schon seit fünf Jahren nicht sah. In die Gärten kamen die Tausende zählenden Scharen erst beim grossen Schneefall im Januar und frassen hauptsächlich die Samen des Amaranthus. Den gelinden Winter 1845 bis 1846 hindurch war er um Pest nicht zu sehen, aber im Herbste 1847 erschien er wieder in riesigen Scharen. Sobald der Schnee zu schmelzen begann, also im Februar und März, verschwanden diese Vögel. Chrysomitris spinus (L.) 1758, Erleiizeisig. Ungarisch: Csiz. Im Jahre 1845 beobachtete ich in der Umgebung von Pest einen von Ende Juli bis Mitte September dauernden Zeisigzug. Im Frühlinge 1847 dauerte ihr Rückzug den ganzen März hindurch; auch im Herbste desselben Jahres zogen sie so massenhaft, dass man auch in Pest überall ihr Zwitschern hörte. Im Herbst 1853 zeigten sich sehr wenige, im Winter aber gar keine. Wahrschein- lich blieben sie an ihrem Sommeraufenthaltsorte, da der Winter ge- lind war. — 200 — Beim Notar von Pest lebte ein Zeisig 28 Jahre. Im Nationalmuseum ist ein die fahlgelbe Variation zeigendes Weibchen aufgestellt. Carduelis carduclis (L.), Stieglitz. Fringilla carduelis L. Ungarisch : Tengelicz. Obz^Yar in ganz Ungarn zu finden, ist er doch in erster Reihe ein Bewohner der nördlicheren Teile; auch hier hält er sich am liebsten in den von Buchenwaldungen umgebenen Obstgärten und brütet zumeist auf den Apfelbäumen. Im Winter lebt er haupt- sächlich von Distelsamen. Ein am 11. März 1853 erhaltenes Exemplar hatte am Ringe des Hinterhalses je einen mit den Augen gleichhoch liegenden etwa 6 mm langen und 4 mm breiten roten Fleck. Es gibt auch wild- lebende Varietäten, deren Hinterhals nicht schwarz, sondern ganz weiss ist. In der Gefangenschaft lebt dieser Vogel nach meiner Beobach- tung bis 16 Jahre. Seriiius scriniis (L.) 1758, Grirlitz. Ungarisch : TöMincz. In Ungarn ziemlich verbreitet; am liebsten bewohnt er jedoch die Obstgärten, hauptsächlich Zwetschkenkulturen der gegen Kord- winde geschützten Täler. Auf seinem Herbstzuge im September erscheint er auch in der Umgebung von Pest. In gelinderen Wintern bleiben einzelne Exem- plare zurück. Pyrrhula pyrrhula (L.) 1758, (jimi)el. Pyrrhula vulgaris Temm. Ungarisch: Pirok. Ein stiller, einfältiger Vogel, den man auch mit seinem schlecht nachgeahmten Rufe in die Falle locken kann. Anspruchslos ist auch der traurige Gesang, den auch das Weibchen hören lässt. Im Früh- jahr begleitet das Männchen seinen Gesang mit eigentümlichen Be- wegungen, indem es den Kopf herabsenkt, den Rücken erhebt und sich mit ausgestrecktem Körper hin- und herwiegt. Niemals singen ihrer zwei zugleich, sondern einer wartet stets den anderen ab. Im Zorn gibt der Gimpel einen starken schrillen Ton von sich und geht — 201 — mit halbgeöffnetem Schnabel und vorgestrecktem Kopfe zum Angritf". Während des Herbst- und Winterstriches sind die JMännchen und Weibchen in abgesonderten Scharen versammelt, während im Früh- jahr die beiden Geschlechter paarweise oder gemischt leben. In der Gefangenschaft paart er sich leicht mit anderen Finken- arten, wie Buchfinken und Kanarienvögeln. Den Gesang seiner Mitgefangenen ahmt er täuschend nach. Zurzeit des Frühlingszuges stürmt er sehr stark im Käfige herum und beschädigt sein Gefieder. Die Brtitezeit dieses Vogels ist nicht zusehr an eine Jahres- zeit gebunden. Gasparecz fand bei Tiszolcz am 9. Mai 1843 zwei Eier. Unter den in Pest gefangen gehaltenen brütete ein Pärchen im Mai, das zweite im Juni, das dritte gar im August, so dass die Jungen am 2. September ausfielen. Dasselbe charakterisiert auch die zweite Brut. Das Nest steht immer an einem finsteren, schattigen Orte. Die mit den nötigen Stofien versehenen Käfigvögel formen das Nest aus abgedrüclvtem Heu und füttern es mitPferdeharen und Schweinsborsten aus; auch der Nestrand wird mit Borsten eingeflochten; Federn werden zur Auspolsterung nicht verwendet. Die Eier legen sie erst in das bereits fertige Nest. Die Zahl der Eier ist fünf bis sieben, bei der zweiten Brut vier. Das Weibchen verfertigt das Nest allein und bebrütet die Eier gewöhnlich 14, bei grosser Wärme nur 12 Tage hindurch und ver- lässt während dieser Zeit das Nest am Tage ein- bis zweimal auf kurze Zeit. Am Auffüttern der Jungen beteiligt sich auch das Männchen. Ein Weibchen begann, als seine Jungen kaum neun Tage alt waren, schon das zweite Nest und legte sieben Tage später sclion wieder Eier. Kaum haben die Jungen das Fressen gelernt, so beginnt schon das Weibchen das Singen und fährt damit bis zur Frühlings- mauser fort. Das Ei ist 2,2 bis 2,3 cm lang, Ip bis 1,6 cm dick, ist dem des Buchfinken oder des Grünlings ähnlich, doch grösser. Von Ge- stalt ist es vollkommen oval; doch gibt es auch kurzovale Stücke. Die Grundfarbe ist ein feines, fahles Grünlichblau, manchmal mit schwachem braunrötlichem Anflug. Über demselben sind auf der ganzen Oberfläche zerstreute, doch auch öfters am dicken Ende einen Kranz bildende leberfarbige Flecke. Auf der obersten Schicht findet man eine glänzend schwarzbraune Schattierung aus je drei bis fünf — 202 — oder aber auch mehr klemeren oder grösseren Flecken, welche letzterenfalls am dicken Ende kranzförmig liegen. Die Grösse, Form und Färbung betreffend weist oft auch ein Gelege grosse Unterschiede auf. Unter den Gefangenen findet man häufig Farben Varietäten, welche aber die Zeichen eines krankhaften Zustandes und die Folgen der veränderten Lebensweise sind. Was ihre Nahrung betrifft, so lieben sie die Frucht der Hart- riegel ungemein; um Präskova frassen sie im Winter die Birken- kätzchen, ferner die Wildrosenknospen und die Hagebutten, um Turopolya aber lebten sie im März besonders von den Knospen der Zitterpappeln und anderer Bäume und Sträucher. Von den Beeren fressen sie nur die Samen, während sie das Fleisch fallen lassen. Ihr grösster Feind ist Accipiter nisus. Piiiicola rosea*) (Fall.) 1811, Roseiigiiupel. Passer roseus Fall.; Fringilla rosea Fall.; Linaria rosea Boje', Loxia Tubicilla Ould.; Corytus roseus Keys, und Blas. Ungarisch: Bözsaszin pirök. Artkennzcichen (nach Keyserling' und Blas.). Der Schnabel nicht hakenförmig; der Oberkiefer übergreifend; der graue Schwanz bis zur Mitte bedeckt; die erste Schwinge länger als die vierte; die grössten und die mittleren Flügeldecken bilden zwei lichte, bei alten Männchen weisse oder fast weisse, bei den Weibchen und Jungen weisslich gelbbraune Querstreifen; die Be- fiederung ist stets ziemlich rot; die rote Haube und Kehle des Männchens sind silberglänzend, die des Weibchens schmutzig grau- braunrot. Das Weibchen betreffend sagt Herr Gloger richtig, dass das- selbe am Halse und Rücken fast lerchenfarbig ist. Seine weiteren Kennzeichen könnte ich so geben: die herrschende Farbe gelblich braungrau, mit dunkelbraunen Längsflecken. Unterrücken und Bürzel mehr oder weniger mennigrot. Stirn, Vorderhals und oberer Teil des Kropfes fahl oder lebhaft mennigrot mit dunkelbraunen Flecken. Der Flügel rostig mennigrot, am Rande fahl überlaufen; der untere Querstreifen rostgelb, der obere gelblichweiss. *) Siehe den Vortrag Petenyis: Tud. Akademia Ertesitöje X, 1850, S. 299 bis 314. — 203 — Das am 1. Dezember 1850 am Svabhegy bei Buda gefangene Weibchen mass: Länge 15 cm; Schwanzlänge 6 cm; Schnabel 1,1 cm; Lauf 2 cm; Mittelzehe 1,5, Kralle 0,5 cm lang. Der Schnabel am Grunde dick, breit und hoch, nur wenig gekrümmt, etwas dem des Gimpels ähnlich, von Farbe etwas ins Rötliche ziehend, horngraubraun, mit schwarzer Spitze. Die vorn etwas spitzigen Nasen- löcher werden durch die schwarzbraunen Borstenfedern fast überdeckt. Iris dunkelbraun. Der Fuss rötlich braungrau, die Krallen schwarz, aber mit Spuren von Rot. Die herrschende Farbe ist gelblich graubraun, mit mennigroten und dunkelbraunen Längsflecken. Der Scheitel ist bräunlich graurot, mit dichten dunkelbraunen Flecken, besonders an der Stirne stark ins Gelbliche spielend; die Kopfseiten sind ähnlich, doch fahler, mit weniger Rot und nur braun gestrichelt; der ganze Rücken mit Schwarzbraun und Gelblichbraungrau in die Länge gefleckt, da alle Federn zweidrittel dunkel, am Saume aber licht sind, mit Spuren von Rot. Am graubraunen Genick und Hals dunkel- braune Flecken und dunkelgelbliche Linien; Unterrücken und Bürzel dunkel karmesinrot, ersterer mit lichten, letzterer mit verwaschenen bräunlichen Flecken; die Flügeldecken rötlich graubraun, mit lichteren roten Säumen; Kinn graulich gelbrötlich; Kehle, Kropf und Brust auf gelblichgrauem Grunde stark bräunlich rostrot, welch letztere Färbung einen von den Mundwinkeln bis zur Brust herabreichenden dunklen Streif bilden; Unter- körper sonst schmutzig gelblichweissgrau, kaum sichtbar rötlich angeflogen. Die Schenkelbefiederung schmutzig grauweiss, die Unterschwanzdecken gelb- lich grauweiss, mit wenig sichtbaren graubraunen Flecken; der Schwanz oben dunkelbraun, mit rötlich weissen , an der Spitze mit rein weissen Ein- fassungen. Die Schwingen graulich dunkelbraun, die der dritten Ordnung seitlich mit Rotbraun, an den Spitzen schmal braunrotweiss eingefasst; die letzten Schwingen wie auch die Flügeldecken erster Ordnung tragen breite lichtrötlich-gelbbraune Säume, die Decken zweiter und dritter Ordnung aber ebensolche Endflecken, doch mit schmutzigbräunlichem Anflug; Flügelrand grau, fahl gelbrot gefleckt; Flügelinnenseite braungrau; innere Flügeldecken graulichweiss. Dieses Exemplar wurde am benannten Berge mit Grimpeln ge- fangen, starb aber im Käfig bald. Pinieola erythrinus (PaH.) 1811, Karmiiigimpel. Loxia erythrinus. Ungarisch: Karmazsin pirök. Das erste Exemplar fand in Ungarn — meines Wissens — mein Schüler Georg Reiner 1845 bei Ujleszna in einem Dorfgarten. — 204 — Es Avar ein schönes Männchen, das er unerkannt in seiner Sammlung aufstellte. Als ich am 2o. August 1846 bei ihm weilte, erkannte ich den Vogel. Ein zweites, ebenfalls altes Männchen fand in Tiszöcz mein anderer Schüler Johan Gasparecz, auch in einem Dorfgarten, wo dieser Vogel brütete und gefangen wurde. Von diesem Exemplar, das er mir am 18. Juli 1846 schenkte, schreibt er folgendes: „Die Länge des Vogels ist 13,8 cm; der wenig hakenförmige Schnabel gelblich horngrau; seine Füsse hornfarben; von den 18 Schwingen die zweite am längsten, die siebente und sechzehnte gieichlang; die Flügel erreichen kaum die Mitte des zwölffedrigen, ausgeschnittenen, 5,3 cm langen Schwanzes."*) Das Weibchen ist zeisiggrün, Rücken, Flügel und Schwanz schmutzig rötlich angeflogen. Er hielt sich hoch in den Bäumen auf, liess sich manchmal auch auf dem Hausdache nieder; er fliegt sehr leicht und lässt un- aufhörlich sein „tui-tiu" „tui-tiu" hören. Gasparecz erblickte die beiden Karmingimpel zum erstenmale am Dache des Friedhofs- gebäudes, gerade im Moment ihrer Paarung. Das Nest, w^elches aus ähnlichen Materialien, wie ein Buchfinkennest, aber weniger kunst- voll gebaut Avar, stand auf einem Birnbaum in etAva Klafterhöhe. Das Männchen zwitscherte immerfort, war sehr lebhaft, veränderte seinen Ort fast jede Minute, entfernte sich vom Neste auf 300 bis 400 Schritt und suchte die Sämereien in Gemüsegärten und auf Äckern. J. Zachar, Professor in Eperjes, der schon 1846 behauptete, dass dieser Vogel bei Finta — oberhalb Eperjes -— vorkommt, meldet heuer — 1847 — abermals, dass diese Art an dem erwähnten Orte sogar schon ihre Jungen fütterte, die aber später umkamen. Die Alten sind nach ihm auch am Rücken derart rot, dass man sie von den Hänflingen schon dadurch unterscheiden kann. Loxia curvirostra L. 1758, Fichteiikreiizscliiial)el. Ungarisch : Keresztcsm: Färbung des alten Männchens. Der Schnabel ist dunkelbräunlich horngrau, mit lichteren Säumen; Iris dunkelbraun; der Fuss etwas ins Röt- liche ziehend dunkelbraungrau. Die Hauptfarbe ist miniumrot, welches am Unterrücken und Bürzel am reinsten, am Kopfe aber mit gelben Feder- spitzen gemischt ist; am Oberrücken und an der Schulter zieht die *) Die nähere Beschreibung dieses Männchens ging verloren. T. Cs. — 205 — Miniumfarbe ins Bräunlichgrüne ; die dunkelbraunen Oberschwanzdecken sind rötlicligellj eingefasst; Bauch und Schenkel graulichschwarz; die Unter- schwanzdecken grau, mit schwarzen Flecken; Flügel und Schwanz braun- schwarz, die längsten Schwingen graugelb, die Schwanzfedern aber rötlichgelb gesäumt; die grössten Oberflügeldecken schwarzbraun, mit gelben Einfassungen; Flügelinnenseite grau; die Unterflügeldecken rot und gelb gesäumt. Das junge Weibchen bekommt nach der ersten Mauser an der Brust und den Körperseiten grünlichgelbe Federn mit durchscheinenden dunkelaschgrauen Grundflecken; ebenso ist auch der Rücken samt Bürzel gefärbt, letzterer am reinsten und lichtesten; Scheitel und Gurgel dunkel- aschgrau; Kopf und Rumpf Seiten gelb angehaucht. Masse (auf Grund der am 13. Februar 1837 bei Tätrafüred erlegten Stücke): Altes Männchen lang 16,4 bis 17, breit 29,5 bis 31 cm; altes Weibchen lang 16,4, breit 29,5 cm. Die Vogelfänger benennen den Kreuzschnabel auf Grund der Locktöne verschiedenartig: „Tjukler", „Fikler", Tschokler" und „Tritschler". Die Slovaken von Ürvölgy und Beszterczebanya be- nennen ihn „Kvetak". Dieser Zigeunervogel der Fichtenwaldungen macht von Zeit zu Zeit grosse Wanderungen. AVo er dann so viele Fichtenzapfen findet, dass sie zur Ernährung der Jungen genügen, dort baut er sein Nest. Im Jahre 1847 brütete er in Körmöczbanya, in Türöcz und auch anderorts. In den Nadelwaldungen der Nordkarpathen ist er das ganze Jahr hindurch zu finden, er brütet also auch; in der ganzen Szepesseg, besonders am Javorina, traf ich ihn sehr oft an. Mit seiner unbestimmten Brütezeit steht auch die Erscheinung in enger Verbindung, dass man in dem Entwicklungsgrad der Hoden der zu gleicher Zeit erlegten Männchen bedeutende Unterschiede findet. Sie klettern geschickt, hängen oft an den Fichtenzapfen und Ästen herab; von den Fichten sind ihnen Schnabel, Füsse, oft auch die Federn, mit Harz bedeckt. Sie singen leise, aber angenehm. Auf sandige, kieselige Plätze fiiegen sie in Gesellschaften. W^o sie eine Zeitlang in Frieden lebten, werden sie sehr zahm und kommen wieder auf denselben Baum zurück, von welchem schon ihrer mehrere herabgeschossen wurden. Nach wiederholten Be- unruhigungen werden sie aber vorsichtig und stellen einen als Wache auf, auf dessen Ruf alle auffliegen. Wo es an Nadelbäumen mangelte, flogen sie auf die Pappeln, wo sie Samen oder auch Knospen suchten. Im Jahre 1845 frassen sie um Czinkota die Sonnenblumenkerne am liebsten. — 206 — Auf Leimruten ist er leicht zu fangen und liiilt im Käflg lange aus; er ist verträglich und wird bald zahm. Nur muss der Käfig geräumig und hoch sein, da er immer an den Seiten und an der Decke herumklettert. In feuchten Wohnungen geht er bald zugrunde, wie ich das bei der Überschw^emmung von 1838 bis 1839 beobachtete. Bei dieser Gelegenheit starben auch die in Käfigen gehaltenen Sylvien, Meisen, Finken und Wachteln, doch die Stare, Drosseln und Lerchen blieben am Leben. Loxia pytiopsittaeiis Bechst.*), Kieferiikreiizscliiia1)eL Der Unterkiefer ragt bei Loxia curvirostra bedeutend über den Oberkiefer hervor, bei dieser Art kaum; die Flügelspitze überragt beim vorigen die Schwanzspitze nicht, wohl aber bei diesem. Nach Angabe der Körmöczbänyaer Vogelfänger kommt dort diese Art manchmal vor, und zwar von September bis Anfang November. Einer meiner Schüler fing am IL September 1846 ein Exem- plar bei der Burg Szepes-Lipcse und liess dasselbe in Besztercze durch Rokosz präparieren. Dieser Vogel fiel durch seinen kräftigen Ton auf, war vorsichtig und schien in jener Gegend sehr bewandert zu sein; es scheint, dass er den ganzen Sommer dort verbracht hatte. Loxia l)ifasciata (Brchm.) 1837, Zweibiiidiger KreuzschiialieL Ungarisch: Szalagos keresztcsör. Die Flecken seiner Oberflügeldecken bilden zwei w^eisse Quer- bänder. Die Vogelfänger von Körmöcz behaupten, dass dieser Vogel in den dortigen Nadelwäldern oft und in grosser Anzahl erscheine, doch nie im Winter, sondern nur von Ende Juni bis Ende August. 184.5 wurden in Beszterczebänya viele gefangen; am 2. Januar 1846 fand ich bei meinem Freund Rokosz zwei Exemplare, ein lebhaft rotes und rötlichgelbes Altes und ein grünlichgraues, in die Länge ge- flecktes Junges. ImKäfig benimmt er sich gerade so wie der gewöhnliche Kreuzschnabel und klammert sich auch mit seinem Schnabel an. Coccothraustes coccothraustes (L.), Kirschkeriibeisser. Coccothraustes vulgaris Fall. *) St. von Chernel hält diese Form nur für die Subspezies der L. curvirostra, da jene Kopfgruppe, welche Naumann zum Artikel Brehms zeichnete („Naumannia" 1853) eine vollständige Kette der Übergänge bildet. Siehe: Chernel I. „Magya- rorszäg madarai, S. 618. T. Cs. ~ 207 — Ungarische volkstümliche Bennungen: Kosarjü, Kosoll 6, Husollö, Kosorrü vezeb. In den Gebirgsgegenden Ungarns bewohnt er vorzüglich die Buchen- und Ahornwälder. Im Sommer und im Herbst besucht er die Dorfgärten mit seinen schon flüggen Jungen und frisst neben Sämereien auch Kirschen und Zuckererbsen. Durch seine Gefrässig- keit wird er, wie auch der Grünling, schädlich; während des Fütterns seiner Jungen schält er meist die noch grünen Kirschen und verschwendet dabei ungemein viel. Die im Jahre 1834 in Nögräd Überwinternden nährten sich von Bucheckern und Eicheln, sowie anderen Samen. Schon Mitte März beginnt er seinen leise und melancholisch tönenden, nicht ge- rade unangenehmen Gesang. Oft zwitschern — nach Art der Stare — ganze Scharen gemeinschaftlich. Calearius nivalis (L.), Sdiiieeammer. Artkeuuzeicheu. Die mittleren Schwingen grösstenteils, die der ersten Ordnung aber oft an ihrem Grunde weiss; die Decken der Schwingen erster Ordnung grösstenteils schwarz; Unterkörper weiss; die letzten zwei bis drei schwarzen Schwingen mehr oder weniger rostbraun ein- gefasst. Der junge Vogel hat am geschlossenen Flügel zwei weissliche Binden und einen weissen Längsstreif; der ältere eine weisse Binde und einen grösseren weissen Längsstreif; bei sehr alten sind die Schwingen der ersten Ordnung zweidrittel Aveiss. Vorkommeu, Eig'enschaften. Dieser nördliche Vogel erscheint sozusagen allwinterlich in Ungarn und bewohnt besonders die hohen Berge und die Täler Ober- ungarns. Die meisten Daten besitze ich jedoch aus den sandigen Teilen des Pester Komitats, wo dieser Vogel im Mist der Landstrassen und zwischen dem reich wachsenden Unkraut hinreichend viele Samen findet. 1846 war er schon Ende November und im Dezember nicht selten, obAvohl der Winter ein gelinder Avar. Am 21. November 1853 wurden in der Nähe von Pest drei Stück erlegt, in deren Magen ich ausser Sämereien auch Wasserkäfer fand; folglich lebt diese Art im Sommer Avohl hauptsächlich von Insekten. — 208 — Calearius lappoiiieus (L.). Lercheiisponiainiiioi". Die Masse eines 1838 bei Pest gefangenen und bis zum 14. August 1840 im Käfig gehaltenen Weibchens sind: Länge 15,2; Breite 25,7; SchAvanzlänge 6,1; Lauf 1,9; Sporn 1,3 cm lang.*) Der 1 cm lange und am Grunde 0,65 cm hohe Schnabel ist oben und unten kegelförmig, mit eingezogener Kante und nach aus- wärts gedrängter Mundspalte; im Inneren mit einem kleinen Höcker. Diese Schnabelform bildet den Übergang zum Finkensclmabel. Mit Finkenarten in einen Käfig geschlossen, lebte dieses Weibchen von Hanfsamen, Hirse und anderen Sämereien, doch auch Ameisen- eier frass es gerne. Es ging an Legenot ein. Eiiiberiza citriiiella L.. (roldaiiimer. Ungarisch : Czitrom-särmäny. Yorkommeu, Eigenschaften. In sämtlichen buschigen, besonders bergigen und bewaldeten Gegenden Ungarns ein gewöhnlicher Vogel. Er ist einer unserer Standvögel, der sich zur Winterszeit in die Nähe der menschlichen Wohnungen zieht und seine Nahrung auf Dreschplätzen, Misthaufen und auf den Höfen zusammensucht. Er ist zutraulich, anspruchslos und unter seinen Artgenossen der nützlichste. Das Nest baut er gewöhnlich sehr niedrig, neben einem Baum- stumpf auf der Erde, in einem Busch oder zwischen dem Gras, in- wendig mit dünnen Wurzeln, Ziegen- oder Rosshaaren ausgefüttert und von aussen mit Grashalmen ausgelegt. In dieses legt er seine vier bis fünf auf weissem Grunde leberfarbig marmorierten und schwarz punktierten und bekritzelten Eier, und zwar die ersten Anfang April, die zweiten Anfang Juni. An warmen Wintertagen lässt er schon im .Januar und Februar sein anspruchsloses Lied hören. Man kennt mehrere Farben Varietäten. 1840 kaufte ich ein altes Männchen, dessen Kopf und Hals mit Aveissen Federspitzen gemischt kanariengelb war, ferner waren auch Flügel, Bürzel und Schwanz stark mit Gelb oder Gelbweiss gemischt. Nach dreijähriger Gefangenschaft blasste die gelbe Farbe stark ab. *) Die Länge des Spornes (bei C. nivalis max. 1,2 cm) schliesst eine etwaige Verwechslung mit Nivalis aus. In die Fauna Ungarns war diese Art bis heute nicht aufgenommen. T. Cs. — 209 — Ich fand auch em Weibchen, dessen Rücken weisslichgrau und bei dem die grünlichbraune Farbe nur als ein Hauch vorhanden war. Auch zum Teil oder ganz weissschwänzige Exemplare sind nicht selten. Emberiza hortulaiia L. 1758, Gartenammer. Ungarisch: Kerti särmäny. Torkominen, Eigenschaften. Diese nicht besonders glücklich benannte Art kommt aus Süd- europa, aus Italien, Frankreich und der südlichen Schweiz nach Ungarn — spät, Ende Mai — und brütet hier nur einmal. Ein zu- traulicher, träger Vogel. Auf einer Astspitze, einem Weinrebenpfahl sitzt er oft lange und lässt seinen angenehm klingenden Gesang hören. Er zieht früh von uns weg. Im Magen eines im Mogyoröder Walde erlegten Exemplares fand ich die grünen Raupen eines Spanners (Geometra). Nisten. Er pflegt an buschigen und mit Eichenwäldern bewachsenen Stellen und in Wäldern naheliegenden Weinbergen zu nisten, so in der Mitte, im Süden und Südosten Ungarns. Im ganzen Pester Komitat ist er nicht selten, und je mehr Hügel vorhanden sind, in desto grösserer Zahl erscheint er. Ich fand ihn bei Väcz, Bucla.und auch bei Czinkota. Sein Nest findet man — wie das des Goldammers — auf ab- wechslend mit Wäldern und Wiesen bedeckten Hügeln, gewöhnlich am Waldrand oder in dessen Nähe unter Büschen, zumeist in einer kleinen Vertiefung. Es ist aus trockenem Gras oder Blättern ge- baut und mit Gräsern, Wurzeln und Rosshaaren ausgefüttert. Nie fand ich es — wie das Schinz behauptet — an Flüssen, Teichen oder Sümpfen; im Gegenteil ist in der Gegend der Nester am Budaer Szechenyi-Berge selbst eine Quelle kaum vorhanden. Unter jenen fünf Eiern, die ich am 2. Juni 1851 aus den Czinkotaer Weingärten erhielt, sahen vier folgendermassen aus: Länge 1,97 bis 2,1, Dicke 1,.54 bis 1,65 cm; in der Gestalt den kürzeren Goldammereiern ähnlich, kurzoval, an beiden Enden stumpf, vor dem dickeren Ende am breitesten. Unter den ungarischen Ammer- arten hat diese die kleinsten Eier. Die Schale ist dick, fein porös, glatt, schwach glänzend. Die Grundfarbe ist graulich-rötlich, etwas Petenyi, Ornithologische Fragmeute. 14 — 210 — ins Bräunliche ziehend, überall mit aschgrauen und violettgrauen Flecken, Punkten und Schnörkeln, welche am dickeren Ende am dichtesten liegen und manchmal ins Tintenblaue übergehen; endlich sind noch auf der ganzen Oberfläche zerstreute lichtumfasste tinten- schwarze, runde, nierenförmige oder arabischen Ziffern ähnliche Flecke sichtbar. Nach dem Ausblasen verbleichen die Farben ein wenig. Emberiza sehoeiiiclus L. 1758, Rohraiumer. Ungarisch: Nddi särmäny. Die Röhrichte verlässt er im Sommer überhaupt nie, auch im Winter nur durch Hunger gezwungen. Auf den Spitzen der Rohr- halme sitzt er oft lange und klaubt dann die ausgeschlagenen Samen auf der Erde, im Winter auf dem Eis zusammen. Als ein sehr ge- selliger Vogel geht er stets wenigstens paarweise; für die Nacht fliegt er scharenweise in das Röhricht. Obwohl Standvogel, zog er im Winter 1842 bis 1843 trotz gelinder Witterung aus der Pester Umgebung ab und flog wahrscheinlich in grössere Röhrichte. In seiner einfachen Lebensweise ähnelt er dem Grau- und dem Goldammer vielfach; wie letzterer, richtet auch er manchmal seine Kopffedern zu einer Haube auf. Sein Nest baut er gewöhnlich an den mit Rohr, Schilf, Binsen, niedrigen Weidenbüschen bewachsenen Sumpfufern. Nistend fand ich ihn im ,Tuni 1833 bei Peszer, dann am 22. Mai 1846 an den Ufern der Sümpfe zwischen Szt.-Märton und N.-Käta, und zwar mit Budytes flavus gemeinschaftlich brütend. Emberiza ealaiidra L. 1758, Orauammer. Ungarisch: Kölesi särmäny; Surdely. Diese Art ist im nördlichen Teil Ungarns ein Zug-, in den südlicheren Gegenden aber ein Standvogel. Er nistet auf Wiesen, Fruchtäckern, Erdäpfel- und Maisfeldern unter Büschen oder zwischen dem Grase. In der Paarungszeit fliegt er mit herabhängenden Füssen und hochgehobenen Flügeln hin und her. Schon im Herbst erscheint er auf den Hirsenfeldern und Brach- äckern, und im Winter sucht er seine Nahrung an den Strassen und in der Nähe der Häuser; vor einer grösseren Kälte zieht er stets mehr nach Süden. Im Wiener Naturalien-Kabinett sah ich eine rotbräunlich-weisse Varietät. — 211 — Eml)oriza eia L. 1766, Zipammer. Im Jahre 1844 erhielt ich aus Deva drei Männchen und ein Weibchen. Er kommt auch im Komitat Krassö-Szöreny vor; im Juni 1 840 schickte man mir ein seine Jungen fütterndes Exemplar, welches oberhalb Mehadia im Cserna-Tale erlegt worden war. Daselbst sah man zwischen dem 8. und 16. Mai diesen Vogel oft, als er sein Nest baute; er war gewandt und vorsichtig, da er, falls er sich beobachtet fühlte, den Strohhalm oft stundenlang nicht ins Nest hineintrug. Nogell sah diese Art 1848 in Kleinasien um Amasia herum oft. 14=* Gen.: Alaiida L. 1758, Lerclieii. Creschlechts-Keimzeiclieii. Der ziemlich lange Flügel besteht aus 19 Schwingen, deren erste klein ist; die folgenden drei am längsten; die zweite und dritte, oder zweite und vierte, oder zw^eite, dritte und vierte gieichlang. Anmerkung: Jener Umstand, dass Otocorys alpestris nur 18 Schwungfedern hat, beweg mich 1830, dass ich in Okens „Isis" unter Niphophilus-Schneelerche ein neues Genus aufstelle. Auch Brehm separierte diese Form unter Phileremos. Der Schwanz der Lerchen ist gew^öhnlich ausgeschnitten. Ihr Rücken trägt die bekannte lerchengraue Farbe. Sie halten sich zumeist auf der Erde auf, laufen schnell und schreitend, fliegen leicht; manche singen im Fluge; ihr Gesang ist angenehm, flötend. Ausser der Brutzeit leben sie gern in Scharen; oft schlagen sich auch verschiedene Arten zusammen. Ihr einfaches Nest bauen sie sich auf der Erde; sie sind, die Haubenlerche aus- genommen, Zugvögel. Sie nähren sich im Sommer von Insekten, im Winter von Sämereien. Sie baden sich im Staube; nach dem Geschlecht sind sie nicht verschieden, auch nach Alter und Jahres- zeit nur wenig. Alaiida arveiisis L. 1758, Feldlerche. Ungarisch: Mezei pacsirta. Länge 18,5 bis 19,7 cm; Breite 34 bis 3